Umschulung Optiker - Quereinstieg über das Arbeitsamt
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Eine Umschulung zum Optiker meint die verkürzte Zweitausbildung zum staatlich anerkannten Augenoptiker beziehungsweise zur Augenoptikerin und dauert in der Regel zwei Jahre.
- Sie schließt mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer ab und führt zum gleichen Berufsabschluss wie die reguläre dreijährige Ausbildung.
- Bei arbeitslosen oder von Arbeitslosigkeit bedrohten Personen kann die Agentur für Arbeit die Kosten über einen Bildungsgutschein vollständig übernehmen.
- Eine formale Vorbildung ist nicht zwingend nötig; gefragt sind naturwissenschaftliches Verständnis, handwerkliches Geschick und Freude an der Kundenberatung.
- Nach dem Abschluss stehen Weiterbildungen bis zum Augenoptikermeister oder ein Studium der Augenoptik/Optometrie offen.
Eine Umschulung zum Optiker führt Berufswechsler in zwei Jahren zum anerkannten Abschluss als Augenoptiker beziehungsweise Augenoptikerin und öffnet damit den Quereinstieg in ein gefragtes Gesundheitshandwerk. Wer in seinem bisherigen Beruf keine Perspektive mehr sieht, findet in der Augenoptik eine Tätigkeit, die Handwerk, Technik und persönliche Beratung verbindet. Die Agentur für Arbeit unterstützt eine solche Neuorientierung unter bestimmten Voraussetzungen finanziell und mit umfassender Beratung.
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Inhaltsverzeichnis
- Berufsbild Optiker: Aufgaben und Verdienst
- So läuft die Umschulung zum Optiker ab
- Voraussetzungen, Dauer und Kosten im Überblick
- Förderung über das Arbeitsamt
- Betriebliche und außerbetriebliche Umschulung
- Alternativen zur Optiker-Umschulung
- Eignung und persönliche Stärken
- Der Berufsalltag als Augenoptiker
- Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
- So läuft die Abschlussprüfung ab
- Weiterbildung und Aufstieg
- Häufige Fragen zur Optiker-Umschulung

Berufsbild Optiker: Aufgaben und Verdienst
Interessierte an einer Laufbahn als Optiker sollten sich zunächst eingehend mit dem Berufsbild befassen. Augenoptiker und Augenoptikerinnen fertigen Brillen an, passen sie an und reparieren sie. Sie führen umfassende Kundenberatungen durch, bestimmen mit modernen Messgeräten die Sehstärke und sind für den Verkauf von Brillenfassungen, Gläsern, Kontaktlinsen und weiteren Sehhilfen samt Zubehör zuständig.
Der Berufsalltag ist dadurch sehr abwechslungsreich und fordert die Fachkräfte auf mehreren Ebenen. Beschäftigung finden Augenoptiker vor allem in folgenden Bereichen:
- Brillenfachgeschäfte und Filialisten der Optikbranche
- Augenkliniken
- Augenarztpraxen
- Handwerksbetriebe des Augenoptiker-Handwerks
- optische und feinmechanische Industrie
Je nach Einsatzbereich, Region und Position fallen die Verdienstmöglichkeiten unterschiedlich aus. Zur groben Orientierung liegt das Bruttojahresgehalt vielfach zwischen rund 24.000 Euro und 36.000 Euro. Mit dem Meistertitel oder in einer Filialleitung sind spürbar höhere Einkommen erreichbar. Weitere geförderte Qualifizierungswege stellt unser Überblick zur Umschulung über das Arbeitsamt vor.
So läuft die Umschulung zum Optiker ab
Optiker durchlaufen für gewöhnlich eine dreijährige duale Berufsausbildung, die sich unmittelbar an die Schulzeit anschließt. Wer aber bereits einen anderen Weg eingeschlagen hat und den Quereinstieg als Augenoptiker anstrebt, kann stattdessen eine Umschulung beginnen. Diese kann betrieblich in einem Optikbetrieb oder außerbetrieblich bei einem Bildungsträger stattfinden und führt ebenfalls zum anerkannten Abschluss als Augenoptiker.
Die Umschulung greift die zentralen Lernfelder der Ausbildung auf und vermittelt sie in verkürzter Form. Behandelt werden dabei folgende Inhalte:
- Mathematik und optisches Rechnen
- Physik und Optik
- Informatik und digitale Messtechnik
- Grundlagen der Medizin und Anatomie des Auges
- Werkstoffkunde
- Optometrie und Refraktionsbestimmung
- Betriebswirtschaftslehre
- Fertigungstechnik
- Verkauf und Kundenberatung
- Kommunikation
Der praktische Teil findet in einer Werkstatt und im Verkaufsraum statt, wo angehende Augenoptiker das Anfertigen und Anpassen von Brillen unter realen Bedingungen üben. Eine allgemeine Einordnung geförderter Lehrgänge bietet unser Ratgeber zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Voraussetzungen, Dauer und Kosten im Überblick
Die Konditionen der Umschulung zum Optiker hängen von der Umschulungsform und vom jeweiligen Anbieter ab. Interessierte sollten sich der Unterschiede bewusst sein und mehrere Angebote vergleichen. Zur ersten Orientierung fassen wir die wesentlichen Eckpunkte zusammen:
- Voraussetzung: keine einschlägige Vorbildung nötig; oft wird ein Hauptschulabschluss und Mindestalter erwartet
- Dauer: in der Regel zwei Jahre in Vollzeit
- Kosten: variabel und bis zu mehrere Tausend Euro, bei Förderung meist vollständig übernommen
Wichtig ist, dass der gewählte Bildungsträger nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen ist. Nur dann lässt sich die Umschulung über einen Bildungsgutschein finanzieren. Passende, AZAV-zugelassene Anbieter finden sich über KURSNET, die Weiterbildungsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit.
Förderung über das Arbeitsamt
Für viele Interessierte ist die Finanzierung die entscheidende Frage. Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter einen Bildungsgutschein beantragen. Damit übernimmt der Kostenträger in der Regel die Lehrgangsgebühren vollständig und bezuschusst zusätzlich Fahrt- und Betreuungskosten.
Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, entscheidet die zuständige Vermittlungsfachkraft im persönlichen Gespräch. Grundlage ist, dass die Umschulung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nachweislich verbessert und der Beruf des Augenoptikers gute Einstellungsaussichten bietet. Ein Rechtsanspruch besteht nicht, deshalb lohnt sich eine gute Vorbereitung des Beratungstermins. Wer bereits einen Betrieb für eine betriebliche Umschulung gefunden hat, verbessert seine Aussichten zusätzlich.
Betriebliche und außerbetriebliche Umschulung im Vergleich
Für die Umschulung zum Optiker gibt es zwei grundsätzliche Wege, die sich in Ablauf und Alltag deutlich unterscheiden. Bei der betrieblichen Umschulung lernen die Teilnehmenden direkt in einem Optikbetrieb und besuchen ergänzend die Berufsschule. Der Vorteil liegt im hohen Praxisanteil und in der Chance, nach dem Abschluss übernommen zu werden. Zudem zahlt der Betrieb häufig eine Vergütung.
Die außerbetriebliche Umschulung findet dagegen überwiegend bei einem Bildungsträger statt, der Theorie und Praxis in eigenen Werkstätten und Lehrräumen vermittelt und Praktika in Betrieben organisiert. Diese Form eignet sich für alle, die keinen passenden Ausbildungsbetrieb finden oder eine straff organisierte Vollzeitform bevorzugen. Beide Wege führen zur selben Gesellenprüfung und zum gleichen anerkannten Abschluss; welcher besser passt, klärt man am besten im Beratungsgespräch mit der Agentur für Arbeit.
Alternativen zur Optiker-Umschulung
Interessierte sollten sich ausreichend Zeit für die Entscheidung nehmen und auch verwandte Berufe in Betracht ziehen. Nennenswert sind vor allem folgende Ausbildungsberufe, die thematisch nahe an der Augenoptik liegen:
- Zahntechniker
- Orthopädietechnik-Mechaniker
- Hörakustiker
- Feinoptiker
- Verfahrensmechaniker für Brillenoptik
- Orthoptist
Wer eher eine beratende oder therapeutische Richtung im Gesundheitsbereich sucht, findet in der Umschulung zum Physiotherapeuten eine Alternative. Einen breiteren Überblick über die Chancen im Gesundheitswesen sowie im Handwerk bieten unsere thematischen Übersichtsseiten.
Eignung und persönliche Stärken
Wer sich nach der Auseinandersetzung mit den Alternativen für die Umschulung zum Optiker entscheidet, sollte die persönliche Eignung prüfen. Augenoptiker verbinden feinmotorisches Arbeiten am Werkstück mit einer serviceorientierten Beratung im Verkaufsraum. Als Augenoptiker sollte man daher folgende Kriterien mitbringen:
- naturwissenschaftliches Verständnis
- logisches Denkvermögen
- Sorgfalt und Genauigkeit
- Kommunikationsstärke
- handwerkliches Geschick
- Modebewusstsein und Stilgefühl
Ebenso hilfreich sind Geduld im Kundengespräch und ein ruhiges Auftreten, da viele Kundinnen und Kunden mit einer Sehschwäche oder Unsicherheiten in den Termin kommen. Wer gerne mit Menschen arbeitet und zugleich technisches Interesse mitbringt, ist im Beruf gut aufgehoben.
Der Berufsalltag als Augenoptiker
Der Arbeitstag eines Augenoptikers wechselt zwischen Verkaufsraum und Werkstatt. Im Kundengespräch klärt die Fachkraft zunächst den Bedarf, führt eine Sehstärkenmessung durch und berät zu passenden Fassungen, Gläsern und Kontaktlinsen. Dabei spielen sowohl medizinische Aspekte als auch modische Vorlieben eine Rolle.
In der Werkstatt schleift und zentriert der Augenoptiker die Brillengläser, setzt sie in die Fassung ein und richtet die fertige Brille millimetergenau an. Moderne Geräte wie automatische Refraktometer, Scheitelbrechwertmesser und computergestützte Zentriersysteme gehören zum Alltag. Hinzu kommen Reparaturen, die Verwaltung des Warenbestands und die Pflege der Präsentationsflächen. Diese Mischung aus Präzisionsarbeit, Technik und persönlichem Kontakt macht den besonderen Reiz des Berufs aus.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Die Aussichten für Augenoptiker gelten als stabil. Der Bedarf an Sehhilfen wächst, weil die Bevölkerung altert und die Zahl der Fehlsichtigen durch häufige Bildschirmarbeit zunimmt. Fachbetriebe und Filialketten suchen kontinuierlich qualifiziertes Personal, sodass ausgebildete Fachkräfte gute Einstellungschancen haben.
Nach einigen Jahren Berufserfahrung eröffnen sich Wege in die Filialleitung, in den technischen Innendienst der Industrie oder in die Selbstständigkeit mit einem eigenen Fachgeschäft. Für die Eröffnung eines eigenen Betriebs im zulassungspflichtigen Augenoptiker-Handwerk ist in der Regel der Meistertitel erforderlich. Auch die Spezialisierung auf Kontaktlinsen, Kindersehhilfen oder Vergrößerungshilfen für sehbehinderte Menschen kann die berufliche Position stärken.
Ein wichtiger Trend ist die zunehmende Verbindung von Handwerk und Digitalisierung. Betriebe setzen verstärkt auf digitale Zentriersysteme, videogestützte Anpassung und Onlineberatung. Wer sich in diesen Feldern fortbildet, macht sich für Arbeitgeber besonders interessant. Zugleich bleibt der persönliche Kontakt zum Kunden der Kern des Berufs, weshalb der Beruf auch langfristig als vergleichsweise sicher vor Automatisierung gilt. Für Berufswechsler bedeutet das eine solide Grundlage, um sich nach der Umschulung dauerhaft im Arbeitsmarkt zu behaupten.
So läuft die Abschlussprüfung ab
Die Umschulung endet mit der Gesellenprüfung vor der zuständigen Handwerkskammer. Sie gliedert sich in einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Im schriftlichen Teil werden Kenntnisse in Augenoptik, Optometrie, Werkstoffkunde sowie Wirtschafts- und Sozialkunde abgefragt.
Im praktischen Teil fertigen die Prüflinge eine Brille nach Vorgabe an, führen eine Refraktionsbestimmung durch und zeigen in einem simulierten Beratungsgespräch ihre fachliche und kommunikative Kompetenz. Wer die Prüfung besteht, darf die Berufsbezeichnung Augenoptiker beziehungsweise Augenoptikerin führen. Der Abschluss ist deutschlandweit anerkannt und dem Abschluss der regulären Ausbildung gleichgestellt.
Nutzen Sie Prüfungsvorbereitungskurse und die Übungsaufgaben Ihres Bildungsträgers. Viele Kammern stellen zudem alte Prüfungsaufgaben zur Verfügung, mit denen sich der Ablauf realistisch trainieren lässt.
Weiterbildung und Aufstieg
Nach der Umschulung zum Optiker verfügt man über einen Berufsabschluss mit vielen Anschlussmöglichkeiten. Wer sein berufliches Potenzial ausbauen möchte, sollte den Weiterbildungsmöglichkeiten Beachtung schenken. Seminare zu folgenden Themen eignen sich als Anpassungsqualifizierung:
- Verkauf und Kundenbindung
- Gesprächsführung
- Augenoptik und Kontaktlinsenanpassung
- Technische Optik
- Warenpräsentation
Eine Aufstiegsfortbildung führt zu einem höheren beruflichen Abschluss. Zur Auswahl stehen unter anderem folgende Qualifikationen:
- Augenoptikermeister/in
- Fachmann/-frau für kaufmännische Betriebsführung nach der Handwerksordnung
In Zeiten zunehmender Akademisierung ist auch ein Studium eine Option, das sich per Fernstudium oder Teilzeitstudium berufsbegleitend absolvieren lässt. Besonders anschlussfähig sind folgende Fachrichtungen:
- Augenoptik und Optometrie
- Medizintechnik
- Gesundheitswissenschaft
- Rehabilitationstechnik
- Photonik
Häufige Fragen zur Optiker-Umschulung
All diejenigen, die an einer Umschulung zum Optiker interessiert sind, sollten diese Entscheidung vorab hinterfragen. Eine Beratung beim Arbeitsamt kann sehr aufschlussreich sein. Zudem kann man sich in das Thema einlesen oder sich mit erfahrenen Augenoptikern über ihren Beruf unterhalten.
So gewinnt man einen guten Eindruck, der als Grundlage für den Berufswechsel dient. Weiterhin tun angehende Berufswechsler gut daran, sich frühzeitig mit den Weiterbildungsmöglichkeiten für Augenoptiker zu befassen, um den eigenen Karriereweg von Anfang an mitzudenken.