Umschulung Ergotherapeut - Quereinstieg ĂĽber das Arbeitsamt
Das Wichtigste in KĂĽrze
- Die Umschulung zum Ergotherapeuten dauert in Vollzeit zwei bis drei Jahre und schlieĂźt mit der staatlichen PrĂĽfung zum staatlich anerkannten Ergotherapeuten ab.
- Sie findet schulisch an einer Berufsfachschule statt und verbindet Theorie mit mehreren praktischen Einsätzen in Kliniken, Praxen und sozialen Einrichtungen.
- Als Zugang genügt in der Regel ein mittlerer Schulabschluss; mit Hauptschulabschluss ist zusätzlich eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufspraxis nötig.
- Das Arbeitsamt kann die Umschulung über einen Bildungsgutschein fördern, wenn sie beruflich notwendig ist und der Anbieter AZAV-zugelassen ist.
- Das Einstiegsgehalt liegt meist zwischen rund 2.400 und 3.000 Euro brutto im Monat, mit Weiterbildung und Berufserfahrung steigt es an.
Nach einigen Berufsjahren kommen viele Menschen an einen Punkt, an dem sie ihre einstige Berufswahl infrage stellen. Vor allem im Falle einer bestehenden oder drohenden Arbeitslosigkeit liegt es nahe, sich beruflich zu verändern, um neue Perspektiven zu entwickeln. Die Umschulung zum Ergotherapeuten beziehungsweise zur Ergotherapeutin ist ein schulischer Zweitausbildungsweg, der in zwei bis drei Jahren zum staatlich anerkannten Abschluss führt und über einen Bildungsgutschein des Arbeitsamts gefördert werden kann. Wer schon einmal mit ergotherapeutischen Behandlungen in Berührung gekommen ist und darin eine sinnvolle Tätigkeit sieht, findet hier einen realistischen Quereinstieg in das Gesundheitswesen.
Bevor man eine so weitreichende Entscheidung trifft, sollte man aber genau recherchieren. Die nachfolgenden Informationen ergrĂĽnden alle relevanten Details rund um die Umschulung zum Ergotherapeuten und eignen sich auch zur Vorbereitung auf einen Beratungstermin beim Arbeitsamt.
Berufsbild Ergotherapeut/in – Karrierechancen und Verdienst
Viele Menschen haben zwar eine gewisse Vorstellung davon, woraus der Arbeitsalltag eines Ergotherapeuten besteht, aber dennoch bleibt diese recht vage. Speziell im Zusammenhang mit der Berufswahl sollte man aber nicht auf Vermutungen bauen, sondern auf der Grundlage von Fakten entscheiden. Bei der Ergotherapie handelt es sich um eine Therapieform, die auf praktische Betätigungen setzt. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Stärken und Schwächen des Patienten wird ein individueller Therapieplan erstellt.
Ergotherapeuten begleiten so gezielte Maßnahmen, die die Lebensqualität ihrer Patienten nachhaltig verbessern sollen. Beratungen, Behandlungen und Fördermaßnahmen prägen gleichermaßen den beruflichen Alltag. Dabei geht es um Prävention, Therapie und Rehabilitation.
Indem man Menschen mit Behinderung, physischer oder psychischer Erkrankung oder Entwicklungsverzögerung aktiv hilft und eine bessere Teilhabe ermöglicht, kann man als Ergotherapeut/in für den Einzelnen viel bewegen. Die eigenen beruflichen Pläne lassen sich ebenfalls verwirklichen, denn Ergotherapeuten werden vor allem in den folgenden Bereichen gebraucht:
- Kliniken und Krankenhäuser
- Rehabilitationseinrichtungen
- Therapiezentren
- Praxen fĂĽr Ergotherapie
- soziale Einrichtungen
- Pflegeeinrichtungen
- Behindertenhilfe
- pädagogische Einrichtungen
Angehende Ergotherapeuten interessieren sich naturgemäß auch fĂĽr die Verdienstmöglichkeiten. In der Regel bewegt sich das Bruttojahresgehalt zwischen rund 28.000 Euro und 40.000 Euro, was einem Monatsverdienst von etwa 2.400 bis 3.300 Euro entspricht. Der genaue Verdienst hängt von Bundesland, Träger, Tarifbindung und Berufserfahrung ab. In Einrichtungen mit Tarifvertrag – etwa nach TVöD – fällt die VergĂĽtung meist höher aus als in kleinen privaten Praxen.
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So läuft die Umschulung zum Ergotherapeuten ab
Menschen, die einen anderen Beruf erlernt haben und bislang darin tätig waren, haben zunächst keinen Zugang zur Ergotherapie. Wer als Ergotherapeut tätig werden möchte, muss eine entsprechende Ausbildung inklusive des offiziellen Abschlusses als staatlich anerkannter Ergotherapeut vorweisen können. Es besteht allerdings die Möglichkeit, die Qualifikation nachzuholen, indem man eine Umschulung zum Ergotherapeuten beziehungsweise zur Ergotherapeutin absolviert.
Die Umschulung weist keine gravierenden Unterschiede zur schulischen Ausbildung auf, da sie ebenfalls außerbetrieblich stattfindet. Angehende Ergotherapeuten drücken folglich vornehmlich die Schulbank und eignen sich theoretisches Fachwissen an. Dabei stehen unter anderem die folgenden Fächer auf dem Lehrplan:
- Sozialwissenschaft
- Psychologie
- Pädagogik
- Didaktik
- Grundlagen der Medizin
- Erste Hilfe
- Hygiene
- Biologie
- Krankheitslehre
- Arzneimittellehre
- Arbeitsmedizin
- Soziologie
- Gerontologie
- Mittel der Ergotherapie
- Verfahren der Ergotherapie
Praktika sorgen dafür, dass angehende Ergotherapeutinnen die berufliche Praxis kennenlernen und erste Erfahrungen sammeln. Diese Einsätze finden in Kliniken, Praxen, Reha-Einrichtungen und sozialen Einrichtungen statt und decken verschiedene Fachbereiche wie Neurologie, Psychiatrie und Pädiatrie ab. Abschließend findet die staatliche Prüfung statt, die das theoretische, praktische und mündliche Wissen überprüft. Grundlage ist bundesweit das Ergotherapeutengesetz mit der zugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung.
Voraussetzungen, Dauer und Kosten der Ergotherapeuten-Umschulung
Eine einschlägige Vorbildung ist weder für eine Ausbildung noch eine Umschulung erforderlich. Angehende Ergotherapeuten sollten aber mindestens über den Realschulabschluss verfügen. Wer lediglich den Hauptschulabschluss vorweisen kann, muss zusätzlich eine mindestens zweijährige Berufsausbildung oder einschlägige Berufspraxis nachweisen. Die gesundheitliche Eignung muss ebenfalls gegeben sein und wird meist durch ein ärztliches Attest bestätigt.
Unter diesen Voraussetzungen kann man sich in zwei bis drei Jahren als Ergotherapeut/in qualifizieren. Staatliche Berufsfachschulen können teils kostenlos besucht werden, während private Anbieter Schulgeld erheben, das häufig mehrere Tausend Euro pro Jahr beträgt. Genau hier setzt die Förderung an: Übernimmt das Arbeitsamt die Umschulung per Bildungsgutschein, sind Lehrgangs- und Prüfungsgebühren abgedeckt. Umschüler/innen sollten sich dort auch nach Hilfen zum Lebensunterhalt erkundigen, um während der Umschulung finanziell abgesichert zu sein.
Passende Anbieter finden und vergleichen
Wer eine geeignete Berufsfachschule oder einen AZAV-zugelassenen Anbieter sucht, sollte mehrere Angebote vergleichen. Wichtige Kriterien sind die staatliche Anerkennung des Abschlusses, die Erfolgsquote bei der staatlichen Prüfung, die Qualität der Praktikumsplätze und die Erreichbarkeit des Standorts. Ein Blick auf die Kooperationen mit Kliniken und Praxen lohnt sich, da gute Praktikumsplätze den Berufseinstieg erleichtern. Über die geförderte Weiterbildung über das Arbeitsamt lassen sich zudem finanzielle Fragen frühzeitig klären.
Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Umschulung
Nach dem erfolgreichen Abschluss als Ergotherapeut/in verfügt man zwar über die Kenntnisse und Kompetenzen, die man im Beruf braucht, hat aber längst noch nicht ausgelernt. Daher lohnt es sich, im Anschluss an die Umschulung die verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten auszuloten. Neben dem einen oder anderen Seminar bietet sich beispielsweise eine der folgenden Fortbildungen an:
- Fachwirt/in im Gesundheits- und Sozialwesen
- Fachwirt/in für Organisation und Führung Schwerpunkt Sozialpädagogik
- Betriebswirt/in fĂĽr Sozialwesen
- Betriebswirt/in fĂĽr Management im Gesundheitswesen
In Zeiten zunehmender Akademisierung sollten Ergotherapeuten zudem an ein berufsbegleitendes Studium denken. Per Fernstudium, Abendstudium oder anderweitigem Teilzeitstudium können sie den grundständigen Bachelor und/oder weiterführenden Master in einem der folgenden Fächer anstreben:
- Ergotherapie
- Therapiewissenschaft
- Gesundheitswissenschaft
- Rehabilitation
- Gesundheitspädagogik
- Pädagogik
- Bildungswissenschaft
- Heilpädagogik
- Soziale Arbeit
- Sonderpädagogik
Auch fachliche Zusatzqualifikationen etwa in Handtherapie, Sensorischer Integrationstherapie oder in der neurologischen Rehabilitation erhöhen die beruflichen Chancen und ermöglichen eine Spezialisierung.
Alternativen zur Ergotherapeuten-Umschulung
Anstelle einer Ergotherapeuten-Umschulung existieren noch einige weitere Optionen, die Berufswechsler/innen mit einem Faible für das Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen nicht außer Acht lassen sollten. Wer breiter im Bereich Umschulung über das Arbeitsamt vergleichen möchte, findet dort einen Überblick verwandter Berufe. Naheliegende Alternativen sind unter anderem:
- Umschulung zum Physiotherapeuten
- Umschulung zum Erzieher
- Umschulung zum Logopäden
- Umschulung zum Heilerziehungspfleger
- Umschulung zum Masseur und medizinischen Bademeister
Förderung vom Arbeitsamt für die Umschulung
Angehende Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen, die sich umschulen lassen möchten, müssen die Finanzierung dieses Vorhabens klären. Dabei müssen sie einerseits an die Lehrgangsgebühren und andererseits an ihren Lebensunterhalt denken. In beiden Punkten kann das Arbeitsamt mit der richtigen Förderung helfen, die allerdings als Kann-Leistung ausgestaltet ist. Ein Rechtsanspruch besteht nicht; entscheidend ist, dass die Umschulung beruflich notwendig ist und die Eingliederung in den Arbeitsmarkt verbessert.
Wird die Umschulung zum Ergotherapeuten seitens des Arbeitsamtes befĂĽrwortet, kommt die folgende finanzielle UnterstĂĽtzung infrage:
- Bildungsgutschein fĂĽr Lehrgangs- und PrĂĽfungskosten
- Ăśbernahme von Fahrt- und gegebenenfalls Kinderbetreuungskosten
- Arbeitslosengeld beziehungsweise BĂĽrgergeld zur Sicherung des Lebensunterhalts
Wichtig ist, den Bildungsgutschein vor Beginn der Umschulung zu beantragen, da eine nachträgliche Förderung in der Regel ausgeschlossen ist. Voraussetzung ist zudem, dass der gewählte Anbieter nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen ist.
Die berufsbegleitende Ausbildung in Teilzeit
Anstelle einer Umschulung zur Ergotherapeutin ist auch eine berufsbegleitende Ausbildung in Teilzeit möglich. Eine solche Teilzeitausbildung kommt vor allem Menschen entgegen, die während der Familienphase den Grundstein für einen beruflichen Neubeginn im Bereich der Ergotherapie legen möchten. Trotz Kinderbetreuung oder Angehörigenpflege können sie sich als Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten qualifizieren.
Der Preis für diese Flexibilität ist eine längere Ausbildungsdauer, da der Lehrstoff auf mehr Jahre verteilt wird. Wer diesen Weg wählt, sollte frühzeitig klären, ob und wie sich Teilzeit und Förderung durch das Arbeitsamt vereinbaren lassen.
Der Berufsalltag als Ergotherapeut
Der Arbeitsalltag als Ergotherapeut ist abwechslungsreich und von direktem Patientenkontakt geprägt. Zu Beginn einer Behandlung steht die Befunderhebung: Der Ergotherapeut ermittelt, welche alltagsrelevanten Fähigkeiten eingeschränkt sind und welche Ziele sich der Patient setzt. Auf dieser Grundlage entsteht ein individueller Therapieplan.
Im weiteren Verlauf trainieren Ergotherapeuten mit ihren Patienten konkrete Handlungen des täglichen Lebens – vom Greifen und Anziehen ĂĽber die Feinmotorik bis hin zu kognitiven Ăśbungen. Je nach Fachbereich arbeiten sie mit Kindern mit Entwicklungsverzögerungen, mit Erwachsenen nach einem Schlaganfall oder mit Menschen in psychiatrischen Einrichtungen. Dokumentation, Verlaufskontrolle und der Austausch mit Ă„rzten, Pflegekräften und Angehörigen gehören ebenfalls zum Alltag. Ergotherapeuten arbeiten dabei eng im interdisziplinären Team und passen die Behandlung fortlaufend an die Fortschritte der Patienten an.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Die Aussichten für Ergotherapeuten sind stabil und werden durch mehrere langfristige Entwicklungen gestützt. Der demografische Wandel führt zu einer wachsenden Zahl älterer Menschen, die nach Erkrankungen oder Operationen ergotherapeutische Unterstützung benötigen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage in der Pädiatrie und in der psychiatrischen Versorgung.
Fachkräfte im Gesundheitswesen sind vielerorts gesucht, sodass ausgebildete Ergotherapeuten meist gute Chancen auf eine Anstellung haben. Beschäftigung finden sie in Praxen, Kliniken, Reha-Zentren, Pflegeeinrichtungen sowie in der Frühförderung. Wer sich spezialisiert oder zusätzlich qualifiziert, verbessert seine Position weiter. Auch die Selbstständigkeit mit einer eigenen Praxis ist nach einigen Jahren Berufserfahrung ein möglicher Weg, erfordert allerdings betriebswirtschaftliches Wissen und die Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen der Krankenkassen.
So läuft die staatliche Abschlussprüfung ab
Die Umschulung endet mit der staatlichen Prüfung, deren Rahmen bundesweit im Ergotherapeutengesetz und der zugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung geregelt ist. Die Prüfung gliedert sich in drei Teile: einen schriftlichen, einen mündlichen und einen praktischen Prüfungsabschnitt.
Im schriftlichen Teil werden Themengebiete wie Krankheitslehre, Grundlagen der Ergotherapie sowie sozial- und geisteswissenschaftliche Inhalte abgefragt. Der mündliche Teil prüft das Verständnis fachlicher Zusammenhänge. Im praktischen Teil zeigt der angehende Ergotherapeut am oder mit einem Patienten, dass er Befund, Behandlungsplanung und Durchführung sicher beherrscht. Erst nach Bestehen aller drei Teile darf die Berufsbezeichnung staatlich anerkannter Ergotherapeut beziehungsweise staatlich anerkannte Ergotherapeutin geführt werden. Diese staatliche Anerkennung ist die Voraussetzung, um in Deutschland ergotherapeutisch tätig zu sein.
Häufige Fragen zur Umschulung zum Ergotherapeuten
Wer im Bereich Ergotherapie seine berufliche Zukunft sieht und durchstarten will, schenkt vor allem formalen und organisatorischen Aspekten Aufmerksamkeit. Interessierte sollten aber auch den folgenden Tipp unserer Redaktion ernst nehmen.
Hinterfragen Sie Ihre persönliche Eignung als Ergotherapeut/in!
Bevor man in die Ergotherapie wechselt, sollte man sich selbst fragen, ob man den Anforderungen des Berufs gewachsen ist. Das fachliche Know-how erlangt man im Zuge der Qualifizierung, die persönliche Eignung muss dahingegen von vornherein vorhanden sein.
Hier kommt es vor allem auf die folgenden Punkte an:
- Offenheit
- körperliche Fitness
- Einfühlungsvermögen
- Kreativität
- Toleranz
- Geduld
- Kommunikationsstärke
- Kontaktfreudigkeit
- handwerkliches Geschick
- mentale Stärke






