Umschulungen im Handwerk
Das Wichtigste in KĂĽrze
- Eine Umschulung im Handwerk qualifiziert Erwachsene fĂĽr einen anerkannten Handwerksberuf und schlieĂźt in der Regel mit dem Gesellenbrief der Handwerkskammer ab.
- Die Umschulung dauert meist zwei Jahre und damit ein Drittel kürzer als die reguläre duale Ausbildung von drei bis dreieinhalb Jahren.
- Voraussetzung ist keine bestimmte Vorbildung, wohl aber handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und körperliche Belastbarkeit.
- Das Handwerk umfasst über 130 anerkannte Ausbildungsberufe in Feldern wie Bau, Metall, Holz, Elektro, Körperpflege und Lebensmittel.
- Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter kann die Kosten per Bildungsgutschein übernehmen und den Lebensunterhalt während der Maßnahme absichern.
Ein altes Sprichwort besagt, Handwerk habe goldenen Boden. Dass diese Weisheit einen wahren Kern hat, zeigt sich immer wieder aufs Neue, denn qualifizierte Handwerker/innen werden stets gebraucht. In vielen Bereichen herrscht gegenwärtig ein akuter Fachkräftemangel, der nicht nur zu langen Wartezeiten auf Seiten der Kunden führt, sondern langfristig die Existenz vieler Handwerksbetriebe gefährdet.
Menschen, die nach neuen beruflichen Perspektiven suchen und sich umorientieren wollen oder müssen, sollten über eine Umschulung im Handwerk nachdenken. So können sie sich für eine handwerkliche Tätigkeit qualifizieren und die guten Aussichten für Handwerker/innen nutzen. Die Vielfalt an Handwerksberufen sowie die Besonderheiten einer Umschulungsmaßnahme dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden.
Angehende Handwerker/innen, die per Umschulung den Gesellenbrief anstreben, sollten sich bei der Agentur für Arbeit beraten lassen. Außerdem lohnt es sich, vorab eine individuelle Recherche durchzuführen. Im Folgenden finden Interessierte weiterführende Informationen rund um die Umschulungsmöglichkeiten im Handwerk.
Tätigkeitsfeld Handwerk: Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten
Handwerker/in ist kein einzelner Beruf, sondern ein Oberbegriff für Fachkräfte im Handwerk. Wer an einer solchen Laufbahn Interesse hat, sollte um die Vielfalt der Handwerksberufe wissen. In Deutschland gibt es über 130 anerkannte Ausbildungsberufe im Handwerk, die sich sieben Gewerbegruppen zuordnen lassen.
Es gibt folglich kein einheitliches Tätigkeitsfeld, sondern eine breite Palette an Bereichen:
- Bau- und Ausbau
- Textil
- Elektronik
- Metall
- Holz
- Gesundheit
- Reinigung
- Körperpflege
- Lebensmittel
- Glas
- Keramik
- Papier
Die unterschiedlichen Berufe zeichnen sich durch unterschiedlichste Aufgaben und Einsatzbereiche aus. Auch die Verdienstmöglichkeiten können stark variieren. Gesellinnen und Gesellen starten je nach Gewerk und Region häufig mit einem Bruttolohn zwischen etwa 2.400 und 3.000 Euro im Monat. Wer sich später zum Meister weiterbildet und einen eigenen Betrieb führt, kann deutlich mehr verdienen.
In all diesen Punkten kann es somit keine allgemeingĂĽltigen Angaben geben. Trotz aller Unterschiede eint alle Berufe des Handwerks die Tatsache, dass es um die Herstellung von Produkten oder die Erbringung handwerklicher Dienstleistungen geht. Wer sich fĂĽr den Einstieg in einen konkreten Beruf interessiert, findet auf unserer Ăśbersicht zur Umschulung ĂĽber das Arbeitsamt viele Einzelberufe im Detail.
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Umschulungsmöglichkeiten im Handwerk
Die Vielfalt des Handwerks ergibt sich aus den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern, die nach qualifizierten Fachkräften verlangen. Daher haben sich zahlreiche Handwerksberufe etabliert, die typischerweise mit einer dualen Berufsausbildung einhergehen. Alternativ dazu kann auch eine entsprechende Umschulung absolviert werden.
Nachfolgend gibt es eine Auswahl typischer Handwerksberufe, die auch fĂĽr eine UmschulungsmaĂźnahme in Betracht kommen:
- Tischler/in
- Friseur/in
- Kfz-Mechatroniker/in
- Raumausstatter/in
- Änderungsschneider/in
- Feinoptiker/in
- Buchbinder/in
- Glaser/in
- Bäcker/in
- Fleischer/in
Weitere gefragte Gewerke lassen sich ebenfalls über eine Umschulung erlernen, etwa Dachdecker/in, Elektroniker/in, Anlagenmechaniker/in für Sanitär, Heizung und Klima oder Fliesenleger/in. Gerade in diesen Bau- und Ausbauberufen ist der Bedarf an Fachkräften besonders hoch.
Rahmenbedingungen von handwerklichen Umschulungen
Obwohl vielfältige Möglichkeiten für eine Umschulung im Handwerk existieren und beispielsweise hinsichtlich der Inhalte keine allgemeingültigen Angaben gemacht werden können, herrscht im Bereich der Rahmenbedingungen weitestgehend Einheitlichkeit. Dies veranschaulicht die folgende Übersicht:
- Voraussetzungen
keine besondere Vorbildung, aber in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung - Dauer
in der Regel zwei Jahre (verkürzt gegenüber der dreijährigen Ausbildung) - Kosten
unterschiedlich, je nach Anbieter und Umschulungsform; bei Förderung durch die Agentur für Arbeit für die Teilnehmenden kostenfrei
Insbesondere die Finanzierung einer handwerklichen Umschulung muss vorab geklärt werden. Teilweise fallen hohe Lehrgangsgebühren an, die mehrere Tausend Euro betragen können.
AuĂźerdem muss der laufende Lebensunterhalt gesichert werden. Die Agentur fĂĽr Arbeit ist hier gerne behilflich und kann die folgenden UnterstĂĽtzungsangebote bewilligen:
- Bildungsgutschein fĂĽr die Lehrgangs- und PrĂĽfungskosten
- Hilfen zum Lebensunterhalt (Arbeitslosengeld oder BĂĽrgergeld)
FĂĽr diese Personen eignet sich eine Umschulung im Handwerk
Die formalen Voraussetzungen für eine Umschulung im Handwerk sind überaus gering und somit keine ernstzunehmenden Hürden. Entscheidend ist lediglich, dass man bereits einen anderen Beruf erlernt hat und nun umsatteln möchte.
Im Handwerk kommt es allerdings auf weitaus mehr an. So sollten Interessierte die folgenden Punkte selbstkritisch hinterfragen:
- handwerkliches Geschick
- technisches Verständnis
- körperliche Belastbarkeit
- Interesse am Handwerk
Wer diese Kriterien erfüllt, kann im Handwerk seine Erfüllung finden und nach einer entsprechenden Umschulung beruflich neu durchstarten. Gerade Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können, finden im Handwerk oft eine tragfähige Alternative. Auch für Quereinsteiger aus dem Büro, die eine praktische und sichtbare Tätigkeit suchen, ist ein Handwerksberuf attraktiv.
So finden Sie den passenden Umschulungsanbieter
Menschen, die einen anderen Beruf gelernt haben und nun einen Handwerksberuf ergreifen möchten, können sich auf unterschiedliche Art und Weise umschulen lassen.
Grundsätzlich gibt es hier die folgenden Optionen:
- Außerbetriebliche Umschulung – Lehrgang bei einem speziellen Bildungsanbieter
- Betriebliche Umschulung – Umschulung direkt in einem Handwerksbetrieb
Auf der Suche nach dem richtigen Anbieter sollten angehende UmschĂĽler/innen daher gleichermaĂźen an Bildungseinrichtungen und Betriebe denken. Die Agentur fĂĽr Arbeit kann im Zuge der Recherche behilflich sein und oftmals den Kontakt herstellen.
Bei der Auswahl kommt es vor allem auf die AZAV-Zulassung an, denn nur bei zugelassenen Trägern kann ein Bildungsgutschein eingelöst werden. Eine bundesweite Übersicht bietet die Datenbank KURSNET der Bundesagentur für Arbeit. Dort lassen sich AZAV-zugelassene Anbieter nach Beruf und Wohnort filtern.
Nach der Umschulung stehen viele Wege offen
Der erfolgreiche Abschluss einer handwerklichen Umschulung fĂĽhrt zum ersehnten Gesellenbrief der Handwerkskammer und sorgt fĂĽr gute Berufsaussichten.
Langfristig sollten versierte Handwerker/innen aber auch an Weiterbildungen teilnehmen, um auf dem Laufenden zu bleiben und ihre Qualifizierung auszubauen. Einzelne Seminare sind dazu zwar gut geeignet, aber eine der folgenden Fortbildungen sorgt für einen höheren beruflichen Abschluss:
- Meister/in
- Techniker/in
- Technische/r Fachwirt/in
- Fachmann/-frau für kaufmännische Betriebsführung HwO
Der Meistertitel ist dabei für viele das erklärte Ziel, denn er berechtigt zur Führung eines eigenen Betriebs und zur Ausbildung von Lehrlingen. Die Meisterprüfung lässt sich über das Aufstiegs-BAföG fördern. Einen Überblick über passende Aufstiegsfortbildungen bietet unsere Seite zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Die zunehmende Akademisierung geht auch am Handwerk nicht spurlos vorbei und kann Anlass dazu geben, anstelle einer Weiterbildung ein Studium zu absolvieren.
Indem Handwerker/innen ein berufsbegleitendes Studium aufnehmen, können sie parallel dem Beruf nachgehen und so die handwerkliche Praxis mit der wissenschaftlichen Theorie verbinden.
Die folgenden Studienformen sind dazu bestens geeignet:
- Abendstudium
- Fernstudium
- Teilzeitstudium
Förderung durch die Agentur für Arbeit
Wer arbeitslos ist oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann eine Umschulung im Handwerk in vielen Fällen über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter fördern lassen. Zentrales Instrument ist der Bildungsgutschein, der die Lehrgangs- und Prüfungskosten abdeckt. Über die Bewilligung entscheidet die zuständige Vermittlungsfachkraft im Rahmen eines Beratungsgesprächs.
Ob eine Förderung bewilligt wird, hängt vor allem davon ab, ob die Umschulung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Angesichts des Fachkräftemangels im Handwerk stehen die Chancen dafür gut. Neben dem Bildungsgutschein können weitere Leistungen hinzukommen:
- Ăśbernahme von Fahrtkosten zur Bildungseinrichtung
- ZuschĂĽsse zu Kinderbetreuungskosten
- Sicherung des Lebensunterhalts durch Arbeitslosengeld oder BĂĽrgergeld
So läuft die Gesellenprüfung ab
Die Umschulung endet mit der Gesellenprüfung vor der zuständigen Handwerkskammer. Diese Prüfung ist inhaltlich identisch mit der Abschlussprüfung der regulären Ausbildung, sodass Umschüler/innen einen vollwertigen Berufsabschluss erhalten. Die Prüfung gliedert sich in der Regel in einen praktischen und einen theoretischen Teil.
Im praktischen Teil fertigen die Prüflinge ein Werkstück an oder führen typische Arbeitsproben ihres Gewerks durch. Der theoretische Teil deckt Fachwissen, Technische Mathematik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde ab. Wer die Prüfung besteht, erhält den Gesellenbrief und darf die Berufsbezeichnung offiziell führen.
Vor der Zulassung zur Prüfung muss die Umschulung nachgewiesen werden. Bei einer betrieblichen Umschulung sind zudem regelmäßig Berichtshefte oder Ausbildungsnachweise zu führen. Sollte die Prüfung nicht auf Anhieb gelingen, besteht die Möglichkeit einer Wiederholung, sodass niemand aufgrund eines einzelnen Prüfungstages den Abschluss verpasst.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt im Handwerk
Die Arbeitsmarktlage im Handwerk ist für gut ausgebildete Fachkräfte günstig. In zahlreichen Gewerken übersteigt die Nachfrage nach Personal das Angebot deutlich, was sich in offenen Stellen und langen Auftragslisten der Betriebe zeigt. Besonders in den Bereichen Bau, Ausbau, Sanitär-Heizung-Klima und Elektro werden händeringend Fachkräfte gesucht.
Für Absolventinnen und Absolventen einer Umschulung bedeutet das gute Übernahmechancen. Wer eine betriebliche Umschulung absolviert hat, wird häufig direkt vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Auch die Aussicht auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag ist im Handwerk vergleichsweise hoch.
Langfristig bietet das Handwerk stabile Perspektiven, denn viele Tätigkeiten lassen sich nicht ohne Weiteres automatisieren oder ins Ausland verlagern. Handwerkliche Dienstleistungen werden vor Ort erbracht und bleiben damit gefragt. Wer den Meistertitel anstrebt, kann sich zudem mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen und von der guten Auftragslage profitieren.






