Beratungsangebote des Arbeitsamtes in Zusammenhang mit einer Weiterbildung
Das lebenslange Lernen ist in aller Munde und sorgt auch für einen Boom im Bereich Weiterbildung. Interessierte sind allerdings in vielerlei Hinsicht verunsichert, denn die Wahl der richtigen Weiterbildung ist alles andere als einfach. Zusätzlich muss man das Ganze auch noch finanzieren, was ebenfalls sehr herausfordernd sein kann. Da ist es gut zu wissen, dass man bei der Agentur für Arbeit und beim Jobcenter eine kostenlose Beratung zum Thema Weiterbildung in Anspruch nehmen kann.
Im Gegensatz zu den Bildungsanbietern können die Ämter eine objektive, anbieterneutrale Beratung bieten. Neben persönlichen Beratungsterminen stehen unter anderem vielerorts Berufsinformationszentren (BIZ) zur Verfügung, in denen man sich selbst informieren kann. Dieser Ratgeber zeigt, welche Beratungsangebote es gibt, wer zuständig ist, wie ein Termin abläuft und wie Sie sich optimal vorbereiten, damit aus der Beratung am Ende auch eine Förderung wird.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Die Weiterbildungsberatung von Agentur für Arbeit und Jobcenter ist kostenlos, freiwillig und anbieterneutral - unabhängig davon, ob Sie Leistungen beziehen oder nicht.
- Zuständig ist die Agentur für Arbeit bei Arbeitslosengeld I, drohender Arbeitslosigkeit und Beschäftigten; das Jobcenter bei Bezug von Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld).
- Die Berufsberatung im Erwerbsleben ist der offizielle Anlaufpunkt für Erwachsene, die sich zu Weiterbildung und beruflicher Neuorientierung beraten lassen wollen.
- Weil Weiterbildungsförderung eine Kann-Leistung ist, entscheidet die Vorbereitung: gute Argumente und ein klares Ziel erhöhen die Chance auf einen Bildungsgutschein deutlich.
- Termine buchen Sie telefonisch über 0800 4 5555 00 (Arbeitsagentur, kostenfrei), online oder direkt beim Jobcenter; das BIZ ist meist ohne Termin nutzbar.
Inhaltsverzeichnis
- Agentur für Arbeit und Jobcenter teilen sich die Zuständigkeit
- Die Beratungsangebote reichen vom Einzelgespräch bis zum BIZ
- Die Berufsberatung im Erwerbsleben ist der Anlaufpunkt für Erwachsene
- So läuft ein Beratungsgespräch zur Weiterbildung ab
- Eine gute Vorbereitung entscheidet über die Förderung
- Die Beratung öffnet die Tür zu den Förderwegen
- Die Beratung lohnt sich vor jeder Weiterbildung
- So vereinbaren Sie einen Beratungstermin
- Häufige Fragen zur Weiterbildungsberatung

Agentur für Arbeit und Jobcenter teilen sich die Zuständigkeit
Das Arbeitsamt in seiner einstigen Form existiert nicht mehr und wurde durch das Jobcenter und die Agentur für Arbeit abgelöst. Obwohl die Reform bereits einige Jahre zurückliegt, sind viele Bürgerinnen und Bürger verunsichert und wissen nicht, wohin sie sich wegen einer Weiterbildungsberatung wenden sollen. Entscheidend ist die Ausgangssituation der ratsuchenden Person, die sie zu einem Kunden des Jobcenters oder der Agentur für Arbeit macht. Beratungskompetenz rund um die berufliche Qualifizierung ist in beiden Institutionen vorhanden - der Unterschied liegt vor allem darin, wer die Leistungen zahlt und wer den Bildungsgutschein ausstellt.
Jobcenter oder Agentur für Arbeit: die Zuständigkeit im Überblick
Die konkrete Zuständigkeit lässt sich folgendermaßen aufschlüsseln:
- Jobcenter - Das Jobcenter kümmert sich um Menschen, die Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende beziehen. Wer Grundsicherungsgeld (bis 2026 als Bürgergeld bekannt) bezieht, ist hier folglich an der richtigen Adresse. Ansprechpartner ist die persönliche Integrationsfachkraft.
- Agentur für Arbeit - Die Agentur für Arbeit ist für all diejenigen zuständig, die Arbeitslosengeld I beziehen. Auch Menschen, die weder ALG I noch Grundsicherung beziehen - etwa Beschäftigte oder von Arbeitslosigkeit Bedrohte - können sich als Ratsuchende an die Agentur für Arbeit wenden.
Die folgende Übersicht zeigt, wer sich in welcher Situation an welche Stelle wendet und welche Förderinstrumente dort typischerweise im Spiel sind.
Die Beratungsangebote reichen vom Einzelgespräch bis zum BIZ
Die Bundesagentur für Arbeit bündelt unter dem Dach der Weiterbildungsberatung mehrere unterschiedliche Formate. Welches davon passt, hängt davon ab, wie konkret Ihre Pläne bereits sind und ob Sie eine Förderung anstreben oder sich zunächst nur orientieren möchten.
- Persönliches Beratungsgespräch - Das Kernstück: ein individueller Termin mit einer Beraterin oder einem Berater, in dem Ihre berufliche Situation, Ihre Ziele und mögliche Förderwege besprochen werden. Auf Wunsch auch telefonisch oder per Video.
- Berufsinformationszentrum (BIZ) - Eine öffentlich zugängliche Selbstbedienungs-Bibliothek zu Berufen, Weiterbildungen und Arbeitsmarkt. Das BIZ lässt sich meist ohne Termin während der Öffnungszeiten nutzen; oft finden dort auch Vorträge und Info-Veranstaltungen statt.
- Online-Angebote - Das Portal der Bundesagentur für Arbeit bietet Selbsterkundungstools, Weiterbildungssuchen wie KURSNET und einen Überblick über Berufe. So können Sie sich vorab informieren und mit konkreten Fragen ins Gespräch gehen.
- Telefonische Beratung - Über die kostenfreie Servicehotline lassen sich einfache Fragen klären und Termine vereinbaren, ohne dass Sie vor Ort erscheinen müssen.
Für Menschen, die sich beruflich neu ausrichten oder erstmals eine Weiterbildung angehen, empfiehlt sich der Einstieg über das persönliche Gespräch, weil nur dort eine individuelle Förderentscheidung getroffen werden kann.
Die Berufsberatung im Erwerbsleben ist der Anlaufpunkt für Erwachsene
Viele verbinden die Berufsberatung der Agentur für Arbeit nur mit Schülerinnen und Schülern vor der Berufswahl. Für Erwachsene mitten im Berufsleben gibt es jedoch ein eigenes Angebot: die Berufsberatung im Erwerbsleben. Sie richtet sich ausdrücklich an Menschen, die bereits im Beruf stehen und sich weiterentwickeln, umorientieren oder gegen den Verlust des Arbeitsplatzes wappnen möchten.
Dieses Angebot ist kostenlos und steht allen offen, unabhängig davon, ob Leistungen bezogen werden. Beraten wird ergebnisoffen: Es geht nicht darum, eine bestimmte Maßnahme zu verkaufen, sondern gemeinsam herauszufinden, ob und welche Weiterbildung, Umschulung oder Höherqualifizierung zu Ihrer Situation passt. Wer noch ganz am Anfang steht, findet in der Weiterbildung über das Arbeitsamt einen guten Überblick über die weiteren Schritte.
So läuft ein Beratungsgespräch zur Weiterbildung ab
Viele Menschen sind vor dem ersten Termin unsicher, was auf sie zukommt. In der Praxis verläuft ein Beratungsgespräch strukturiert und wertschätzend. Grob lassen sich vier Phasen unterscheiden:
- Bestandsaufnahme - Zunächst werden Ihr bisheriger Werdegang, Ihre Qualifikationen und Ihre aktuelle Situation besprochen. Bringen Sie dafür Ihren Lebenslauf und Zeugnisse mit.
- Zielklärung - Gemeinsam wird herausgearbeitet, welches berufliche Ziel Sie verfolgen und ob eine Weiterbildung, eine Umschulung oder eine andere Maßnahme der richtige Weg dorthin ist.
- Prüfung der Fördermöglichkeiten - Die Beraterin oder der Berater prüft, ob und wie eine finanzielle Förderung in Frage kommt, und erklärt die Voraussetzungen.
- Nächste Schritte - Am Ende steht ein konkreter Plan: welche Unterlagen fehlen, ob ein Bildungsgutschein ausgestellt werden kann und wie es weitergeht.
Wichtig zu wissen: Der Bildungsgutschein wird in der Regel nicht spontan im ersten Gespräch ausgehändigt. Oft sind mehrere Termine nötig, und die Entscheidung fällt nach Prüfung der individuellen Aussichten. Umso wichtiger ist es, überzeugend aufzutreten.
Eine gute Vorbereitung entscheidet über die Förderung
Unabhängig davon, ob man im BIZ, bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter vorstellig wird, um sich zunächst zum Thema Weiterbildung und Weiterbildungsförderung beraten zu lassen, sollte man sich gut vorbereiten. Da die Förderung von beruflichen Qualifizierungen stets eine Kann-Leistung ist, sollte man sich vorab schlüssige Argumente zurechtlegen und die Sachbearbeiterin beziehungsweise den Sachbearbeiter überzeugen können. Dies gelingt am besten, indem man motiviert und gut informiert auftritt. Zudem schadet es nicht, die Rechtslage zumindest in Grundzügen zu kennen.
Folgende Punkte helfen dabei, gut vorbereitet in den Termin zu gehen:
- Ziel definieren - Machen Sie sich vorab klar, welchen Beruf oder welche Qualifikation Sie anstreben und warum. Ein konkretes Ziel wirkt überzeugender als der allgemeine Wunsch, "irgendetwas" zu machen.
- Arbeitsmarktargument - Die Förderung ist umso wahrscheinlicher, je besser die angestrebte Qualifikation Ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessert oder Arbeitslosigkeit vermeidet. Recherchieren Sie, ob in Ihrem Zielberuf Fachkräfte gesucht werden.
- Unterlagen sammeln - Lebenslauf, Zeugnisse und gegebenenfalls Informationen zum gewünschten Bildungsanbieter (mit AZAV-Zulassung) gehören in die Mappe.
- Anbieter vorrecherchieren - Wer bereits einen zugelassenen Kurs im Blick hat, signalisiert Ernsthaftigkeit. Achten Sie darauf, dass der Träger und die Maßnahme nach AZAV zertifiziert sind, sonst ist keine Förderung möglich.
- Fragen notieren - Schreiben Sie sich offene Fragen auf, damit im Gespräch nichts untergeht.
Die Beratung öffnet die Tür zu den Förderwegen
Im Anschluss an ein ausführliches Beratungsgespräch kennt man die verschiedenen Förderungen und kann direkt entsprechende Anträge stellen. Ohne vorherige Beratung ist dies dahingegen oftmals nicht möglich. Welcher Weg passt, hängt von Ihrer Ausgangslage ab. Die wichtigsten Instrumente im Überblick:
Für Beschäftigte, die sich weiterbilden möchten, greift das Qualifizierungschancengesetz. Über dieses Instrument kann die Agentur für Arbeit Weiterbildungskosten und Lohnkostenzuschüsse fördern, auch wenn keine Arbeitslosigkeit droht. Voraussetzung ist in der Regel, dass die Weiterbildung über eine rein arbeitsplatzbezogene Anpassung hinausgeht.
Bei Aufstiegsfortbildungen wie Meister, Fachwirt, Techniker oder Betriebswirt kommt das Aufstiegs-BAföG (AFBG) ins Spiel. Es ist einkommensunabhängig und besteht aus Zuschuss- und Darlehensanteilen; bei bestandener Prüfung wird ein Teil des Darlehens erlassen. Zuständig sind hier nicht Agentur oder Jobcenter, sondern die Ämter für Ausbildungsförderung.
Wer eine geförderte Umschulung oder abschlussbezogene Weiterbildung absolviert, kann zusätzlich vom Weiterbildungsgeld profitieren: 150 Euro monatlich zusätzlich während der Maßnahme. Ergänzend gibt es die Weiterbildungsprämie von 1.000 Euro für eine bestandene Zwischen- und 1.500 Euro für die Abschlussprüfung bei Umschulungen mit anerkanntem Berufsabschluss.
Die Beratung lohnt sich vor jeder Weiterbildung
Viele Menschen empfinden Termine beim Amt als unangenehm. Sie befinden sich gewissermaßen in der Position eines Bittstellers und befürchten ein wahres Kreuzverhör. So sieht es in der Realität aber keineswegs aus. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter sind für ihre Kundinnen und Kunden da, um ihnen bei der Verwirklichung ihrer beruflichen Pläne zu helfen.
Bestes Beispiel dafür sind die verschiedenen Förderungen für Weiterbildungen. Wer eine solche beantragen möchte, muss sich vorab zwingend beraten lassen und sollte nicht davor zurückscheuen. Die Beratungsfachkräfte sind kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in Sachen berufliche Qualifizierung und zeigen Chancen auf, die man selbst vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatte.
Ein weiterer Vorteil: Die Beratung ist anbieterneutral. Während ein Bildungsanbieter naturgemäß ein Interesse daran hat, den eigenen Kurs zu verkaufen, hat die Beratungsfachkraft kein wirtschaftliches Eigeninteresse. Sie kann deshalb ehrlich einschätzen, ob eine Weiterbildung überhaupt sinnvoll ist oder ob ein anderer Weg besser passt. Genau diese Objektivität macht die kostenlose Beratung so wertvoll.
So vereinbaren Sie einen Beratungstermin
Der Weg zum Beratungstermin ist unkompliziert. Für die Berufsberatung im Erwerbsleben und die Weiterbildungsberatung der Agentur für Arbeit stehen mehrere Kanäle offen:
- Telefonisch über die kostenfreie Servicerufnummer 0800 4 5555 00 (Montag bis Freitag). Hier lässt sich direkt ein Termin vereinbaren.
- Online über das Portal der Bundesagentur für Arbeit, wo sich Termine buchen und teils digitale Beratungen vereinbaren lassen.
- Beim Jobcenter läuft die Terminvereinbarung über die persönliche Ansprechperson beziehungsweise die zuständige Geschäftsstelle.
- Im BIZ können Sie sich meist ohne Termin während der Öffnungszeiten informieren; für eine persönliche Beratung ist jedoch ein Termin sinnvoll.
Ein Tipp aus der Praxis: Buchen Sie den Termin frühzeitig, denn je nach Standort und Nachfrage kann es einige Wochen Vorlauf geben. Wer eine geförderte Weiterbildung plant, sollte diesen Vorlauf in die eigene Zeitplanung einrechnen.