Weiterbildung Automobilkaufmann
Wer als Automobilkaufmann beziehungsweise Automobilkauffrau eine passende Weiterbildung sucht, sollte sorgsam recherchieren. Der Kfz-Handel wandelt sich rasant: Elektromobilität, digitale Verkaufsprozesse und Online-Vertrieb verändern das Berufsbild spürbar. Umso wichtiger ist es, die eigene Qualifikation gezielt auszubauen und die richtige Weiterbildung aus einer Vielzahl an Möglichkeiten herauszufiltern.
Ambitionierte Automobilkaufleute sollten zunächst ergründen, was sie von ihrer weiteren Karriere erwarten. Wollen Sie sich fachlich spezialisieren, eine Führungsposition anstreben oder einen anerkannten höheren Abschluss erreichen? Aus dieser Zielsetzung ergibt sich, ob ein kurzes Seminar, eine Aufstiegsfortbildung bei der IHK oder ein berufsbegleitendes Studium der passende Weg ist.
Auch eine Beratung beim Arbeitsamt kann nützlich sein und zu einer soliden Karriereplanung verhelfen. Entscheidend ist, dass Sie alle relevanten Informationen sammeln, die Fördermöglichkeiten kennen und sich einen Überblick über die Weiterbildungen für Automobilkaufleute verschaffen.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Automobilkaufmann ist ein anerkannter dreijähriger Ausbildungsberuf. Der Abschluss selbst lässt sich nicht per Lehrgang nachholen, wohl aber über eine geförderte Umschulung.
- Für ausgebildete Automobilkaufleute stehen drei Wege offen: Anpassungsqualifizierungen (Seminare, Kurse), Aufstiegsfortbildungen (Fachwirt, Betriebswirt) und ein berufsbegleitendes Studium.
- Aufstiegsfortbildungen wie der Geprüfte Fachwirt oder Betriebswirt werden über das Aufstiegs-BAföG gefördert, unabhängig von Alter und Einkommen.
- Bei Arbeitslosigkeit oder drohender Arbeitslosigkeit kann das Arbeitsamt eine Weiterbildung per Bildungsgutschein (§ 81 SGB III) komplett finanzieren.
- Das Einstiegsgehalt liegt bei rund 24.000 bis 36.000 Euro brutto im Jahr; mit Fachwirt- oder Betriebswirt-Abschluss sind deutlich höhere Verdienste möglich.
Automobilkaufleute verbinden kaufmännisches Know-how mit Kfz-Wissen
Automobilkaufleute sind überall dort gefragt, wo mit Kraftfahrzeugen Handel getrieben wird. Ihre Aufgaben reichen von der Disposition über die Kundenberatung bis hin zum Verkauf. Sie kalkulieren Preise, wickeln Finanzierungs- und Leasingverträge ab, organisieren den Fahrzeugbestand und kümmern sich um Serviceleistungen rund um Wartung, Ersatzteile und Zubehör.
Als Automobilkaufmann beziehungsweise Automobilkauffrau ist man auch in Vertrieb und Marketing involviert. Folglich übernehmen Automobilkaufleute unterschiedlichste Aufgaben aus dem kaufmännischen und organisatorischen Bereich – von der Angebotserstellung über das Rechnungswesen bis zur Betreuung von Stammkunden. Durch die Kombination von kaufmännischem Know-how und Kfz-Wissen ergeben sich insbesondere in den folgenden Bereichen vielversprechende Berufsperspektiven:
- Automobilhersteller
- Automobilzulieferer
- Autohäuser und Vertragshändler
- Fahrzeugimport und -export
- Kraftfahrzeugteilehandel
- Autovermietungen und Leasinggesellschaften
Die Einkommenssituation von Automobilkaufleuten hängt stets vom Einzelfall ab. Nichtsdestotrotz lässt sich das durchschnittliche Gehalt auf rund 24.000 Euro bis 36.000 Euro brutto im Jahr beziffern. Region, Betriebsgröße, Tarifbindung und Berufserfahrung wirken sich dabei deutlich aus. Wer sich kontinuierlich weiterbildet, sichert sich beste Chancen auf Gehaltserhöhungen und kann den Verdienst erheblich steigern. Das lebenslange Lernen macht sich somit im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt.
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Den Abschluss selbst erreicht man nur über Ausbildung oder Umschulung
Eine Weiterbildung zum Automobilkaufmann beziehungsweise zur Automobilkauffrau erscheint Menschen, die Gefallen am Berufsbild finden, sehr reizvoll. Interessierte sollten allerdings wissen, dass die eigentliche Qualifikation nicht im Rahmen eines einzelnen Lehrgangs erlangt werden kann.
Automobilkaufleute müssen eine dreijährige duale Ausbildung absolvieren, um den anerkannten Berufsabschluss zu erwerben. Diese Ausbildung endet mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK). Der Begriff „Weiterbildung Automobilkaufmann“ meint deshalb in aller Regel eines von zwei Dingen: entweder den Quereinstieg über eine Umschulung oder die berufliche Höherqualifizierung nach abgeschlossener Ausbildung.
Als Weg für Quereinsteiger kommt die Umschulung in Betracht, die vielfach vom Arbeitsamt gefördert wird und einen Berufswechsel ermöglicht. Sie dauert verkürzt meist rund zwei Jahre und schließt mit derselben IHK-Prüfung ab wie die reguläre Ausbildung. Wer bereits im Kfz-Handel oder im kaufmännischen Bereich tätig ist, findet in der Umschulung einen strukturierten Einstieg in den anerkannten Beruf. Ausführliche Informationen dazu bietet unser Ratgeber zur Umschulung über das Arbeitsamt.
Drei Weiterbildungswege führen Automobilkaufleute weiter
Die abgeschlossene Ausbildung als Automobilkauffrau beziehungsweise Automobilkaufmann ist eine ideale Grundlage für eine Laufbahn im Bereich des Kfz-Handels. Automobilkaufleute sollten es allerdings nicht versäumen, auf diesem Fundament aufzubauen, indem sie sich immer wieder weiterbilden.
Grundsätzlich lassen sich die Weiterbildungsmöglichkeiten in drei Kategorien einteilen, die sich in Aufwand, Abschluss und Karrierewirkung unterscheiden. Die folgende Übersicht ordnet die Wege ein:
Seminare und Kurse frischen das Fachwissen gezielt auf
Im beruflichen Alltag stößt man als Automobilkaufmann immer wieder auf Bereiche und Themen, mit denen man sich nicht so gut auskennt. Niemand kann allwissend sein, aber gegebenenfalls lohnt es sich, das berufliche Wissen aufzufrischen, zu erweitern oder zu spezialisieren. Dazu sind Seminare und Kurse als Anpassungsqualifizierungen für Automobilkaufleute bestens geeignet.
Solche Kurzweiterbildungen dauern oft nur wenige Tage und lassen sich gut neben dem Beruf absolvieren. Beispielsweise die folgenden Themen werden dabei behandelt:
- Kfz-Technik und Elektromobilität
- Büroorganisation und digitale Verwaltungsprozesse
- Vertrieb und Verkaufspsychologie
- Werbung und Online-Marketing
- Einkauf und Fahrzeugdisposition
- Kaufvertrags- und Gewährleistungsrecht
- Controlling und Kalkulation
- Kommunikation und Kundenbindung
Anpassungsqualifizierungen führen zwar nicht zu einem höheren Berufsabschluss, verbessern aber die tägliche Arbeit und die Position im Betrieb spürbar. Gerade Themen wie Elektromobilität, digitale Verkaufsprozesse und Datenschutz gewinnen im modernen Autohaus rasch an Bedeutung.
Aufstiegsfortbildungen öffnen die Tür zu Führungspositionen
Automobilkaufleute, die die Karriereleiter erklimmen möchten, sollten an eine Aufstiegsfortbildung denken. Dabei handelt es sich um eine Aufstiegsqualifizierung, die zu einem höheren, anerkannten beruflichen Abschluss führt. Die Anerkennung der Qualifikation steht außer Frage und macht diese besonders wertvoll, da sie bundesweit gilt und auf einem gesetzlich geregelten Fortbildungsrahmen beruht.
Automobilkaufleute mit karrieretechnischen Ambitionen sollten die folgenden Fortbildungen ins Auge fassen:
- Geprüfter Fachwirt / Geprüfte Fachwirtin – Vertrieb
- Geprüfter Fachwirt / Geprüfte Fachwirtin – Handel
- Geprüfter Fachwirt / Geprüfte Fachwirtin – Marketing
- Geprüfter Betriebswirt / Geprüfte Betriebswirtin – Kraftfahrzeuge
- Geprüfter Automobil-Serviceberater / Verkaufsberater
Diese Abschlüsse liegen auf dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf einer Stufe mit dem Bachelor beziehungsweise Master und qualifizieren für Positionen wie Verkaufsleitung, Abteilungsleitung oder Filialleitung. Verwandte Fortbildungswege beschreiben wir in unseren Ratgebern zum Technischen Betriebswirt, zum Verkaufsleiter und zur Weiterbildung im Groß- und Außenhandel.
Ein berufsbegleitendes Studium eröffnet akademische Perspektiven
Ein Studium kann für ambitionierte Automobilkaufleute ebenfalls sehr reizvoll sein. Wer beruflichen und privaten Verpflichtungen nachkommen muss, sollte von der Möglichkeit eines berufsbegleitenden Studiums Gebrauch machen.
Ein Abendstudium oder duales Studium setzt zwar auf regelmäßige Präsenzen, nimmt aber auf die Berufstätigkeit Rücksicht. Diejenigen, die sich maximale Freiheiten wünschen, sollten dahingegen ein Fernstudium ins Auge fassen, das sich Zeit und Ort weitgehend selbst einteilen lässt. All diese Studienformen führen zum grundständigen Bachelor oder weiterführenden Master.
Als Studiengänge kommen für Automobilkaufleute vor allem die folgenden Disziplinen in Betracht:
- Betriebswirtschaftslehre
- Wirtschaftswissenschaft
- Wirtschaftsingenieurwesen
- Automobilwirtschaft
- Handelsbetriebswirtschaft
- Marketing und Vertriebsmanagement
Für ein Bachelorstudium ohne Abitur ist in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung plus mehrjährige Berufserfahrung oder eine Aufstiegsfortbildung erforderlich. Automobilkaufleute mit Fachwirt- oder Betriebswirt-Abschluss besitzen sogar eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung und können unmittelbar studieren.
Dauer und Ablauf richten sich nach Vollzeit, Teilzeit oder Fernkurs
Wie lange eine Weiterbildung dauert, hängt vom Abschlussziel und vom gewählten Lernmodell ab. Vollzeitlehrgänge sind am schnellsten, verlangen aber den vorübergehenden Ausstieg aus dem Beruf und eignen sich vor allem für Umschüler oder Arbeitsuchende. Teilzeit- und Fernlehrgänge laufen berufsbegleitend und dauern entsprechend länger, erhalten dafür aber das Einkommen. Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Modelle ein:
Kurze Anpassungsseminare dauern dagegen nur wenige Tage bis Wochen. Für alle geförderten Lehrgänge gilt: Der Anbieter muss eine AZAV-Zulassung besitzen, damit Bildungsgutschein oder Aufstiegs-BAföG greifen. Mehr zum Ablauf einer geförderten Maßnahme erklärt unser Überblick zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Kosten und Förderung entscheiden über die Machbarkeit
Die Lehrgangskosten schwanken je nach Abschluss stark. Kurze Seminare kosten oft nur einige hundert Euro, eine Fachwirt-Fortbildung bewegt sich meist im Bereich von 3.000 bis 6.000 Euro, hinzu kommen Prüfungsgebühren der IHK. Diese Beträge müssen Sie in den seltensten Fällen allein tragen, denn für Automobilkaufleute stehen mehrere Förderwege bereit:
Welche Förderung passt, hängt von Ihrer Situation ab:
- Bildungsgutschein (§ 81 SGB III): Für Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit Bedrohte. Das Arbeitsamt übernimmt bei einer sinnvollen Weiterbildung die kompletten Lehrgangs- und Prüfungskosten sowie Fahrt- und Kinderbetreuungskosten.
- Qualifizierungschancengesetz: Auch Beschäftigte können gefördert werden, wenn ihre Tätigkeit vom Strukturwandel betroffen ist. Der Arbeitgeber stellt den Antrag, das Arbeitsamt beteiligt sich an Kosten und Arbeitsentgelt.
- Aufstiegs-BAföG: Für Aufstiegsfortbildungen wie Fachwirt oder Betriebswirt, unabhängig von Alter und Einkommen. Der Bund übernimmt 50 Prozent der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren als Zuschuss, den Rest deckt ein zinsgünstiges Darlehen.
- Weiterbildungsgeld: Wer als Bezieher von Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) eine abschlussorientierte Weiterbildung macht, erhält zusätzlich 150 Euro monatlich sowie Prämien für bestandene Zwischen- und Abschlussprüfungen.
Neben der monatlichen Vergütung sind auch Nebeneinkünfte relevant: Ein Minijob bis zur Geringfügigkeitsgrenze von 603 Euro (Stand 2026) bleibt sozialversicherungsfrei und lässt sich in vielen Fällen mit einer Weiterbildung verbinden. Wie sich die verschiedenen Bausteine finanzieren lassen, zeigt außerdem unser Ratgeber zur Finanzierung von Weiterbildungen.
Weiterbildung zahlt sich in Karriere und Gehalt aus
Ob sich der Aufwand lohnt, zeigt der Blick auf die Verdienstentwicklung. Als frisch ausgebildeter Automobilkaufmann liegt das Jahresgehalt meist zwischen 24.000 und 36.000 Euro brutto. Mit wachsender Erfahrung und Verantwortung steigt es an, doch den größten Sprung bringen anerkannte Aufstiegsabschlüsse.
Ein Geprüfter Fachwirt oder eine Fachwirtin qualifiziert für die mittlere Führungsebene, etwa als Teamleitung im Verkauf, Serviceleitung oder Leitung des Ersatzteilgeschäfts. Mit einem Betriebswirt-Abschluss rücken Positionen wie Verkaufsleitung, Filialleitung oder Autohausleitung in Reichweite, häufig verbunden mit einem deutlich höheren Gehalt und Verantwortung für Umsatz und Personal.
Hinzu kommt: Der Kfz-Handel steht mitten im Wandel hin zu Elektromobilität und digitalem Vertrieb. Wer sich frühzeitig in diesen Zukunftsfeldern qualifiziert, macht sich für Arbeitgeber besonders attraktiv und sichert die eigene berufliche Zukunft ab. Angrenzende kaufmännische Fachwirt-Profile stellen wir im Ratgeber zum Marketing-Manager vor.
Bei der Anbieterwahl kommt es auf die AZAV-Zulassung an
Weiterbildungen für Automobilkaufleute werden von Industrie- und Handelskammern, privaten Bildungsanbietern, Fernschulen und teils von den Automobilherstellern selbst angeboten. Wer eine Förderung über das Arbeitsamt oder Aufstiegs-BAföG nutzen möchte, muss darauf achten, dass Anbieter und Maßnahme nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sind. Nur dann werden Bildungsgutschein und Zuschüsse anerkannt.
Vor der Anmeldung lohnt der Vergleich mehrerer Anbieter hinsichtlich Kosten, Dauer, Lernmodell, Prüfungsvorbereitung und Erfolgsquote. Die Berufsberatung des Arbeitsamts hilft kostenlos dabei, die passende Maßnahme zu finden und die Förderung zu beantragen. Ein Beratungsgespräch sollte immer vor der Anmeldung stattfinden, da der Bildungsgutschein grundsätzlich vor Lehrgangsbeginn ausgestellt sein muss.





