Umschulung Logopäde - Quereinstieg über das Arbeitsamt
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Logopäde ist ein bundesrechtlich geregelter Gesundheitsfachberuf. Ausgebildet wird an staatlich anerkannten Berufsfachschulen für Logopädie, der Abschluss erfolgt über eine staatliche Prüfung.
- Eine klassische betriebliche Umschulung gibt es nicht. Berufswechsler durchlaufen die reguläre schulische Ausbildung, die zwischen zwei und drei Jahren dauert.
- Voraussetzung ist mindestens ein mittlerer Schulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung, dazu ein gesundheitliches Attest und ein Führungszeugnis.
- Die Agentur für Arbeit kann die Ausbildung über einen Bildungsgutschein fördern und den Lebensunterhalt sichern, wenn AZAV-Zulassung und persönliche Voraussetzungen vorliegen.
- Das Bruttojahresgehalt liegt je nach Anstellung, Region und Träger meist zwischen rund 26.000 und 40.000 Euro; Selbständigkeit mit eigener Praxis ist verbreitet.
Eine Umschulung zum Logopäden oder zur Logopädin führt in einen anerkannten Gesundheitsfachberuf, in dem Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen behandelt werden. Der Weg verläuft über die staatlich geregelte schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule für Logopädie und endet mit einer staatlichen Prüfung. Berufswechsler steigen also nicht über eine verkürzte betriebliche Umschulung ein, sondern durchlaufen die reguläre Qualifizierung, die sich häufig über die Umschulung über das Arbeitsamt fördern lässt. Dieser Ratgeber erklärt Berufsbild, Ablauf, Voraussetzungen, Kosten und Fördermöglichkeiten.
Das Berufsbild Logopäde und die Verdienstmöglichkeiten
Logopädinnen und Logopäden kümmern sich um Patientinnen und Patienten mit Problemen in den Bereichen Sprache, Sprechen, Stimme und Schlucken. Sie werden üblicherweise auf ärztliche Anordnung tätig. Zunächst führen sie eine ausführliche Diagnostik durch, erstellen einen Therapieplan und behandeln dann die vorliegenden Störungen gezielt. Zum Patientenkreis gehören Kinder mit Aussprachestörungen ebenso wie Erwachsene nach einem Schlaganfall, Menschen mit Stimmproblemen oder Patienten mit Schluckstörungen.
Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben sich vor allem in den folgenden Bereichen:
- Logopädie-Praxen
- Therapiezentren
- Kliniken und Krankenhäuser
- Rehabilitationseinrichtungen
- psychologische und neurologische Praxen
- Kindergärten und Frühförderstellen
- Schulen und Förderschulen
- Einrichtungen der Behindertenhilfe
- Pflegeheime
Viele Logopädinnen und Logopäden sind selbständig und betreiben eine eigene Praxis. Sie schaffen sich ihren Arbeitsplatz damit selbst und sind nicht zwingend auf Stellenangebote angewiesen. Das hat zur Folge, dass pauschale Angaben zum Verdienst nur der groben Orientierung dienen. Im Allgemeinen bewegt sich das Bruttojahresgehalt angestellter Logopäden je nach Region, Träger und Berufserfahrung meist zwischen rund 26.000 und 40.000 Euro. In einer gut ausgelasteten eigenen Praxis kann der Ertrag darüber liegen, hängt aber stark von Patientenzahl und Betriebskosten ab.
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So läuft die Umschulung zum Logopäden ab
Wer Logopädin oder Logopäde werden möchte, absolviert eine schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule für Logopädie und schließt mit der staatlichen Prüfung ab. Auch Berufswechsler schlagen diesen Weg ein. Eine verkürzte betriebliche Umschulung im klassischen Sinn existiert nicht; stattdessen durchlaufen Quereinsteiger die reguläre Qualifizierung und lernen dabei alles, was Logopädinnen und Logopäden fachlich beherrschen müssen.
Der Unterricht deckt vor allem die folgenden Inhalte ab:
- Grundlagen der Medizin
- Neurologie
- Psychiatrie
- Psychologie
- Pädagogik
- Soziologie
- Pädiatrie
- Phoniatrie
- Aphasiologie
- Audiologie
- Linguistik
- Phonetik
- Hörgeräteakustik
- Sprecherziehung
- Stimmbildung
Ergänzend finden praktische Einheiten in logopädischen Praxen und anderen relevanten Einrichtungen statt. Angehende Logopädinnen und Logopäden werden so schrittweise an den Beruf herangeführt und auf die staatliche Abschlussprüfung vorbereitet. Wer parallel zusätzliche Qualifikationen sucht, findet über unsere Weiterbildung über das Arbeitsamt weiterführende Angebote.
Voraussetzungen, Dauer und Kosten
Freude am Umgang mit Menschen, ein gutes Sprachgefühl sowie ein sicheres Gehör sind wichtige persönliche Voraussetzungen für eine Laufbahn in der Logopädie. Daneben spielen formale Voraussetzungen eine Rolle. Fachspezifische Vorkenntnisse sind nicht nötig, doch angehende Umschüler müssen die folgenden Kriterien erfüllen:
- Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung oder mittlerer Schulabschluss
- gesundheitliche Eignung per ärztlichem Attest
- ein aktuelles Führungszeugnis
- an vielen Schulen ein Eignungstest zu Gehör, Stimme und Aussprache
Je nach Lehrgang muss man zwei bis drei Jahre für die Qualifizierung einplanen. An staatlichen und öffentlich getragenen Schulen fallen häufig keine oder nur geringe Gebühren an, während der Besuch einer privaten Berufsfachschule Kosten von mehreren Tausend Euro verursachen kann. Zusätzlich muss der laufende Lebensunterhalt während der Ausbildung gesichert sein. Es lohnt sich daher, die Agentur für Arbeit einzubeziehen, um einen Bildungsgutschein sowie Hilfen zum Lebensunterhalt zu prüfen.
Die Umschulung führt zum staatlich anerkannten Abschluss
Wer sich zur Logopädin oder zum Logopäden umschulen lässt, hat mitunter die Sorge, die Qualifizierung sei nicht anerkannt. Diese Bedenken sind unbegründet: Auch als Quereinsteiger strebt man die staatliche Abschlussprüfung und damit den offiziellen, bundesrechtlich geregelten Berufsabschluss an. Grundlage ist das Gesetz über den Beruf des Logopäden. Der Abschluss berechtigt zur Führung der geschützten Berufsbezeichnung und zur Abrechnung mit den Krankenkassen.
Weiterbildung und Studium eröffnen zusätzliche Wege
Nach der Qualifizierung als Logopäde oder Logopädin lässt sich das Wissen im Sinne des lebenslangen Lernens stetig erweitern, etwa mit Seminaren zu den folgenden Themen:
- Atemtherapie
- Gesundheitsberatung
- Kommunikation
- Supervision
- Sprechtraining
- Schluckstörungen
- Stimmbildung
- Musiktherapie
Zudem lässt sich ein höherer Abschluss erlangen, etwa durch eine der folgenden Fortbildungen:
- Fachwirt/in im Gesundheits- und Sozialwesen
- Betriebswirt/in für Management im Gesundheitswesen
- Lehrkraft an Schulen im Gesundheitswesen
- Qualitätsbeauftragte/r im Gesundheits- und Sozialwesen
Auch die zunehmende Akademisierung darf man nicht außer Acht lassen. Studienabschlüsse gewinnen in der Logopädie an Bedeutung und lassen sich in folgenden Fächern erlangen:
- Logopädie
- Linguistik
- Sprachtherapie
- Therapiewissenschaft
- Rehabilitation
- Heilpädagogik
- Sonderpädagogik
Wer neben der logopädischen Tätigkeit einen Bachelor oder Master anstrebt, kann an vielen Hochschulen berufsbegleitend studieren, etwa in einem dualen Studium, Fernstudium, Abendstudium oder anderem Teilzeitmodell.
Alternativen zur logopädischen Umschulung
Menschen, die sich umschulen möchten und bei der Logopädie noch unsicher sind, sollten verwandte Berufe in Betracht ziehen. Dazu zählen unter anderem:
- Umschulung zum Physiotherapeuten
- Umschulung zum Ergotherapeuten
- Umschulung zum Heilpraktiker für Psychotherapie
- Atem-, Sprech- und Stimmlehrer/in
- Umschulung zum Erzieher mit sprachförderndem Schwerpunkt
Von Alternativlosigkeit kann also keine Rede sein. Wichtig ist, umfassend zu recherchieren und den passenden Weg zu finden, der zu den eigenen Interessen und Stärken passt.
Der Arbeitsmarkt bietet Logopäden gute Aussichten
Wer im bisherigen Beruf Perspektivlosigkeit erlebt, will sicher sein, dass die Umschulung neue Chancen bietet. In der Logopädie ist die Nachfrage nach Fachkräften seit Jahren stabil bis steigend. Gründe sind der demografische Wandel mit mehr neurologischen Erkrankungen im Alter, ein wachsendes Bewusstsein für Sprachförderung bei Kindern sowie ein spürbarer Fachkräftemangel im Gesundheitswesen.
Vor einer Entscheidung kann es sinnvoll sein, sich mit aktuellen Stellenangeboten zu befassen. Für eine Bewerbung ist es dann noch zu früh, doch man gewinnt einen realistischen Eindruck von der Lage auf dem Arbeitsmarkt und den regionalen Gegebenheiten. Auf dieser Grundlage lässt sich bewusster für oder gegen eine logopädische Qualifizierung entscheiden.
Das Arbeitsamt fördert die Umschulung finanziell
Dass die Ausbildung zum Logopäden mit Kosten verbunden ist, liegt auf der Hand. Da während der schulischen Qualifizierung keine Ausbildungsvergütung gezahlt wird, muss der laufende Lebensunterhalt anderweitig gesichert werden. Ohne Förderung ist das für viele Umschüler kaum zu stemmen.
Angehende Logopädinnen und Logopäden sollten daher einen Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit vereinbaren und sich nach den Fördermöglichkeiten erkundigen. In vielen Fällen kann das Arbeitsamt einen Bildungsgutschein ausstellen und Hilfen zum Lebensunterhalt gewähren. Voraussetzung ist unter anderem, dass die gewählte Schule AZAV-zugelassen ist und die persönlichen Fördervoraussetzungen erfüllt sind. Passende Anbieter finden Interessierte über AZAV-zugelassene Anbieter im Portal KURSNET der Bundesagentur für Arbeit.
Der Berufsalltag als Logopäde in der Praxis
Der Arbeitstag in der Logopädie ist stark von der direkten Arbeit am Patienten geprägt. Eine Therapieeinheit dauert je nach Verordnung meist 30 bis 60 Minuten. Zu Beginn steht die Anamnese und Diagnostik: Logopäden erfassen Art und Ausmaß der Störung und legen mit dem Patienten realistische Therapieziele fest. In den folgenden Sitzungen kommen Übungen zu Aussprache, Wortschatz, Grammatik, Atmung, Stimme oder Schluckvorgängen zum Einsatz, angepasst an Alter und Krankheitsbild.
Neben der Behandlung gehört die Dokumentation zum Alltag, denn jede Sitzung muss festgehalten und der Fortschritt gegenüber verordnenden Ärzten und Krankenkassen belegt werden. Bei Kindern spielt die Zusammenarbeit mit Eltern, Kindergärten und Schulen eine große Rolle, bei Erwachsenen die Abstimmung mit Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten oder Reha-Teams. Geduld, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, Menschen über längere Zeiträume zu motivieren, sind dabei wichtiger als reines Fachwissen.
So läuft die staatliche Abschlussprüfung ab
Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Prüfung, die bundesweit einheitlich geregelt ist. Sie gliedert sich in drei Teile: einen schriftlichen, einen mündlichen und einen praktischen Prüfungsteil. Im schriftlichen Teil werden Fächer wie Logopädie, Medizin, Phoniatrie, Psychologie und Pädagogik abgefragt. Der mündliche Teil prüft das theoretische Wissen im Gespräch mit den Prüfern.
Den Kern bildet der praktische Teil: Hier führen die Prüflinge eine Behandlung an einem echten Patienten durch und weisen nach, dass sie Diagnostik, Therapieplanung und Umsetzung eigenständig beherrschen. Erst wenn alle drei Teile bestanden sind, wird die staatliche Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung erteilt. Wer einen Prüfungsteil nicht besteht, kann ihn in der Regel einmal wiederholen. Mit bestandener Prüfung steht dem Start in die logopädische Tätigkeit nichts mehr im Weg.
Häufige Fragen zur Umschulung Logopäde
Wer ernsthaftes Interesse an einer Umschulung in Sachen Logopädie hat, sollte vorab Informationen sammeln und sich ein genaues Bild von der Qualifizierung machen. Nur so lässt sich feststellen, ob die Zweitausbildung den eigenen Wünschen gerecht wird und nachhaltige Karrierechancen bietet.
Ein Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit ist dafür sehr hilfreich. Darüber hinaus sollten Interessierte den folgenden Tipp aus unserer Redaktion beherzigen.
Nehmen Sie früh Kontakt zu Anbietern einer Logopädie-Umschulung auf
Bei der Frage, wo die Ausbildung stattfinden kann, kommen verschiedene Berufsfachschulen und Hochschulen in Betracht. Berufswechsler sollten Adressen sammeln und mit mehreren Anbietern Kontakt aufnehmen. Eine gute Anlaufstelle ist das Portal KURSNET der Bundesagentur für Arbeit, das AZAV-zugelassene Anbieter listet.
Dort lässt sich kostenloses Informationsmaterial anfordern und bei Bedarf eine Beratung in Anspruch nehmen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. So finden Interessierte die passende Adresse für ihr Umschulungsvorhaben und können eine zweite Karriere in der Logopädie beginnen.






