Weiterbildung Physiotherapie
Eine Weiterbildung in der Physiotherapie baut die fachliche Kompetenz gezielt aus und öffnet Türen zu besser bezahlten Aufgaben, zusätzlichen Kassenleistungen und Führungsrollen. Das ist besonders für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten interessant, die sich nach der Ausbildung dem lebenslangen Lernen widmen und sich spezialisieren wollen. Parallel zum Job winken Qualifikationen, die dem beruflichen Werdegang spürbar helfen und die eigene Position auf dem Arbeitsmarkt festigen.
Wer als Physiotherapeut/in ambitionierte Karrierepläne verfolgt, sollte die passende Weiterbildung mit Bedacht wählen. Ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit kann dabei sehr aufschlussreich sein, gerade wenn eine geförderte Weiterbildung über das Arbeitsamt infrage kommt. Auf dieser Seite finden Sie die wichtigsten Wege, Kosten, Fördermöglichkeiten und Gehaltsperspektiven im Überblick, damit Sie Ihre Weiterbildungssuche fundiert beginnen können.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Den Beruf Physiotherapeut/in erlernt man ausschließlich über die schulische Ausbildung oder ein Studium, nicht über eine reine Weiterbildung.
- Für fertige Physiotherapeuten gibt es zahlreiche Zertifikatsfortbildungen wie Manuelle Therapie, Manuelle Lymphdrainage, KG-ZNS (Bobath, PNF, Vojta) und KG-Gerät.
- Diese Zertifikate erweitern das Abrechnungsspektrum gegenüber den Krankenkassen und erhöhen so den Verdienst.
- Gefördert wird über Bildungsgutschein (§ 81 SGB III), das Qualifizierungschancengesetz für Beschäftigte und Aufstiegs-BAföG bei anerkannten Aufstiegsfortbildungen.
- Aufstiege führen zu Fachwirt, Leitungsfunktionen oder einem Bachelor- bzw. Master-Studium, häufig verbunden mit einem höheren Gehalt.
Physiotherapeuten fördern Bewegung und behandeln Beschwerden
Wenn es um Qualifizierungen auf dem Gebiet der Physiotherapie geht, lohnt zunächst ein Blick auf das Berufsbild. Physiotherapeut/in ist ein Gesundheitsfachberuf, der sich auf die Förderung der Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Körpers konzentriert. Spezielle Übungen und äußerliche Anwendungen bilden den Kern der Physiotherapie, die früher auch als Krankengymnastik bezeichnet wurde.
Als Physiotherapeut/in leitet man Menschen mit körperlichen Bewegungseinschränkungen an und bringt ihnen verschiedene Übungen bei. Zugleich begleitet man die Ausführung und führt zusätzliche Anwendungen wie Massagen durch. Der therapeutische Aspekt steht dabei im Vordergrund, sodass es vorrangig um die Behandlung bestehender Beschwerden geht. Aber auch präventive Maßnahmen sind innerhalb der Physiotherapie an der Tagesordnung.
Physiotherapeuten verfügen somit über geballte Fachkompetenz, die sie insbesondere in den folgenden Bereichen einbringen können:
- Kliniken und Krankenhäuser
- Rehabilitationseinrichtungen
- Praxen für Physiotherapie
- Pflegeeinrichtungen
- Behindertenhilfe
- Therapiezentren
- Facharztpraxen
Die Einkommenssituation von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten kann von Fall zu Fall variieren. Wer sich zu den Verdienstmöglichkeiten informieren möchte, kann sich an einem durchschnittlichen Jahresgehalt zwischen rund 24.000 Euro und 40.000 Euro brutto orientieren. Mit anerkannten Zusatzqualifikationen und in Leitungsfunktionen ist deutlich mehr möglich, wie der Abschnitt zum Gehalt weiter unten zeigt.
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Den Beruf erlernt man über Ausbildung oder Studium, nicht über eine Weiterbildung
Menschen mit dem Berufswunsch Physiotherapeut/in suchen zuweilen nach einer passenden Weiterbildung, die direkt in den Beruf führt. Diesen Weg gibt es jedoch nicht. Da es sich um einen bundesrechtlich geregelten Gesundheitsfachberuf handelt, der im Rahmen einer schulischen Ausbildung an einer Berufsfachschule für Physiotherapie oder über ein Studium erlernt wird, kann es keine entsprechende Weiterbildung für Quereinsteiger/innen geben. Für den staatlich anerkannten Abschluss ist die dreijährige Ausbildung mit staatlicher Prüfung zwingend erforderlich.
Wer den Beruf noch nicht gelernt hat, aber aus einem anderen Feld wechseln möchte, sollte deshalb die reguläre Ausbildung ins Auge fassen. Eine Umschulung über das Arbeitsamt kommt in der Physiotherapie nur eingeschränkt in Betracht, weil die Ausbildung schulisch organisiert ist und nicht im klassischen dualen System stattfindet. Die folgenden Abschnitte konzentrieren sich daher auf Weiterbildungen für bereits ausgebildete Physiotherapeuten, die den weitaus größeren und praxisrelevanten Teil ausmachen.
Zertifikatsfortbildungen erweitern das Kassen-Abrechnungsspektrum
Diejenigen, die die staatliche Abschlussprüfung bestanden haben und somit ausgebildete Physiotherapeuten sind, kommen in den Genuss vielfältiger Weiterbildungsmöglichkeiten. In diesem Bereich existiert eine große Vielfalt, weshalb die Wahl der richtigen Qualifizierung mit Bedacht erfolgen sollte.
Besonders wichtig sind die sogenannten Zertifikatspositionen. Das sind bundeseinheitlich geregelte Fortbildungen, deren Abschluss die Physiotherapeutin oder den Physiotherapeuten berechtigt, bestimmte Leistungen gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen. Ohne diese Zertifikate dürfen die entsprechenden Behandlungen zwar teilweise durchgeführt, aber nicht als eigenständige Heilmittel zulasten der Kasse abgerechnet werden. Gerade in eigener Praxis entscheiden diese Zusatzqualifikationen deshalb unmittelbar über den Umsatz.
Seminare und Kurse halten das Fachwissen aktuell
Seminare und Kurse eignen sich bestens für Physiotherapeuten, die ihr Wissen auffrischen, erweitern oder spezialisieren möchten. Da es dabei um eine Anpassung der Kenntnisse und Kompetenzen geht, ist vielfach von Anpassungsqualifizierungen die Rede. So lässt sich das physiotherapeutische Know-how aktuell halten und an die Entwicklungen der Physiotherapie anpassen.
Dass Seminare und andere Kurse auf dem Gebiet der Physiotherapie sinnvoll sind, steht außer Frage. Viele Interessierte fragen sich allerdings, wie sie sich entscheiden sollen. Die folgende Übersicht ordnet einige der gefragtesten Zertifikatsfortbildungen ein und nennt typische Umfänge und Kostenrahmen. Die Angaben sind Orientierungswerte und können je nach Anbieter und Region abweichen.
Neben diesen abrechnungsrelevanten Zertifikaten lohnen sich auch fachlich spezialisierende Themen, die das eigene Profil schärfen. Beispielhaft seien genannt:
- Bewegungslehre
- Entspannungsverfahren
- Atemtherapie
- manuelle Therapie
Aufstiegsfortbildungen führen zu höheren Abschlüssen
All diejenigen, die die dreijährige Ausbildung gemeistert und bereits gewisse Berufserfahrung gesammelt haben, sollten über den Erwerb eines höheren Abschlusses nachdenken. Eine Aufstiegsfortbildung macht dies möglich und garantiert eine allgemein anerkannte Qualifikation. So kann ein Fortbildungsabschluss zu einem Aufstieg auf der Karriereleiter inklusive Gehaltserhöhung führen.
Diese höheren Abschlüsse sind besonders interessant, weil viele von ihnen als Aufstiegsfortbildungen gelten und damit über das Aufstiegs-BAföG förderfähig sind. Zur Auswahl stehen unter anderem:
- Fachwirt/in – Gesundheits- und Sozialwesen
- Betriebswirt/in – Management im Gesundheitswesen
- Fitnessfachwirt/in
- Sportfachwirt/in
- Qualitätsbeauftragte/r – Gesundheits- und Sozialwesen
Wer sich fachlich innerhalb der Therapie weiterentwickeln möchte, findet außerdem in benachbarten Feldern passende Angebote. So bauen etwa eine therapeutische Weiterbildung oder Spezialisierungen wie die Weiterbildung Geriatrie auf dem physiotherapeutischen Wissen auf. Wer den Bezug zum tierischen Bewegungsapparat sucht, wird bei der qualifizierten Tierphysiotherapie fündig.
Ein Studium eröffnet akademische Karrierewege
Die Akademisierung macht auch vor der Physiotherapie nicht Halt und hat an einigen Hochschulen entsprechende Studienmöglichkeiten entstehen lassen. Für ausgebildete Physiotherapeuten, die ihre Berufstätigkeit nicht vollends aufgeben möchten und trotzdem einen akademischen Grad anstreben, gibt es die Möglichkeit eines berufsbegleitenden Studiums. Die folgenden Studienformen sorgen für eine gute Vereinbarkeit von Studium und Beruf:
- Fernstudium
- Duales Studium
- Abendstudium
Physiotherapeuten können so wertvolle Praxiserfahrungen sammeln und weiterhin Geld verdienen, während sie parallel Physiotherapie, Therapiewissenschaft, Heilpädagogik, Rehabilitation, Bewegungstherapie oder ein ähnliches Fach studieren. Zunächst lässt sich der grundständige Bachelor anstreben. Später kann ein weiterführendes Studium neben dem Beruf zum international anerkannten Master-Abschluss führen, der etwa für Lehre, Forschung oder Leitungsaufgaben qualifiziert.
Dauer und Ablauf richten sich nach dem gewählten Weg
Wie lange eine Physiotherapie-Weiterbildung dauert, hängt stark vom Format ab. Kurze Kompaktseminare sind an einem Wochenende absolviert, während umfangreiche Zertifikatslehrgänge wie die Manuelle Therapie berufsbegleitend über ein bis zwei Jahre laufen. Aufstiegsfortbildungen und Studiengänge erstrecken sich über mehrere Semester. Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Formate ein.
Die berufsbegleitenden Formate haben den Vorteil, dass das Einkommen erhalten bleibt und das Gelernte sofort in der Praxis angewendet werden kann. Wer eine Vollzeitmaßnahme wählt, ist schneller fertig, muss aber die fehlenden Einnahmen einplanen, sofern keine Förderung greift.
Kosten und Förderung entscheiden über die Finanzierung
Zertifikatsfortbildungen in der Physiotherapie sind eine Investition, die sich über höhere Abrechnungsmöglichkeiten meist rasch amortisiert. Trotzdem sollten die Kosten realistisch geplant werden. Neben den reinen Kursgebühren fallen häufig Prüfungs-, Material- und Fahrtkosten an. Für die Finanzierung stehen mehrere Wege offen, die sich nach der persönlichen Situation richten.
Bildungsgutschein und Förderung im Überblick
Je nach Ausgangslage kommen unterschiedliche Förderungen infrage. Prüfen Sie vor Anmeldung, welcher Weg zu Ihnen passt, und lassen Sie sich beraten.
Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann bei der Agentur für Arbeit einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III beantragen. Damit lassen sich die Lehrgangskosten häufig vollständig übernehmen. Voraussetzung ist ein Beratungsgespräch sowie eine nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassene Maßnahme bei einem zertifizierten Träger. Details dazu, wie eine solche Förderung abläuft, erklärt unsere Übersicht zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Beschäftigte, die im Job bleiben, profitieren vom Qualifizierungschancengesetz (§ 82 SGB III). Hier beteiligt sich die Agentur für Arbeit an Weiterbildungskosten und teilweise am Arbeitsentgelt, wenn der Arbeitgeber die Maßnahme unterstützt. Für Aufstiegsfortbildungen wie den Fachwirt greift zusätzlich das Aufstiegs-BAföG mit einem einkommensunabhängigen Zuschuss und einem zinsgünstigen Darlehen der KfW.
Wer während einer geförderten Weiterbildung Grundsicherungsgeld bezieht, erhält seit der jüngsten Reform ein Weiterbildungsgeld von 150 Euro monatlich zusätzlich sowie Prämien für bestandene Zwischen- und Abschlussprüfungen. Ein Nebenverdienst über einen Minijob bis zur Grenze von 603 Euro monatlich bleibt in diesem Rahmen möglich, wobei Freibeträge zu beachten sind.
Zusatzqualifikationen steigern das Gehalt spürbar
Das Gehalt in der Physiotherapie hängt von Berufserfahrung, Region, Anstellungsform und vor allem von den vorhandenen Zusatzqualifikationen ab. Berufseinsteiger bewegen sich häufig am unteren Ende der genannten Spanne von rund 24.000 Euro brutto im Jahr. Mit den abrechnungsrelevanten Zertifikaten wie Manueller Therapie oder Lymphdrainage steigt der Wert für den Arbeitgeber, weil mehr Leistungen erbracht und abgerechnet werden können. Das schlägt sich in einem höheren Gehalt nieder.
Wer in eine Leitungsfunktion aufsteigt, etwa als fachliche Leitung einer Praxis oder als Teamleitung in einer Reha-Klinik, kann die Spanne nach oben deutlich überschreiten. Auch die Selbstständigkeit mit eigener Praxis ist ein Weg, bei dem sich die investierten Zertifikate direkt im Umsatz auszahlen. Ein Studium wiederum qualifiziert für Aufgaben in Lehre, Qualitätsmanagement oder Forschung, die eigene Vergütungsstrukturen mitbringen.
Anbieter und AZAV-Zulassung sind bei Förderung entscheidend
Die Auswahl des Anbieters entscheidet über Qualität und Förderfähigkeit. Zertifikatsfortbildungen sollten den bundeseinheitlichen Rahmenempfehlungen der GKV entsprechen, damit die Abrechnung gegenüber den Krankenkassen später anerkannt wird. Achten Sie darauf, dass die Fortbildungsstätte über eine entsprechende Anerkennung verfügt.
Wollen Sie die Maßnahme über einen Bildungsgutschein finanzieren, muss der Träger nach AZAV zugelassen sein und die konkrete Maßnahme zertifiziert haben. Nur dann übernimmt die Agentur für Arbeit die Kosten. Klären Sie diesen Punkt vor der Anmeldung, denn eine nachträgliche Förderung ist in der Regel ausgeschlossen. Ein frühzeitiges Beratungsgespräch bei Ihrer Agentur für Arbeit oder Ihrem Jobcenter hilft, den passenden und förderfähigen Weg zu finden.






