Weiterbildung Bürokauffrau
Wer den Beruf der Bürokauffrau beziehungsweise des Bürokaufmanns erlernt hat, verfügt über eine breite kaufmännische Grundlage und beste Voraussetzungen, um sich weiterzuentwickeln. Bürokaufleute sind Allrounderinnen und Allrounder im Büro, doch der Arbeitsmarkt verlangt heute mehr als solide Grundkenntnisse. Eine gezielte Weiterbildung für Bürokaufleute verbessert die Karrierechancen spürbar, sichert das Einkommen und ermöglicht einen nachhaltigen Aufstieg – vom Sachbearbeiter bis in die Team- oder Abteilungsleitung.
Wichtig zu wissen: Der Ausbildungsberuf Bürokaufmann beziehungsweise Bürokauffrau wurde 2014 durch den Kaufmann für Büromanagement ersetzt, der mehrere frühere Büroberufe in sich vereint. Wer bereits als Bürokauffrau ausgebildet ist, behält seinen anerkannten Abschluss selbstverständlich und kann darauf aufbauen. Dieser Ratgeber zeigt, welche Weiterbildungen sich anbieten, wie sie ablaufen, was sie kosten und wie sich die Kosten über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter fördern lassen. Eine Beratung beim Arbeitsamt kann sich lohnen und auf die eine oder andere Fördermöglichkeit aufmerksam machen.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Bürokaufleute können zwischen Anpassungsqualifizierungen (z. B. Buchhaltung, Personal, Projektmanagement) und höherwertigen Aufstiegsfortbildungen wie Fachwirt oder Betriebswirt wählen.
- Die IHK-Aufstiegsfortbildungen bauen aufeinander auf: vom Wirtschaftsfachwirt (Bachelor Professional) bis zum Betriebswirt (Master Professional).
- Bei Arbeitslosigkeit fördert die Agentur für Arbeit Weiterbildungen über den Bildungsgutschein (§ 81 SGB III), Beschäftigte über das Qualifizierungschancengesetz.
- Aufstiegsfortbildungen (Fachwirt, Betriebswirt, Bilanzbuchhalter) werden über das Aufstiegs-BAföG mit einkommensunabhängigem Zuschuss und günstigem Darlehen gefördert.
- Die Dauer reicht von wenigen Tagen (Anpassungskurs) bis zu 18-24 Monaten berufsbegleitend; Vollzeit, Teilzeit und Fernlehrgang sind möglich.
Das Berufsbild Bürokauffrau bietet vielseitige Perspektiven
Bürokauffrauen und Bürokaufmänner sind in der Bürowirtschaft zuhause und widmen sich dort unterschiedlichsten kaufmännischen Tätigkeiten. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Auftragsbearbeitung, das Rechnungswesen, die Korrespondenz, das Beschaffungswesen sowie Aufgaben im Personalwesen und Marketing. Sie organisieren Büroabläufe, verwalten Termine und Dokumente und bilden damit das Rückgrat vieler Unternehmen. Da das Berufsbild seit 2014 durch die Kauffrau beziehungsweise den Kaufmann für Büromanagement abgelöst wurde, orientieren sich neue Weiterbildungen häufig an diesem aktuellen Profil – die inhaltliche Nähe ist jedoch sehr groß.
An beruflichen Perspektiven mangelt es Bürokaufleuten nicht. Sie finden in nahezu jeder Branche Beschäftigung, ebenso in der öffentlichen Verwaltung. Je nach Einsatzbereich, Region und Berufserfahrung variiert das Einkommen. Im Allgemeinen bewegt sich das durchschnittliche Bruttojahresgehalt zwischen rund 26.000 Euro und 36.000 Euro; wer eine Aufstiegsfortbildung abschließt und Verantwortung übernimmt, kann deutlich darüber liegen. Genau hier setzt eine gezielte Weiterbildung an: Sie hebt die Qualifikation, öffnet neue Aufgabenfelder und macht Bürokaufleute für höhere Positionen attraktiv.
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Anpassungsqualifizierungen halten Bürokaufleute auf dem aktuellen Stand
Als Bürokauffrau beziehungsweise Bürokaufmann verfügt man über einen anerkannten Berufsabschluss und kann auf diesem die weitere Laufbahn aufbauen. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Richtungen: die Anpassungsqualifizierung, die vorhandenes Wissen auffrischt und erweitert, und die Aufstiegsfortbildung, die zu einem höheren Abschluss führt. Anpassungsqualifizierungen haben für Bürokaufleute einen hohen Stellenwert, weil sich Software, Rechtslage und Arbeitsmethoden im Büro ständig verändern. Es handelt sich um Seminare und Kurse von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen, die Fachwissen gezielt vertiefen. Die folgenden Themen bieten sich besonders an:
- Büroorganisation und Sekretariat
- Bürotechnik und moderne Office-Software (MS Office, ERP, DATEV)
- Geschäftskorrespondenz und Kommunikation
- Projektmanagement
- Finanz- und Rechnungswesen sowie Buchhaltung
- Personalwesen und Entgeltabrechnung
- Verwaltung und Vertragsrecht
- Marketing, PR und Social Media
Solche Kurse eignen sich hervorragend nach der Rückkehr aus einer Elternzeit, bei einem Branchenwechsel oder um sich für neue Aufgaben zu empfehlen. Sie lassen sich meist gut mit dem Beruf vereinbaren und sind vergleichsweise günstig. Wer arbeitslos gemeldet ist, kann auch eine Anpassungsqualifizierung über einen Bildungsgutschein fördern lassen, sofern die Maßnahme die Wiedereingliederung unterstützt.
Aufstiegsfortbildungen ebnen den Weg zu höheren Positionen
Wer ohne Umwege auf der Karriereleiter aufsteigen möchte, braucht einen höheren beruflichen Abschluss und trifft daher mit einer Aufstiegsfortbildung die richtige Wahl. Diese öffentlich-rechtlich geregelten Abschlüsse werden meist vor der IHK abgelegt und sind bundesweit anerkannt. Sie bauen aufeinander auf: Der Fachwirt ist auf dem Niveau des Bachelor Professional angesiedelt, der geprüfte Betriebswirt auf dem Niveau des Master Professional. Damit stehen sie akademischen Graden im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) gleich. Für Bürokaufleute besonders beliebt sind:
- Wirtschaftsfachwirt/in (branchenübergreifend, DQR-Niveau 6)
- Fachwirt/in für Büro- und Projektorganisation
- Fachwirt/in – Personaldienstleistung
- Fachwirt/in – Verwaltung
- Fachkaufmann/-frau – Personal
- Geprüfte/r Bilanzbuchhalter/in
- Betriebswirt/in – Kommunikation und Büromanagement
- Geprüfte/r Betriebswirt/in (DQR-Niveau 7)
Der typische Karrierepfad sieht so aus: Nach einigen Jahren Berufspraxis absolvieren Bürokaufleute zunächst einen Fachwirt, sammeln weitere Erfahrung und Führungsverantwortung und setzen anschließend den geprüften Betriebswirt obendrauf. Wer sich fachlich spezialisieren will, wählt statt der breiten Führungsqualifikation eine vertiefende Richtung wie Controlling oder Personalmanagement. Aufstiegsfortbildungen sind über das Aufstiegs-BAföG förderfähig – dazu weiter unten mehr.
Ein berufsbegleitendes Studium öffnet den akademischen Weg
In Zeiten zunehmender Akademisierung sollten ambitionierte Bürokaufleute nicht nur an klassische Weiterbildungen denken, sondern auch ein berufsbegleitendes Studium ins Auge fassen. Wichtig: Auch ohne Abitur ist ein Studium möglich, denn eine abgeschlossene Berufsausbildung plus Berufserfahrung eröffnet in allen Bundesländern den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte.
Neben dem Beruf lässt sich per Fernstudium, Abendstudium oder anderweitigem Teilzeitstudium ein grundständiger Bachelor oder ein weiterführender Master erwerben – mit international anerkanntem akademischem Grad. Ein Fernstudium bietet dabei das höchste Maß an Flexibilität. Besonders passend für Bürokaufleute sind:
- Betriebswirtschaftslehre (BWL)
- Wirtschaftswissenschaften
- Business Administration
- Personalmanagement / Human Resources
- Handelsbetriebswirtschaft
- Wirtschaftspsychologie
Ein Studium ist zeitlich anspruchsvoller als eine IHK-Fortbildung, eröffnet aber Positionen, die ausdrücklich einen Hochschulabschluss verlangen. Wer unsicher ist, fährt mit einem Fachwirt oder Betriebswirt oft schneller und günstiger zum Ziel – beide Wege führen in verantwortungsvolle Aufgaben.
Für die meisten Weiterbildungen gelten klare Voraussetzungen
Anpassungsqualifizierungen sind in der Regel offen zugänglich; hier genügt meist der Berufsabschluss oder einschlägige Praxis. Bei den Aufstiegsfortbildungen gelten dagegen festgelegte Zulassungsvoraussetzungen. Für den Wirtschaftsfachwirt beispielsweise wird typischerweise eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung plus einige Zeit Berufspraxis vorausgesetzt; wer keine Ausbildung hat, kann über mehrjährige einschlägige Berufserfahrung zugelassen werden.
Für den geprüften Betriebswirt ist zunächst ein Fachwirt- oder vergleichbarer Fortbildungsabschluss nötig. Die genauen Bedingungen legt die jeweilige Prüfungsordnung der IHK fest. Wer eine Förderung über die Agentur für Arbeit anstrebt, sollte zusätzlich beachten, dass die Maßnahme und der Anbieter nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sein müssen. Es lohnt sich, die Voraussetzungen frühzeitig zu prüfen, damit die Weiterbildung reibungslos anerkannt und gefördert wird.
Dauer und Ablauf richten sich nach der gewählten Lernform
Wie lange eine Weiterbildung dauert, hängt stark vom Abschluss und vom gewählten Format ab. Eine kurze Anpassungsqualifizierung ist in wenigen Tagen erledigt, eine Aufstiegsfortbildung nimmt je nach Lernform mehrere Monate bis zu zwei Jahre in Anspruch. Vollzeitlehrgänge sind am schnellsten, verlangen aber die volle Zeit; berufsbegleitende Teilzeit- oder Fernlehrgänge dauern länger, lassen sich dafür mit Beruf und Familie vereinbaren. Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Formate ein:
Der Ablauf einer Aufstiegsfortbildung folgt einem klaren Muster: Zunächst werden die geforderten Lerninhalte in Modulen vermittelt, anschließend erfolgt die Prüfung vor der IHK. Fernlehrgänge kombinieren Selbststudium mit Online-Seminaren und gelegentlichen Präsenzphasen. Da immer der richtige Zeitpunkt für eine zusätzliche Qualifizierung ist, lohnt es sich, früh zu beginnen und die Lernform passend zur eigenen Lebenssituation zu wählen.
Bildungsgutschein und Aufstiegs-BAföG senken die Kosten deutlich
Die Kosten einer Qualifizierung sollten ambitionierte Bürokaufleute nicht von der Teilnahme abhalten. Eine kurze Anpassungsqualifizierung kostet oft nur wenige hundert Euro, ein kompletter Fachwirt-Lehrgang je nach Anbieter zwischen rund 2.500 und 5.000 Euro, ein Betriebswirt entsprechend mehr. Für nahezu jede Situation gibt es jedoch eine passende Förderung, sodass Teilnehmende selten den vollen Betrag selbst tragen.
- Bildungsgutschein (§ 81 SGB III): Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann die Weiterbildung über die Agentur für Arbeit vollständig finanziert bekommen – inklusive Lehrgangs- und Prüfungsgebühren sowie Fahrtkosten.
- Qualifizierungschancengesetz: Auch Beschäftigte können über die Agentur für Arbeit gefördert werden, wenn die Weiterbildung über eine rein arbeitsplatzbezogene Anpassung hinausgeht.
- Aufstiegs-BAföG: Für Fachwirt, Betriebswirt oder Bilanzbuchhalter greift das Aufstiegs-BAföG. Es übernimmt einkommensunabhängig einen großen Zuschussanteil der Lehrgangs- und Prüfungskosten; der Rest läuft über ein zinsgünstiges KfW-Darlehen, das bei bestandener Prüfung teilweise erlassen wird.
- Weiterbildungsgeld: Wer Grundsicherungsgeld bezieht und eine geförderte Weiterbildung macht, erhält zusätzlich 150 Euro monatliches Weiterbildungsgeld sowie mögliche Erfolgsprämien.
Beispielsweise über das Arbeitsamt hat man mitunter Zugang zu einer Förderung wie dem Bildungsgutschein. Ein Termin bei der Weiterbildungsberatung des Arbeitsamts kann sich also wortwörtlich bezahlt machen. Wichtig zu wissen: Wer aus dem Grundsicherungsbezug heraus einen Minijob ausübt (bis 603 Euro monatlich, Stand 2026), darf einen Teil des Verdiensts behalten, ohne die Förderung zu gefährden. Reicht die staatliche Förderung im Einzelfall nicht aus, bleiben Ersparnisse, Ratenzahlung, ein Bildungskredit oder ein Stipendium als ergänzende Optionen.
Weiterbildung zahlt sich beim Gehalt und in der Karriere aus
Eine Weiterbildung ist eine Investition, die sich in der Regel auszahlt. Während eine gelernte Bürokauffrau im Mittel zwischen 26.000 und 36.000 Euro brutto im Jahr verdient, liegt ein geprüfter Wirtschaftsfachwirt häufig bei 38.000 bis 48.000 Euro, ein geprüfter Betriebswirt oder Bilanzbuchhalter nicht selten deutlich darüber. Neben dem höheren Gehalt zählen weitere Vorteile: mehr Verantwortung, Führungsaufgaben, ein sichererer Arbeitsplatz und bessere Chancen bei der Jobsuche.
Aus der Position der Bürokauffrau lassen sich mit den passenden Qualifikationen unter anderem folgende Rollen erreichen: Teamleitung im Backoffice, Sachbearbeitung mit Spezialisierung (etwa Lohnbuchhaltung oder Einkauf), Assistenz der Geschäftsführung, Personalreferent oder – nach dem Betriebswirt – Abteilungsleitung. Wer zusätzlich Interesse an Zahlen mitbringt, findet im Rechnungswesen und Controlling attraktive und krisensichere Aufgaben. Die Weiterbildung ist damit weit mehr als ein Zertifikat: Sie ist der Schlüssel zu einer planbaren beruflichen Entwicklung.
Anbieter und AZAV-Zulassung entscheiden über die Förderfähigkeit
Bürokaufleute profitieren von einer großen Auswahl an Anbietern. Weiterbildungen offerieren vor allem die Industrie- und Handelskammern (IHK), Fachschulen, private Bildungsträger, Volkshochschulen und Fernlehrinstitute; auch Hochschulen und größere Unternehmen mit internen Schulungen kommen infrage. Bei der Wahl sollte man auf drei Punkte achten: die Qualität und Erfahrung des Anbieters, die Passung des Lehrgangs zur eigenen Zielposition und – falls eine Förderung geplant ist – die AZAV-Zulassung.
Nur wenn Maßnahme und Träger nach AZAV zertifiziert sind, kann die Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein einlösen. Seriöse Anbieter weisen diese Zulassung offen aus. Ein Blick in das Portal KURSNET der Bundesagentur für Arbeit hilft, geeignete und zugelassene Angebote in der Region oder als Fernlehrgang zu finden. Wer sich unsicher ist, orientiert sich zusätzlich an aktuellen Stellenanzeigen: Sie zeigen, welche Qualifikationen für die gewünschte Position tatsächlich verlangt werden, und geben so eine gute Richtung für die Weiterbildungssuche vor.
Weiterbildungen ähnlicher Berufe erweitern den Horizont
Ausgebildete Bürokaufleute, die sich fachlich weiterentwickeln möchten, halten meist Ausschau nach Weiterbildungen für das eigene Berufsbild. Wer sich jedoch beruflich verändern will, ohne gleich eine Umschulung zu machen, tut gut daran, über den Tellerrand zu schauen. Die Weiterbildungsmöglichkeiten ähnlicher kaufmännischer Berufe lassen sich oft mit vorhandenem Wissen erschließen und erweitern das eigene Profil, ohne bei null zu beginnen. In Betracht kommen unter anderem:
- Industriekaufmann/-frau
- Kaufmann/-frau für Groß- und Außenhandelsmanagement
- Personaldienstleistungskaufmann/-frau
- Wirtschaftsassistent/in
- Verwaltungsfachangestellte/r
- Steuerfachangestellte/r
- Sozialversicherungsfachangestellte/r
Durch diese Vorgehensweise erweitern Bürokaufleute ihren Horizont und stellen sich breiter auf, woraus sich spannende Karrierechancen ergeben können. Einen Überblick über alle Wege bietet unser Ratgeber zur kaufmännischen Weiterbildung. Wer über einen kompletten Berufswechsel nachdenkt, findet in der Umschulung über das Arbeitsamt die passende Alternative.
Legen Sie vor der Anmeldung schriftlich fest, welche Position Sie in drei bis fünf Jahren erreichen wollen. Wählen Sie den Lehrgang dann rückwärts von diesem Ziel aus – nicht nach dem, was gerade beworben wird. Sprechen Sie außerdem vor Beginn mit der Weiterbildungsberatung des Arbeitsamts über eine mögliche Förderung: Sowohl der Bildungsgutschein als auch das Aufstiegs-BAföG müssen in der Regel vor dem Start beantragt werden. Wer das versäumt, verschenkt bares Geld.






