Weiterbildung Gerontopsychiatrische Fachkraft
Dass in der Pflege Fachkräfte fehlen, ist allgemein bekannt und erweist sich zunehmend als gesellschaftliches Problem. Für examinierte Pflegekräfte bedeutet das nicht nur eine hohe Arbeitslast, sondern auch sehr gute Beschäftigungs- und Aufstiegschancen. Wer sich fachlich spezialisieren möchte, findet in der Gerontopsychiatrie ein Feld mit wachsender Bedeutung.
Die Weiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft eröffnet den Zugang zu einem eigenständigen Verantwortungsbereich. Gerontopsychiatrische Fachkräfte betreuen und pflegen ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen, allen voran Demenz, Depression und Verwirrtheitszustände. Angesichts der demografischen Entwicklung wird diese Qualifikation immer stärker nachgefragt, denn die Zahl der pflegebedürftigen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen steigt kontinuierlich.
Diese Seite erklärt, was die Weiterbildung umfasst, welche Voraussetzungen gelten, wie lange sie dauert, was sie kostet und wie Sie die Kosten über das Arbeitsamt oder andere Wege fördern lassen können.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Die Weiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft qualifiziert examinierte Pflegekräfte für die Betreuung älterer Menschen mit psychischen Erkrankungen, vor allem Demenz.
- Voraussetzung sind eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf und in der Regel ein bis zwei Jahre Berufserfahrung.
- Die Dauer liegt meist zwischen 6 und 24 Monaten (400 bis 720 Unterrichtsstunden), berufsbegleitend, in Vollzeit oder als Fernlehrgang.
- Die Kosten von rund 1.500 bis 4.500 Euro können über Bildungsgutschein (§ 81 SGB III), Qualifizierungschancengesetz oder den Arbeitgeber gefördert werden.
- Das Gehalt liegt je nach Region und Träger meist zwischen 2.900 und 4.000 Euro brutto im Monat, mit Zulagen für die Zusatzqualifikation.
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Inhaltsverzeichnis
- Gerontopsychiatrische Fachkräfte betreuen ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen
- Die Weiterbildung vermittelt medizinisches, psychologisches und pflegerisches Fachwissen
- Eine Pflegeausbildung und Berufserfahrung sind Zugangsvoraussetzung
- Dauer und Ablauf richten sich nach Lehrgangsform und Stundenumfang
- Kosten und Förderung: So finanzieren Sie die Weiterbildung
- Gehalt und Karriere verbessern sich mit der Zusatzqualifikation spürbar
- Aufbauende Qualifizierungen und Studiengänge erweitern die Perspektiven
- Wer für die Weiterbildung geeignet ist
- Alternativen zur Weiterbildung sollten Sie mitbedenken
- Häufige Fragen zur Weiterbildung Gerontopsychiatrische Fachkraft

Gerontopsychiatrische Fachkräfte betreuen ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen
Gerontopsychiatrische Fachkräfte sind auf die Pflege und Betreuung älterer Menschen mit psychischen Erkrankungen spezialisiert. In der Gerontopsychiatrie treffen die Herausforderungen des Alters auf psychische Störungsbilder. Häufig ist die Demenz der Grund für die besondere Pflege, daneben spielen Altersdepression, Angststörungen, wahnhafte Störungen und Verwirrtheitszustände (Delir) eine große Rolle.
Der Umgang mit diesen Menschen erfordert deutlich mehr als reine Grundpflege. Gerontopsychiatrische Fachkräfte müssen Verhaltensauffälligkeiten richtig deuten, Krisensituationen entschärfen und die Selbstständigkeit der Betroffenen so lange wie möglich erhalten. Zu den typischen Aufgaben gehören:
- Grund- und Behandlungspflege unter Berücksichtigung des psychischen Zustands
- Gedächtnis-, Orientierungs- und Realitätstraining
- Biografiearbeit und aktivierende Alltagsgestaltung
- Deeskalation bei Unruhe, Aggression oder Weglauftendenz
- Beobachtung von Medikamentenwirkung und Nebenwirkungen
- Beratung und Entlastung pflegender Angehöriger
- Pflegeplanung und fachgerechte Dokumentation
Da psychische Beeinträchtigungen im Alter weit verbreitet sind, ergeben sich vielfältige Einsatzfelder. Gerontopsychiatrische Fachkräfte sind vor allem gefragt in:
- Alten- und Pflegeheimen mit gerontopsychiatrischem Schwerpunkt oder Demenz-Wohnbereichen
- ambulanten Pflegediensten
- Tages- und Kurzzeitpflege
- gerontopsychiatrischen Kliniken und Fachabteilungen
- Behinderten- und Eingliederungseinrichtungen
- sozialen Diensten und Pflegeberatungsstellen
Wer sich für die Arbeit mit älteren Menschen interessiert, findet auch in verwandten Bereichen passende Qualifizierungen, etwa in der Geriatrie oder der Palliative Care.
Die Weiterbildung vermittelt medizinisches, psychologisches und pflegerisches Fachwissen
Wer Gefallen an der Tätigkeit findet, kann sich im Rahmen einer entsprechenden Weiterbildung qualifizieren. Die Teilnehmenden erwerben das notwendige Wissen und sind anschließend fachlich für den fordernden Berufsalltag in der Gerontopsychiatrie gerüstet. Die Lehrgänge sind in der Regel modular aufgebaut und kombinieren theoretischen Unterricht mit praktischen Übungen. Zu den typischen Inhalten zählen:
- Gerontologie und Alternsprozesse
- Grundlagen der Psychologie und Psychiatrie
- Neurologie und Krankheitsbilder des Alters
- Demenzformen, Verlauf und Betreuungskonzepte
- Depression, Angst- und Suchterkrankungen im Alter
- Schmerz- und Medikamentenmanagement
- Therapieansätze, Aktivierung und Rehabilitation
- gerontopsychiatrische Pflege und Pflegeplanung
- Kommunikation, Validation und Angehörigenarbeit
- rechtliche Grundlagen (Betreuungsrecht, Freiheitsentziehung, Patientenrechte)
Viele Anbieter schließen die Weiterbildung mit einer schriftlichen Prüfung, einer Facharbeit oder einem Kolloquium ab. Das Zertifikat orientiert sich häufig an den Empfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) beziehungsweise der jeweiligen Landesregelungen für Fachweiterbildungen in der Pflege.
Eine Pflegeausbildung und Berufserfahrung sind Zugangsvoraussetzung
Die Weiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft setzt eine abgeschlossene Ausbildung in einem einschlägigen Pflegeberuf und in der Regel ein bis zwei Jahre Berufspraxis voraus. Ohne pflegerische Grundqualifikation ist die Zulassung meist nicht möglich, weil die Weiterbildung fachliches Vorwissen voraussetzt. Besonders geeignet ist sie für Angehörige folgender Berufe:
- Pflegefachfrau / Pflegefachmann (generalistische Ausbildung)
- Altenpfleger/in
- Gesundheits- und Krankenpfleger/in
- Heilerziehungspfleger/in
Wer noch keine Pflegeausbildung hat, aber in dieses Feld einsteigen möchte, kann zunächst eine Umschulung in der Altenpflege oder zur Pflegefachkraft absolvieren und die Spezialisierung anschließend aufsetzen. Auch die Betreuungskraft nach § 43b SGB XI ist ein möglicher Einstieg in die Arbeit mit Menschen mit Demenz, allerdings auf einem niedrigeren Qualifikationsniveau.
Dauer und Ablauf richten sich nach Lehrgangsform und Stundenumfang
Die Dauer der Weiterbildung variiert je nach Anbieter, Stundenumfang und gewählter Lehrgangsform. Üblich sind zwischen 400 und 720 Unterrichtsstunden, die berufsbegleitend, in Vollzeit oder als Fernlehrgang absolviert werden. Berufsbegleitende Modelle sind am weitesten verbreitet, weil die Teilnehmenden meist weiterhin in ihrem Pflegeberuf arbeiten.
Vor der Anmeldung lohnt sich stets eine ausführliche Recherche, in deren Rahmen Sie die konkreten Konditionen einzelner Anbieter vergleichen: Stundenumfang, Präsenzpflicht, Prüfungsform und die Anerkennung des Abschlusses. Achten Sie darauf, dass der Anbieter nach AZAV zugelassen ist, wenn Sie eine Förderung durch die Agentur für Arbeit anstreben.
Kosten und Förderung: So finanzieren Sie die Weiterbildung
Die Kosten der Weiterbildung liegen je nach Anbieter und Umfang meist zwischen 1.500 und 4.500 Euro. Diese Summe müssen Sie in vielen Fällen nicht selbst tragen, denn es gibt mehrere Förderwege. Welcher passt, hängt vor allem davon ab, ob Sie arbeitslos, von Arbeitslosigkeit bedroht oder in ungekündigter Beschäftigung sind.
Bildungsgutschein und Weiterbildungsgeld bei Arbeitslosigkeit
Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III fördern lassen. Dabei übernimmt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Lehrgangskosten vollständig, sofern die Maßnahme und der Träger nach AZAV zugelassen sind. Ob ein Bildungsgutschein ausgestellt wird, entscheidet die zuständige Vermittlungsfachkraft im Beratungsgespräch nach pflichtgemäßem Ermessen. Ein Rechtsanspruch besteht nicht. Details dazu finden Sie auf unserer Übersicht zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Wer eine geförderte, abschlussbezogene Weiterbildung durchläuft, kann zusätzlich vom Weiterbildungsgeld in Höhe von 150 Euro monatlich profitieren. Bei erfolgreichem Bestehen von Zwischen- und Abschlussprüfungen kommen Prämien hinzu. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber zur Weiterbildungsprämie.
Förderung für Beschäftigte über das Qualifizierungschancengesetz
Sind Sie ungekündigt beschäftigt, läuft die Förderung über das Qualifizierungschancengesetz. Der Arbeitgeber stellt den Antrag bei der Agentur für Arbeit. Je nach Betriebsgröße werden die Weiterbildungskosten anteilig bis vollständig übernommen, teils ergänzt um einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt für die Zeit der Freistellung. In der Pflege ist die Bereitschaft der Arbeitgeber zur Kostenübernahme oft hoch, weil qualifizierte Fachkräfte dringend gebraucht werden. Sprechen Sie das Thema aktiv in einem Personalgespräch an.
Wenn Sie unsicher sind, welcher Weg für Ihre Situation der richtige ist, hilft ein Blick auf unsere Seite zur Umschulung über das Arbeitsamt sowie ein persönliches Beratungsgespräch.
Gehalt und Karriere verbessern sich mit der Zusatzqualifikation spürbar
Die Verdienstmöglichkeiten hängen von Position, Erfahrung, Qualifikation, Region und Träger ab. Das Grundgehalt einer examinierten Pflegekraft liegt derzeit meist zwischen 2.900 und 3.800 Euro brutto im Monat, bei tariflich gebundenen Trägern (etwa nach TVöD-P oder AVR) tendenziell am oberen Ende. Die Zusatzqualifikation als Gerontopsychiatrische Fachkraft wird häufig mit einer Funktions- oder Fachkraftzulage vergütet und verbessert die Position bei Gehaltsverhandlungen.
Wichtiger als die reine Zahl ist oft der Zugewinn an Verantwortung: Gerontopsychiatrische Fachkräfte übernehmen fachliche Leitungsaufgaben in Demenz-Wohnbereichen, beraten Kolleginnen und Kollegen und wirken an Betreuungskonzepten mit. Das erhöht nicht nur das Einkommen, sondern auch die Arbeitszufriedenheit und die Sicherheit des Arbeitsplatzes in einem Beruf mit hohem Fachkräftebedarf.
Aufbauende Qualifizierungen und Studiengänge erweitern die Perspektiven
Mit der Weiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft ist das Ende der Fahnenstange längst nicht erreicht. Ganz im Sinne des lebenslangen Lernens lassen sich weitere Qualifizierungen anschließen, die der Karriere förderlich sind. Kürzere Seminare und Kurse widmen sich einzelnen Themen und bauen gezielt Expertise auf. Dafür bieten sich unter anderem an:
- Praxisanleitung für Pflegeberufe
- Mediation und Angehörigenarbeit
- Hygiene- und Prophylaxe-Management
- medizinische Dokumentation und Pflegeplanung
- Pflegeberatung nach § 7a SGB XI
Wer weiter aufsteigen möchte, kann eine Aufstiegsfortbildung wie die zur Pflegedienstleitung ins Auge fassen; solche Aufstiegsfortbildungen werden über das Aufstiegs-BAföG gefördert. Einen Überblick dazu bietet unsere Seite zur Aufstiegsweiterbildung.
Neben klassischen Weiterbildungen stehen auch Studiengänge offen, häufig berufsbegleitend als Fern-, Abend- oder Teilzeitstudium. Gut geeignet sind Fächer wie Pflegewissenschaft, Pflegemanagement, Gerontologie, Gesundheitswissenschaft, Rehabilitationspsychologie oder Pflegepädagogik. Ein Studium eröffnet den Weg in Leitung, Lehre oder Fachberatung.
Wer für die Weiterbildung geeignet ist
Neben der formalen Zugangsvoraussetzung (Pflegeausbildung plus Berufserfahrung) sollten Interessierte auch persönlich für diese fordernde Tätigkeit geeignet sein. Die Arbeit mit psychisch erkrankten älteren Menschen verlangt Nervenstärke und Empathie zugleich. Besonders wichtig sind:
- Einfühlungsvermögen und Geduld
- Verständnis für herausforderndes Verhalten
- Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein
- psychische Belastbarkeit und Stressresistenz
- Kommunikationsstärke, auch gegenüber Angehörigen
- Bereitschaft zur ständigen fachlichen Weiterentwicklung
Wer diese Eigenschaften mitbringt und Freude am Umgang mit älteren Menschen hat, findet in der Gerontopsychiatrie ein sinnstiftendes und krisensicheres Betätigungsfeld.
Alternativen zur Weiterbildung sollten Sie mitbedenken
Vor der Entscheidung lohnt ein Beratungstermin beim Arbeitsamt, ein Gespräch mit dem Arbeitgeber und ein Blick in aktuelle Stellenanzeigen. Legen Sie sich nicht zu schnell fest, denn je nach Interesse und Vorbildung kann auch eine andere Spezialisierung die bessere Wahl sein. In Betracht ziehen sollten Sie unter anderem:
- Fachpflege für klinische Geriatrie und Rehabilitation
- Fachpflege für Palliativ- und Hospizpflege
- Fachpflege für Psychiatrie
- Praxisanleiter/in für Pflegeberufe
- Pflegesachverständige/r
Tipp aus der Redaktion
Die Weiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft weckt bei vielen Menschen aus der Pflege Interesse. Wer ernsthaft über eine solche Qualifizierung nachdenkt, sollte nichts überstürzen: Klären Sie vorab die Förderung, prüfen Sie die AZAV-Zulassung des Anbieters und sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über Freistellung und Kostenübernahme. Ein Beratungstermin beim Arbeitsamt und der Vergleich mehrerer Anbieter zahlen sich fast immer aus.