Weiterbildung Immobilienkaufmann
In den vergangenen Jahren gehörte der Immobiliensektor zu den absoluten Boom-Branchen und bot karrieretechnisch enormes Potenzial. All diejenigen, die daran teilhaben möchten und bereits eine einschlägige Ausbildung abgeschlossen haben, sollten an eine Weiterbildung für Immobilienkaufleute denken. Als Immobilienkaufmann beziehungsweise Immobilienkauffrau kann man so perfekt auf das lebenslange Lernen reagieren und sich kontinuierlich weiterentwickeln. Dabei haben Interessierte allerdings die Qual der Wahl, denn es gibt zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten für Immobilienkaufleute.
Die einzelnen Bildungsanbieter geben gerne Auskunft über ihre Angebote und präsentieren diese gekonnt. Allerdings handelt es sich dabei um keine objektiven Darstellungen. Diesbezüglich kann es sich lohnen, bei der Agentur für Arbeit zwecks einer Beratung vorstellig zu werden. Außerdem ist eine eigenständige Recherche sehr empfehlenswert. Auf dieser Seite finden Sie einen fundierten Überblick über Fortbildungen, Studienwege, Voraussetzungen, Dauer, Kosten und mögliche Förderungen für Immobilienkaufleute. Auch ein häufiges Missverständnis wird aufgeklärt, denn „Immobilienkaufmann“ selbst ist kein Weiterbildungsberuf.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Immobilienkaufmann/-frau ist ein anerkannter dualer Ausbildungsberuf, keine Weiterbildung. Wer bereits im Beruf steht, baut mit Fort- und Aufstiegsfortbildungen darauf auf.
- Wichtigste Aufstiege sind der Geprüfte Immobilienfachwirt (IHK) und darauf aufbauend der Immobilienbetriebswirt sowie Fachwirt-Abschlüsse in Finanzberatung oder Controlling.
- Die Dauer reicht von wenigen Tagen (Seminar) über 12 bis 24 Monate (Fachwirt berufsbegleitend) bis zu mehreren Jahren (berufsbegleitendes Studium).
- Aufstiegsfortbildungen wie der Immobilienfachwirt werden über das Aufstiegs-BAföG gefördert, Anpassungsweiterbildungen bei Arbeitslosigkeit über den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III.
- Immobilienfachwirte verdienen häufig zwischen 45.000 und 60.000 Euro brutto im Jahr, in Führungspositionen deutlich mehr.
Immobilienkaufleute arbeiten an der Schnittstelle von Kauf, Vermietung und Verwaltung
Bevor es um das berufliche Entwicklungspotenzial geht, lohnt sich ein Blick auf das Berufsbild. Immobilienkaufleute sind vornehmlich in der Immobilienwirtschaft tätig und übernehmen dort kaufmännische, verwaltende und beratende Aufgaben rund um Wohn- und Gewerbeimmobilien. Sie vermitteln Objekte, betreuen Mietverhältnisse, kalkulieren Nebenkosten, begleiten Kauf- und Verkaufsprozesse und stehen im Kontakt mit Eigentümern, Mietern, Handwerkern und Behörden. Typische Arbeitgeber und Einsatzbereiche sind:
- Immobilienbüros und Maklerunternehmen
- Wohnungsgenossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften
- Bauunternehmen und Projektentwickler
- Immobilien- und Hausverwaltungen
- Banken und Sparkassen mit Immobilienabteilungen
- Versicherungen
- Facility-Management
- öffentliche Verwaltung und Liegenschaftsämter
Je nach Einsatzbereich und Position können die Aufgaben stark variieren. Im Allgemeinen sind Immobilienkaufleute für Kauf, Verkauf, Vermittlung und Verwaltung von Immobilien zuständig. Neben Kundenberatungen kann ihnen zuweilen auch die Begleitung von Bauvorhaben obliegen. Aus dieser Vielseitigkeit ergibt sich eine große Spannbreite bei den Verdienstmöglichkeiten. Grob kann man von einem Bruttojahresgehalt zwischen rund 24.000 Euro und 48.000 Euro ausgehen, wobei zusätzliche Qualifikationen und Provisionen den Verdienst spürbar anheben können.
Bevor es um das berufliche Entwicklungspotenzial geht, folgt zunächst eine wichtige Klarstellung zum Berufsweg selbst.
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Immobilienkaufmann wird man über die Ausbildung, nicht über eine Weiterbildung
Wer nach einer „Weiterbildung zum Immobilienkaufmann“ sucht, wird in dieser Form nicht fündig, und das hat einen sachlichen Grund: Immobilienkaufmann beziehungsweise Immobilienkauffrau ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Erlernt wird er im Regelfall über eine dreijährige duale Berufsausbildung im Betrieb und in der Berufsschule. Eine reine Weiterbildungsmaßnahme kann diesen Abschluss deshalb nicht ersetzen.
Für Quereinsteiger führt daher entweder eine verkürzte Ausbildung oder eine Umschulung zum Immobilienkaufmann zum Ziel. Eine Umschulung dauert bei entsprechender Verkürzung meist rund zwei Jahre, schließt mit der regulären IHK-Prüfung ab und lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter fördern. Sie ist streng genommen keine Weiterbildung, sondern eine berufliche Neuorientierung mit anerkanntem Berufsabschluss.
Der Begriff „Weiterbildung für Immobilienkaufleute“ ist also so zu verstehen: Er meint alle Fort-, Aufstiegs- und Studienangebote, die auf einer bereits abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung aufbauen. Genau diese Wege stellen wir im Folgenden vor.
Fort- und Aufstiegsfortbildungen eröffnen Immobilienkaufleuten neue Karrierestufen
Aufbauend auf der abgeschlossenen Ausbildung und einer gewissen Berufspraxis können Immobilienkaufleute zusätzliche Qualifikationen als Karrierebausteine sammeln. So steigen sie beruflich auf und verbessern zugleich die Chancen auf eine höhere Vergütung. Es macht sich im wahrsten Sinne bezahlt, das lebenslange Lernen zu verfolgen und regelmäßig an Weiterbildungen teilzunehmen. Grundsätzlich lassen sich zwei Ebenen unterscheiden: kürzere Anpassungsweiterbildungen, die Fachwissen aktuell halten, und Aufstiegsfortbildungen, die zu einem höheren, öffentlich-rechtlichen Abschluss führen.
Seminare und Kurse halten das Fachwissen aktuell
Eine einfache und effektive Art der Weiterbildung stellen Seminare und Kurse dar. Sie dauern von wenigen Stunden bis zu einigen Tagen und eignen sich, um punktuell Wissen aufzufrischen oder neue rechtliche Vorgaben einzuarbeiten. Für Immobilienkaufleute sind unter anderem folgende Themen interessant:
- Mietrecht und Wohnungseigentumsrecht (WEG)
- Haus- und Grundstücksverwaltung
- Immobilienbewertung und Wertermittlung
- Vertrieb, Verkauf und Marketing
- Buchführung und Controlling
- Kommunikation und Kundenberatung
- energetische Sanierung und Gebäudeenergiegesetz (GEG)
- Digitalisierung in der Immobilienverwaltung
Aufstiegsfortbildungen führen zu einem höheren beruflichen Abschluss
Ambitionierte Karrierepläne lassen sich besonders gut mit einer Aufstiegsfortbildung erreichen, da diese für einen höheren, bundeseinheitlich geregelten Abschluss sorgt. Speziell für Immobilienkaufleute kommen vor allem folgende Qualifikationen in Betracht:
- Geprüfter Immobilienfachwirt / Geprüfte Immobilienfachwirtin (IHK)
- Geprüfter Fachwirt für Finanzberatung
- Geprüfter Immobilienbetriebswirt (Fach-/Hochschulzertifikat)
- Geprüfter Betriebswirt für Controlling
- Immobiliensachverständiger / Gutachter für Immobilienbewertung
Herzstück der Aufstiegslogik ist der Geprüfte Immobilienfachwirt (IHK). Er qualifiziert für anspruchsvollere Fach- und erste Führungsaufgaben, etwa in der Objekt- und Bestandsverwaltung, im Immobilienvertrieb oder im Bereich der Projektsteuerung. Wer bereits Fachwirt ist, kann darauf aufbauend den Immobilienbetriebswirt anschließen und sich so für Leitungspositionen empfehlen. Einen ausführlichen Überblick über die kaufmännische Aufstiegsschiene bieten unsere Ratgeber zum Fachwirt und zum Betriebswirt.
Wer eher in Richtung Vermittlung oder Objektbetreuung gehen möchte, findet passende Wege in unseren Ratgebern zum Immobilienmakler und zum Hausverwalter (IHK).
Ein berufsbegleitendes Studium ergänzt die kaufmännische Praxis um akademisches Wissen
Eine anerkannte Aufstiegsfortbildung ist der Karriere von Immobilienkaufleuten sehr zuträglich, sorgt aber nicht für einen akademischen Grad. Angesichts der zunehmenden Akademisierung im Immobilienmanagement kann ein Studienabschluss dennoch wichtig sein, besonders für Positionen im gehobenen Management, in der Projektentwicklung oder im institutionellen Immobilieninvestment. Wer das erkennt, muss dafür keineswegs den Job aufgeben. Ein berufsbegleitendes Studium sorgt für die Vereinbarkeit von Studium und Beruf. Möglich machen das unter anderem diese Studienformen:
- Fernstudium
- Abendstudium
- duales Studium
- Teilzeitstudium
Für Immobilienkaufleute spielt nicht nur eine Rolle, wie sie berufsbegleitend studieren, sondern auch was. Passend dazu eine beispielhafte Übersicht interessanter Studiengänge:
- Immobilienwirtschaft / Real Estate
- Betriebswirtschaftslehre
- Facility-Management
- Technisches Gebäudemanagement
- Wirtschaftsingenieurwesen (Bau/Immobilien)
Die Voraussetzungen richten sich nach dem angestrebten Abschluss
Welche Voraussetzungen gelten, hängt stark davon ab, ob eine Anpassungsweiterbildung, eine Aufstiegsfortbildung oder ein Studium angestrebt wird. Für Seminare und Kurse gibt es meist keine formalen Zugangshürden. Bei der IHK-Aufstiegsfortbildung sind hingegen einschlägige Ausbildung und Berufspraxis nachzuweisen.
Für die Prüfung zum Geprüften Immobilienfachwirt gilt in der Regel: eine abgeschlossene Ausbildung zum Immobilienkaufmann und rund ein Jahr Berufspraxis, alternativ eine andere kaufmännische Ausbildung mit längerer einschlägiger Praxis oder mehrjährige Berufserfahrung ohne einschlägige Ausbildung. Die genauen Zulassungsbedingungen legt die jeweils zuständige Industrie- und Handelskammer fest. Für ein Studium ist entweder die (Fach-)Hochschulreife oder ein Hochschulzugang über berufliche Qualifikation erforderlich; ein IHK-Fortbildungsabschluss öffnet vielerorts den Weg zum Studium auch ohne Abitur. Einen allgemeinen Überblick bietet unser Ratgeber zu den Voraussetzungen für eine Weiterbildung.
Dauer und Ablauf hängen von Format und Zeitmodell ab
Die Dauer einer Weiterbildung reicht von einzelnen Tagen bis zu mehreren Jahren. Entscheidend sind Umfang des Abschlusses und das gewählte Zeitmodell. Viele Immobilienkaufleute qualifizieren sich berufsbegleitend, weil sie so weiter Gehalt beziehen und Praxis sammeln. Vollzeitmodelle sind dagegen kürzer und eignen sich, wenn ohnehin eine berufliche Auszeit oder Arbeitslosigkeit besteht. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Formate ein:
Der Ablauf einer Aufstiegsfortbildung zum Immobilienfachwirt gliedert sich üblicherweise in mehrere Lernfelder, etwa Immobilienbewirtschaftung, Bauprojektmanagement, Marktkommunikation und Unternehmenssteuerung. Am Ende stehen schriftliche und mündliche IHK-Prüfungen. Fernkurse arbeiten mit Studienheften, Online-Lernplattformen und optionalen Präsenz- oder Webinarphasen und bieten damit die größte zeitliche Flexibilität.
Kosten lassen sich über mehrere Förderwege deutlich senken
Aufstiegsfortbildungen sind eine Investition: Der Immobilienfachwirt kostet je nach Anbieter und Format häufig zwischen 3.000 und 6.000 Euro, ein berufsbegleitendes Studium liegt darüber. Diese Beträge müssen aber selten allein getragen werden, denn für Immobilienkaufleute stehen je nach Situation unterschiedliche Förderwege offen. Welcher passt, hängt davon ab, ob Sie beschäftigt, arbeitsuchend oder auf einen anerkannten Aufstieg aus sind.
Ergänzend gibt es beim Bildungsgutschein zwei Zusatzleistungen, die den Abschluss belohnen: das Weiterbildungsgeld von 150 Euro pro Monat während einer geförderten, abschlussbezogenen Weiterbildung sowie Prämien von 1.000 Euro für das Bestehen einer Zwischenprüfung und 1.500 Euro für die bestandene Abschlussprüfung. Wer während einer Weiterbildung auf Grundsicherung angewiesen ist, kann zusätzlich zum Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) einen Minijob bis zur Grenze von 603 Euro monatlich (Stand 2026) ausüben, wobei Freibeträge gelten. Wie die Finanzierung im Detail abläuft, erklären unsere Ratgeber So wird die Weiterbildung vom Arbeitsamt bezahlt und Förderung einer Weiterbildung durch das Arbeitsamt. Wer über das Jobcenter gefördert wird, findet Details unter Weiterbildung über das Jobcenter.
Karriere und Gehalt steigen mit jeder zusätzlichen Qualifikation
Weiterbildung zahlt sich für Immobilienkaufleute meist unmittelbar aus. Während frisch ausgelernte Immobilienkaufleute häufig zwischen 24.000 und 48.000 Euro brutto im Jahr verdienen, bewegen sich Immobilienfachwirte je nach Region, Betriebsgröße und Verantwortung oft im Bereich von 45.000 bis 60.000 Euro. In Führungspositionen, etwa als Leitung der Bestandsverwaltung, im Asset-Management oder als Niederlassungsleitung, sind deutlich höhere Gehälter möglich, häufig ergänzt um erfolgsabhängige Provisionen.
Die berufliche Entwicklung verläuft typischerweise in Stufen: von der Sachbearbeitung über Teamleitung und Objektverantwortung bis hin zu Abteilungs- oder Geschäftsleitung. Wer zusätzlich ein Studium abschließt, kann in Richtung Projektentwicklung, Immobilienfinanzierung oder institutionelles Investment gehen. Auch der Schritt in die Selbstständigkeit als Makler oder Verwalter ist ein häufiger Karriereweg, der allerdings eine Gewerbeerlaubnis nach § 34c GewO und für einige Tätigkeiten eine regelmäßige Weiterbildungspflicht voraussetzt.
Bei der Anbieterwahl entscheidet die AZAV-Zulassung über die Förderfähigkeit
Immobilienbezogene Weiterbildungen werden von Industrie- und Handelskammern, privaten Bildungsträgern, Fernschulen, Akademien der Immobilienwirtschaft und Hochschulen angeboten. Die einzelnen Anbieter präsentieren ihre Programme naturgemäß wohlwollend. Ein objektiver Vergleich lohnt sich daher, ebenso ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit. Achten Sie auf folgende Punkte:
- AZAV-Zulassung: Nur bei einem nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung zertifizierten Träger ist eine Förderung über den Bildungsgutschein möglich.
- Anerkannter Abschluss: Bei Aufstiegsfortbildungen sollte am Ende eine öffentlich-rechtliche IHK-Prüfung stehen.
- Zeitmodell: Prüfen Sie, ob Vollzeit, Teilzeit oder Fernkurs zu Ihrer Lebenssituation passt.
- Erfolgsquoten und Betreuung: Prüfungserfolg, Ansprechpartner und Praxisbezug sind wichtige Qualitätsmerkmale.
Einen allgemeinen Überblick über geförderte Wege bieten unsere Hub-Seiten zur Weiterbildung mit dem Arbeitsamt und zur Umschulung mit dem Arbeitsamt. Speziell für den Vermittlungsbereich lohnt ein Blick auf die Weiterbildung zum Immobilienmakler.






