Weiterbildung Industriefachwirt

Frau mit Tablet in einer modernen Industriehalle

Die Weiterbildung zum Industriefachwirt beziehungsweise zur Industriefachwirtin ist eine anerkannte Aufstiegsfortbildung auf Bachelor-Niveau (DQR-Stufe 6) und kann ein wichtiger Karrierebaustein sein. Wer sie erfolgreich abschließt, übernimmt in Industriebetrieben kaufmännische Fach- und Führungsaufgaben und verbessert sowohl die beruflichen Perspektiven als auch die Verdienstmöglichkeiten.

Dass das Interesse an dieser Qualifizierung groß ist, liegt somit in der Natur der Sache. Interessierte sollten sich aber dennoch nicht kurzentschlossen für diese Fortbildung entscheiden, sondern den Entschluss zunächst reifen lassen und Voraussetzungen, Dauer, Kosten und Fördermöglichkeiten genau abwägen.

Ein Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit kann dabei sehr nützlich sein. Ansonsten ist es wichtig, sich eingehend zu informieren und den Weg zum Industriefachwirt genau unter die Lupe zu nehmen. Dieser Ratgeber fasst die wesentlichen Fakten zusammen.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Der Geprüfte Industriefachwirt IHK ist eine Aufstiegsfortbildung auf DQR-Stufe 6 (Bachelor-Niveau) und qualifiziert für kaufmännische Führungsaufgaben in der Industrie.
  • Voraussetzung ist in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung plus einschlägige Berufspraxis; die Prüfung legt man vor der IHK ab.
  • Die Dauer reicht von rund 6 Monaten in Vollzeit bis zu etwa 18 bis 24 Monaten berufsbegleitend; auch ein Fernstudium ist möglich.
  • Die Kosten liegen meist zwischen 2.500 und 5.000 Euro, sind über das Aufstiegs-BAföG oft zu mindestens 50 Prozent förderfähig.
  • Das Gehalt bewegt sich nach dem Abschluss meist zwischen rund 40.000 und 55.000 Euro brutto im Jahr, in Führungspositionen auch deutlich darüber.

Der Industriefachwirt steuert kaufmännische Prozesse in Industriebetrieben

Als Industriefachwirt/in wird man üblicherweise mit der Steuerung und Kontrolle verschiedener Geschäftsprozesse betraut. Die Fortbildung schlägt die Brücke zwischen der betrieblichen Praxis und dem kaufmännischen Management. Das gilt vor allem für die folgenden Bereiche:

  • Marketing und Vertrieb
  • Einkauf und Beschaffung
  • Produktion und Materialwirtschaft
  • Personalführung und Personalentwicklung
  • Finanz- und Rechnungswesen

Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben sich in nahezu allen Wirtschaftsbereichen, sodass unterschiedlichste Industriebetriebe vom Maschinenbau über die Chemie- und Elektroindustrie bis zur Konsumgüterproduktion als Arbeitgeber in Betracht kommen. Typische Positionen sind Teamleitung, Abteilungsleitung im kaufmännischen Bereich, Sachbearbeitung mit erweiterter Verantwortung oder Projektkoordination.

Der Industriefachwirt gehört zur Familie der Wirtschaftsfachwirte, ist aber stärker auf die Besonderheiten von Industrieunternehmen zugeschnitten. Wer sich zwischen den Profilen unentschlossen ist, findet weiter unten einen direkten Vergleich sowie einen Verweis auf die Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt.

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Die Weiterbildung vermittelt betriebswirtschaftliche und handlungsspezifische Qualifikationen

Menschen mit dem Berufswunsch Industriefachwirt müssen sich entsprechend qualifizieren und die Fortbildung zum oder zur Geprüften Industriefachwirt/in IHK absolvieren. Der Rahmenlehrplan der Industrie- und Handelskammern gliedert sich in zwei große Blöcke: die wirtschaftsbezogenen Qualifikationen als Fundament und die handlungsspezifischen Qualifikationen mit dem Branchenbezug zur Industrie.

Im Zuge dessen stehen vor allem die folgenden Inhalte auf dem Lehrplan:

  • Volks- und Betriebswirtschaftslehre
  • Rechnungswesen und Finanzwirtschaft
  • Recht und Steuern
  • Unternehmensführung und Organisation
  • Produktions- und Materialwirtschaft
  • Marketing und Vertrieb
  • Personalmanagement
  • Wissens- und Selbstmanagement

Die Industriefachwirt-Weiterbildung endet mit einer Prüfung vor der IHK, die die genannten Themen im Rahmen der wirtschaftsbezogenen und der handlungsspezifischen Qualifikationen abprüft. Ergänzt wird sie um eine mündliche Präsentation samt Fachgespräch, in dem die Prüflinge ein praxisnahes Szenario bearbeiten.

Wer besteht, hat den Abschluss als Geprüfte/r Industriefachwirt/in IHK in der Tasche und kann darauf die weitere Karriere aufbauen. Die viel gesuchte Durchfallquote fällt bei guter Vorbereitung überschaubar aus; entscheidend sind kontinuierliches Lernen und Übungsklausuren während des gesamten Lehrgangs.

Der Zugang setzt Berufsausbildung und einschlägige Praxis voraus

Bevor man sich der Herausforderung der Industriefachwirt-Weiterbildung stellt, muss man die formalen Voraussetzungen abklären. Die Zulassung zur IHK-Prüfung ist bundesweit geregelt und kennt mehrere gleichwertige Wege.

In der Regel wird einer der folgenden Nachweise verlangt:

  • eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung plus mindestens ein Jahr einschlägige Berufspraxis, oder
  • eine sonstige abgeschlossene Ausbildung plus mindestens zwei Jahre Berufspraxis, oder
  • mindestens drei Jahre einschlägige Berufspraxis ohne einschlägige Ausbildung.

Die Berufspraxis muss inhaltlich einen Bezug zu den Aufgaben eines Industriefachwirts haben. Neben den formalen Kriterien zählt die persönliche Eignung. Industriefachwirte sollten vor allem die folgenden Stärken mitbringen:

  • Organisationsgeschick und analytisches Denken
  • Verantwortungsbewusstsein und Führungsqualität
  • Genauigkeit und Zuverlässigkeit
  • Anpassungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft
  • kaufmännisches Interesse und technisches Verständnis

Sind die formalen Voraussetzungen gegeben, stellt der Zugang zur Maßnahme kein Problem dar. Wer unsicher ist, ob die eigene Praxis anerkannt wird, klärt das am besten vorab direkt mit der zuständigen IHK.

Dauer und Ablauf hängen von der gewählten Lehrgangsform ab

Die Rahmenbedingungen der Industriefachwirt-Fortbildung variieren je nach Anbieter und Lehrgangsform. Das kann es Interessierten erschweren, den Ablauf der Maßnahme einzuschätzen. Grundsätzlich stehen drei Modelle zur Wahl, die sich in Dauer, Lerntempo und Vereinbarkeit mit dem Beruf unterscheiden.

LehrgangsformTypische DauerFür wen geeignet
Vollzeitca. 5 bis 7 MonateArbeitsuchende oder Freigestellte, die sich voll auf die Fortbildung konzentrieren können
Teilzeit / berufsbegleitendca. 18 bis 24 MonateBerufstätige, die abends oder am Wochenende lernen
Fernstudium / onlineca. 15 bis 24 MonateLernende mit hoher Selbstdisziplin, die zeitlich und örtlich flexibel bleiben wollen

Als grobe Orientierung reicht die Spanne also von rund einem halben Jahr in Vollzeit bis zu etwa zwei Jahren berufsbegleitend. Die reine Präsenz- oder Online-Lernzeit umfasst meist 500 bis 700 Unterrichtsstunden. Wer die Fortbildung neben dem Job absolviert, sollte über den gesamten Zeitraum mit einem zusätzlichen wöchentlichen Aufwand von mehreren Stunden für Selbststudium und Klausurvorbereitung rechnen.

Kosten und Förderung entscheiden über die Finanzierung

Bevor es um zusätzliche Qualifikationen für Industriefachwirte geht, sollte die Finanzierung der Fortbildung geklärt werden. Durch die Lehrgangsgebühren handelt es sich um eine spürbare Investition: Je nach Anbieter und Form liegen die reinen Kursgebühren meist zwischen 2.500 und 5.000 Euro, hinzu kommen Prüfungsgebühren der IHK und Kosten für Lehrmaterial.

Die gute Nachricht: Weil der Industriefachwirt eine anerkannte Aufstiegsfortbildung ist, gibt es mehrere Förderwege. Welcher passt, hängt vor allem davon ab, ob man arbeitslos, von Arbeitslosigkeit bedroht oder ungefördert weiterbildungswillig ist.

Mehrere Förderwege senken die finanzielle Belastung

Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Instrumente ein. In der Praxis lassen sie sich teils kombinieren, etwa Aufstiegs-BAföG mit einem zinsgünstigen Restdarlehen der KfW.

FörderwegFür wenLeistung
Aufstiegs-BAföG (AFBG)alle, unabhängig vom Alter und Erwerbsstatus50 Prozent der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren als Zuschuss, Rest als zinsgünstiges Darlehen; bei bestandener Prüfung 50 Prozent Darlehenserlass
Bildungsgutschein (§ 81 SGB III)Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit Bedrohtevolle Übernahme der Lehrgangskosten durch die Agentur für Arbeit, wenn die Weiterbildung notwendig ist
QualifizierungschancengesetzBeschäftigteanteilige Förderung von Lehrgangskosten und Arbeitsentgelt über den Arbeitgeber
WeiterbildungsgeldBezieher von Grundsicherungsgeld in Maßnahmen150 Euro monatlich zusätzlich sowie mögliche Prämien bei Zwischen- und Abschlussprüfung

Für die meisten Selbstzahler ist das Aufstiegs-BAföG der wichtigste Hebel, da es einkommensunabhängig gewährt wird und einen erheblichen Teil der Kosten in einen echten Zuschuss verwandelt. Wer arbeitslos gemeldet ist, sollte dagegen zuerst mit der Vermittlungsfachkraft über einen Bildungsgutschein sprechen. Details dazu bündelt der Ratgeber So wird die Weiterbildung vom Arbeitsamt bezahlt; Beschäftigte finden Hinweise unter Förderung einer Weiterbildung durch das Arbeitsamt.

Karriere und Gehalt sprechen für die Fortbildung

Der Abschluss öffnet Türen in Fach- und Führungslaufbahnen. Die Verdienstmöglichkeiten schwanken je nach Branche, Region, Betriebsgröße und Verantwortung, doch im Allgemeinen bewegt sich das durchschnittliche Gehalt nach dem Abschluss zwischen rund 40.000 und 55.000 Euro brutto im Jahr. In größeren Unternehmen oder mit Führungsverantwortung sind auch 60.000 Euro und mehr realistisch.

Nach der erfolgreichen Fortbildung kann man sich kontinuierlich weiterbilden, indem man Seminare zu relevanten Themen besucht und so auf dem Laufenden bleibt. Zudem ist ein berufsbegleitendes Studium eine attraktive Option: Der Industriefachwirt ist auf DQR-Stufe 6 eingeordnet und ermöglicht in den meisten Bundesländern den Hochschulzugang, auch ohne Abitur.

Interessierte sollten dabei vor allem die folgenden Studiengänge in den Blick nehmen:

  • Betriebswirtschaftslehre
  • Wirtschaftswissenschaften
  • Industriebetriebswirtschaft und Industriemanagement
  • Unternehmensführung

Wer nicht studieren, aber dennoch weiter aufsteigen möchte, findet passende Anschlüsse etwa beim Technischen Betriebswirt oder beim Geprüften Betriebswirt.

Verwandte Fortbildungen bieten sinnvolle Alternativen

Die Fortbildung zur Industriefachwirtin beziehungsweise zum Industriefachwirt bietet viel Potenzial. Gleichzeitig gibt es aber auch andere Weiterbildungen, die als mögliche Alternativen in Betracht kommen. Es lohnt sich, offen für unterschiedliche Wege zu sein und die jeweiligen Perspektiven abzuwägen.

Besonders naheliegend sind diese Fortbildungen:

Einen Überblick über den gesamten Aufbau der beruflichen Weiterbildung und die Rolle der Agentur für Arbeit gibt der Hub Weiterbildung über das Arbeitsamt. Wer stattdessen einen kompletten Berufswechsel erwägt, findet unter Umschulung über das Arbeitsamt die passenden Informationen.

Die Anbieterwahl und der AZAV-Status sind für die Förderung wichtig

Angeboten wird die Industriefachwirt-Weiterbildung von IHK-Bildungszentren, privaten Bildungsträgern und Fernlehrinstituten. Bei der Auswahl zählen nicht nur Preis und Termin, sondern auch Qualität und Förderfähigkeit.

  • Für eine Förderung über den Bildungsgutschein muss der Träger nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert und die Maßnahme entsprechend zugelassen sein.
  • Aussagekräftig sind zudem die Bestehensquoten, die Betreuung während der Prüfungsvorbereitung und die Möglichkeit, verpasste Einheiten nachzuholen.
  • Fernlehrgänge sollten von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen sein.

Interessierte an der Qualifizierung zum Industriefachwirt können sich sowohl bei der IHK als auch bei der Agentur für Arbeit informieren. Eine eigenständige Recherche und der Vergleich mehrerer Angebote sollten dennoch stattfinden, bevor man sich festlegt.

Häufige Fragen zur Industriefachwirt-Weiterbildung

Was verdient ein Industriefachwirt?
Ein Industriefachwirt verdient nach dem Abschluss im Schnitt zwischen rund 40.000 und 55.000 Euro brutto im Jahr. Die genaue Höhe hängt von Branche, Region, Betriebsgröße und Verantwortung ab. In Führungspositionen oder großen Unternehmen sind auch 60.000 Euro und mehr möglich.
Welche Voraussetzungen gelten für den Industriefachwirt?
Zugelassen wird, wer eine kaufmännische Ausbildung und ein Jahr Praxis, eine andere Ausbildung und zwei Jahre Praxis oder mindestens drei Jahre einschlägige Berufspraxis nachweist. Die Praxis muss einen Bezug zu kaufmännischen Aufgaben in der Industrie haben. Über die Anerkennung entscheidet die zuständige IHK.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Industriefachwirt?
In Vollzeit dauert die Fortbildung meist etwa 5 bis 7 Monate, berufsbegleitend in Teilzeit oder als Fernstudium rund 18 bis 24 Monate. Der Lehrgang umfasst je nach Form 500 bis 700 Unterrichtsstunden plus Selbststudium für die Prüfungsvorbereitung.
Was kostet der Industriefachwirt IHK?
Die Lehrgangsgebühren liegen je nach Anbieter meist zwischen 2.500 und 5.000 Euro, hinzu kommen Prüfungsgebühren der IHK und Materialkosten. Über das Aufstiegs-BAföG lässt sich rund die Hälfte als Zuschuss finanzieren; bei Arbeitslosigkeit kann ein Bildungsgutschein die vollen Kosten übernehmen.
Spoiler-Titel
Ja. Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit Bedrohte können einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III erhalten, wenn die Weiterbildung notwendig ist und der Träger AZAV-zertifiziert ist. Beschäftigte werden über das Qualifizierungschancengesetz gefördert, unabhängig davon steht das Aufstiegs-BAföG offen.
Was ist besser, Industriefachwirt oder Wirtschaftsfachwirt?
Beide Abschlüsse liegen auf gleichem Niveau. Der Industriefachwirt ist auf Industriebetriebe zugeschnitten und passt, wenn man dort arbeitet oder arbeiten möchte. Der Wirtschaftsfachwirt ist branchenübergreifend und flexibler einsetzbar. Die Wahl richtet sich nach dem angestrebten Einsatzfeld.
Kann man den Industriefachwirt im Fernstudium machen?
Ja, mehrere Fernlehrinstitute bieten den Industriefachwirt online an. Das Fernstudium dauert meist 15 bis 24 Monate und ist gut mit dem Beruf vereinbar. Achten sollte man auf eine ZFU-Zulassung des Fernlehrgangs und bei geplanter Förderung auf die AZAV-Zertifizierung.
Öffnet der Industriefachwirt den Weg zum Studium?
Ja. Der Geprüfte Industriefachwirt ist auf DQR-Stufe 6 eingeordnet und ermöglicht in den meisten Bundesländern den Hochschulzugang auch ohne Abitur. Damit steht ein berufsbegleitendes Bachelorstudium etwa in Betriebswirtschaft oder Industriemanagement offen.

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