Weiterbildung Geriatrie
Angesichts des demographischen Wandels und des Pflegenotstands kann eine Weiterbildung im Bereich Geriatrie zum Schlüssel für die weitere berufliche Laufbahn werden. Im Rahmen einer solchen Qualifizierung fokussieren sich Pflegekräfte und Ärzte auf die Altersmedizin, die fachlich anspruchsvoll ist und mit einigen Besonderheiten aufwartet. Wer ältere, oft mehrfach erkrankte Menschen betreut, braucht spezialisiertes Wissen, das über die grundständige Ausbildung hinausgeht.
Genau hier setzt die geriatrische Weiterbildung an. Sie ist in Deutschland klar geregelt und wird von der Agentur für Arbeit bei Bedarf gefördert. Interessierte erhalten beim Arbeitsamt weiterführende Informationen, sollten aber auch eigenständig bei Bildungsträgern und Fachgesellschaften recherchieren.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Die Geriatrie ist die Medizin des höheren Lebensalters. Pflegekräfte und Ärzte können sich hier über anerkannte Weiterbildungen spezialisieren.
- Für Pflegefachkräfte gibt es die zweijährige Fachweiterbildung klinische Geriatrie (rund 720 Stunden) sowie kürzere Zusatzqualifikationen wie den Zercur-Geriatrie-Basislehrgang (rund 180 Stunden).
- Ärztinnen und Ärzte erwerben die Zusatz-Weiterbildung Geriatrie über die Landesärztekammer (in der Regel 18 Monate).
- Voraussetzung ist meist eine abgeschlossene Pflege- oder Facharztausbildung plus einschlägige Berufserfahrung.
- Die Förderung läuft über Bildungsgutschein (§ 81 SGB III), Qualifizierungschancengesetz für Beschäftigte oder Aufstiegs-BAföG bei Aufstiegsfortbildungen.
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Inhaltsverzeichnis
- Die Geriatrie ist die Medizin des höheren Lebensalters
- Mehrere Berufe eröffnen den Weg in die geriatrische Versorgung
- Für Pflege und Medizin gibt es klar geregelte Weiterbildungen
- Die Lehrgänge vermitteln medizinisches, pflegerisches und kommunikatives Wissen
- Formale und persönliche Voraussetzungen entscheiden über den Zugang
- Dauer und Ablauf richten sich nach der gewählten Qualifikation
- Bildungsgutschein und weitere Wege senken die Kosten deutlich
- Ein Studium erweitert die geriatrischen Karrierewege
- Karrierechancen und Gehalt steigen mit der Spezialisierung
- Verwandte Fachgebiete bieten sinnvolle Alternativen
- Häufige Fragen zur Weiterbildung in der Geriatrie

Die Geriatrie ist die Medizin des höheren Lebensalters
Die Geriatrie ist der Teilbereich der Medizin, der sich mit den Erkrankungen und der Versorgung älterer Menschen befasst. Betagte Patientinnen und Patienten leiden häufig gleichzeitig an mehreren Krankheiten (Multimorbidität), reagieren anders auf Medikamente und benötigen eine besonders abgestimmte Betreuung. Deshalb hat sich die Geriatrie als eigenständige Disziplin etabliert, die medizinische Behandlung, aktivierende Pflege und Rehabilitation eng miteinander verzahnt.
Ziel der geriatrischen Arbeit ist es, Selbstständigkeit und Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten. Ärzte und Pflegekräfte mit fundiertem Wissen auf diesem Gebiet setzen damit einen beruflichen Schwerpunkt und verhelfen vielen Menschen zu einem würdevollen Lebensabend. Die konkreten Aufgaben unterscheiden sich deutlich, je nachdem, ob man als Arzt, als Pflegefachkraft oder in der therapeutischen Begleitung tätig ist.
Mehrere Berufe eröffnen den Weg in die geriatrische Versorgung
Wer sich für eine Laufbahn im geriatrischen Bereich interessiert, sollte die wichtigsten Berufsbilder kennen, die auf diesem Feld zusammenarbeiten:
- Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin mit Zusatz-Weiterbildung Geriatrie
- Fachkrankenpfleger/in für klinische Geriatrie
- Fachaltenpfleger/in für klinische Geriatrie und Rehabilitation
- Pflegefachkräfte mit Zusatzqualifikation Zercur Geriatrie
Fachkräfte für Geriatrie kommen in geriatrischen Kliniken und Fachabteilungen, in Rehabilitationseinrichtungen, in Alten- und Pflegeheimen sowie in Hospizen und in der ambulanten Versorgung zum Einsatz. Der Bedarf ist wegen der alternden Bevölkerung dauerhaft hoch, was die Jobaussichten sehr stabil macht. Wer den Grundberuf noch nicht hat, findet über eine Umschulung in der Altenpflege oder zur Pflegefachkraft den passenden Einstieg.
Für Pflege und Medizin gibt es klar geregelte Weiterbildungen
Im Bereich Geriatrie existiert ein abgestuftes System an Qualifizierungen, das von kurzen Seminaren bis zur mehrjährigen Fachweiterbildung reicht. Welcher Weg der richtige ist, hängt von der Ausgangsqualifikation und dem beruflichen Ziel ab.
Fachweiterbildung klinische Geriatrie für Pflegekräfte: Diese berufsbegleitende Weiterbildung umfasst in der Regel rund 720 Theoriestunden über etwa zwei Jahre, ergänzt um praktische Einsätze. Sie orientiert sich an den Empfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft und schließt mit einer staatlich anerkannten Prüfung ab. Absolventinnen und Absolventen dürfen sich Fachkrankenpfleger/in beziehungsweise Fachaltenpfleger/in für klinische Geriatrie und Rehabilitation nennen.
Zercur-Geriatrie-Basislehrgang: Der vom Bundesverband Geriatrie getragene Basislehrgang umfasst rund 180 Unterrichtsstunden und vermittelt geriatrisches Grundlagenwissen in kompakter Form. Er ist häufig eine Voraussetzung für die Abrechnung geriatrischer Komplexbehandlung und eine gute Einstiegsstufe, bevor man die vollständige Fachweiterbildung angeht.
Zusatz-Weiterbildung Geriatrie für Ärzte: Ärztinnen und Ärzte erwerben die Zusatzbezeichnung Geriatrie über ihre Landesärztekammer. Sie dauert nach der Musterweiterbildungsordnung in der Regel 18 Monate und setzt eine abgeschlossene Facharztausbildung, meist in der Inneren Medizin oder Allgemeinmedizin, voraus.
Ergänzend gibt es zahlreiche Seminare und Zertifikatskurse zu Einzelthemen wie Demenzbegleitung, Sturzprophylaxe oder Palliativversorgung, mit denen sich Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen gezielt weiterbilden können.
Die Lehrgänge vermitteln medizinisches, pflegerisches und kommunikatives Wissen
Eine geriatrische Weiterbildung deckt ein breites Spektrum ab, weil die Versorgung älterer Menschen viele Disziplinen berührt. Typische Lerninhalte sind:
- Altersphysiologie und typische geriatrische Krankheitsbilder (Multimorbidität, Demenz, Sturzsyndrome)
- Geriatrisches Assessment und Behandlungsplanung im interdisziplinären Team
- Aktivierend-therapeutische Pflege und Rehabilitation
- Arzneimitteltherapie im Alter und Umgang mit Polypharmazie
- Ernährung, Kontinenzförderung und Wundmanagement
- Kommunikation mit kognitiv eingeschränkten Menschen und Angehörigen
- Ethische Fragen, Palliativversorgung und Begleitung am Lebensende
Durch diese Verzahnung von Medizin, Pflege und Kommunikation sind geriatrisch qualifizierte Kräfte in der Lage, ältere Patientinnen und Patienten ganzheitlich zu betreuen und sie bestmöglich auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten.
Formale und persönliche Voraussetzungen entscheiden über den Zugang
Für den Zugang zu einer geriatrischen Fachweiterbildung gelten in der Regel folgende formale Kriterien:
- abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachfrau/-mann, Gesundheits- und Krankenpfleger/in oder Altenpfleger/in (für die ärztliche Zusatzbezeichnung entsprechend eine Facharztanerkennung)
- meist mindestens sechs Monate bis zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung, häufig in einer geriatrischen Einrichtung
- ein Arbeitsplatz mit geriatrischem Bezug, da praktische Anteile abgeleistet werden müssen
Darüber hinaus kommt es stark auf die persönliche Eignung an. Nur wer die folgenden Eigenschaften mitbringt, findet in der Geriatrie dauerhaft Erfüllung:
- Einfühlungsvermögen und Geduld
- Anpassungsfähigkeit und Offenheit
- Kommunikationsstärke
- Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein
- psychische Belastbarkeit und Einsatzbereitschaft
Dauer und Ablauf richten sich nach der gewählten Qualifikation
Wie lange eine geriatrische Weiterbildung dauert und wie sie organisiert ist, hängt maßgeblich davon ab, welche Qualifikation angestrebt wird. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Wege ein:
Weil die meisten Formate berufsbegleitend organisiert sind, lassen sie sich gut mit einer Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung vereinbaren. Wer die Weiterbildung dagegen als Vollzeitmaßnahme über die Agentur für Arbeit absolviert, kann sie in kürzerer Zeit abschließen. Einen umfassenden Überblick über Formen und Finanzierung bietet unser Ratgeber zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Bildungsgutschein und weitere Wege senken die Kosten deutlich
Geriatrische Weiterbildungen kosten je nach Umfang mehrere Hundert bis mehrere Tausend Euro. Für die vollständige Fachweiterbildung sind vierstellige Beträge üblich. Die gute Nachricht: In vielen Fällen müssen Sie diese Summe nicht selbst tragen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Förderwege.
Der wichtigste Weg für Menschen ohne Arbeit ist der Bildungsgutschein: Bewilligt die Agentur für Arbeit die Maßnahme, übernimmt sie die kompletten Lehrgangskosten sowie oft Fahrt- und Kinderbetreuungskosten. Voraussetzung ist ein anerkannter, nach AZAV zertifizierter Bildungsträger. Beschäftigte nutzen dagegen häufig das Qualifizierungschancengesetz, bei dem sich der Arbeitgeber einbindet. Wer eine anerkannte Aufstiegsfortbildung anstrebt, kann Aufstiegs-BAföG beantragen. Wer Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) bezieht, erhält bei einer geförderten Weiterbildung zusätzlich ein monatliches Weiterbildungsgeld von 150 Euro sowie Erfolgsprämien. Details zu den einzelnen Wegen erläutert unser Ratgeber, wie die Weiterbildung vom Arbeitsamt bezahlt wird, sowie die Seite zur Weiterbildung über das Jobcenter.
Klären Sie die Förderung, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben. Sprechen Sie zuerst mit Ihrer Vermittlungsfachkraft oder Ihrem Arbeitgeber und lassen Sie sich schriftlich bestätigen, welcher Anteil übernommen wird. Wählen Sie anschließend gezielt einen AZAV-zertifizierten Anbieter, denn nur dann ist eine Förderung mit Bildungsgutschein überhaupt möglich.
Ein Studium erweitert die geriatrischen Karrierewege
Die zunehmende Akademisierung prägt das Gesundheitswesen seit einigen Jahren. Wer darauf reagieren möchte, kann ein Studium neben dem Beruf in Betracht ziehen. Ein berufsbegleitendes oder Fernstudium bringt einen akademischen Grad, während man parallel wertvolle Praxiserfahrung sammelt.
Interessierte, die eine gehobene Laufbahn in der Geriatrie anstreben, sollten über die geriatrische Fachweiterbildung hinaus auch die folgenden Studiengänge ins Auge fassen:
- Pflegewissenschaft
- Gesundheitswissenschaft / Public Health
- Gerontologie
- Rehabilitationswissenschaft
- Therapiewissenschaft
Ein Studium eröffnet Wege in Leitung, Wissenschaft und Konzeptentwicklung. Für den Sprung in eine Führungsposition ist außerdem eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung interessant.
Karrierechancen und Gehalt steigen mit der Spezialisierung
Eine geriatrische Weiterbildung verbessert die beruflichen Perspektiven spürbar. Fachkräfte übernehmen anspruchsvollere Aufgaben, koordinieren interdisziplinäre Teams und sind auf dem angespannten Arbeitsmarkt sehr gefragt. Das Gehalt hängt von Träger, Tarif, Region und Position ab, weshalb pauschale Aussagen schwierig sind.
Als grobe Orientierung: Eine examinierte Pflegefachkraft verdient je nach Tarif und Erfahrung häufig zwischen rund 3.000 und 3.900 Euro brutto im Monat. Mit geriatrischer Fachweiterbildung und entsprechender Funktion sind Zulagen und eine höhere Eingruppierung möglich, sodass sich das Einkommen weiter steigern lässt. Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie liegen deutlich darüber. Wer Führungsverantwortung übernimmt, etwa als Stationsleitung oder Pflegedienstleitung, erreicht nochmals höhere Werte. Wer die Geriatrie mit einer Palliative-Care-Weiterbildung kombiniert, erweitert das Einsatzspektrum zusätzlich.
Verwandte Fachgebiete bieten sinnvolle Alternativen
Im medizinischen und pflegerischen Bereich nimmt die Geriatrie eine wichtige Stellung ein. Es gibt jedoch weitere Fachgebiete, die sich ebenfalls für eine Weiterbildung anbieten und teils eng mit der Altersmedizin verbunden sind:
- Rehabilitation und aktivierende Pflege
- Prävention und Gesundheitsförderung
- Palliativmedizin und Palliativpflege
- Behandlungspflege und Intensivpflege
Wer sich beruflich neu orientieren möchte, findet unter Umschulung über das Arbeitsamt weitere geförderte Wege in Gesundheits- und Pflegeberufe.