Umschulung Fachkraft für Arbeitssicherheit - Quereinstieg über das Arbeitsamt
Der Weg zur Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) führt nicht über eine klassische Ausbildung, sondern über einen anerkannten Qualifizierungslehrgang der DGUV. Voraussetzung ist ein Abschluss als Meister, Techniker oder Ingenieur plus mindestens zwei Jahre Berufspraxis. Der Lehrgang dauert je nach Modell rund fünf bis acht Monate in Vollzeit oder zwölf bis 24 Monate berufsbegleitend und lässt sich über das Arbeitsamt fördern. Wer im alten Beruf keine Perspektive mehr sieht, findet in dieser Qualifizierung einen Quereinstieg mit sicheren Berufsaussichten, denn Betriebe sind gesetzlich verpflichtet, eine Sifa zu bestellen.
Angehende Fachkräfte für Arbeitssicherheit nutzen die Weiterbildung als Startschuss für einen grundlegenden Berufswechsel. Bevor es losgeht, lohnt sich ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit. Nachfolgend finden Sie das Wichtigste zu Aufgaben, Voraussetzungen, Ablauf und Förderung, damit Sie sich ein eigenes Bild machen können.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Fachkraft für Arbeitssicherheit ist kein Ausbildungsberuf, sondern eine gesetzlich geregelte Zusatzqualifikation nach dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) und der DGUV Vorschrift 2.
- Zugang haben Meister, Techniker und Ingenieure mit mindestens zwei Jahren Berufspraxis; der Sifa-Lehrgang der DGUV vermittelt die sicherheitstechnische Fachkunde.
- Der aktuelle Lehrgang (Sifa 3.0) dauert etwa fünf bis acht Monate in Vollzeit oder zwölf bis 24 Monate berufsbegleitend und ist in die Lernfelder eins bis sechs gegliedert.
- Das Jahresgehalt liegt meist zwischen rund 45.000 und 70.000 Euro brutto, je nach Branche, Region und Erfahrung.
- Die Kosten lassen sich über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanzieren, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.

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Inhaltsverzeichnis
- Berufsbild, Berufsaussichten und Verdienst
- Der Weg zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
- Voraussetzungen, Dauer und Kosten
- Förderung durch das Arbeitsamt
- Wer besonders geeignet ist
- Alternativen zur Weiterbildung
- Der Berufsalltag als Fachkraft für Arbeitssicherheit
- So läuft der Sifa-Lehrgang ab
- Abgrenzung zu verwandten Rollen
- Einsatzmodelle und Einsatzzeiten
- Häufige Fragen zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
Berufsbild Fachkraft für Arbeitssicherheit - Berufsaussichten und Verdienst
Als Fachkraft für Arbeitssicherheit ist man auf keine bestimmte Branche festgelegt und hat nahezu grenzenlose Beschäftigungsmöglichkeiten. Der Grund: Arbeitssicherheit ist überall ein Thema. Nach dem Arbeitssicherheitsgesetz muss jeder Betrieb ab dem ersten Beschäftigten eine sicherheitstechnische Betreuung sicherstellen. Damit kommen sämtliche Wirtschaftsbereiche als Arbeitsorte in Betracht, von der Industrie über das Handwerk bis zu Verwaltung und Gesundheitswesen.
Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind vor allem beratend tätig und unterstützen den Arbeitgeber dabei, die Arbeit sicher und menschengerecht zu gestalten. Sie beurteilen Gefährdungen, begehen Arbeitsstätten, prüfen Betriebsanlagen sicherheitstechnisch, untersuchen Unfälle und schulen Beschäftigte. Ihre Empfehlungen halten sie schriftlich fest und begleiten deren Umsetzung.
Wenn es um Arbeitsschutz, Unfallverhütung und Arbeitssicherheit geht, sind Fachkräfte für Arbeitssicherheit gefragt. Weil die Einsatzbereiche und Aufgaben so verschieden sind, fällt auch der Verdienst unterschiedlich aus. Im Durchschnitt bewegt sich das Jahresgehalt zwischen rund 45.000 und 70.000 Euro brutto. Einsteiger liegen häufig bei 45.000 bis 55.000 Euro, erfahrene Sicherheitsingenieure mit Führungsverantwortung erreichen auch mehr. Ausschlaggebend sind Branche, Region, Unternehmensgröße und Verantwortung.
Der Weg zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
Wer sich zur Fachkraft für Arbeitssicherheit qualifizieren möchte, sollte Gefallen an der Tätigkeit finden und darin seine berufliche Zukunft sehen. Wichtig ist zu verstehen, worum es sich bei der Maßnahme handelt: Es ist kein anerkannter Ausbildungsberuf, sondern ein Qualifizierungslehrgang, der außerbetrieblich stattfindet und die sicherheitstechnische Fachkunde vermittelt.
Die Anforderungen sind nicht willkürlich, sondern gesetzlich verankert. Grundlage sind das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG, insbesondere die Paragrafen 5 und 7) und die DGUV Vorschrift 2. Federführend für Inhalte und Anerkennung sind die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sowie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Die typischen Inhalte des Lehrgangs lassen sich so zusammenfassen:
- Kommunikation und Beratung
- Arbeitsrecht und Organisation des Arbeitsschutzes
- Gesundheitsschutz und Ergonomie
- Arbeitssicherheit und Gefährdungsbeurteilung
- Unfallverhütung und Sicherheitstechnik
Voraussetzungen, Dauer und Kosten
Die Qualifizierung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ist eine Weiterbildung in Lehrgangsform. Sie kann in Vollzeit, berufsbegleitend oder als kombinierter Präsenz- und Fernlehrgang absolviert werden. Dass sich die Rahmenbedingungen je nach Träger unterscheiden, ist keine Überraschung. Folgende Eckdaten geben einen ersten Eindruck:
- Voraussetzungen: Abschluss als Techniker, Meister oder Ingenieur mit mindestens zweijähriger Berufspraxis; ohne Meister- oder Technikerprüfung mindestens vier Jahre in vergleichbarer Funktion
- Dauer: rund fünf bis acht Monate in Vollzeit oder zwölf bis 24 Monate berufsbegleitend; bei den Berufsgenossenschaften meist etwa 90 bis 100 Lerntage über anderthalb bis zwei Jahre
- Kosten: je nach Träger meist im vierstelligen Bereich, über einen Bildungsgutschein förderfähig
Umschulungen und Weiterbildungen können grundsätzlich über das Arbeitsamt finanziert werden. Einerseits gibt es einen Bildungsgutschein zur Übernahme der Lehrgangskosten, andererseits Hilfen zum Lebensunterhalt während der Maßnahme. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Weiterbildung arbeitsmarktlich sinnvoll ist und bei einem AZAV-zugelassenen Anbieter stattfindet. Passende Lehrgänge finden Sie über KURSNET der Bundesagentur für Arbeit. Ob und in welchem Umfang Sie Unterstützung erhalten, klärt sich im Beratungsgespräch.
Persönliche Eignung für die Weiterbildung
Um als Fachkraft für Arbeitssicherheit den Quereinstieg zu schaffen, muss man zunächst Ingenieur, Meister oder Techniker mit einschlägiger Berufserfahrung sein. Dass die Weiterbildung auch berufsbegleitend absolviert werden kann, kommt Berufstätigen entgegen. So lässt sich die Qualifizierung mit Beruf und Familie vereinbaren.
Neben Organisation und formalen Voraussetzungen zählt die persönliche Eignung. Wichtig sind vor allem diese Eigenschaften:
- Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein
- Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft
- Kommunikationsstärke und Durchsetzungsvermögen
- Flexibilität und Organisationsgeschick
Alternativen zur Weiterbildung
Die Qualifizierung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit bietet spannende Perspektiven und ist eine Überlegung wert. Zugleich sollten Interessierte mögliche Alternativen bedenken. Erwähnenswert ist unter anderem die Qualifizierung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit, die eher den Objekt- und Personenschutz abdeckt. Auch eine Tätigkeit im Sicherheitsdienst kann ein Einstieg sein. Wer technisch orientiert ist, findet in Berufen wie Mechatroniker oder technischer Zeichner weitere Wege. Zudem kann ein berufsbegleitendes Studium der Karriere zuträglich sein, etwa in einer dieser Disziplinen:
- Sicherheitsmanagement
- Sicherheitstechnik
Einen Überblick über weitere Wege und Fördermöglichkeiten geben unsere Ratgeber zur Umschulung über das Arbeitsamt und zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Der Berufsalltag als Fachkraft für Arbeitssicherheit
Der Arbeitstag einer Fachkraft für Arbeitssicherheit ist abwechslungsreich und selten am Schreibtisch verankert. Ein großer Teil der Zeit entfällt auf Begehungen: Die Sifa geht durch Produktionshallen, Lager, Büros oder Baustellen und prüft, ob Arbeitsplätze, Maschinen und Abläufe den Vorschriften entsprechen. Auffälligkeiten wie fehlende Schutzeinrichtungen, blockierte Fluchtwege oder ungünstige Beleuchtung werden dokumentiert und mit konkreten Verbesserungsvorschlägen an die Verantwortlichen weitergegeben.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Beratung. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit unterstützt den Arbeitgeber bei der Gefährdungsbeurteilung, bei der Auswahl persönlicher Schutzausrüstung und bei der Planung neuer Arbeitsplätze oder Anlagen. Dabei arbeitet sie eng mit dem Betriebsarzt, dem Betriebsrat und den Sicherheitsbeauftragten zusammen. Wichtig ist: Die Sifa berät und weist auf Mängel hin, die Entscheidung und Verantwortung bleiben aber beim Arbeitgeber.
Hinzu kommen Schulungen und Unterweisungen. Wer Beschäftigte für Gefahren sensibilisiert, muss komplexe Vorschriften verständlich erklären können. Nach Unfällen oder Beinaheunfällen untersucht die Fachkraft die Ursachen und leitet Maßnahmen ab, damit sich Vorfälle nicht wiederholen. Kommunikationsstärke und ein Gespür für Menschen sind daher genauso gefragt wie technisches Wissen.
So läuft der Sifa-Lehrgang ab
Der aktuelle Lehrgang trägt die Bezeichnung Sifa 3.0 und wurde zum 1. Juli 2023 modernisiert. Er kombiniert Präsenzphasen, selbstorganisiertes Lernen und ein betriebliches Praktikum. Inhaltlich ist er in sechs Lernfelder gegliedert. Die Lernfelder eins bis fünf vermitteln branchenübergreifend die Grund- und Vertiefungsausbildung, das Lernfeld sechs deckt branchenspezifische Themen ab, die je nach Berufsgenossenschaft unterschiedlich ausfallen.
Der Umfang beträgt bei den Trägern der DGUV und den Berufsgenossenschaften meist rund 90 bis 100 Lerntage, verteilt auf anderthalb bis zwei Jahre. Typisch sind Seminartage in Präsenz, mehrere Wochen selbstorganisiertes Lernen und ein Betriebspraktikum von etwa 35 Tagen, in dem das Gelernte in der Praxis angewendet wird. Zwischendurch finden Lernerfolgskontrollen statt, an deren Ende der Nachweis der sicherheitstechnischen Fachkunde steht.
Freie, DGUV-anerkannte Träger bieten kompaktere Modelle an, etwa fünf bis acht Monate in Vollzeit oder rund zwölf Monate berufsbegleitend. Eine Sonderregelung gilt für Sicherheitsingenieure mit einschlägigem Studium und mindestens einem Jahr Berufspraxis: Sie können ohne zusätzlichen Lehrgang bestellt werden. Wer bereits Vorleistungen mitbringt, sollte die Anrechnung mit dem Träger klären.
Abgrenzung zu verwandten Rollen im Arbeitsschutz
Im betrieblichen Arbeitsschutz gibt es mehrere Funktionen, die leicht verwechselt werden. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit ist die zentrale beratende Instanz mit nachgewiesener sicherheitstechnischer Fachkunde. Davon zu unterscheiden ist der Sicherheitsbeauftragte, der ehrenamtlich aus der Belegschaft benannt wird und ohne den umfangreichen Lehrgang unterstützend tätig ist. Er meldet Gefahren aus dem Arbeitsalltag, ersetzt aber keine Sifa.
Ebenfalls beteiligt ist der Betriebsarzt, der die medizinische Seite des Arbeitsschutzes abdeckt, etwa Vorsorgeuntersuchungen und arbeitsmedizinische Beratung. Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit bilden gemeinsam die betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung nach der DGUV Vorschrift 2. Wer den Objekt-, Wert- oder Personenschutz meint, denkt dagegen an die Fachkraft für Schutz und Sicherheit, ein ganz anderes Berufsbild. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Bezeichnungen im Alltag oft durcheinandergeraten und unterschiedliche Qualifikationen erfordern.
Größere Unternehmen bündeln diese Rollen häufig in einer Stabsstelle Arbeitssicherheit oder im Bereich HSE (Health, Safety, Environment). Für Quereinsteiger eröffnet das die Chance, sich nach der Grundqualifikation weiter zu spezialisieren, etwa im Brand-, Umwelt- oder Gefahrstoffschutz.
Einsatzmodelle und Einsatzzeiten im Betrieb
Wie viel Zeit eine Fachkraft für Arbeitssicherheit im Betrieb verbringt, richtet sich nach Betriebsgröße und Gefährdungslage. Große Betriebe mit erhöhtem Risiko beschäftigen oft eine oder mehrere Sifas in Festanstellung. Kleine und mittlere Betriebe binden die Fachkunde häufig über einen überbetrieblichen Dienst ein, der mehrere Kunden betreut, oder nutzen das sogenannte Unternehmermodell, bei dem der Inhaber selbst geschult wird und externe Beratung nur bei Bedarf hinzuzieht.
Für Umschulerinnen und Umschuler ergeben sich daraus verschiedene Perspektiven. Wer sich fest anstellen lassen möchte, findet Stellen vor allem in der Industrie, im Bauwesen und bei großen Dienstleistern. Wer flexibel arbeiten will, kann bei einem sicherheitstechnischen Dienst einsteigen und dort mehrere Betriebe betreuen, was viel Abwechslung, aber auch Reisetätigkeit bedeutet. Selbstständigkeit als externe Fachkraft ist ebenfalls möglich, setzt jedoch Erfahrung und ein belastbares Netzwerk voraus. Aktuelle Stellenangebote und passende AZAV-Lehrgänge lassen sich über die Jobbörse und KURSNET der Bundesagentur für Arbeit recherchieren.
Häufige Fragen zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
Klären Sie vor der Anmeldung mit einem Träger, ob Ihr bisheriger Abschluss und Ihre Berufspraxis die Zugangsvoraussetzungen erfüllen, und lassen Sie sich die AZAV-Zulassung bestätigen. Nur dann ist eine Förderung über den Bildungsgutschein möglich. Ein kurzes Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit vor der Buchung erspart später Ärger.