Umschulung Florist - Quereinstieg über das Arbeitsamt
Die Umschulung zur Floristin beziehungsweise zum Floristen kommt Blumenfreunden entgegen, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen. Sie basiert auf der bundesweit anerkannten dreijährigen Ausbildung nach der Verordnung über die Berufsausbildung zum Floristen (FloristAusbV) und führt zum vollwertigen Berufsabschluss. Für erwachsene Umschüler dauert die Maßnahme in der Regel zwei Jahre. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter kann die Kosten über einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III komplett übernehmen. Wer ein Faible für Blumen und einen guten Blick für Ästhetik hat, findet in der Floristik einen kreativen Beruf mit handwerklichem und kaufmännischem Anteil.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Dauer: als Umschulung meist 2 Jahre (Regelausbildung 36 Monate), Verkürzung bei Vorbildung möglich
- Kosten: mehrere Tausend Euro Lehrgangsgebühren - bei Förderung trägt sie die Agentur für Arbeit
- Förderung: Bildungsgutschein nach § 81 SGB III über AZAV-zugelassene Träger, dazu Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld zum Leben
- Voraussetzungen: kein bestimmter Schulabschluss zwingend - wichtig sind Kreativität, ästhetisches Empfinden, handwerkliches Geschick und körperliche Eignung
- Verdienst: je nach Region und Erfahrung rund 1.900 bis 2.600 Euro brutto im Monat, mit Meisterbrief mehr
Vor einem Beratungsgespräch beim Arbeitsamt lohnt es sich, selbst zu recherchieren und sich ein eigenes Bild vom Beruf und den Fördermöglichkeiten zu machen. Dieser Ratgeber fasst die wichtigsten Fakten zur Floristik-Umschulung zusammen: von Ablauf und Kosten über die Voraussetzungen bis zu Berufsalltag und Arbeitsmarkt.
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Inhaltsverzeichnis
- Berufsbild, Karrierechancen und Verdienst als Florist/in
- Die Umschulung zum Floristen im Überblick
- Kosten und Förderung durch das Arbeitsamt
- Voraussetzungen und persönliche Eignung
- Dauer und mögliche Verkürzung
- Betriebliche und außerbetriebliche Umschulung
- Ablauf von der Anmeldung bis zur Prüfung
- Der Berufsalltag als Florist/in
- Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
- Weiterbildung und Aufstieg
- Alternativen zur Floristik-Umschulung
- Häufige Fragen zur Umschulung Florist

Berufsbild, Karrierechancen und Verdienst als Florist/in
Als Florist/in gestalten und verkaufen Sie Blumen- und Pflanzenschmuck. Sie binden Sträuße und Kränze, arrangieren Gestecke für Hochzeiten und Trauerfeiern, dekorieren Schaufenster und beraten Kundinnen und Kunden. Dazu kommt die Pflege der Pflanzen und die Organisation im Laden - vom Wareneinkauf über die Kalkulation bis zur Kasse. Der Beruf verbindet damit kreativ-gestalterische, handwerkliche und kaufmännische Aufgaben.
Florist/innen finden Beschäftigung vor allem in folgenden Bereichen:
- Blumenfachgeschäfte
- Gartencenter und Baumärkte
- Gärtnereien und Friedhofsgärtnereien
- Pflanzengroßhandel
- Eventausstattung und Hochzeitsdekoration
Je nach Erfahrung und Qualifikation variieren Aufgaben und Einkommen. Das Einstiegsgehalt liegt häufig bei rund 1.900 bis 2.200 Euro brutto im Monat, mit Berufserfahrung sind etwa 2.300 bis 2.600 Euro üblich. Wer den Floristmeister erwirbt oder ein eigenes Geschäft führt, kann deutlich mehr verdienen. Regionale Unterschiede und die Betriebsgröße spielen eine große Rolle. Wer sich breiter im grünen Bereich orientieren möchte, findet auf der Übersicht zur Umschulung über das Arbeitsamt viele verwandte Berufe.
Die Umschulung zum Floristen im Überblick
Eine Umschulung zur Floristin unterscheidet sich von der klassischen dualen Ausbildung. Während die reguläre Ausbildung vor allem Jugendliche nach der Schule anspricht, richtet sich die Umschulung an Erwachsene mit bereits vorhandener Berufserfahrung, die sich neu orientieren. Grundlage ist in beiden Fällen die FloristAusbV, die bundesweit einheitliche Standards und den gleichen Abschluss gewährleistet.
Das Besondere liegt in der Kombination aus kreativ-gestalterischen und kaufmännischen Elementen. Umschüler erlernen die Gestaltung von Blumenschmuck ebenso wie Betriebswirtschaft, Kundenberatung und Warenkunde. Zu den zentralen Ausbildungsinhalten gehören:
- Botanik und Pflanzenkunde
- Gestaltungs- und Stilkunde, Farbenlehre
- Binde- und Stecktechniken für Sträuße, Kränze und Gestecke
- Tisch- und Trauerfloristik
- Warenkunde, Pflege und Haltbarmachung von Schnittblumen
- Betriebswirtschaft, Kalkulation und Verkauf
- Kundenberatung und Kommunikation
Damit sind Absolventinnen und Absolventen für die ganze Bandbreite der Floristik gerüstet. Der Abschluss ist bundesweit anerkannt und öffnet den Weg zu weiteren Fortbildungen bis hin zum Meisterbrief.
Kosten und Förderung durch das Arbeitsamt
Private Anbieter erheben für eine Floristik-Umschulung Lehrgangsgebühren von mehreren Tausend Euro. Dazu kommt der Lebensunterhalt während der oft zweijährigen Maßnahme. Für Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen ist das allein kaum zu stemmen - deshalb ist die Förderung durch die Agentur für Arbeit der wichtigste Weg.
Nach § 81 SGB III fördert die Agentur für Arbeit die berufliche Weiterbildung, wenn diese die Eingliederung in den Arbeitsmarkt verbessert. Das zentrale Instrument ist der Bildungsgutschein. Damit übernimmt die Agentur für Arbeit die Lehrgangs- und Prüfungskosten sowie gegebenenfalls Fahrt- und Kinderbetreuungskosten. Während der Umschulung wird der Lebensunterhalt in der Regel über Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld gesichert; bei Bürgergeld-Bezug ist das Jobcenter zuständig.
Wichtig: Der Bildungsgutschein gilt nur für Maßnahmen und Träger, die nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sind. Geeignete, zertifizierte Anbieter lassen sich über das Portal KURSNET der Bundesagentur für Arbeit finden. Einen Rechtsanspruch auf Förderung gibt es nicht - die Entscheidung trifft die zuständige Agentur für Arbeit im Einzelfall nach einem Beratungsgespräch.
Voraussetzungen und persönliche Eignung
Die Zugangsvoraussetzungen orientieren sich weniger an formalen Bildungsabschlüssen als an persönlicher Eignung und beruflicher Situation. Ein bestimmter Schulabschluss ist rechtlich nicht zwingend erforderlich. Antragsteller müssen jedoch einen Umschulungsbedarf nachweisen, der aus gesundheitlichen, arbeitsmarktlichen oder persönlichen Gründen entstanden ist. Die Agentur für Arbeit prüft, ob die Maßnahme die Eingliederungschancen tatsächlich verbessert.
Da die Umschulung keine besonderen Vorkenntnisse verlangt, könnte der Eindruck entstehen, jeder könne diesen Berufswechsel vollziehen. Das ist nicht ganz richtig, denn eine persönliche Eignung für die Floristik ist wichtig. Als besonders geeignet gelten Menschen mit diesen Eigenschaften:
- gutes räumliches Vorstellungsvermögen und Kreativität
- ausgeprägtes ästhetisches Empfinden und Freude an Farben und Formen
- handwerkliches Geschick und Fingerfertigkeit
- Kommunikationsstärke und Freude am Kundenkontakt
- Offenheit und Anpassungsfähigkeit
Körperliche Voraussetzungen spielen ebenfalls eine Rolle, da der Beruf längeres Stehen, das Heben von Wasserbehältern und Arbeiten bei Kälte im Kühlraum oder im Freien mit sich bringt. Allergien gegen bestimmte Pflanzen oder Konservierungsstoffe können problematisch sein - eine arbeitsmedizinische Untersuchung klärt die Eignung. Ausreichende Deutschkenntnisse werden für Berufsschule und Kundenberatung vorausgesetzt. Die persönliche Eignung wird häufig im Beratungsgespräch ermittelt, manche Träger führen zusätzlich kleine praktische Eignungsaufgaben durch.
Dauer und mögliche Verkürzung
Die Floristik-Ausbildung folgt der bundesweiten Ausbildungsordnung mit einer Regeldauer von 36 Monaten. Diese Zeitspanne gewährleistet eine gründliche Ausbildung in allen Bereichen - von Botanik über Gestaltungslehre bis zur Betriebswirtschaft. Als Umschulung für Erwachsene wird die Maßnahme jedoch häufig auf zwei Jahre komprimiert, weil vorhandene Berufs- und Lebenserfahrung angerechnet wird und der Unterricht intensiver strukturiert ist.
Eine weitere Verkürzung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Wer bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringt oder über relevante Vorerfahrungen verfügt, kann die Laufzeit reduzieren. Auch überdurchschnittliche Leistungen während der Umschulung können zu einer vorzeitigen Zulassung zur Abschlussprüfung führen. Die konkrete Verkürzung wird individuell mit der zuständigen Kammer abgestimmt.
Bei außerbetrieblichen Umschulungen werden die Ausbildungsmonate oft anders strukturiert: Intensive Theoriephasen wechseln mit längeren Praxisblöcken ab. So lässt sich die Umschulung an die Bedürfnisse erwachsener Lernender anpassen.
Betriebliche und außerbetriebliche Umschulung
Arbeitssuchende, die sich zum Floristen umschulen lassen wollen, können grundsätzlich zwischen zwei Wegen wählen. Beide führen zum gleichen anerkannten Abschluss und unterliegen denselben Prüfungsanforderungen.
Die betriebliche Umschulung folgt dem klassischen dualen System. Umschüler arbeiten in einem Blumenfachgeschäft, einer Gärtnerei oder einem anderen Floristikbetrieb und besuchen parallel die Berufsschule. Der Vorteil liegt in der direkten praktischen Erfahrung und im unmittelbaren Kontakt zu Kunden und Arbeitsabläufen. Viele Betriebe übernehmen ihre Umschüler nach erfolgreichem Abschluss.
Die außerbetriebliche Umschulung wird von zugelassenen Bildungsträgern durchgeführt. Diese verfügen über speziell ausgestattete Floristikwerkstätten und organisieren Praxisphasen in kooperierenden Betrieben. Der Unterricht ist oft intensiver strukturiert und auf erwachsene Lernende ausgerichtet. Diese Variante ist bei Umschulungen die Regel, besonders bei schwierigen regionalen Arbeitsmarktbedingungen. Wer bereits Kontakt zu einem aufnahmebereiten Betrieb hat, profitiert dagegen häufig von der betrieblichen Variante. Ähnliche Strukturen aus zwei Wegen zum gleichen Abschluss zeigt auch die Umschulung zum Bestatter.
Ablauf von der Anmeldung bis zur Prüfung
Der erste Schritt führt über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. In einem ausführlichen Beratungsgespräch wird der individuelle Förderbedarf ermittelt und geprüft, ob die Floristik-Umschulung zu den beruflichen Zielen passt. Alternative Qualifizierungen werden besprochen und die persönliche Eignung bewertet. Die Beratung ist kostenlos und unverbindlich.
Nach positiver Prüfung erhalten Antragsteller einen Bildungsgutschein, der die Rahmenbedingungen der Förderung festlegt. Mit diesem Gutschein bewerben sie sich bei zugelassenen Bildungsträgern oder Ausbildungsbetrieben. Die Auswahl sollte sorgfältig erfolgen, da Qualität und Ausstattung der Lehrräume großen Einfluss auf den Lernerfolg haben. Viele Anbieter ermöglichen Schnuppertage oder Informationsveranstaltungen.
Während der Umschulung wechseln sich theoretische und praktische Phasen ab. Der Unterricht vermittelt botanische Grundlagen, Gestaltungslehre und Betriebswirtschaft, in der Praxis erlernen Umschüler das Arrangement von Schnittblumen, die Herstellung von Kränzen und die Kundenberatung. Zwischenprüfungen kontrollieren den Lernfortschritt. Die Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer gliedert sich in einen schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil. Bei erfolgreichem Bestehen erhalten Absolventen das Zeugnis als Florist/in.
Der Berufsalltag als Florist/in
Der Arbeitstag beginnt oft früh, denn frische Ware muss angenommen, angeschnitten und ins Wasser gestellt werden. Danach folgen das Auffüllen der Verkaufsfläche, das Binden von Sträußen und Gestecken sowie die Beratung der Laufkundschaft. Zu bestimmten Anlässen - Muttertag, Valentinstag, Advent, Hochzeits- und Trauertermine - steigt der Arbeitsdruck spürbar, und Überstunden sind dann keine Seltenheit.
Floristik ist Handarbeit: Viel wird im Stehen erledigt, oft in kühlen Räumen, damit die Blumen frisch bleiben. Der Umgang mit Wasser, Erde, Messern und Draht gehört zum Alltag, ebenso die Pflege des Warenbestands, um Ausschuss gering zu halten. Neben der Kreativität sind daher Sorgfalt, Ausdauer und ein wirtschaftliches Gespür gefragt. Wer gern gestaltet und den direkten Kontakt zu Menschen schätzt, erlebt einen abwechslungsreichen Beruf, in dem kein Strauß dem anderen gleicht.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Die Floristik steht im Wettbewerb mit Supermärkten, Discountern und Online-Versendern, die ebenfalls Schnittblumen anbieten. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach individueller Beratung, hochwertigen Gestecken und Anlassfloristik stabil - genau hier punktet das qualifizierte Fachgeschäft gegenüber der Massenware. Gut ausgebildete Fachkräfte werden gesucht, weil viele Betriebe Nachwuchssorgen haben.
Die Beschäftigung erfolgt überwiegend in kleinen und mittleren Betrieben, saisonale Schwankungen sind typisch. Wer flexibel ist, sich weiterbildet und Spezialgebiete wie Hochzeits- oder Trauerfloristik oder floristische Raum- und Eventgestaltung besetzt, verbessert seine Chancen deutlich. Auch die Selbstständigkeit mit einem eigenen Blumengeschäft oder einem mobilen Floristik-Service ist ein realistischer Weg. Eine solide Ausbildung und betriebswirtschaftliches Wissen sind dafür die Grundlage.
Weiterbildung und Aufstieg
Unabhängig davon, ob eine duale Ausbildung oder eine Umschulung absolviert wurde, sollten Floristen das lebenslange Lernen ernst nehmen und regelmäßig Seminare zu neuen Trends und Techniken besuchen. Darüber hinaus öffnen anerkannte Fortbildungen den Weg zu höheren Positionen und besserem Verdienst:
- Floristmeister/in - Führung eines eigenen Betriebs und Ausbildung von Nachwuchs
- Techniker/in Fachrichtung Gartenbau
- Wirtschafter/in Floristik
- Handelsfachwirt/in für den kaufmännischen Aufstieg
In Zeiten zunehmender Akademisierung kann sich auch ein Studium lohnen. Ein Fernstudium oder berufsbegleitendes Studium ermöglicht eine Spezialisierung in Bereichen wie Garten- und Landschaftsbau, Biologie, Landschaftsökologie oder Handelsbetriebswirtschaft. Wer die eigene Qualifizierung breiter denken möchte, findet in der geförderten Weiterbildung über das Arbeitsamt weitere Möglichkeiten.
Alternativen zur Floristik-Umschulung
Wer sich mit der Floristik nicht ganz sicher ist, sollte auch verwandte Berufe in Betracht ziehen. Ähnliche Tätigkeitsfelder mit gestalterischem, grünem oder verkäuferischem Schwerpunkt sind zum Beispiel:
- Umschulung zum Gärtner / Landschaftsgärtner
- Umschulung zum Verkäufer
- Umschulung zum Landwirt
- Umschulung zum Modedesigner
Die Agentur für Arbeit berät gerne sowohl zur Floristik-Umschulung als auch zu Alternativen und hilft, den passenden Weg zu finden.
Häufige Fragen zur Umschulung Florist
Was kostet die Umschulung zum Floristen?
Wie lange dauert die Umschulung zur Floristin?
Welche Voraussetzungen brauche ich für die Umschulung?
Zahlt das Arbeitsamt die Umschulung zum Floristen?
Was verdient man als Florist/in?
Kann ich mich auf bestimmte Bereiche der Floristik spezialisieren?
Lässt sich die Umschulung zum Floristen auch in Teilzeit absolvieren?
Ist die Floristik-Umschulung auch für Quereinsteiger ohne Vorkenntnisse geeignet?
Hilft mir das Arbeitsamt auch dabei, nach der Umschulung eine Stelle zu finden?
Bei einem Berufswechsel sind viele Dinge zu bedenken. Wer sich für einen Neustart in der Floristik interessiert, sollte nicht nur ein Faible für Pflanzen mitbringen, sondern auch die Rahmenbedingungen der Qualifizierung prüfen - allen voran die Finanzierung.
Klären Sie frühzeitig mit der Agentur für Arbeit, ob ein Bildungsgutschein für Sie in Frage kommt. Als angehende/r Florist/in können Sie damit die Lehrgangskosten und Hilfen zum Lebensunterhalt erhalten. So wird der Berufswechsel nicht zu einer Frage des Geldes.