Umschulung Berufsschullehrer - Quereinstieg über das Arbeitsamt
Berufsschullehrer/in wird man in der Regel nicht über eine klassische Umschulung, sondern über einen Quer- oder Seiteneinstieg ins Berufsschullehramt. Wer eine fachliche Ausbildung, Berufserfahrung und oft auch ein Studium mitbringt, kann angesichts des anhaltenden Lehrkräftemangels an berufsbildenden Schulen gute Chancen auf einen Neustart als Lehrkraft haben. Die konkreten Wege regeln die Schulministerien der Bundesländer, weshalb die Voraussetzungen und Programme von Land zu Land unterschiedlich sind.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Eine klassische Umschulung zum Berufsschullehrer gibt es nicht - der Weg führt über Seiten- oder Quereinstieg ins Berufsschullehramt.
- Der übliche Regelweg ist ein Lehramtsstudium mit anschließendem Referendariat; für Quereinsteiger gibt es Sonderwege.
- Wichtigste Voraussetzung sind ein fachlich passender Hochschulabschluss und in vielen Ländern mehrjährige einschlägige Berufserfahrung.
- Die Regelungen sind Ländersache und unterscheiden sich teils deutlich - erste Anlaufstelle ist das Schulministerium des jeweiligen Bundeslandes.
- Gefragt sind vor allem gewerblich-technische, kaufmännische, pflegerische und sozialpädagogische Fachrichtungen.

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Inhaltsverzeichnis
- Berufsbild und Verdienst als Berufsschullehrer
- Wege ins Berufsschullehramt für Quereinsteiger
- Wer sich für den Seiteneinstieg eignet
- Gefragte Fächer und Fachrichtungen
- Alternativen zum Quereinstieg
- Der Berufsalltag als Berufsschullehrer
- Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
- So läuft der Einstieg praktisch ab
- Häufige Fragen zur Berufsschullehrer-Umschulung
Berufsbild und Verdienst als Berufsschullehrer
All diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, per Quereinstieg oder auf anderem Wege ins Berufsschullehramt einzusteigen, sollten sich zunächst ein genaues Bild von dem Beruf machen. Gerade beim Wechsel in die zweite Karriere lohnt es sich, die Berufswahl mit Bedacht zu treffen.
Berufsschullehrer/innen sind Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen und unterrichten dort Jugendliche und junge Erwachsene. Dabei kann es sich um allgemeinbildende Fächer oder um Disziplinen mit konkretem Bezug zum jeweiligen Ausbildungsberuf handeln.
An den berufsbildenden Schulen werden beide Teilbereiche bedient, sodass sich verschiedene Optionen für eine Lehrtätigkeit ergeben. Grundsätzlich stellen die folgenden Schulformen die typischen Einsatzgebiete für Berufsschullehrer/innen dar:
- Berufsschulen (Teilzeit im dualen System)
- Berufsfachschulen
- Fachschulen
- Fachoberschulen und Berufliche Gymnasien
- Berufskollegs
- Einrichtungen der Erwachsenenbildung
Darüber hinaus können sich Karrierechancen in der Erwachsenenbildung sowie intern in Unternehmen im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung ergeben. Über mangelnde Perspektiven können sich Berufsschullehrer folglich nicht beklagen.
Zu einer vollständigen Betrachtung des Berufsbildes gehört es auch, die Verdienstmöglichkeiten zu erörtern. Das Gehalt richtet sich stark danach, ob man verbeamtet oder angestellt tätig ist und in welchem Bundesland man arbeitet. Verbeamtete Berufsschullehrkräfte werden meist nach den Besoldungsgruppen A 13 oder A 14 vergütet, angestellte Lehrkräfte in der Regel nach TV-L, häufig in den Entgeltgruppen E 13 bis E 14. In der Praxis bewegt sich das Bruttojahresgehalt je nach Erfahrung und Bundesland oft zwischen rund 45.000 Euro und 65.000 Euro. Quereinsteiger ohne vollständige Lehramtsqualifikation werden anfangs häufig etwas niedriger eingruppiert.
Wege ins Berufsschullehramt für Quereinsteiger
Eine klassische Umschulung kommt als zweite Ausbildung daher und führt Erwachsene mit abgeschlossener Erstausbildung zu einem neuen Berufsabschluss. Der Weg ins Berufsschullehramt ist anders und kein Lehrgang, der eine duale Berufsausbildung ersetzt. Stattdessen handelt es sich um alternative Wege in ein Lehramt, das ansonsten ein abgeschlossenes Studium sowie ein Referendariat erfordert.
Wer kein grundständiges Lehramtsstudium für das Berufsschullehramt vorweisen kann, hat die Möglichkeit, an verschiedenen Programmen für Quer- und Seiteneinsteiger teilzunehmen. Die Schulministerien der Länder reagieren auf den Lehrkräftemangel, indem sie diese Einstiege ermöglichen. Die betreffenden Angebote lassen sich als Umschulung im weiteren Sinne verstehen und ermöglichen einen beruflichen Neuanfang als Berufsschullehrer/in.
Der Einstieg kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Einen Königsweg gibt es nicht, sondern eine ganze Reihe an Optionen. Interessierte tun daher gut daran, sich umfassend zu informieren und einen Überblick zu verschaffen. In der Regel bestehen die folgenden Möglichkeiten für einen Quereinstieg.
Seiteneinstieg mit abgeschlossenem Studium
Ein abgeschlossenes Studium ist eine solide Basis für den Seiteneinstieg als Berufsschullehrer/in. Hochschulabsolventen mit Berufserfahrung sind für diesen Weg oft gut aufgestellt. Je nach Ausgangslage ergeben sich für gewöhnlich die folgenden Chancen:
- bei einem fachlich passenden Hochschulabschluss und einschlägiger Berufserfahrung: berufsbegleitender Vorbereitungsdienst mit anschließender Staatsprüfung
- bei einem Bachelorabschluss: in einigen Ländern ein berufsbegleitendes Masterstudium für das Lehramt
- bei einem Master- oder Universitätsabschluss: pädagogische Einführung und anschließende Erteilung der Unterrichtserlaubnis
Einstieg ohne einschlägiges Lehramtsstudium
Der Weg ins Berufsschullehramt setzt nicht zwingend ein vorheriges Lehramtsstudium voraus. Es besteht damit die Möglichkeit, auch ohne ein solches Studium Lehrkraft an einer berufsbildenden Schule zu werden.
Gerade für eine Laufbahn als Berufsschullehrer/in erscheint dies sinnvoll, denn Berufspraktiker können viel Wissen vermitteln und aus der beruflichen Praxis berichten. Für angehende Berufsschullehrkräfte mit fachspezifischer Ausbildung und höherem Abschluss - etwa Meister oder Techniker - präsentiert sich der Einstieg vielerorts in Form einer pädagogischen Zusatzqualifikation. Ob und in welchem Umfang das anerkannt wird, hängt vom Bundesland ab.
Wer diese Wege prüft, sollte sie mit einer allgemeinen Umschulung über das Arbeitsamt vergleichen und sich zusätzlich über passende Angebote der Weiterbildung über das Arbeitsamt informieren.
Interessierte an einem Seiteneinstieg ins Berufsschullehramt sollten ihre Eignung selbstkritisch hinterfragen. Der Lehrerberuf erfordert Einsatzbereitschaft, Offenheit, Belastbarkeit und Freude am Unterrichten. Speziell für diesen Weg eignen sich vor allem Menschen, die eine fundierte fachliche Ausbildung sowie Berufserfahrung mitbringen. Ein fachspezifisches Studium oder eine abgeschlossene Aufstiegsfortbildung sind weitere wichtige Bausteine und belegen die fachliche Eignung.
Wer sich für den Seiteneinstieg eignet
Nicht jede Fachkraft passt automatisch ins Klassenzimmer. Wer den Seiteneinstieg erwägt, sollte ehrlich prüfen, ob die Anforderungen des Lehrberufs zu den eigenen Stärken passen. Neben dem fachlichen Können zählen vor allem kommunikative Fähigkeiten, Geduld und die Bereitschaft, sich pädagogisches und didaktisches Handwerkszeug anzueignen.
Wichtig ist außerdem ein realistischer Blick auf den Arbeitsalltag: Unterricht will vorbereitet, Leistungen wollen bewertet und Konflikte in heterogenen Lerngruppen wollen moderiert werden. Wer Freude daran hat, junge Menschen zu begleiten und eigenes Praxiswissen weiterzugeben, bringt gute Voraussetzungen mit. Die formale Eignung prüft am Ende das jeweilige Schulministerium anhand von Abschluss, Fachrichtung und Berufserfahrung.
Gefragte Fächer und Fachrichtungen
Wenn es um einen Quereinstieg als Berufsschullehrer/in geht, stellt sich immer wieder die Frage nach den richtigen Fächern. Grundsätzlich sollten angehende Lehrkräfte ihre vorhandenen Kenntnisse und Kompetenzen berücksichtigen und darauf aufbauen.
Wissenswert ist außerdem, dass die berufsbezogenen Fachrichtungen an berufsbildenden Schulen breit gefächert sind. Besonders häufig gesucht werden Lehrkräfte in den folgenden Bereichen:
- Metall-, Elektro- und Fahrzeugtechnik
- Informationstechnik und Informatik
- Gesundheit und Pflege
- Ernährung und Hauswirtschaft
- kaufmännische und wirtschaftliche Berufe
- Sozialpädagogik und soziale Berufe
In vielen dieser Bereiche fehlen Lehrkräfte. Gerade in den gewerblich-technischen Fachrichtungen sowie in Informatik, Pflege und Sozialpädagogik ist der Bedarf besonders hoch. Wer aus einem dieser Felder kommt, findet häufig verhältnismäßig gute Einstiegschancen. Verwandte Wege für Fachkräfte aus dem sozialen Bereich zeigen etwa die Seiten zur Umschulung zum Erzieher, zum Sozialpädagogen oder zum Heilerziehungspfleger.
Alternativen zum Quereinstieg
Wer seine berufliche Zukunft im Bildungsbereich sieht, muss nicht zwingend einen Quereinstieg ins Berufsschullehramt anstreben.
Ein grundständiges Lehramtsstudium für berufsbildende Schulen kann eine Option sein, wenn Zeit und Lebenssituation es zulassen. Ansonsten kann es lohnen, sich auf die betriebliche Aus- und Weiterbildung zu konzentrieren und die Ausbildereignung nach AEVO (Ausbilderschein) anzustreben. Auch eine Tätigkeit als Dozent in der Erwachsenenbildung oder eine kaufmännisch-technische Fachlaufbahn - etwa über eine Umschulung zum Industriekaufmann - kann eine sinnvolle Alternative sein.
Der Berufsalltag als Berufsschullehrer
Der Alltag einer Berufsschullehrkraft besteht aus deutlich mehr als dem reinen Unterricht. Zur Arbeitszeit zählen die Vorbereitung von Lerneinheiten, die Erstellung und Korrektur von Klassenarbeiten und Prüfungen sowie die Dokumentation von Lernständen. Hinzu kommen Konferenzen, Elternkontakte und die Abstimmung mit den Ausbildungsbetrieben, da im dualen System Schule und Betrieb eng zusammenwirken.
Berufsschullehrkräfte unterrichten oft mehrere Fächer und verschiedene Ausbildungsberufe parallel. Die Lerngruppen sind heterogen: In einer Klasse sitzen Auszubildende mit unterschiedlichem Vorwissen, Alter und Lerntempo. Das erfordert methodische Flexibilität und die Fähigkeit, Fachinhalte praxisnah und verständlich aufzubereiten. Für Quereinsteiger aus der Praxis ist genau das ein Vorteil, denn sie können Theorie mit konkreten Beispielen aus dem Berufsleben verknüpfen.
Ein weiterer Bestandteil des Berufs ist die kontinuierliche Fortbildung. Lehrpläne, Technik und rechtliche Rahmenbedingungen ändern sich, sodass Lehrkräfte fachlich wie didaktisch am Ball bleiben müssen. Wer den Beruf ergreift, sollte Freude an lebenslangem Lernen mitbringen.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt für Berufsschullehrkräfte ist seit Jahren von einem spürbaren Mangel geprägt, der sich durch die Pensionierung vieler älterer Lehrkräfte weiter verschärft. Besonders in den gewerblich-technischen Fächern, in Informatik sowie in Gesundheit und Pflege werden Fachkräfte dringend gesucht. Das eröffnet Quereinsteigern mit passender Fachrichtung realistische Chancen auf eine Anstellung.
Wie gut die Aussichten im Einzelfall sind, hängt von Fachrichtung, Bundesland und regionalem Bedarf ab. In Ballungsräumen und Flächenländern kann die Nachfrage unterschiedlich ausfallen. Die Bundesagentur für Arbeit sowie die Kultus- und Schulministerien der Länder veröffentlichen regelmäßig Bedarfsprognosen, an denen sich Interessierte orientieren können. Wer flexibel bei Fach und Region ist, verbessert seine Chancen deutlich.
Langfristig gilt der Beruf als vergleichsweise sicher. Als angestellte oder verbeamtete Lehrkraft profitiert man von geregelten Rahmenbedingungen und einer stabilen Nachfrage. Für viele Fachkräfte aus der Praxis ist das ein wichtiges Argument für den Schritt ins Berufsschullehramt.
So läuft der Einstieg praktisch ab
Der praktische Einstieg beginnt fast immer mit einer Beratung. Erste Anlaufstelle ist das Schulministerium beziehungsweise die Schulbehörde des jeweiligen Bundeslandes, denn dort werden die konkreten Voraussetzungen und offenen Stellen geregelt. Häufig lassen sich passende Stellenausschreibungen für Seiteneinsteiger über die Portale der Länder und über die Bundesagentur für Arbeit finden.
Nach der Bewerbung und einer Prüfung der Unterlagen folgt in der Regel ein berufsbegleitender Vorbereitungsdienst oder eine pädagogische Zusatzqualifikation. In dieser Phase steht man bereits im Unterricht und erwirbt parallel das pädagogische und didaktische Rüstzeug. Den Abschluss bildet je nach Land eine Staatsprüfung oder der Erwerb einer Unterrichtserlaubnis.
Wichtig ist, dass sich Interessierte frühzeitig über Fristen, benötigte Nachweise und die Anerkennung ihrer Abschlüsse informieren. Da die Bildung Ländersache ist, unterscheiden sich Verfahren und Bezeichnungen teils erheblich. Eine gründliche Recherche vorab erspart Umwege und schafft Klarheit über den passenden Weg.
Häufige Fragen zur Berufsschullehrer-Umschulung
Die Berufsschullehrer-Umschulung ist aufgrund des Mangels an Lehrkräften an berufsbildenden Schulen ein großes Thema. Viele Menschen, die aus der beruflichen Praxis kommen und sich umorientieren möchten, sehen darin ihre Chance.
Bevor sie sich der Herausforderung stellen, sollten sie sorgfältig recherchieren und den folgenden Tipp aus unserer Redaktion beherzigen.
Beachten Sie die unterschiedlichen Regelungen von Bundesland zu Bundesland!
Interessierte an einem Seiteneinstieg sollten sich an die Schulministerien der Länder wenden und dort nach den Möglichkeiten eines Quereinstiegs erkundigen. Dabei offenbaren sich teilweise gravierende Unterschiede, sodass es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Wege und Möglichkeiten gibt.
Wer den Einstieg ins Berufsschullehramt plant, sollte sich demnach bewusst sein, dass Bildung in Deutschland Ländersache ist und es daher in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Regelungen zum Seiteneinstieg geben kann.