Weiterbildung Risikomanagement
Eine Weiterbildung im Risikomanagement spricht vor allem Menschen an, die eine verantwortungsvolle Führungsposition anstreben und sich der Risiken unternehmerischen Handelns bewusst sind. Die Qualifizierung zum Risikomanager oder zur Risikomanagerin kann für die nächste Karrierestufe sorgen und Ihnen fachlich neue Türen öffnen. Da es keinen geschützten Ausbildungsberuf mit diesem Titel gibt, entsteht die Qualifikation ausschließlich über Weiterbildungen, Zertifikatslehrgänge oder ein passendes Studium.
Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Wege in das Risikomanagement führen, welche Inhalte vermittelt werden, wie lange die Weiterbildung dauert, was sie kostet und wie Sie eine Förderung über die Agentur für Arbeit erhalten. Anhand aktueller Stellenangebote können sich Interessierte zusätzlich orientieren, und ein Beratungstermin beim Arbeitsamt ergänzt die eigene Recherche sinnvoll.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Risikomanager ist kein Ausbildungsberuf. Die Qualifikation erfolgt über Zertifikatslehrgänge (z. B. IHK, TÜV), Seminare oder ein wirtschaftswissenschaftliches Studium.
- Typische Inhalte sind Risikoidentifikation, Risikoanalyse und -bewertung, Risikoaggregation, Steuerung von Maßnahmen sowie rechtliche Grundlagen und Reporting.
- Ein IHK-Zertifikatslehrgang dauert je nach Format etwa 3 bis 12 Monate; berufsbegleitende Bachelor- oder Masterstudiengänge deutlich länger.
- Die Kosten liegen zwischen wenigen hundert Euro für kurze Seminare und mehreren tausend Euro für umfangreiche Lehrgänge. Förderung ist über Bildungsgutschein (§ 81 SGB III), Qualifizierungschancengesetz und Aufstiegs-BAföG möglich.
- Das Jahresgehalt liegt je nach Branche, Erfahrung und Verantwortung meist zwischen rund 50.000 und 75.000 Euro brutto, im Konzern- oder Bankenumfeld auch darüber.
Risikomanager analysieren und steuern unternehmerische Risiken
Risikomanager und Risikomanagerinnen führen vor allem Analysen durch und bewerten Risiken. Ihre Erkenntnisse geben sie innerhalb des Unternehmens weiter, sodass die Führungskräfte die Fakten kennen, auf deren Grundlage sie die Weichen für die Zukunft stellen. Sie identifizieren mögliche Gefahren, quantifizieren deren Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe und entwickeln Gegenmaßnahmen.
Auch die Steuerung von Maßnahmen zur Bewältigung der Unternehmensrisiken ist ein großes Thema. Als Fachkräfte haben Risikomanager wesentlichen Anteil an den Entscheidungsprozessen. Da ein gutes Risikomanagement für alle Unternehmen von Belang ist, sind sie auf keine bestimmte Branche festgelegt. Besonders gefragt sind sie in Banken, Versicherungen, im Gesundheitswesen, in der Industrie und im Einkauf. Neben Unternehmen haben auch andere Organisationen sowie die öffentliche Verwaltung einen entsprechenden Personalbedarf.
Der Aufgabenbereich reicht vom operativen Risikomanagement im Tagesgeschäft bis zum strategischen Blick auf langfristige Unternehmensrisiken. In regulierten Branchen kommen gesetzliche Vorgaben hinzu, etwa die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) im Finanzsektor oder Normen wie die ISO 31000 und die ISO 27001 für das IT-Risikomanagement. Wer sich hier auskennt, wird zur unverzichtbaren Schnittstelle zwischen Fachabteilung und Geschäftsleitung.
Mehrere Wege führen in das Risikomanagement
Eine klassische Berufsausbildung zum Risikomanager existiert nicht, weshalb es hier einer Qualifizierung per Weiterbildung bedarf. Beispielsweise über die IHK kann man eine Weiterbildung zum Risikomanager oder zur Risikomanagerin absolvieren. Daneben bieten Anbieter wie der TÜV, private Bildungsträger und Hochschulen Zertifikatslehrgänge an. Welcher Weg passt, hängt von Vorbildung, Zielposition und Branche ab.
Grundsätzlich lassen sich drei Wege unterscheiden: der Zertifikatslehrgang mit anerkanntem Abschluss (etwa „Risikomanager IHK“), die kompakte Seminar- und Spezialisierungsschiene sowie das akademische Studium. Für Berufstätige, die eine Führungsposition anstreben, ist der Zertifikatslehrgang oft der schnellste und praxisnahe Einstieg. Die folgende Übersicht ordnet die Wege ein:
Die Weiterbildung vermittelt Analyse, Bewertung und Steuerung von Risiken
Im Zuge einer IHK-Weiterbildung setzt man sich mit den folgenden Inhalten auseinander:
- Grundlagen des Risikomanagements
- Risikoarten und Risikoidentifikation
- Risikoanalysen
- Risikoaggregation
- Risikobewertung
- Risikobeeinflussung und Maßnahmensteuerung
- Unternehmensführung
- Controlling
- Recht und Compliance
So ist man bestens auf die IHK-Prüfung vorbereitet und erhält das Rüstzeug für eine Karriere im Risikomanagement. Dass eine Fortbildung mit IHK-Abschluss vielversprechend ist, steht außer Frage. Interessierte sollten aber auch den zahlreichen Seminaren und Kursen Beachtung schenken. Wer das Themenfeld gezielt aufbauen möchte, findet in der eng verwandten Weiterbildung zum Controller (IHK) und im Qualitätsmanagement passende Anschlussthemen.
So haben Interessierte die Gelegenheit, sich zu spezialisieren oder einzelnen Aspekten des Risikomanagements intensiver zu widmen. Vor allem die folgenden Themen bieten sich für eine solche Qualifizierungsmaßnahme an:
- Kommunikation
- Recht
- Rechnungswesen
- Projektmanagement
- IT-Compliance und IT-Risikomanagement
- Reporting
- Liquiditätsmanagement
- Meldewesen
Praktisch orientierte Lehrgänge verknüpfen diese Themen mit gängigen Werkzeugen: Risikoinventar, Risikomatrix, Szenarioanalyse und Kennzahlen wie dem Value at Risk. In regulierten Branchen kommen normative Grundlagen wie ISO 31000 (Risikomanagement allgemein) und ISO 27001 (Informationssicherheit) hinzu. Ein gutes Reporting rundet die Ausbildung ab, denn nur klar aufbereitete Risikoberichte finden bei der Geschäftsleitung Gehör.
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Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium erweitert die Perspektiven
Die zunehmende Akademisierung wirkt sich auf den Weiterbildungssektor aus, denn vor allem berufsbegleitende Studiengänge machen klassischen Weiterbildungen zunehmend Konkurrenz. Wenn es um das Risikomanagement geht, muss man sich nicht mit einem internen Zertifikat oder einem IHK-Abschluss zufriedengeben, sondern kann mit dem Bachelor oder Master einen akademischen Grad mit internationaler Anerkennung erlangen.
Ein Fernstudium oder anderes Teilzeitstudium lässt sich gut mit dem Beruf vereinbaren, wodurch Praxis und Theorie Hand in Hand gehen. Vor allem die folgenden Disziplinen kommen dafür in Betracht:
- Wirtschaftswissenschaften
- Betriebswirtschaftslehre
- Wirtschaftspsychologie
- Risikomanagement
- Finanzmanagement
- Controlling
- Wirtschaftsinformatik
Ob Zertifikatslehrgang oder Studium sinnvoller ist, hängt vom Ziel ab. Wer eine konkrete Fachaufgabe zeitnah übernehmen möchte, ist mit einem Lehrgang gut bedient. Wer eine breitere Führungslaufbahn plant, profitiert vom akademischen Abschluss. Verwandte kaufmännische Aufstiegswege wie der Betriebswirt oder der Fachwirt lassen sich zudem gut mit einer Risikomanagement-Spezialisierung kombinieren.
Analytisches Denken und Verantwortungsbewusstsein sind entscheidend
Wer im Risikomanagement Karriere machen möchte, muss nicht nur die formalen Voraussetzungen für die Teilnahme an einer Qualifizierung erfüllen, sondern auch persönlich geeignet sein. Formal wird für Zertifikatslehrgänge meist eine kaufmännische Ausbildung oder einschlägige Berufserfahrung erwartet; für ein Studium gelten die üblichen Hochschulzugangsvoraussetzungen.
Darüber hinaus kommt es vor allem auf die folgenden Eigenschaften an:
- strukturierte Arbeitsweise
- mathematisches Verständnis
- logisches Denkvermögen
- kaufmännisches Interesse
- Organisationsgeschick
- Einsatzbereitschaft
- Zuverlässigkeit
- Verantwortungsbewusstsein
- Flexibilität
Weil Risikomanager ihre Ergebnisse gegenüber der Geschäftsleitung vertreten, sind zudem Kommunikationsstärke und Durchsetzungsvermögen gefragt. Der sichere Umgang mit Zahlen, Tabellenkalkulation und zunehmend auch mit spezialisierter Risikomanagement-Software gehört heute zum Handwerkszeug.
Dauer und Ablauf richten sich nach Format und Vorwissen
Wie lange die Weiterbildung dauert, hängt stark vom gewählten Format ab. Kompakte Seminare umfassen wenige Tage, während ein vollständiger IHK-Zertifikatslehrgang je nach Anbieter und Lernpensum meist zwischen drei und zwölf Monaten liegt. Berufsbegleitende Formate strecken die Lernzeit, damit sich der Lehrgang mit dem Beruf vereinbaren lässt.
Viele Lehrgänge werden in mehreren Varianten angeboten, sodass sich für unterschiedliche Lebenssituationen ein passendes Modell finden lässt:
Der Ablauf gliedert sich in der Regel in fachliche Module, praktische Übungen und eine Abschlussprüfung. Bei anerkannten Lehrgängen endet die Weiterbildung mit einem Zertifikat, das die erworbene Kompetenz belegt. Für die Auswahl eines geförderten Angebots lohnt der Blick auf die AZAV-Zertifizierung des Trägers, da nur zugelassene Maßnahmen über einen Bildungsgutschein finanziert werden können.
Bildungsgutschein und Aufstiegs-BAföG senken die Kosten deutlich
Die Kosten variieren erheblich: Ein kurzes Seminar kann wenige hundert Euro kosten, ein umfangreicher Zertifikatslehrgang mehrere tausend Euro. Berufsbegleitende Studiengänge liegen noch einmal höher. Die gute Nachricht ist, dass Sie diese Investition selten allein tragen müssen, denn es gibt mehrere Förderwege.
Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann über die Weiterbildung über das Arbeitsamt einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III erhalten. Damit übernimmt die Agentur für Arbeit die Lehrgangskosten für eine AZAV-zugelassene Maßnahme vollständig und trägt auch Fahrt- und Kinderbetreuungskosten. Beschäftigte werden über das Qualifizierungschancengesetz gefördert. Für Aufstiegsfortbildungen wie IHK-Abschlüsse greift zudem das Aufstiegs-BAföG.
Je nach Ausgangslage kommen unterschiedliche Fördertöpfe in Betracht. So finanziert sich die Weiterbildung im Risikomanagement:
- Bildungsgutschein (§ 81 SGB III): für Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit Bedrohte. Die Agentur für Arbeit übernimmt bei AZAV-zugelassenen Trägern die Lehrgangs-, Fahrt- und Betreuungskosten.
- Qualifizierungschancengesetz: Zuschüsse zu Lehrgangskosten und Arbeitsentgelt für Beschäftigte, deren Tätigkeit sich wandelt.
- Aufstiegs-BAföG: für Aufstiegsfortbildungen (IHK, Fachwirt, Betriebswirt). Es gibt einkommensunabhängige Zuschüsse zu Lehrgangs- und Prüfungsgebühren.
- Weiterbildungsgeld: 150 Euro monatlich zusätzlich zum Grundsicherungsgeld während einer geförderten Weiterbildung, dazu mögliche Prämien bei bestandenen Zwischen- und Abschlussprüfungen.
Wer Grundsicherungsgeld bezieht, kann während einer Weiterbildung übrigens einen Minijob bis zur Grenze von 603 Euro im Monat ausüben, ohne die Maßnahme zu gefährden. Details zur Finanzierung erklärt unser Ratgeber So wird die Weiterbildung vom Arbeitsamt bezahlt.
Auch eine Umschulung über das Arbeitsamt kann ein Weg sein, wenn Sie aus einem fachfremden Beruf ins kaufmännische Umfeld wechseln möchten und das Risikomanagement als Spezialisierung darauf aufbauen.
Karrierechancen und Verdienst im Risikomanagement überzeugen
An Karrierechancen mangelt es im Risikomanagement nicht. Weil praktisch jede Organisation Risiken steuern muss, sind die Einsatzfelder breit gestreut. Die Verdienstmöglichkeiten sind für die Karriereplanung ebenfalls von großem Interesse, schließlich ist die Einkommenssituation ein wichtiger Aspekt.
Im Einzelfall kann der Verdienst allerdings sehr variieren. Aus diesem Grund kann das durchschnittliche Gehalt von rund 50.000 Euro bis 75.000 Euro brutto im Jahr lediglich zur groben Orientierung herangezogen werden. Einsteiger starten häufig darunter, während erfahrene Fachkräfte in Banken, Versicherungen oder Konzernen sowie in Leitungsfunktionen deutlich mehr verdienen. Branche, Unternehmensgröße, Region und Verantwortungsumfang beeinflussen das Gehalt spürbar.
Mit wachsender Erfahrung eröffnen sich Wege zum Leiter Risikomanagement, zum Chief Risk Officer oder in angrenzende Felder wie das Controlling und Projektmanagement. Wer sich in einer regulierten Branche spezialisiert, verbessert seine Position zusätzlich, weil das Fachwissen dort besonders gefragt ist.
Risikomanagement-Weiterbildungen sind vor allem für angehende Führungskräfte interessant. Es handelt sich um wichtige Karrierebausteine, die es zu nutzen gilt. Gleichzeitig sollte man nicht vorschnell agieren, sondern einen gewissen Rechercheaufwand betreiben.
Nur so kann man sichergehen, dass man die richtigen Weichen für die berufliche Zukunft stellt. Ziehen Sie dabei auch Alternativen in Betracht: Unternehmerische Risiken sind im betrieblichen Alltag allgegenwärtig, weshalb eine Weiterbildung im Risikomanagement sehr sinnvoll erscheinen kann. Interessierte sollten sich aber nicht zu schnell festlegen.
Stattdessen tun sie gut daran, verwandte Felder wie Controlling, Finanzmanagement und Unternehmensführung in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Indem man verschiedene Anbieter kontaktiert und sich bei der IHK sowie beim Arbeitsamt beraten lässt, sieht man klarer und findet die richtige Qualifizierung.






