Umschulung Elektroniker - Quereinstieg ĂĽber das Arbeitsamt
Das Wichtigste in KĂĽrze
- Dauer: Die Umschulung zum Elektroniker dauert in Vollzeit meist etwa 2 bis 2,5 Jahre (rund 21 bis 28 Monate) statt der regulären 3,5-jährigen Ausbildung.
- Kosten: Die Lehrgangskosten liegen je nach Anbieter im mittleren fünfstelligen Bereich, werden bei Förderung aber vollständig übernommen.
- Förderung: Über den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III bei AZAV-zertifizierten Anbietern trägt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter in der Regel 100 Prozent der Kosten.
- Voraussetzungen: Kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben; empfehlenswert sind technisches Verständnis, handwerkliches Geschick sowie solide Kenntnisse in Mathematik und Physik.
- Verdienst: Elektroniker verdienen als Berufseinsteiger meist rund 2.400 bis 3.000 Euro brutto im Monat, mit Erfahrung und Weiterbildung deutlich mehr.
Die Umschulung zum Elektroniker führt Berufswechsler in etwa zwei bis zweieinhalb Jahren zu einem anerkannten IHK- oder HWK-Abschluss und wird über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit in der Regel vollständig gefördert. Sie richtet sich an Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen, wegen fehlender Perspektiven im alten Beruf oder aufgrund veränderter Arbeitsmarktlage einen technischen Neuanfang suchen.
Als Elektroniker/in eröffnen sich vielversprechende Karrierechancen in einer gefragten Branche. Vorab sollten Interessierte umfassend recherchieren und die kostenlose Beratung der Agentur für Arbeit nutzen, um sich ein genaues Bild zu machen. Im Folgenden finden Sie alle wichtigen Informationen zu Ablauf, Voraussetzungen, Kosten und Förderung.
Berufsbild Elektroniker und Verdienstmöglichkeiten
Der anerkannte Ausbildungsberuf Elektroniker/in kann in der Industrie oder im Handwerk angesiedelt sein. Dies zeigt der Umstand, dass hier die folgenden Varianten zur Auswahl stehen:
| Industrie | Handwerk |
|---|---|
|
|
Unabhängig von der jeweiligen Fachrichtung sind Elektroniker/innen für elektronische Systeme zuständig und kümmern sich um deren Planung, Einrichtung, Wartung und Kontrolle. Den verschiedenen Fachrichtungen entsprechend existieren für Elektroniker/innen unterschiedlichste Einsatzmöglichkeiten. An Karrierechancen mangelt es in der Elektronik somit in keiner Weise.
Finanziell sieht es für qualifizierte Elektroniker/innen ebenfalls gut aus. Berufseinsteiger verdienen meist zwischen rund 24.000 und 36.000 Euro brutto im Jahr, mit Berufserfahrung, Tarifbindung und Weiterbildung sind auch 40.000 Euro und mehr möglich. Die konkreten Verdienstmöglichkeiten hängen von Faktoren wie Region, Branche, Betriebsgröße und Tarifvertrag ab. Wer sich fachlich weiterbildet und Zusatzqualifikationen erwirbt, hebt sein Einkommen deutlich an. Weitere geförderte Qualifizierungen finden Sie in unserer Übersicht zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
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So läuft die Umschulung zum Elektroniker ab
All diejenigen, die per Umschulung Elektroniker/in werden möchten, sollten wissen, dass der Berufsabschluss in der Regel im Rahmen einer dualen Berufsausbildung erlangt wird. Unabhängig von der jeweiligen Fachrichtung absolvieren angehende Elektroniker/innen für gewöhnlich eine betriebliche Ausbildung in Verbindung mit ergänzendem Berufsschulunterricht. Dabei geht es vor allem um die folgenden Inhalte:
- Elektrotechnik
- Physik
- Elektrische Systeme und Anlagen
- Informatik
- Kommunikation
- Organisation
- Sicherheit
- Technischer Service
Inhaltlich ergeben sich bei einer Qualifizierung per Umschulung keine Unterschiede, denn auch hier muss abschließend die offizielle Prüfung abgelegt werden, um den Berufsabschluss zu erlangen. Der Weg dahin fällt jedoch anders aus, denn Umschüler/innen nehmen für gewöhnlich an einer außerbetrieblichen Maßnahme teil, die als schulischer Lehrgang mit integrierten Praxisphasen daherkommt.
Rahmenbedingungen der Elektroniker-Umschulung
Obwohl es auch die Möglichkeit einer betrieblichen Umschulung gibt, erfolgt die Umschulung zum Elektroniker in den meisten Fällen im Rahmen eines außerbetrieblichen Lehrganges. Besondere Zugangsvoraussetzungen gelten dafür nicht, wobei sich Umschulungsmaßnahmen in erster Linie an Menschen richten, die bereits einen anderen Beruf gelernt haben und nun umsatteln möchten oder müssen.
Das Ganze dauert dann in der Regel etwa zwei Jahre und geht mit Kosten einher, die allerdings vom Arbeitsamt übernommen werden können. Neben Hilfen zum Lebensunterhalt kann es von der Agentur für Arbeit beziehungsweise vom Jobcenter einen Bildungsgutschein geben, durch den die Übernahme sämtlicher Umschulungskosten sichergestellt wird. Der berufliche Neubeginn als Elektroniker/in muss folglich keine Frage des Geldes sein. Einen Überblick über weitere Umschulungsberufe bietet unser Ratgeber zur Umschulung über das Arbeitsamt.
Voraussetzungen fĂĽr die Elektroniker-Umschulung
Für die Elektroniker-Umschulung ist kein bestimmter Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben. In der Praxis erwarten die meisten Bildungsträger jedoch mindestens einen Hauptschulabschluss oder einen gleichwertigen Bildungsstand. Wichtiger als das Zeugnis sind ausreichende Deutschkenntnisse für den Berufsschulunterricht sowie Grundkenntnisse in Mathematik und Physik, da die Ausbildung stark auf naturwissenschaftlichen Grundlagen aufbaut.
Berufliche Vorkenntnisse sind von Vorteil, aber keine Pflicht. Auch ein Quereinstieg ohne einschlägige Vorerfahrung ist möglich. Weitere wichtige Kriterien sind handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und ein verantwortungsbewusster Umgang mit elektrischen Anlagen, denn hier steht die Arbeitssicherheit an erster Stelle. Ob eine Maßnahme im Einzelfall passt, wird in einem Beratungsgespräch beim Anbieter und bei der Agentur für Arbeit geklärt. Für sicherheitsrelevante Tätigkeiten wird zudem häufig eine arbeitsmedizinische Eignung geprüft.
Dauer und Kosten der Umschulung
Die Dauer einer Elektroniker-Umschulung variiert je nach Anbieter und Fachrichtung. In Vollzeit dauert die Maßnahme meist zwischen 21 und 28 Monaten und ist damit deutlich kürzer als die reguläre 3,5-jährige duale Ausbildung. Bei einer Vollzeitmaßnahme sollten Sie mit einer wöchentlichen Lernzeit von rund 35 bis 40 Stunden rechnen. Diese Zeiten umfassen sowohl den theoretischen Unterricht als auch die praktischen Ausbildungsphasen in Werkstätten und Betrieben. In Teilzeit verlängert sich die Umschulung entsprechend.
Die Kosten für eine Elektroniker-Umschulung können beträchtlich sein und bewegen sich je nach Anbieter und Dauer im mittleren fünfstelligen Bereich. Interessierte müssen sich über die Finanzierung jedoch in der Regel keine Sorgen machen, da AZAV-zertifizierte Maßnahmen über einen Bildungsgutschein vollständig förderfähig sind und damit für berechtigte Personen kostenlos werden. Die vergleichsweise hohen Kosten erklären sich durch die umfassende praktische Ausbildung, die moderne Ausstattung der Lehrwerkstätten und die intensive Betreuung durch qualifizierte Ausbilder. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer einen anerkannten Gesellen- oder Facharbeiterbrief, der gute Chancen in der Elektro- und Digitalindustrie eröffnet.
Förderung durch Arbeitsamt und Jobcenter
Die Finanzierung einer Elektroniker-Umschulung erfolgt hauptsächlich über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters gemäß § 81 SGB III. Berechtigt sind Arbeitslose, Bezieher von Arbeitslosengeld oder Bürgergeld, von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen sowie Menschen ohne verwertbaren Berufsabschluss, sofern die Maßnahme ihre Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt verbessert. Voraussetzung ist, dass der Bildungsträger und die Maßnahme nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sind. Der Bildungsgutschein deckt in der Regel 100 Prozent der Lehrgangskosten ab, sodass für die Teilnehmer keine direkten Kosten entstehen. Zusätzlich können während der Umschulung weiterhin Leistungen wie Arbeitslosengeld oder Bürgergeld bezogen werden.
Den Antrag auf einen Bildungsgutschein stellen Sie über ein Beratungsgespräch bei Ihrer örtlichen Arbeitsagentur oder Ihrem Jobcenter. Hilfreich ist eine Kostenübersicht des gewünschten Anbieters sowie Nachweise über Ihre berufliche Situation. Die finale Entscheidung über die Förderung trifft die jeweilige Agentur auf Basis Ihrer individuellen Voraussetzungen und der Arbeitsmarktchancen in Ihrer Region. Passende, AZAV-zugelassene Anbieter finden Sie über das Portal KURSNET der Bundesagentur für Arbeit. Detaillierte Informationen zu den Fördermöglichkeiten erhalten Sie bei der Bundesagentur für Arbeit.
Die Fachrichtungen im Elektroniker-Beruf
Unabhängig davon, ob es um eine Umschulung, eine duale Ausbildung oder eine berufsbegleitende Ausbildung geht, stehen verschiedene Fachrichtungen zur Auswahl. Bereits während der Ausbildung können angehende Elektroniker/innen fachliche Schwerpunkte setzen und sich auf einen der folgenden Bereiche fokussieren:
- Automatisierungstechnik
- Energie- und Gebäudetechnik
- Betriebstechnik
- Gebäude- und Infrastruktursysteme
- Maschinen und Antriebstechnik
- Gebäudesystemintegration
- Automatisierungs- und Systemtechnik
- Luftfahrttechnische Systeme
- Informations- und Systemtechnik
Nach der Umschulung stehen viele Wege offen
Wer den Berufsabschluss als Elektroniker/in per Umschulung erlangt hat, kann eine zweite Karriere starten und in einschlägigen Betrieben tätig werden. Gleichzeitig darf das lebenslange Lernen nicht vernachlässigt werden, schließlich existieren verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten für Elektroniker/innen. Hier sind unter anderem die folgenden Fortbildungen zu nennen:
- Prozessmanager/in
- Staatlich geprĂĽfte/r Techniker/in
- Meister/in im Elektrohandwerk oder Industriemeister/in
- Technische/r Fachwirt/in
Berufsbegleitendes Studium fĂĽr Elektroniker
Nicht nur eine Fortbildung, sondern auch ein akademisches Studium kann von Elektronikern berufsbegleitend in Angriff genommen werden. Wer beispielsweise eine UmschulungsmaĂźnahme erfolgreich beendet hat und nun im Beruf FuĂź fasst, muss dafĂĽr nicht pausieren.
Indem man sich für ein flexibles Fernstudium, Abendstudium oder anderes Teilzeitstudium entscheidet, lassen sich Job und Studium gut miteinander vereinbaren. Vor allem die folgenden Studiengänge bieten sich für Elektroniker/innen an:
- Elektrotechnik
- Mechatronik
- Technische Informatik
- Produktionstechnik
- Prozessmanagement
- Wirtschaftsingenieurwesen
- Automatisierungstechnik
- Energietechnik
Alternativen zur Elektroniker-Umschulung
Angesichts der zahlreichen Varianten der Elektroniker-Umschulung erscheint die Suche nach Alternativen zunächst überflüssig. Wer aber noch nicht auf den Elektroniker festgelegt ist, sollte auch verwandte technische Berufe in Betracht ziehen. Dabei handelt es sich trotz vieler Parallelen um eigenständige Berufsbilder, die die Auswahl an möglichen Umschulungen vergrößern:
- Umschulung zum Mechatroniker – die Verbindung aus Mechanik, Elektronik und Informatik
- Umschulung zum IT-Systemelektroniker – Schnittstelle zwischen Elektronik und IT-Systemen
- Umschulung zum Industriemechaniker – technische Instandhaltung in der Industrie
- Umschulung zum Anlagenmechaniker – Montage und Wartung technischer Anlagen
Der Berufsalltag als Elektroniker
Der Arbeitsalltag von Elektroniker/innen ist abwechslungsreich und stark von der gewählten Fachrichtung geprägt. Wer in der Betriebstechnik arbeitet, installiert und wartet elektrische Anlagen in Produktionshallen, richtet Schaltschränke ein und hält Maschinen in Betrieb. In der Energie- und Gebäudetechnik dreht sich vieles um die elektrische Ausstattung von Gebäuden, von der Verlegung der Leitungen über die Installation von Verteilern bis zur Anbindung moderner Smart-Home- und Photovoltaikanlagen.
Ein typischer Arbeitstag beginnt oft mit der Sichtung von Aufträgen und Plänen. Danach folgen Montage, Inbetriebnahme oder Fehlersuche an Anlagen. Elektroniker/innen messen Spannungen und Ströme, lesen Schaltpläne, programmieren Steuerungen und dokumentieren ihre Arbeit. Sicherheit hat dabei stets oberste Priorität, denn der Umgang mit Strom erfordert Sorgfalt und die konsequente Einhaltung der einschlägigen Vorschriften und der anerkannten Regeln der Technik. Neben der handwerklichen Tätigkeit gehören auch Kundenkontakt, Absprachen mit anderen Gewerken und zunehmend digitale Dokumentation zum Berufsalltag.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Die Berufsaussichten für Elektroniker/innen sind ausgesprochen gut. Der Fachkräftemangel im Elektrohandwerk und in der Industrie ist seit Jahren spürbar, und der Bedarf an qualifiziertem Personal wächst weiter. Wesentliche Treiber sind die Energiewende, der Ausbau erneuerbarer Energien, die zunehmende Elektromobilität sowie die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung der Industrie. All diese Entwicklungen erfordern Elektroniker/innen, die elektrische Systeme planen, installieren und instand halten.
Für Umschüler/innen bedeutet das eine solide Perspektive auf einen sicheren Arbeitsplatz. Wer einen anerkannten Abschluss vorweisen kann, hat auf dem Arbeitsmarkt sehr gute Chancen und findet in nahezu allen Regionen Deutschlands Beschäftigung. Auch die Aussicht auf unbefristete Anstellung und faire Bezahlung ist in vielen Betrieben gegeben, insbesondere in tarifgebundenen Unternehmen. Mit zusätzlichen Qualifikationen wie einer Meister- oder Technikerfortbildung lassen sich die Karriere- und Verdienstaussichten weiter verbessern.
So läuft die Abschlussprüfung ab
Umschüler/innen legen dieselbe Abschlussprüfung ab wie reguläre Auszubildende. Die Prüfung wird vor der zuständigen Kammer abgenommen, also der Industrie- und Handelskammer (IHK) im industriellen Bereich oder der Handwerkskammer (HWK) im Handwerk. Bei erfolgreichem Bestehen erhalten die Teilnehmer einen bundesweit anerkannten Gesellen- oder Facharbeiterbrief, der dem Abschluss einer regulären Ausbildung gleichwertig ist.
In den meisten Elektroniker-Berufen ist die Prüfung als gestreckte Abschlussprüfung aufgebaut. Ein erster Teil wird bereits im Verlauf der Ausbildung abgelegt und fließt in das Gesamtergebnis ein, der zweite Teil folgt am Ende. Geprüft werden schriftliche Aufgaben aus den Bereichen Elektrotechnik, Systementwurf und Wirtschafts- und Sozialkunde sowie eine praktische Prüfung. In dieser bearbeiten die Prüflinge einen betrieblichen Auftrag oder eine praktische Aufgabe und stellen ihr handwerkliches Können unter Beweis. Wer besteht, verfügt über einen vollwertigen Berufsabschluss, mit dem alle weiteren Fortbildungswege bis hin zum Meister oder Techniker offenstehen.






