Weiterbildung Industriemeister
Im Rahmen einer Weiterbildung zum Industriemeister beziehungsweise zur Industriemeisterin legen die Teilnehmenden den Grundstein für einen vielversprechenden Aufstieg auf der Karriereleiter. Die guten Aussichten sorgen für großes Interesse an der Industriemeister-Weiterbildung. Zunächst sollte man sich aber eingehend mit der Qualifizierung auseinandersetzen und zu diesem Zweck an einer Beratung beim Arbeitsamt teilnehmen.
Unabhängig von einem etwaigen Beratungsgespräch beim Arbeitsamt ist Eigeninitiative immens wichtig. Interessierte sollten daher rund um die Weiterbildung zum Industriemeister recherchieren und sich so ein genaues Bild machen, bevor sie diese Qualifizierung in Betracht ziehen. Im Folgenden erfahren Sie Wissenswertes rund um die Qualifizierungsmaßnahme zum Geprüften Industriemeister und die Fördermöglichkeiten über die Weiterbildung über das Arbeitsamt.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Der Geprüfte Industriemeister ist eine Aufstiegsfortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (Fortbildungsstufe 2, DQR-Niveau 6, gleichgestellt mit dem Bachelor).
- Voraussetzung sind in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung in einem einschlägigen Beruf plus mindestens ein Jahr Berufspraxis.
- Die Dauer liegt in Vollzeit bei rund 7 bis 12 Monaten, berufsbegleitend meist bei 2 bis 3,5 Jahren.
- Gesamtkosten inklusive Prüfungsgebühren liegen häufig zwischen 5.000 und 12.000 Euro - das Aufstiegs-BAföG übernimmt die Hälfte der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren als Zuschuss.
- Bei Arbeitslosigkeit kommt eine Förderung über einen Bildungsgutschein (§ 81 SGB III) in Betracht, für Beschäftigte das Qualifizierungschancengesetz.
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Inhaltsverzeichnis
- Industriemeister verbinden technisches und kaufmännisches Know-how
- Die Weiterbildung teilt sich in einen allgemeinen und einen fachrichtungsspezifischen Teil
- Für die Zulassung brauchen Sie Ausbildung und Berufspraxis
- Dauer und Ablauf hängen vom gewählten Lernmodell ab
- Kosten und Förderung entscheiden über die Finanzierung
- Karrierewege und Gehalt sprechen für den Aufstieg
- Bei der Anbieterwahl zählt die AZAV-Zulassung
- Häufige Fragen zur Industriemeister-Weiterbildung

Industriemeister verbinden technisches und kaufmännisches Know-how
Industriemeister und Industriemeisterinnen stehen an der Schnittstelle zwischen der operativen Fertigung und dem Management. Sie verfügen über technisches und kaufmännisches Know-how, sodass sie unterschiedlichste Aufgaben wahrnehmen können. Ihr Aufgabenspektrum reicht von der Produktionsüberwachung über die Qualitätssicherung bis hin zum Personalwesen. Grundsätzlich kommen sie in Industrieunternehmen nahezu aller Bereiche zum Einsatz. Es existieren dementsprechend vielversprechende Karrierechancen für Industriemeister.
Konkret planen und steuern sie Fertigungsprozesse, überwachen Termine, Kosten und Qualität, führen ein Team von Facharbeitern und weisen neue Mitarbeiter ein. Zudem tragen sie Verantwortung für die Einhaltung von Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Als sogenannte Sandwich-Position zwischen Betriebsleitung und Belegschaft ist der Meister eine tragende Säule im Betrieb - fachlich wie in der Mitarbeiterführung.
Der Geprüfte Industriemeister ist bundeseinheitlich geregelt und im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf Niveau 6 eingestuft. Damit steht der Abschluss formal auf einer Stufe mit einem Bachelor. Das unterstreicht, dass es sich nicht um einen kurzen Lehrgang, sondern um eine anspruchsvolle Aufstiegsfortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz handelt.
Die Weiterbildung teilt sich in einen allgemeinen und einen fachrichtungsspezifischen Teil
Menschen, die als Industriemeister durchstarten möchten, müssen zunächst die betreffende Weiterbildung absolvieren und die Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) ablegen. In diesem Zusammenhang ist unter anderem wissenswert, dass zahlreiche Fachrichtungen zur Auswahl stehen:
- Metall
- Chemie
- Elektrotechnik
- Mechatronik
- Kunststoff und Kautschuk
- Lebensmittel
- Pharmazie
- Glas, Textilwirtschaft, Printmedien und weitere Branchen
Die Prüfung gliedert sich in zwei große Blöcke. Der fachrichtungsübergreifende Teil (die sogenannten Basisqualifikationen) dient als Grundlage und fragt allgemeine Kompetenzen ab, die für alle Meister gleich sind. Im handlungsspezifischen Teil geht es dann um die fachrichtungsbezogenen Kenntnisse und Kompetenzen der jeweiligen Branche.
Zu den fachrichtungsübergreifenden Basisqualifikationen zählen rechtsbewusstes Handeln, betriebswirtschaftliches Handeln, die Anwendung von Methoden der Information, Kommunikation und Planung sowie die Zusammenarbeit im Betrieb. Der handlungsspezifische Teil deckt je nach Fachrichtung Handlungsbereiche wie Technik, Organisation sowie Führung und Personal ab. Ein zentraler Baustein ist außerdem die geprüfte Ausbildereignung nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO), die viele Lehrgänge integriert oder voraussetzen.
Für die Zulassung brauchen Sie Ausbildung und Berufspraxis
Die Auswahl einer Fachrichtung im Rahmen der Industriemeister-Weiterbildung erfolgt stets unter Berücksichtigung der vorhandenen Vorbildung. Eine abgeschlossene Ausbildung sowie eine gewisse Praxis in einem einschlägigen Beruf sind zwingende Voraussetzungen für die Teilnahme an dieser Qualifizierung.
Für die Zulassung zur IHK-Prüfung gelten je nach Ausgangsqualifikation gestaffelte Anforderungen. Wer eine anerkannte, mindestens dreijährige gewerblich-technische Ausbildung abgeschlossen hat, benötigt in der Regel zusätzlich ein Jahr Berufspraxis. Ohne einschlägige Ausbildung sind längere Praxiszeiten von mehreren Jahren nötig, damit die einschlägige Berufserfahrung nachgewiesen werden kann. Die Berufspraxis muss dabei inhaltlich zur angestrebten Fachrichtung passen.
Wichtig: Für die Zulassung zum Lehrgang genügen bei vielen Anbietern schon lockerere Voraussetzungen. Die strengen Nachweise werden erst bei der Anmeldung zur eigentlichen IHK-Prüfung relevant. Die verbindlichen Zulassungsvoraussetzungen legt die zuständige IHK fest, weshalb eine frühzeitige Rücksprache mit der Kammer sinnvoll ist.
Dauer und Ablauf hängen vom gewählten Lernmodell ab
Die Weiterbildung kann in Vollzeit, in Teilzeit oder als Fernlehrgang absolviert werden, wodurch die Dauer beispielsweise zwischen wenigen Monaten und mehr als zwei Jahren liegen kann. Welches Modell das richtige ist, hängt vor allem davon ab, ob Sie parallel arbeiten und wie schnell Sie den Abschluss erreichen möchten.
Der Ablauf ist bei allen Modellen ähnlich: Nach den Basisqualifikationen folgen die handlungsspezifischen Qualifikationen, dazu kommt die Ausbildereignung. Am Ende stehen die schriftlichen und mündlichen IHK-Prüfungen sowie ein situationsbezogenes Fachgespräch. Für die Prüfungen meldet man sich direkt bei der zuständigen IHK an - unabhängig davon, bei welchem Bildungsträger der Lehrgang belegt wurde.
Kosten und Förderung entscheiden über die Finanzierung
Die Kosten für die Weiterbildung zum Geprüften Industriemeister können unterschiedlich ausfallen. Dass Gebühren anfallen, bleibt allerdings nicht aus. Realistisch liegen die Gesamtkosten aus Lehrgangsgebühren, Prüfungsgebühren, Lernmitteln und gegebenenfalls dem AEVO-Schein häufig zwischen 5.000 und 12.000 Euro. Da die Weiterbildung mehrere Tausend Euro kosten kann, ist es für viele schwer, die Gebühren komplett aus eigener Tasche zu zahlen. Zuweilen besteht immerhin die Möglichkeit, in Raten zu zahlen. Die gute Nachricht: Für Aufstiegsfortbildungen wie den Industriemeister gibt es starke Förderprogramme.
Aufstiegs-BAföG (Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz)
Das Aufstiegs-BAföG ist der wichtigste Fördertopf für den Industriemeister und unabhängig vom eigenen Einkommen oder Alter. Der Staat übernimmt 50 Prozent der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren als reinen Zuschuss, den Sie nicht zurückzahlen müssen. Für die restlichen 50 Prozent kann ein zinsgünstiges Darlehen der KfW aufgenommen werden. Wer die Prüfung besteht, bekommt zusätzlich 50 Prozent des noch nicht getilgten Darlehens erlassen. Wer in Vollzeit lernt, kann außerdem einen Beitrag zum Lebensunterhalt beantragen.
Bildungsgutschein bei Arbeitslosigkeit (§ 81 SGB III)
Sind Sie arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht, kann die Agentur für Arbeit die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III fördern. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Weiterbildung notwendig ist, um Sie beruflich einzugliedern, und dass der Träger sowie die Maßnahme nach der AZAV zugelassen sind. Details klären Sie im Beratungsgespräch bei Ihrer Weiterbildung über das Arbeitsamt oder bei der Weiterbildung über das Jobcenter.
Förderung für Beschäftigte über das Qualifizierungschancengesetz
Auch wer in einem festen Arbeitsverhältnis steht, kann gefördert werden. Über das Qualifizierungschancengesetz beteiligt sich die Agentur für Arbeit an Weiterbildungskosten und teils am Arbeitsentgelt, wenn Beschäftigte sich für neue Anforderungen fit machen. Häufig läuft die Förderung über den Arbeitgeber, der ein starkes Interesse an qualifizierten Meistern hat und die Weiterbildung finanziell oder zeitlich unterstützt.
Weiterbildungsgeld und Prämien
Wer Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) bezieht und eine geförderte, abschlussbezogene Weiterbildung absolviert, kann zusätzlich ein Weiterbildungsgeld von 150 Euro monatlich erhalten. Für bestandene Zwischen- und Abschlussprüfungen gibt es zudem Weiterbildungsprämien. Ein Minijob bis zur Grenze von 603 Euro im Monat bleibt daneben in bestimmten Fällen möglich, ohne die Förderung zu gefährden. Die genauen Bedingungen klärt die zuständige Stelle im Einzelfall.
Karrierewege und Gehalt sprechen für den Aufstieg
In Zusammenhang mit dem Berufsbild stellt sich auch die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten als Industriemeister. Dass diese je nach Einsatzbereich, Qualifikationsprofil und Berufserfahrung schwanken können, liegt in der Natur der Sache. In der Regel bewegt sich das Gehalt zwischen 40.000 Euro und 60.000 Euro brutto im Jahr, in großen Industriebetrieben mit Tarifbindung und Schichtzulagen sind auch höhere Werte möglich. Der Meistertitel ist damit in aller Regel ein deutlicher Schritt nach oben gegenüber der reinen Facharbeitertätigkeit.
Nach dem IHK-Abschluss als Industriemeister ist das Lernen keineswegs abgeschlossen. Man kann sich kontinuierlich weiterbilden und auf diese Art und Weise weitere Qualifikationen sammeln, die dem beruflichen Werdegang zugutekommen. Hier sind unter anderem Seminare und Kurse zu Themen wie Instandhaltung, Produktions- und Fertigungstechnik, Arbeitssicherheit, Personalführung, Qualitätssicherung sowie Material- und Warenwirtschaft zu nennen.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine höhere Fortbildung zu absolvieren. Naheliegend ist der Aufstieg zum Technischen Betriebswirt (Fortbildungsstufe 3, DQR-Niveau 7), der die betriebswirtschaftliche Perspektive vertieft. Auch der Technische Fachwirt und der Industriefachwirt sind sinnvolle Ergänzungen, wenn Sie stärker in Richtung Organisation und Kaufmännisches gehen möchten.
Wer eher die technische Tiefe sucht, für den ist der staatlich geprüfte Techniker eine gute Alternative oder Ergänzung. Aufgrund der zunehmenden Akademisierung ist auch ein Hochschulabschluss ein wichtiger Karrierebaustein. Mit dem Meistertitel besteht in allen Bundesländern ein Hochschulzugang, sodass sich Studiengänge wie Maschinenbau, Mechatronik, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen oder Industriebetriebswirtschaft anschließen lassen - berufsbegleitend als Abend- oder Fernstudium oder klassisch in Präsenz.
Bei der Anbieterwahl zählt die AZAV-Zulassung
Ambitionierte Fachkräfte aus der Industrie sind oftmals für die Weiterbildung zum Industriemeister prädestiniert. Das bedeutet aber nicht, dass ihnen nur diese Qualifizierung zur Verfügung steht. Wer sich für den Meister entscheidet, hat die Wahl zwischen zahlreichen Bildungsträgern, von den IHK-Bildungszentren über private Akademien bis zu Fernschulen.
Achten Sie bei der Auswahl vor allem darauf, dass der Anbieter und die konkrete Maßnahme nach der AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung) zugelassen sind. Nur dann ist eine Förderung über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit überhaupt möglich. Sinnvoll ist außerdem ein Blick auf Erfolgsquoten bei den Prüfungen, das Betreuungskonzept, die Nähe zum Prüfungsstandort der IHK und darauf, ob die Ausbildereignung (AEVO) enthalten ist. Wenn Sie sich ohnehin beruflich neu orientieren wollen, kann auch eine Umschulung über das Arbeitsamt eine Überlegung wert sein.
Als Alternativen zur Industriemeister-Weiterbildung kommen je nach Zielrichtung der Techniker, der Fachwirt, der Betriebswirt oder der Wirtschaftsfachwirt in Frage. Ein Beratungsgespräch beim Arbeitsamt hilft, die passende Qualifizierung für Ihre Ziele zu finden.