Weiterbildung vom Arbeitsamt per Bildungsgutschein

Erwachsene nehmen in einem hellen Schulungsraum an einer beruflichen Weiterbildung teil
Anzeige

Wenn es um eine Weiterbildung über das Arbeitsamt geht, stehen vor allem die Finanzierungsmöglichkeiten im Fokus. Der laufende Lebensunterhalt und teils hohe Lehrgangsgebühren können eine berufliche Qualifizierung schnell scheitern lassen. Genau hier setzt der Bildungsgutschein an: Mit diesem Instrument fördert die Agentur für Arbeit die berufliche Weiterbildung, übernimmt die Kurskosten und sichert bei Bedarf den Lebensunterhalt ab. Rechtlich stützt sich die Förderung auf die §§ 81 und 82 des Dritten Sozialgesetzbuchs (SGB III).

Für Weiterbildungsinteressierte lohnt es sich, einen Bildungsgutschein zu beantragen. Die Agentur für Arbeit ist die richtige Anlaufstelle und kann durch eine solche Förderung so manche Weiterbildung erst ermöglichen. Dieser Ratgeber erklärt, wer den Gutschein erhält, welche Kosten übernommen werden, wie das Beratungsgespräch abläuft und worauf Sie 2026 achten sollten.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Der Bildungsgutschein fördert die berufliche Weiterbildung nach §§ 81, 82 SGB III und übernimmt die vollen Lehrgangskosten der Maßnahme.
  • Zusätzlich werden Fahrkosten, Kinderbetreuung, auswärtige Unterbringung und Prüfungsgebühren erstattet.
  • Berechtigt sind Arbeitslose, von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte und Menschen ohne verwertbaren Berufsabschluss.
  • Es gibt keinen Rechtsanspruch: Der Gutschein ist eine Ermessens- beziehungsweise Kann-Leistung und wird im Einzelfall entschieden.
  • Der ausgestellte Gutschein ist regional und zeitlich begrenzt (in der Regel drei Monate) und nur bei AZAV-zertifizierten Trägern einlösbar.

Inhaltsverzeichnis

Der Bildungsgutschein als Förderinstrument

Der Bildungsgutschein ist die zentrale Zusage der Agentur für Arbeit, die Kosten einer beruflichen Weiterbildung zu übernehmen. Rechtsgrundlage sind die §§ 81 und 82 SGB III, die die "Förderung der beruflichen Weiterbildung" (kurz FbW) regeln. Der Gutschein bescheinigt, dass die Arbeitsagentur oder das Jobcenter eine Qualifizierung für notwendig und zweckmäßig hält und die dafür anfallenden Kosten trägt.

Wichtig ist die Reihenfolge: Erst kommt das Beratungsgespräch, in dem gemeinsam mit der Vermittlungsfachkraft geklärt wird, ob eine Weiterbildung sinnvoll ist. Erst danach wird der Bildungsgutschein ausgestellt. Mit diesem Dokument suchen Sie sich anschließend einen passenden, zugelassenen Bildungsträger und lösen den Gutschein dort ein. Der Gutschein ist also kein Antragsformular, das Sie selbst ausfüllen, sondern eine Bewilligung, die aus der Beratung hervorgeht. Wie die Weiterbildung über das Arbeitsamt insgesamt funktioniert, erläutert unser Überblick zur Weiterbildung vom Arbeitsamt.

Diese Leistungen sind im Bildungsgutschein enthalten

Unabhängig davon, ob Sie bereits einen Antrag gestellt haben oder nicht, lohnt es sich, den Leistungsumfang des Bildungsgutscheins zu kennen. Nur so lässt sich einschätzen, wie das Arbeitsamt die gewünschte Weiterbildung finanziert. Grundsätzlich besteht die Förderung aus zwei Komponenten.

Es geht folglich nicht nur um die Lehrgangsgebühren, sondern auch um die weiteren Kosten, die eine Qualifizierung mit sich bringt. Wer während der Maßnahme keiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann oder ohnehin arbeitssuchend ist, bezieht in der Regel weiter Arbeitslosengeld. Das Existenzminimum bleibt so gesichert, und fehlende Mittel sind kein Grund, eine Weiterbildung abzusagen.

Der Bildungsgutschein deckt dabei mehr ab, als viele erwarten. Die folgende Übersicht zeigt, welche Kostenarten die Agentur für Arbeit nach § 83 SGB III übernehmen kann.

KostenartWas übernommen wird
LehrgangskostenDie gesamten Kurs- und Teilnahmegebühren des zugelassenen Trägers, inklusive Lehrmaterial.
FahrkostenFahrten zwischen Wohnung und Bildungsstätte, in der Regel als Pauschale für öffentliche Verkehrsmittel oder pro Kilometer.
KinderbetreuungZuschuss zu den Betreuungskosten pro Kind und Monat, damit Eltern an der Maßnahme teilnehmen können.
Auswärtige UnterbringungKosten für Unterkunft und Verpflegung, wenn die Weiterbildung nicht am Wohnort stattfindet.
PrüfungsgebührenGebühren für die Abschluss- oder Zertifikatsprüfung der geförderten Maßnahme.
LebensunterhaltWeiterzahlung von Arbeitslosengeld beziehungsweise Grundsicherungsgeld während der Weiterbildung.

Ob und in welcher Höhe die einzelnen Nebenkosten übernommen werden, hängt vom Einzelfall ab und wird im Bewilligungsbescheid festgehalten. Klären Sie diese Punkte am besten schon im Beratungsgespräch, damit Sie nicht auf versteckten Kosten sitzenbleiben.

Diese Voraussetzungen gelten für den Bildungsgutschein

Dass der Bildungsgutschein eine vielversprechende Option ist, steht außer Frage. Interessierte fragen sich verständlicherweise, für wen die Förderung überhaupt in Betracht kommt. Grundsätzlich ist die Zielgruppe weit gefasst und umfasst die folgenden Personengruppen.

Die Beendigung einer bestehenden Arbeitslosigkeit kann ebenso das Ziel sein wie die Verhinderung einer drohenden Arbeitslosigkeit. Für Menschen ohne Abschluss geht es oft darum, überhaupt erst einen anerkannten Berufsabschluss zu erlangen. Beschäftigte können den Gutschein über das Qualifizierungschancengesetz erhalten, wenn ihre Tätigkeit vom Strukturwandel oder von der Digitalisierung betroffen ist. Wer nach der Weiterbildung eine berufliche Neuausrichtung anstrebt, findet in unserem Ratgeber zur Umschulung über das Arbeitsamt weiterführende Informationen.

Wer zum Kreis der Berechtigten gehört, sollte allerdings wissen, dass es keinen Rechtsanspruch gibt. Ob Sie den Bildungsgutschein am Ende bekommen, basiert stets auf einer Einzelfallentscheidung. Die Agentur prüft dabei vor allem, ob die Weiterbildung notwendig ist, um Sie in Arbeit zu bringen oder Ihre Beschäftigung zu sichern.

Diese Angaben müssen im Bildungsgutschein stehen

Wer von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter den ersehnten Bildungsgutschein erhält, hält eine Bescheinigung in den Händen, die die Kostenübernahme im Rahmen einer Weiterbildung zusichert. Damit der Gutschein rechtsgültig und bei einem Träger einlösbar ist, müssen die folgenden Angaben zwingend enthalten sein.

Der Gutschein legt also nicht einen bestimmten Kurs fest, sondern ein Bildungsziel. Innerhalb dieses Ziels und des angegebenen Zeitraums können Sie einen passenden, zugelassenen Anbieter frei wählen. Achten Sie besonders auf die Gültigkeitsdauer: Der Gutschein ist zeitlich befristet und muss innerhalb dieser Frist eingelöst werden, sonst verfällt er.

So läuft die Beantragung Schritt für Schritt ab

Viele glauben, sie müssten einfach ein Formular ausfüllen. Tatsächlich beginnt der Weg zum Bildungsgutschein immer mit einem persönlichen Gespräch. Der Ablauf lässt sich in klare Schritte gliedern.

Gehen Sie gut vorbereitet in das Beratungsgespräch. Wer konkrete Vorstellungen von Bildungsziel, Anbieter und Berufsperspektive mitbringt, erhöht seine Chancen deutlich. Falls Sie noch nicht arbeitslos gemeldet sind, aber Ihren Job zu verlieren drohen, hilft unser Ratgeber, sich arbeitslos zu melden, beim ersten Schritt.

Anzeige

Nur AZAV-zertifizierte Maßnahmen sind förderfähig

Ein entscheidender Punkt, der oft übersehen wird: Der Bildungsgutschein lässt sich nur bei Bildungsträgern und für Maßnahmen einlösen, die nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sind. Sowohl der Träger als auch der konkrete Kurs müssen ein gültiges Zertifikat besitzen. Ohne diese Zulassung kann die Agentur für Arbeit die Kosten nicht übernehmen.

Prüfen Sie deshalb vor der Anmeldung, ob die gewünschte Maßnahme AZAV-zertifiziert ist. Zugelassene Angebote finden Sie im offiziellen Verzeichnis KURSNET der Bundesagentur für Arbeit oder direkt beim Anbieter, der die Zertifizierung auf Nachfrage nachweisen kann. Ein Kurs mag inhaltlich noch so überzeugend sein: Fehlt die AZAV-Zulassung, ist er über den Bildungsgutschein nicht förderfähig.

Diese Alternativen zum Bildungsgutschein gibt es

Wenn es um die Förderung von Weiterbildungen geht, denkt man sofort an den Bildungsgutschein. Berufliche Qualifizierungen lassen sich aber auch auf anderem Weg finanzieren, teils zusätzlich, teils als Alternative. Diese Optionen sind besonders verbreitet.

Welcher Weg der passende ist, hängt von Ihrer Ausgangslage ab. Wer arbeitslos ist oder von Arbeitslosigkeit bedroht, fährt mit dem Bildungsgutschein meist am besten. Wer eine Aufstiegsfortbildung anstrebt, sollte das Aufstiegs-BAföG prüfen. Häufig lassen sich Förderungen auch kombinieren. Für die Prämie bei erfolgreichem Abschluss lohnt ein Blick in unseren Ratgeber zur Weiterbildungsprämie.

Absagen und Stellenangebote als Argumente nutzen

Weil der Bildungsgutschein eine Ermessensleistung ist, kommt es auf gute Argumente an. Zwei Belege haben sich in der Praxis besonders bewährt.

Absagen als Argumente für die Bildungsmaßnahme

Wer einen Bildungsgutschein beantragen möchte, muss dem Amt gegenüber schlüssig argumentieren und Überzeugungsarbeit leisten. Dabei helfen Absagen aus der Vergangenheit. Waren bisherige Bewerbungen aufgrund einer unzureichenden Qualifikation ohne Erfolg, lässt sich damit die Notwendigkeit der angestrebten Weiterbildung belegen. Das erhöht die Chancen auf einen Bildungsgutschein spürbar.

Stellenangebote als Argumentationshilfe

Es lohnt sich, aktuelle Stellenanzeigen aufmerksam zu lesen und passende Ausschreibungen zu sammeln. Darin stehen konkrete Angaben zu den erforderlichen Qualifikationen. So können Sie anhand ausgeschriebener Stellen belegen, dass Sie eine bestimmte Qualifikation brauchen, um beruflich Fuß zu fassen oder Ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.

Fünf Tipps erhöhen Ihre Chancen auf den Gutschein

Die Bundesagentur für Arbeit ist nicht verpflichtet, einen Bildungsgutschein auszustellen. Es handelt sich um eine sogenannte Kann-Leistung, die im Ermessen des Amtes liegt. Die folgenden fünf Tipps erhöhen Ihre Chancen auf den ersehnten Gutschein.

Je besser Sie vorbereitet und je überzeugender Ihre Argumentation ist, desto wahrscheinlicher wird die Bewilligung. Betrachten Sie das Beratungsgespräch als partnerschaftlichen Austausch: Ziel beider Seiten ist Ihre nachhaltige Eingliederung in den Arbeitsmarkt.

Checkliste für das Beratungsgespräch

Checkliste Bildungsgutschein: Diese Informationen sollten Sie vorbereiten

All diejenigen, die eine Förderung durch das Arbeitsamt anstreben und einen Bildungsgutschein nutzen möchten, sollten bestens vorbereitet in das Beratungsgespräch gehen. Halten Sie die folgenden Informationen zur gewünschten Maßnahme bereit:

  • Titel der Weiterbildungsmaßnahme
  • angestrebter Abschluss
  • Inhalte
  • Beginn
  • Dauer
  • Kosten
  • Voraussetzungen
  • Standort
  • Anbieter und AZAV-Zertifizierung

Häufige Fragen zum Bildungsgutschein

Wer bekommt einen Bildungsgutschein vom Arbeitsamt?
Einen Bildungsgutschein können Arbeitslose, von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte und Menschen ohne verwertbaren Berufsabschluss erhalten. Auch Beschäftigte kommen über das Qualifizierungschancengesetz infrage. Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung notwendig und zweckmäßig ist, um Sie in Arbeit zu bringen oder Ihre Beschäftigung zu sichern. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht.

Welche Kosten übernimmt der Bildungsgutschein?
Der Bildungsgutschein übernimmt die vollen Lehrgangskosten der zugelassenen Maßnahme. Zusätzlich werden Fahrkosten, Kinderbetreuung, Kosten für auswärtige Unterbringung und Verpflegung sowie Prüfungsgebühren erstattet. Während der Weiterbildung läuft in der Regel das Arbeitslosengeld weiter, sodass auch der Lebensunterhalt abgesichert ist.

Wie beantrage ich einen Bildungsgutschein?
Der Bildungsgutschein wird nicht per Formular beantragt, sondern in einem persönlichen Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter geklärt. Dort prüfen Sie gemeinsam mit der Vermittlungsfachkraft, ob eine Weiterbildung sinnvoll ist. Fällt die Entscheidung positiv aus, stellt das Amt den Gutschein aus, den Sie anschließend bei einem zugelassenen Träger einlösen.

Wie lange ist ein Bildungsgutschein gültig?
Ein ausgestellter Bildungsgutschein ist zeitlich befristet, üblich sind rund drei Monate. Innerhalb dieser Frist müssen Sie den Gutschein bei einem zugelassenen Bildungsträger einlösen und die Maßnahme beginnen. Zusätzlich gilt der Gutschein nur für einen bestimmten regionalen Geltungsbereich und ein festgelegtes Bildungsziel. Läuft die Frist ab, verfällt der Gutschein.

Habe ich einen Rechtsanspruch auf den Bildungsgutschein?
Nein, einen Rechtsanspruch gibt es nicht. Der Bildungsgutschein ist eine Ermessens- beziehungsweise Kann-Leistung nach §§ 81, 82 SGB III. Die Agentur für Arbeit entscheidet im Einzelfall, ob sie eine Weiterbildung fördert. Gute Argumente, ein klares Bildungsziel und der Nachweis, dass die Qualifizierung notwendig ist, erhöhen Ihre Chancen deutlich.

Können auch Beschäftigte einen Bildungsgutschein erhalten?
Ja. Über das Qualifizierungschancengesetz können auch Beschäftigte gefördert werden, deren Tätigkeit vom Strukturwandel oder der Digitalisierung betroffen ist oder deren Arbeitsplatz gefährdet ist. Je nach Betriebsgröße übernimmt die Agentur für Arbeit einen Teil oder die gesamten Lehrgangskosten. Ansprechpartner ist auch hier die örtliche Agentur für Arbeit.

Was bedeutet AZAV-Zertifizierung beim Bildungsgutschein?
AZAV steht für die Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung. Nur Bildungsträger und Maßnahmen mit gültigem AZAV-Zertifikat sind über den Bildungsgutschein förderfähig. Prüfen Sie vor der Anmeldung, ob die gewünschte Weiterbildung zugelassen ist. Zugelassene Angebote finden Sie im Verzeichnis KURSNET der Bundesagentur für Arbeit oder direkt beim Anbieter.

Kann ich während der Weiterbildung nebenbei arbeiten?
Ein Minijob bis zur Geringfügigkeitsgrenze von 603 Euro im Monat ist während des Arbeitslosengeldbezugs grundsätzlich möglich, ein Freibetrag von 165 Euro bleibt anrechnungsfrei. Die Nebentätigkeit darf unter 15 Wochenstunden liegen und die Weiterbildung nicht beeinträchtigen. Sprechen Sie eine geplante Beschäftigung immer vorab mit Ihrer Agentur für Arbeit ab.