Weiterbildung Mechatroniker
Wer die Ausbildung zum Mechatroniker oder zur Mechatronikerin abgeschlossen hat, steht vor einem breiten Feld an Weiterbildungsmöglichkeiten. Von der kurzen Anpassungsqualifizierung über den Techniker und den Industriemeister bis zum Studium reicht die Spanne. Mechatroniker-Weiterbildungen können der beruflichen Laufbahn sehr dienlich sein und helfen, das lebenslange Lernen in die Tat umzusetzen. Dass dies auch mit so mancher Herausforderung einhergeht, sollte man dabei nicht außer Acht lassen.
Ambitionierte Mechatroniker/innen sollten sich vorab sorgfältig informieren und einen gewissen Rechercheaufwand nicht scheuen. Außerdem schadet es nicht, einen Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit zu vereinbaren. Dort erhält man umfassende Informationen, die die Basis für die Entscheidungsfindung schaffen, und klärt zugleich, ob eine Förderung in Betracht kommt. Der folgende Ratgeber fasst zusammen, welche Wege Mechatroniker/innen offenstehen, was sie kosten und wie sie sich finanzieren lassen.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Mechatroniker/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Es gibt keine Weiterbildung, um den Beruf zu erlernen, sondern nur die Ausbildung oder eine Umschulung.
- Nach der Ausbildung reichen die Aufstiegswege vom Industriemeister und Techniker über den Technischen Fachwirt bis zum berufsbegleitenden Studium.
- Aufstiegsfortbildungen wie Meister oder Techniker werden über das Aufstiegs-BAföG gefördert, unabhängig vom Alter und ohne Arbeitslosigkeit.
- Arbeitslose können eine geförderte Qualifizierung per Bildungsgutschein (§ 81 SGB III) erhalten, Beschäftigte über das Qualifizierungschancengesetz.
- Das durchschnittliche Gehalt liegt als Fachkraft bei rund 30.000 bis 42.000 Euro brutto im Jahr und steigt mit jeder Zusatzqualifikation deutlich.
Als Mechatroniker verbinden Sie Mechanik, Elektronik und Informatik
Das Berufsbild des Mechatronikers offenbart die Vielseitigkeit dieses Berufs, denn Mechatroniker/innen arbeiten mit Mechanik, Elektrik und Elektronik zugleich. Sie bauen die entsprechenden Komponenten und fügen diese zu komplexen Systemen zusammen. Instandhaltung, Fehlersuche und Reparaturen gehören ebenso zu ihren typischen Aufgaben. Zunehmend kommt die Softwareseite hinzu: Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), Sensorik und die Vernetzung von Maschinen prägen den Arbeitsalltag in einer zunehmend automatisierten Industrie. Wenn es um mechatronische Systeme geht, sind Mechatroniker/innen somit die richtigen Fachkräfte.
Deshalb finden sie vor allem in den folgenden Bereichen ausgezeichnete Beschäftigungsmöglichkeiten vor:
- Maschinen- und Anlagenbau
- Automatisierungstechnik
- Medizintechnik
- Fahrzeugbau
- Luftfahrzeugbau
- Raumfahrzeugbau
An Beschäftigungsmöglichkeiten mangelt es in der Mechatronik garantiert nicht. Der anhaltende Fachkräftemangel und die fortschreitende Automatisierung sorgen dafür, dass gut qualifizierte Mechatroniker/innen gefragt bleiben. Wer sich weiterbildet, kann hier Karriere machen und zudem gut verdienen. Die Verdienstmöglichkeiten schwanken je nach Einzelfall, Region und Branche. Im Allgemeinen kann man sich als Fachkraft an einem durchschnittlichen Gehalt zwischen rund 30.000 Euro und 42.000 Euro brutto im Jahr orientieren. Mit jeder zusätzlichen Qualifikation verschiebt sich dieser Rahmen nach oben.
Mechatroniker ist ein Ausbildungsberuf, keine Weiterbildung
Ein häufiges Missverständnis vorweg: Wer Mechatroniker/in werden möchte, findet dafür keine eigene Weiterbildung. Es handelt sich um einen anerkannten dualen Ausbildungsberuf mit einer regulären Ausbildungszeit von dreieinhalb Jahren. Den Beruf erlernt man also über die duale Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule.
Als Alternative für Menschen, die bereits einen anderen Beruf gelernt haben, kommt eine Umschulung zum Mechatroniker in Betracht. Sie dauert in der Regel verkürzt rund zwei Jahre und lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter fördern. Eine klassische Weiterbildung zum Mechatroniker gibt es dagegen nicht. Der Begriff Mechatroniker-Weiterbildung bezieht sich deshalb immer auf die Zeit nach der Ausbildung, also auf die Qualifizierungen, mit denen ausgebildete Mechatroniker/innen ihr Wissen vertiefen und beruflich aufsteigen.
Anpassungsqualifizierungen halten Ihr Fachwissen aktuell
All diejenigen, die die Ausbildung zum oder zur Mechatroniker/in bereits abgeschlossen haben, kommen in den Genuss vielfältiger Weiterbildungsmöglichkeiten. Zusätzliche Qualifikationen können sehr nützlich sein und einige Türen öffnen. Das lebenslange Lernen sollte also nicht als hohle Phrase betrachtet, sondern aktiv befolgt werden. Auf diese Weise können sich ambitionierte Mechatroniker/innen fachlich weiterentwickeln und darauf ihre weitere Karriere aufbauen.
Seminare und Kurse sind interessante Anpassungsqualifizierungen für Mechatroniker/innen, die sich auf einzelnen Gebieten spezialisieren möchten. Im Rahmen einer solchen Maßnahme können sie ihr Wissen auffrischen, erweitern oder aktualisieren, ohne gleich einen mehrjährigen Lehrgang zu belegen. Gerade in einem so schnelllebigen Technikfeld ist das ein wirksames Mittel, um mit der Entwicklung Schritt zu halten. Die folgenden Themen sind dafür bestens geeignet:
- Steuerungs- und Regelungstechnik
- Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS-Programmierung)
- Automatisierungstechnik
- Robotik und Handhabungstechnik
- Sensor- und Antriebstechnik
- Qualitätssicherung
- Arbeitssicherheit und Elektrofachkraft
Solche Kurse dauern oft nur wenige Tage oder Wochen und lassen sich meist berufsbegleitend belegen. Sie sind ideal, um ein konkretes Wissensdefizit zu schließen, etwa wenn im Betrieb eine neue Steuerungsgeneration oder ein Roboterzelle eingeführt wird.
Aufstiegsfortbildungen führen zu Meister, Techniker und Fachwirt
Mechatroniker/innen mit karrieretechnischen Ambitionen können auch einen höheren beruflichen Abschluss anstreben und so ihre Karriere gezielt vorantreiben. Anerkannte Aufstiegsfortbildungen sind dann die erste Wahl. Sie sind bundesweit einheitlich geregelt, schließen mit einer Prüfung vor der IHK oder Handwerkskammer ab und werden über das Aufstiegs-BAföG gefördert. Typische Ziele sind:
- Industriemeister/in Fachrichtung Mechatronik
- Industriemeister/in Fachrichtung Elektrotechnik
- Staatlich geprüfte/r Techniker/in Mechatronik
- Techniker/in Maschinentechnik
- Techniker/in Elektrotechnik
- Technische/r Fachwirt/in (IHK)
Der Industriemeister Mechatronik richtet sich an alle, die Führungs- und Ausbildungsverantwortung in der Produktion übernehmen möchten. Er ist wie der Bachelor auf Stufe 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) eingeordnet. Der staatlich geprüfte Techniker legt den Schwerpunkt stärker auf Konstruktion, Planung und technische Projektarbeit und ist ebenfalls dem DQR-Niveau 6 zugeordnet. Der Technische Fachwirt schlägt eine Brücke zwischen Technik und Betriebswirtschaft und eignet sich für Aufgaben an der Schnittstelle von Werkstatt und Verwaltung. Alle drei Abschlüsse öffnen zugleich den Weg in ein anschließendes Studium, da sie eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung mit sich bringen.
Ein Studium öffnet Mechatronikern den Weg zum Ingenieur
Neben klassischen Fortbildungen stehen Mechatronikern auch mehrere Studiengänge offen. Die Berufstätigkeit muss dem Studienwunsch dabei nicht im Wege stehen, denn man kann heutzutage an vielen Hochschulen berufsbegleitend studieren. Dabei kann es sich um ein Abendstudium, ein duales Studium, ein Fernstudium oder ein anderes Teilzeitstudium handeln. Hinsichtlich der Studienform gibt es somit eine Auswahl, damit auch Mechatroniker/innen mit Job studieren können.
Ein Studium führt in der Regel zum Bachelor und mündet häufig in einer Ingenieurstätigkeit mit Aufgaben in Entwicklung, Konstruktion oder Projektleitung. Wer diesen Weg einschlagen möchte, sollte die folgenden Studiengänge ins Auge fassen:
- Mechatronik
- Maschinenbau
- Elektrotechnik
- Automatisierungstechnik
- Wirtschaftsingenieurwesen
Wichtig zu wissen: In den meisten Bundesländern berechtigt bereits die abgeschlossene Ausbildung samt mehrjähriger Berufserfahrung zum Studium an einer Fachhochschule, auch ohne Abitur. Ein Meister- oder Technikerabschluss ermöglicht sogar den Zugang zu Universitäten. Der klassische Weg über das Abitur ist also längst nicht mehr die einzige Option.
Die Voraussetzungen hängen von der gewählten Fortbildung ab
Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, richtet sich nach der Art der Weiterbildung. Für kurze Anpassungsseminare genügt meist die abgeschlossene Ausbildung, teils reicht sogar einschlägige Berufspraxis. Für Aufstiegsfortbildungen sind die Zugangsbedingungen strenger geregelt.
Zum Industriemeister Mechatronik wird in der Regel zugelassen, wer eine anerkannte Ausbildung in einem einschlägigen Beruf und danach mindestens ein Jahr Berufspraxis vorweisen kann. Für den staatlich geprüften Techniker sind neben der Ausbildung meist rund ein Jahr Berufserfahrung nötig. Neben diesen formalen Kriterien zählt die persönliche Eignung: technisches Verständnis, Lernbereitschaft und, je nach Ziel, auch kaufmännisches Interesse und Führungsstärke. Wer unsicher ist, ob die eigenen Voraussetzungen passen, klärt das am besten direkt mit dem Bildungsträger oder der zuständigen Kammer.
Dauer und Ablauf variieren zwischen Vollzeit, Teilzeit und Fernkurs
Die Dauer einer Mechatroniker-Weiterbildung hängt stark vom Ziel und von der gewählten Lernform ab. Kurze Anpassungsqualifizierungen sind in Tagen oder Wochen erledigt, ein Techniker oder Meister erstreckt sich dagegen über ein bis vier Jahre. Entscheidend ist, ob Sie in Vollzeit lernen und dafür Ihren Beruf pausieren oder berufsbegleitend in Teilzeit beziehungsweise als Fernkurs. Die folgende Übersicht zeigt die typischen Rahmenwerte:
Die Vollzeitvariante ist der schnellste Weg, verlangt aber, dass Sie in dieser Zeit auf ein reguläres Gehalt verzichten oder eine Förderung nutzen. Die berufsbegleitende Variante dauert länger und ist zeitlich anspruchsvoll, dafür bleiben Einkommen und Praxisbezug erhalten. Welche Form die richtige ist, hängt von Ihrer Lebenssituation und Ihrer Finanzierung ab.
Kosten und Förderung entscheiden über die passende Finanzierung
Eine berufsbegleitende Mechatroniker-Weiterbildung lässt sich vielfach in Raten zahlen und dann über das feste Einkommen finanzieren. Doch die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren für einen Meister oder Techniker können mehrere tausend Euro betragen, weshalb sich ein Blick auf die Fördermöglichkeiten fast immer lohnt. Welcher Weg passt, hängt vor allem davon ab, ob Sie eine Aufstiegsfortbildung anstreben, arbeitslos oder beschäftigt sind.
Für Aufstiegsfortbildungen wie Meister, Techniker oder Fachwirt greift das Aufstiegs-BAföG. Es übernimmt einen großen Teil der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, ist einkommensunabhängig und altersunabhängig und wird zum Teil als Zuschuss, zum Teil als zinsgünstiges Darlehen gewährt. Bei bestandener Prüfung wird ein erheblicher Teil des Darlehens erlassen. Arbeitslose können über den Bildungsgutschein (§ 81 SGB III) eine geförderte Qualifizierung erhalten. Beschäftigte kommen über das Qualifizierungschancengesetz an Zuschüsse, wenn der Arbeitgeber mitzieht. Wer aus Arbeitslosigkeit eine geförderte Weiterbildung aufnimmt, kann zusätzlich ein Weiterbildungsgeld von 150 Euro monatlich sowie Prämien für bestandene Zwischen- und Abschlussprüfungen erhalten.
Die folgende Tabelle stellt die drei wichtigsten Förderwege gegenüber, damit Sie schnell erkennen, welcher zu Ihrer Situation passt:
Zusätzlich lohnt der Blick auf Stipendien wie das Weiterbildungsstipendium der Begabtenförderung für besonders leistungsstarke Absolventen. Eine ausführliche Übersicht über alle Wege der Kostenübernahme bietet unser Ratgeber zur geförderten Weiterbildung über das Arbeitsamt. Da die Agentur für Arbeit nicht nur um die Relevanz beruflicher Qualifizierungen weiß, sondern diese gegebenenfalls auch fördert, sollte ein Beratungstermin am Anfang jeder Planung stehen.
Karriere und Gehalt profitieren spürbar von jeder Zusatzqualifikation
Jede Zusatzqualifikation macht sich in der Regel auch beim Gehalt bemerkbar. Während eine Fachkraft im Schnitt zwischen rund 30.000 und 42.000 Euro brutto im Jahr verdient, liegen Industriemeister und Techniker häufig darüber, oft im Bereich von 45.000 bis 60.000 Euro und mehr, abhängig von Branche, Betriebsgröße und Region. Mit einem Ingenieurabschluss und entsprechender Verantwortung sind noch höhere Werte möglich.
Genauso wichtig wie das Gehalt ist der Zugewinn an Verantwortung. Ein Meister kann Teams führen und selbst ausbilden, ein Techniker übernimmt Planungs- und Konstruktionsaufgaben, ein Fachwirt agiert an der Schnittstelle zum kaufmännischen Bereich. So wird aus einer soliden Ausbildung eine echte Laufbahn. Wer den Beruf komplett wechseln möchte, findet in unserem Ratgeber zur Umschulung über das Arbeitsamt die passenden Informationen.
Die Wahl eines AZAV-zertifizierten Anbieters sichert die Förderfähigkeit
Weiterbildungen für Mechatroniker/innen werden von Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Technikerschulen, privaten Bildungsträgern und Fernschulen angeboten. Bei der Auswahl sollten Sie auf mehrere Punkte achten. Entscheidend für eine Förderung über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter ist, dass der Anbieter und die Maßnahme nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert sind. Ohne diese Zulassung lässt sich ein Bildungsgutschein nicht einlösen.
Vergleichen Sie außerdem Inhalte, Prüfungsvorbereitung, Betreuung und die Erfolgsquoten der Abschlussprüfungen. Bei Fernkursen ist die staatliche Zulassung durch die ZFU ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Ein kostenloses Beratungsgespräch und die Möglichkeit, Unterrichtsmaterial vorab zu sichten, helfen bei der Entscheidung. So stellen Sie sicher, dass die investierte Zeit und das Geld auch tatsächlich zu einem anerkannten und gefragten Abschluss führen.
Häufige Fragen zur Mechatroniker-Weiterbildung
Mechatroniker/innen auf Weiterbildungssuche verfolgen in der Regel gewisse Ambitionen und möchten auf der Karriereleiter aufsteigen. Zusätzliche Qualifikationen erweisen sich vielfach als Schlüssel zum beruflichen Erfolg. Im Zuge der Entscheidungsfindung sollten Weiterbildungsinteressierte einen Tipp aus unserer Redaktion beherzigen: Hinterfragen Sie stets Ihre persönliche Eignung. Die formalen Zugangsvoraussetzungen zu einer Mechatroniker-Weiterbildung lassen sich schnell überprüfen. Die persönliche Eignung sollte aber nicht vergessen werden, denn sie ist ein entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg im Job. Mechatroniker/innen brauchen stets technisches Verständnis und handwerkliches Geschick, aber je nach Weiterbildung sind beispielsweise auch kaufmännisches Interesse, Führungsstärke und spezielle Erfahrungen erforderlich.
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