Umschulung Industriekaufmann - Quereinstieg über das Arbeitsamt

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Eine Umschulung zum Industriekaufmann beziehungsweise zur Industriekauffrau führt in rund zwei Jahren zu einem anerkannten IHK-Abschluss und eröffnet den Quereinstieg in kaufmännische Aufgaben der Industrie. Die Agentur für Arbeit fördert die Maßnahme in der Regel vollständig über einen Bildungsgutschein, wenn die Umschulung arbeitsmarktlich sinnvoll ist. Damit ist sie ein realistischer Weg für Menschen, die aus ihrem bisherigen Beruf heraus einen Neustart planen.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Die Umschulung dauert als Vollzeitmaßnahme meist 24 Monate und endet mit der IHK-Abschlussprüfung zum Industriekaufmann/-frau.
  • Formale Zugangsvoraussetzungen gibt es kaum; sinnvoll sind eine abgeschlossene Erstausbildung sowie kaufmännisches Interesse.
  • Die Agentur für Arbeit kann Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren und den Lebensunterhalt über den Bildungsgutschein übernehmen.
  • Das Einstiegsgehalt liegt meist zwischen 2.400 und 3.200 Euro brutto im Monat, abhängig von Branche, Region und Tarifbindung.
  • Anbieter findest du über KURSNET der Bundesagentur für Arbeit; sie müssen AZAV-zertifiziert sein, damit der Gutschein greift.
24 MonateDauerVollzeit / je nach Lehrgang
2.400-3.200 €Verdienstbrutto/Monat
IHK-AbschlussAbschlussAnerkannte Qualifikation
BildungsgutscheinFörderung§ 81 SGB III, AZAV-Träger

Industriekaufmann bei der kaufmännischen Sachbearbeitung am Arbeitsplatz

Inhaltsverzeichnis

Das Berufsbild Industriekaufmann/-frau im Überblick

Industriekaufleute sind kaufmännische Fachkräfte, die sich betriebswirtschaftlichen Aufgaben in Industrieunternehmen widmen. Sie steuern und organisieren Prozesse im industriellen Umfeld und arbeiten dabei eng mit Produktion, Vertrieb und Verwaltung zusammen. Aus dieser breiten Ausrichtung ergeben sich in nahezu allen Branchen gute Einsatzmöglichkeiten.

Als Industriekaufmann beziehungsweise Industriekauffrau übernimmt man je nach Abteilung sehr unterschiedliche Aufgaben. Die Bandbreite reicht vom Marketing über das Personalwesen bis hin zur Materialwirtschaft und Finanzbuchhaltung. Wer eine kaufmännische Umschulung über das Arbeitsamt anstrebt, findet in diesem Beruf einen breiten fachlichen Rahmen.

Je nach Einsatzbereich, Position und Aufgabengebiet variiert nicht nur der Arbeitsalltag, sondern auch der Verdienst. Das durchschnittliche Bruttogehalt bewegt sich häufig zwischen etwa 2.400 und 3.200 Euro im Monat, in tarifgebundenen Industriebetrieben und mit Berufserfahrung liegt es oft darüber.

So läuft die Umschulung zum Industriekaufmann ab

Wer Industriekaufmann werden möchte, absolviert dazu üblicherweise eine duale Ausbildung in einem Unternehmen. Wer bereits einen anderen Beruf erlernt hat und nun einen grundlegenden Jobwechsel vollziehen möchte oder muss, kann alternativ eine Umschulung zum Industriekaufmann absolvieren. Dabei handelt es sich um eine spezielle Maßnahme für Erwachsene aus anderen Berufen, die den Abschluss als Industriekaufleute anstreben.

Der Ablauf einer Umschulung weicht etwas von der klassischen dualen Berufsausbildung ab, inhaltlich ergeben sich jedoch keine wirklichen Unterschiede. Das liegt vor allem daran, dass auch Umschülerinnen und Umschüler den anerkannten Berufsabschluss als Industriekaufmann beziehungsweise Industriekauffrau vor der Industrie- und Handelskammer ablegen.

Um die IHK-Prüfung zu bestehen, stehen die folgenden Inhalte auf dem Plan:

Voraussetzungen, Dauer und Kosten der Umschulung

Wer sich zum Industriekaufmann umschulen lassen möchte, sollte kaufmännisch interessiert sein und einen gewissen Bezug zur Industrie mitbringen. Formal existieren keine besonderen Voraussetzungen, abgesehen davon, dass sich Umschulungen an Menschen mit abgeschlossener Erstausbildung oder mehrjähriger Berufserfahrung richten.

Im Gegensatz zur dualen Ausbildung dauert die Umschulung in der Regel keine drei, sondern nur zwei Jahre. In Teilzeit oder als berufsbegleitende Variante kann sich der Zeitraum entsprechend verlängern. Für die Lehrgangsgebühren fallen mehrere Tausend Euro an, hinzu kommen die laufenden Lebenshaltungskosten während der Maßnahme.

Diese Kosten müssen Umschülerinnen und Umschüler in den meisten Fällen nicht selbst tragen. Bei einer Förderung über das Arbeitsamt übernimmt die Agentur für Arbeit die Gebühren und sichert zusätzlich den Lebensunterhalt. Voraussetzung ist, dass die Umschulung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert.

Die Förderung über das Arbeitsamt sichert die Finanzierung

Die zentrale Fördermöglichkeit ist der Bildungsgutschein. Damit erklärt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter, die Kosten einer bestimmten Weiterbildung zu übernehmen. Der Gutschein deckt Lehrgangs- und Prüfungsgebühren ab und kann Fahrtkosten sowie eine Kinderbetreuung einschließen. Während der Umschulung wird der Lebensunterhalt in der Regel über Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld (Bürgergeld) weiter gezahlt.

Den Bildungsgutschein gibt es nicht automatisch, sondern nach einem Beratungsgespräch. Dort wird geprüft, ob die Umschulung für die berufliche Eingliederung notwendig und sinnvoll ist. Wer den Gutschein erhält, löst ihn bei einem AZAV-zertifizierten Anbieter ein. Passende Bildungsträger lassen sich über KURSNET der Bundesagentur für Arbeit finden. Einen breiteren Überblick über geförderte Angebote bietet der Bereich Weiterbildung über das Arbeitsamt.

Weiterbildung und Aufstieg für Industriekaufleute

Der Abschluss als Industriekaufmann beziehungsweise Industriekauffrau ist eine solide Basis für den weiteren beruflichen Werdegang. Darauf aufbauend lohnt sich der Gedanke an lebenslanges Lernen, etwa durch Seminare, mit denen sich vorhandenes Wissen aktualisieren und erweitern lässt.

Darüber hinaus ist eine Fortbildung eine Überlegung wert und kann beispielsweise zu einem der folgenden Abschlüsse führen:

Solche Fortbildungen sind bundesweit anerkannt und werden häufig über das Aufstiegs-BAföG gefördert. Sie ebnen den Weg in Positionen mit mehr Verantwortung und höherem Gehalt.

Ein Studium baut auf der Umschulung auf

Die Akademisierung spielt auch für ambitionierte Industriekaufleute eine zunehmende Rolle. Nach der erfolgreichen Umschulung ist ein beruflicher Ausstieg zugunsten eines Vollzeitstudiums allerdings nicht immer die günstigste Wahl, da dabei Einkommen und Berufspraxis verloren gehen.

Stattdessen bietet sich ein berufsbegleitendes Studium an, das in den folgenden Varianten zum Bachelor beziehungsweise Master führen kann:

Für Industriekaufleute bieten sich dabei die Fächer BWL, Industriebetriebswirtschaft, Industriemanagement oder auch Wirtschaftsingenieurwesen an. In vielen Bundesländern ist ein Studium auch ohne Abitur möglich, wenn eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung vorliegen.

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Alternativen zur Umschulung zum Industriekaufmann

Anstelle einer Umschulung zum Industriekaufmann kann man auch einen anderen kaufmännischen Beruf wählen. So erlernt man die kaufmännischen Grundlagen und kann darauf die weitere Karriere aufbauen. Es gibt einige ähnliche Ausbildungsberufe, die sich besonders gut als Alternativen eignen:

Schlussendlich ist die Berufswahl eine sehr individuelle Entscheidung. Berufswechslerinnen und Berufswechsler sollten mit dem Arbeitsamt sprechen und dabei nicht nur ihre persönliche Eignung, sondern auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt beachten.

Die berufsbegleitende Ausbildung als flexibler Weg

Wer den Quereinstieg als Industriekaufmann/-frau plant, aber keinen Lehrgang in Vollzeit absolvieren will oder kann, sollte eine berufsbegleitende Ausbildung ins Auge fassen. Auf diesem Weg lässt sich die Qualifizierung in Teilzeit erlangen.

Vor allem Menschen, die beruflich oder privat stark eingespannt sind, haben so trotzdem die Gelegenheit, den Abschluss zu erreichen. Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sind folglich nicht zwingend auf die Umschulung in Vollzeit angewiesen und sollten auch flexible Alternativen berücksichtigen.

Auch Weiterbildungen können ein sinnvoller Ersatz sein. Seminare und Lehrgänge machen die Teilnehmenden zwar nicht zu Industriekaufleuten, vermitteln aber viel fachliche Kompetenz. So können auch Kräfte aus anderen Bereichen kaufmännische Tätigkeiten in der Industrie aufnehmen.

Berufsaussichten und Arbeitsmarkt für Industriekaufleute

Angehende Industriekaufleute sollten vor der Umschulung das Berufsbild analysieren und die Lage auf dem Arbeitsmarkt einschätzen. Der Industriekaufmann gehört zu den am häufigsten erlernten kaufmännischen Berufen in Deutschland und wird in nahezu allen Industriezweigen benötigt, vom Maschinenbau über die Chemie bis zur Elektrotechnik.

Weil die Qualifikation branchenübergreifend einsetzbar ist, sind Industriekaufleute nicht von einem einzelnen Wirtschaftszweig abhängig. Wer flexibel bei Branche und Region ist, findet in der Regel gute Beschäftigungschancen. Offene Stellen lassen sich über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sowie über gängige Stellenportale recherchieren.

Die Stellenanzeigen geben zugleich Aufschluss über typische Anforderungen und Aufgaben. So bekommt man einen realistischen Eindruck davon, welche Kenntnisse gefragt sind und in welchen Abteilungen Industriekaufleute besonders häufig eingesetzt werden.

Der Berufsalltag als Industriekaufmann

Der Arbeitsalltag von Industriekaufleuten spielt sich überwiegend im Büro ab und ist von Bildschirmarbeit, Kommunikation und Zahlen geprägt. Je nach Abteilung kalkulieren sie Angebote, bearbeiten Aufträge, überwachen Lieferungen, planen Personaleinsätze oder erstellen betriebswirtschaftliche Auswertungen.

Typisch ist der Wechsel zwischen verschiedenen Bereichen: In der Materialwirtschaft holen Industriekaufleute Angebote ein und verhandeln mit Lieferanten, im Vertrieb betreuen sie Kunden und erstellen Kalkulationen, im Rechnungswesen buchen sie Geschäftsvorfälle. Diese Vielseitigkeit macht den Beruf abwechslungsreich und bietet gute Möglichkeiten, sich mit der Zeit auf einen Schwerpunkt zu spezialisieren.

Gefragt sind dabei Sorgfalt, ein sicherer Umgang mit Zahlen und gängiger Bürosoftware sowie Kommunikationsstärke im Kontakt mit Kolleginnen, Kollegen und Geschäftspartnern. Wer diese Eigenschaften mitbringt, findet in der Industrie ein stabiles und entwicklungsfähiges Berufsfeld.

So läuft die IHK-Abschlussprüfung ab

Die Umschulung endet mit der Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Sie ist bundesweit einheitlich geregelt und entspricht der Prüfung der regulären Ausbildung, sodass der erworbene Abschluss vollständig gleichwertig ist.

Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Schriftlich werden die Bereiche Geschäftsprozesse, kaufmännische Steuerung und Kontrolle sowie Wirtschafts- und Sozialkunde abgefragt. Der mündliche Teil ist als Fachgespräch aufgebaut, das sich auf einen selbst gewählten Einsatzbereich wie Marketing, Beschaffung oder Personal bezieht.

Viele Bildungsträger bereiten gezielt auf diese Struktur vor und bieten Probeprüfungen an. Wer den Stoff kontinuierlich wiederholt und die Praxisphasen ernst nimmt, hat gute Aussichten, die Prüfung beim ersten Anlauf zu bestehen. Bei einem Fehlversuch besteht die Möglichkeit zur Wiederholung.

Häufige Fragen zur Umschulung zum Industriekaufmann

Wie lange dauert die Umschulung zum Industriekaufmann?
In Vollzeit dauert die Umschulung in der Regel 24 Monate und ist damit ein Jahr kürzer als die reguläre duale Ausbildung. In Teilzeit oder berufsbegleitend verlängert sich die Dauer entsprechend. Am Ende steht in jedem Fall die IHK-Abschlussprüfung, die den anerkannten Berufsabschluss bestätigt.
Übernimmt das Arbeitsamt die Kosten der Umschulung?
Ja, die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter kann die Umschulung über einen Bildungsgutschein vollständig finanzieren. Damit werden Lehrgangs- und Prüfungsgebühren übernommen, häufig auch Fahrtkosten und Kinderbetreuung. Der Lebensunterhalt läuft in dieser Zeit über Arbeitslosengeld oder Bürgergeld weiter. Voraussetzung ist ein bewilligter Bildungsgutschein nach einem Beratungsgespräch.
Welche Voraussetzungen gelten für die Umschulung?
Formal gibt es kaum feste Voraussetzungen. Sinnvoll sind eine abgeschlossene Erstausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung, kaufmännisches Interesse und ein Bezug zur Industrie. Für die Förderung durch das Arbeitsamt muss die Umschulung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht zwingend vorgeschrieben.
Was verdient ein Industriekaufmann nach der Umschulung?
Das Einstiegsgehalt liegt meist zwischen 2.400 und 3.200 Euro brutto im Monat. Die Höhe hängt von Branche, Region, Betriebsgröße und Tarifbindung ab. In tarifgebundenen Industrieunternehmen fällt die Vergütung oft höher aus. Mit Berufserfahrung und Fortbildungen wie dem Fachwirt oder Betriebswirt steigt das Gehalt deutlich an.
Wo finde ich einen geeigneten Umschulungsanbieter?
Passende Anbieter findest du über KURSNET, die Weiterbildungsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit. Wichtig ist, dass der Bildungsträger nach AZAV zertifiziert ist, denn nur dann lässt sich der Bildungsgutschein einlösen. Ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit hilft dabei, einen für die eigene Situation passenden Träger zu finden.
Welche Aufstiegschancen haben Industriekaufleute?
Nach dem Abschluss stehen zahlreiche Fortbildungen offen, etwa zum Fachwirt, Betriebswirt oder Fachkaufmann. Diese Abschlüsse werden häufig über das Aufstiegs-BAföG gefördert und führen zu Positionen mit mehr Verantwortung. Auch ein berufsbegleitendes Studium in BWL oder Industriemanagement ist möglich und eröffnet weitere Karrierewege.
Achtung! Tipp aus der Redaktion

Interessierte an einer Umschulung zum Industriekaufmann haben im Entscheidungsprozess oft viele Fragen und wünschen sich einen unabhängigen Ansprechpartner. Umschulungsanbieter beraten zwar gern, sind aber nicht neutral. Wer eine objektive Einschätzung sucht, sollte den folgenden Tipp aus unserer Redaktion beherzigen.

Nehmen Sie Kontakt mit dem Arbeitsamt auf!

Wer sich umschulen lassen möchte, sollte stets das Gespräch mit dem Arbeitsamt suchen. In einem Beratungstermin lässt sich der Wunsch nach einer Umschulung zum Industriekaufmann äußern und gemeinsam prüfen.

Die Beraterinnen und Berater können mit umfassenden Informationen weiterhelfen, passende Adressen nennen und eine Maßnahme vermitteln. Darüber hinaus lässt sich direkt eine Förderung beantragen, um die Finanzierung des Vorhabens zu sichern.