Weiterbildung Erzieher
Erzieherinnen und Erzieher üben einen überaus wichtigen Beruf aus, denn sie betreuen und fördern nicht nur Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren, sondern ermöglichen es den Eltern, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Die organisierte Kinderbetreuung ist die Basis für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dass in Deutschland ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz besteht, trägt diesem Umstand Rechnung und soll zugleich Kindern den Zugang zu elementarpädagogischer Förderung garantieren.
Es gibt keinen Zweifel daran, dass Erzieher/innen einen für die gesamte Gesellschaft wichtigen Beruf ausüben. Umso schwieriger ist es, dass qualifizierte Fachkräfte fehlen. Im Erziehungswesen herrscht ein akuter Fachkräftemangel, auch in höheren Positionen bleiben viele offene Stellen unbesetzt. Eine Erzieher-Weiterbildung kann sich daher als Türöffner erweisen und spannende Perspektiven eröffnen: von der Spezialisierung über den Aufstieg zur Kita-Leitung bis hin zum akademischen Abschluss.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Erzieher/innen können sich fachlich spezialisieren (z.B. Sprachförderung, Integration, Krippenpädagogik) oder mit einer Aufstiegsfortbildung wie Fachwirt/in Erziehungswesen oder Betriebswirt/in Sozialwesen in Leitungspositionen aufsteigen.
- Aufstiegsfortbildungen dauern berufsbegleitend meist 18 bis 24 Monate und werden über das Aufstiegs-BAföG gefördert – unabhängig vom Einkommen und Alter.
- Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Erzieher/innen können Weiterbildungen per Bildungsgutschein (§ 81 SGB III) vollständig gefördert bekommen.
- Der Quereinstieg in den Erzieherberuf gelingt über die schulische oder die vergütete praxisintegrierte Ausbildung (PiA).
- Mit Leitungsverantwortung und höherem Abschluss steigt das Gehalt deutlich – eine Kita-Leitung verdient nach TVöD SuE spürbar mehr als eine Fachkraft in der Gruppe.
Das Berufsbild Erzieher/in reicht weit über den Kindergarten hinaus
Die meisten Menschen haben eine grobe Vorstellung von dem Beruf des Erziehers und sehen darin vor allem die Kindergärtnerin, die auf die Kinder aufpasst, während diese in der Kita sind. Dies ist ohne Frage eine wichtige Aufgabe, wird dem vielfältigen Berufsbild aber nicht vollends gerecht. Erzieher/innen kümmern sich nicht nur um Kinder, sondern gegebenenfalls auch um Jugendliche und junge Erwachsene. Dabei geht es sowohl um die Beaufsichtigung als auch um eine adäquate Betreuung, Bildung und Förderung. Als pädagogische Fachkräfte werden Erzieher/innen daher in den folgenden Bereichen gebraucht:
- Kindergärten und Kindertagesstätten
- Kinderkrippen und Krippengruppen
- Horte und Ganztagsschulen
- Familienberatungsstellen
- Kinder- und Jugendhilfe
- Behindertenhilfe und Eingliederungshilfe
- Heime und betreutes Wohnen
- Jugendämter
So unterschiedlich diese Einsatzfelder sind, so vielfältig sind auch die Aufgaben. Erzieher/innen planen und gestalten pädagogische Angebote, beobachten und dokumentieren Entwicklungsschritte, arbeiten eng mit Eltern zusammen und übernehmen zunehmend auch Bildungs- und Sprachförderaufgaben. Diese Bandbreite macht deutlich, warum eine gezielte Weiterbildung so lohnend sein kann: Sie schärft das eigene Profil für ein bestimmtes Arbeitsfeld oder ebnet den Weg in die nächste Verantwortungsstufe.
Der Weg in den Erzieherberuf führt über Ausbildung oder Quereinstieg
Wer Erzieher/in werden möchte, muss üblicherweise eine schulische Ausbildung an einer Fachschule für Sozialpädagogik sowie ein anschließendes Anerkennungsjahr absolvieren. Nach bestandener Prüfung darf man sich staatlich anerkannte/r Erzieher/in nennen. Menschen, die Interesse an dieser Qualifizierung haben, aber noch nicht alle Voraussetzungen erfüllen, können einen Umweg nehmen und sich zunächst als Sozialassistent/in, Kinderpfleger/in oder Sozialpädagogische/r Assistent/in qualifizieren. Nach dem Abschluss der zweijährigen Berufsfachschule in einem dieser Berufe kann man zur Erzieherausbildung zugelassen werden, die dann gewissermaßen als Weiterbildung fungiert.
Für berufserfahrene Quereinsteiger hat sich in den letzten Jahren die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) etabliert. Anders als bei der klassischen schulischen Ausbildung, in der das Praxisjahr am Ende steht, wechseln sich hier Schule und bezahlte Praxis in der Einrichtung von Anfang an ab. Der große Vorteil: Die PiA wird vergütet, sodass angehende Erzieher/innen bereits während der dreijährigen Ausbildung ein Ausbildungsentgelt beziehen. Das macht diese Form besonders attraktiv für Menschen, die aus einem anderen Beruf umsatteln und nicht auf ein Einkommen verzichten können.
Wer aus einem verwandten Feld kommt, kann von einer Umschulung über das Arbeitsamt profitieren. Gerade der Fachkräftemangel im Erziehungswesen sorgt dafür, dass Agentur für Arbeit und Jobcenter Qualifizierungen in diesem Bereich häufig unterstützen.
Spezialisierungen erweitern das pädagogische Profil gezielt
Im Rahmen von Erzieher-Weiterbildungen geht es nicht typischerweise um die Qualifizierung als staatlich anerkannte/r Erzieher/in, sondern um zusätzliche Kompetenzen für bereits ausgebildete Fachkräfte. Solche Angebote reichen von kurzen Fortbildungen bis zu mehrmonatigen Zertifikatslehrgängen. Sie ermöglichen es, das eigene Wissen aufzufrischen, zu erweitern oder sich auf ein bestimmtes Arbeitsfeld zu spezialisieren. Typische Themenfelder sind:
- Sprachentwicklung und alltagsintegrierte Sprachförderung
- Elementarpädagogik und Krippenpädagogik (U3-Betreuung)
- Integration und Inklusion
- Elternarbeit und Familienhilfe
- Psychologie und Entwicklungspsychologie
- Bewegungserziehung (Psychomotorik)
- Kunst-, Musik- und Medienpädagogik
- Kinderschutz und Erste Hilfe am Kind
Solche Spezialisierungen sind zwar nicht immer staatlich anerkannt, machen sich aber im Berufsalltag und bei Bewerbungen bezahlt. Wer beispielsweise eine Zusatzqualifikation als Sprachförderkraft mitbringt, ist für viele Einrichtungen besonders wertvoll, weil Sprachförderung inzwischen zu den zentralen Bildungsaufgaben der Kita gehört.
Aufstiegsfortbildungen öffnen die Tür zu Leitungspositionen
Darüber hinaus besteht im Rahmen eines Fortbildungslehrgangs die Möglichkeit, einen höheren beruflichen Abschluss zu erlangen. Diese sogenannten Aufstiegsfortbildungen führen zu einem anerkannten Titel und qualifizieren für Leitungs- und Fachaufgaben. Insbesondere die folgenden Qualifikationen verhelfen Erziehern zu aussichtsreichen Karrierechancen:
- Fachwirt/in Erziehungswesen – betriebswirtschaftliche und pädagogische Führungskompetenz für die Kita-Leitung
- Betriebswirt/in Sozialwesen – Management- und Leitungsaufgaben in sozialen Einrichtungen
- Fachwirt/in für Organisation und Führung Sozialwesen – Schwerpunkt Einrichtungsleitung und Teamführung
- Motopäde/Motopädin – therapeutische Bewegungsförderung bei Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten
Diese Aufstiegsfortbildungen bauen auf der Erzieherausbildung und einschlägiger Berufserfahrung auf. Sie sind der klassische Weg vom Gruppendienst in die Kita-Leitung oder in eine übergeordnete Fach- und Verwaltungsaufgabe. Weil sie förmlich anerkannt und über das Aufstiegs-BAföG förderfähig sind, gelten sie als besonders lohnende Investition. Verwandte Aufstiegswege im sozialen Bereich beschreiben wir auch auf unseren Seiten zum Heilpädagogen und zum Sozialpädagogen.
Ein berufsbegleitendes Studium akademisiert den Karriereweg
Die Akademisierung mindert die Weiterbildungsmöglichkeiten für Erzieher/innen in keiner Weise, sondern erweitert sie um eine wertvolle Option. Vor allem Studienformen wie das Fernstudium, Abendstudium oder Teilzeitstudium ermöglichen ein berufsbegleitendes Studium, das zeitlich und örtlich weitgehend unabhängig absolviert werden kann. Die Arbeit im Kindergarten steht dem Studienvorhaben demnach nicht im Wege. Mit den folgenden Fächern treffen pädagogische Fachkräfte eine exzellente Wahl:
- Kindheitspädagogik / Elementarpädagogik
- Soziale Arbeit
- Sozialpädagogik
- Heilpädagogik
- Frühförderung
- Bildungswissenschaft
- Pädagogische Psychologie
Ein Bachelor in Kindheitspädagogik führt zur staatlich anerkannten Kindheitspädagogin bzw. zum Kindheitspädagogen und ist in der Kita der Erzieherqualifikation gleichgestellt, eröffnet aber zusätzliche Türen in Leitung, Fachberatung und Konzeptentwicklung. Wer noch weiter denkt, kann mit einem Masterstudium den Weg in Wissenschaft, Lehre oder das mittlere Management einschlagen.
Dauer und Ablauf hängen von der gewählten Lernform ab
Wie lange eine Erzieher-Weiterbildung dauert, hängt stark vom Ziel und von der Lernform ab. Kurze Spezialisierungsseminare sind an einem Wochenende erledigt, Zertifikatslehrgänge dauern einige Wochen bis Monate, und Aufstiegsfortbildungen erstrecken sich berufsbegleitend meist über anderthalb bis zwei Jahre. Die folgende Übersicht zeigt typische Formen im Vergleich:
Wer noch im Beruf steht, entscheidet sich meist für eine Teilzeit- oder Fernvariante, um Job und Weiterbildung zu vereinbaren. Arbeitslose Erzieher/innen absolvieren eine geförderte Maßnahme dagegen häufig in Vollzeit, weil so schneller ein Abschluss und damit der Wiedereinstieg gelingt.
Kosten und Förderung entscheiden oft über die Machbarkeit
Formale Aspekte wie Voraussetzungen, Dauer und Kosten spielen bei der Auswahl der richtigen Erzieher-Weiterbildung stets eine große Rolle. Die gute Nachricht: Für nahezu jede Ausgangslage gibt es einen passenden Förderweg. Welcher greift, hängt davon ab, ob Sie arbeitslos, beschäftigt oder auf dem Weg in eine höhere Qualifikation sind.
Für arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Erzieher/innen ist der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III der zentrale Hebel. Wird er bewilligt, übernimmt die Agentur für Arbeit die kompletten Lehrgangskosten, während das Arbeitslosengeld weiterläuft. Wer bereits in einer Kita arbeitet und sich fortbilden möchte, kann über das Qualifizierungschancengesetz gefördert werden – hier stellt der Arbeitgeber den Antrag, und die Agentur bezuschusst Lehrgang und teilweise das Entgelt.
Für die anerkannten Aufstiegsfortbildungen greift das Aufstiegs-BAföG. Es fördert unabhängig von Alter und Einkommen und übernimmt einen Zuschussanteil der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, den Rest deckt ein zinsgünstiges Darlehen der KfW ab, das nach bestandener Prüfung teilweise erlassen wird. Bei geförderten, abschlussbezogenen Weiterbildungen kommt zusätzlich das Weiterbildungsgeld von 150 Euro monatlich als Anreiz hinzu. Einen vollständigen Überblick über die Fördermöglichkeiten bietet unsere Seite Förderung einer Weiterbildung durch das Arbeitsamt, ergänzt durch die Ratgeber So wird die Weiterbildung bezahlt und Voraussetzungen für die Förderung.
Weiterbildung wirkt sich spürbar auf Gehalt und Perspektive aus
Je nach Berufserfahrung, Qualifikationsprofil und Einsatzbereich können die Verdienstmöglichkeiten von Erzieher/innen variieren. In der Regel bewegt sich das durchschnittliche Bruttojahresgehalt einer Fachkraft zwischen rund 30.000 Euro und 45.000 Euro. Angestellte im öffentlichen und kirchlichen Dienst werden meist nach dem Tarifvertrag für den Sozial- und Erziehungsdienst (TVöD SuE) bezahlt, der für staatlich anerkannte Erzieher/innen die Entgeltgruppe S 8a vorsieht.
Zusätzliche Qualifikationen wirken sich positiv auf die Einkommenssituation aus und stellen einen Aufstieg auf der Karriereleiter in Aussicht. Wer die Verantwortung für eine Gruppe, ein Fachthema oder gar eine ganze Einrichtung übernimmt, klettert im Tarifgefüge nach oben. Eine Kita-Leitung wird abhängig von der Zahl der betreuten Plätze in deutlich höheren Entgeltgruppen (S 13 bis S 18) eingruppiert und verdient entsprechend mehr als eine Fachkraft in der Gruppe. Der akute Fachkräftemangel verbessert die Verhandlungsposition zusätzlich, weil qualifizierte Bewerber für Leitungsstellen rar sind.
Aktuelle Stellenangebote für Erzieher/innen machen nicht nur auf offene Stellen aufmerksam, sondern geben auch Auskunft über die jeweiligen Anforderungen. So kann man sich bei der Wahl der richtigen Erzieher-Weiterbildung auch an konkreten Stellenanzeigen orientieren und gezielt die Qualifikation erwerben, die am Arbeitsmarkt gefragt ist.
Bei der Anbieterwahl zählt die AZAV-Zulassung
An Weiterbildungsmöglichkeiten mangelt es versierten Erziehern nicht. Fachschulen, Bildungseinrichtungen des Sozialwesens, Fernschulen und private Institute buhlen um Teilnehmer. Damit eine Förderung über den Bildungsgutschein möglich ist, muss die Maßnahme jedoch nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert sein und der Anbieter eine AZAV-Trägerzulassung besitzen. Ohne diese Zulassung zahlt die Agentur für Arbeit nicht.
Interessierte sollten daher gezielt auf das AZAV-Siegel achten, unverbindlich Informationsmaterial anfordern und eine persönliche Beratung in Anspruch nehmen. So entwickelt man ein Gefühl für die verschiedenen Optionen und kann schlussendlich die richtige Wahl treffen. Achten Sie dabei nicht nur auf Kosten und Dauer, sondern auch auf die vermittelten Inhalte, den erreichbaren Abschluss und die beruflichen Perspektiven. Nur so stellen Sie die Weichen für Ihre berufliche Zukunft richtig.
Die Anerkennung entscheidet über den Wert des Abschlusses
Geht es um eine Qualifizierung als Erzieher/in per Weiterbildung, ist darauf zu achten, dass am Ende der Abschluss als staatlich anerkannte/r Erzieher/in erlangt wird. Dann ist die offizielle Anerkennung gegeben. Dies gilt auch für Fortbildungen, die zu einem höheren beruflichen Abschluss führen, sowie für Studiengänge mit dem Ziel Bachelor oder Master.
Bei Seminaren und ähnlichen Qualifizierungen müssen Interessierte dahingegen genauer hinsehen und beachten, dass es oftmals keine offizielle staatliche Anerkennung des erlangten Zertifikats gibt. Dies schließt jedoch keineswegs aus, dass es sich um einen wichtigen Karrierebaustein handelt: Viele Einrichtungen schätzen nachgewiesene Zusatzkompetenzen unabhängig von einer förmlichen Anerkennung. Wer den Erzieherberuf gänzlich hinter sich lassen möchte, findet über eine geförderte Umschulung den Weg in ein neues Berufsfeld – naheliegend sind dabei Qualifizierungen aus dem Sozial-, Pflege- oder Gesundheitswesen, etwa als Heilerziehungspfleger/in, weil hier bereits vorhandene Vorkenntnisse als solide Basis dienen.
Einen umfassenden Überblick über alle geförderten Qualifizierungswege bietet unsere Hub-Seite zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
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Zwei Tipps aus der Redaktion
Weiterbildungen können Erzieher/innen zu mehr Fachkompetenz verhelfen und sie beruflich voranbringen. Die damit verbundene Herausforderung darf allerdings nicht unterschätzt werden. Bereits vor dem eigentlichen Lernen wird man gefordert und muss die richtige Wahl treffen.
1. Nutzen Sie das berufsbegleitende Studium als zusätzliche Option. Fernstudium, Abendstudium und Teilzeitstudium lassen sich mit der Arbeit im Kindergarten vereinbaren und eröffnen Wege in Leitung, Fachberatung und Konzeptentwicklung, ohne dass Sie Ihren Job aufgeben müssen.
2. Wählen Sie die Qualifizierung mit Bedacht aus. Achten Sie nicht nur auf Voraussetzungen, Dauer und Kosten, sondern vor allem auf die vermittelten Inhalte, den erreichbaren Abschluss und die realen Karriereperspektiven. Prüfen Sie außerdem, ob die Maßnahme AZAV-zertifiziert und damit förderfähig ist.






