Umschulung oder Ausbildung
Ausbildung oder Umschulung? Die kurze Antwort: Wer direkt nach der Schule einen ersten Beruf erlernt, macht eine Ausbildung. Wer bereits einen Berufsabschluss oder Berufserfahrung hat und noch einmal neu qualifiziert, wählt die Umschulung. Beide Wege führen zu einem anerkannten Berufsabschluss vor der zuständigen Kammer, unterscheiden sich aber in Zielgruppe, Dauer und Finanzierung.
Das Wichtigste in KĂĽrze
- Die Ausbildung ist der berufliche Ersteinstieg nach der Schule und dauert in der Regel 2 bis 3,5 Jahre.
- Die Umschulung richtet sich an Erwachsene mit Berufserfahrung, die den Beruf wechseln, und ist meist auf zwei Drittel der Ausbildungszeit verkĂĽrzt.
- Beide Wege enden mit einer AbschlussprĂĽfung vor der IHK oder Handwerkskammer und einem staatlich anerkannten Abschluss.
- Eine geförderte Umschulung kann die Agentur für Arbeit über einen Bildungsgutschein finanzieren, während Auszubildende eine Ausbildungsvergütung vom Betrieb erhalten.
- Wichtig für die Entscheidung sind bisherige Qualifikation, Lebenssituation und die Frage, ob eine Förderung infrage kommt.
All diejenigen, die einen Beruf von der Pike auf erlernen möchten, haben die Wahl zwischen einer Ausbildung oder einer Umschulung.
Aufgrund der unterschiedlichen Konzepte und Zielgruppen liegt es aber in der Regel auf der Hand, ob man eine Ausbildung oder Umschulung in Angriff nimmt. Zunächst kann dies aber verwirrend wirken, weshalb Interessierte gut daran tun, eingehend zu recherchieren. Darüber hinaus können sie sich beim Arbeitsamt beraten lassen und hier schon einmal einen Überblick verschaffen. Eine gute Anlaufstelle für den Gesamtüberblick ist der Themenbereich Umschulung über das Arbeitsamt.
Das macht eine Ausbildung aus
Wenn von einer Ausbildung die Rede ist, ist typischerweise eine Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz gemeint. Dabei kann es sich um eine schulische oder duale Ausbildung handeln. Junge Erwachsene erhalten im Zuge dessen die Gelegenheit, direkt im Anschluss an die Schule einen Beruf von der Pike auf zu erlernen. Der offizielle Abschluss erlaubt es ihnen dann, die betreffende Berufsbezeichnung zu tragen. Nach 2 bis 3,5 Jahren haben sie den Abschluss in der Tasche und können beruflich durchstarten.
Darum handelt es sich bei einer Umschulung
Im Gegensatz zu einer klassischen Ausbildung richtet sich eine Umschulung nicht an Schulabgänger/innen, sondern an Berufswechsler/innen. Erwachsene, die eigentlich bereits einen Beruf haben, sich nun aber in der Phase einer Umorientierung befinden, können eine Umschulung als Zweitausbildung nutzen. So können sie einen weiteren Berufsabschluss erlangen und dadurch neue berufliche Perspektiven erhalten. Welche Wege sich je nach Lebensphase eignen, zeigen die Ratgeber zur Umschulung mit 40 und zur Umschulung mit 50.
Die Gemeinsamkeiten von Umschulungen und Ausbildungen
Umschulungen und Ausbildungen eint der Umstand, dass sie der beruflichen Qualifizierung dienen. Zu diesem Zweck führen sie zu einem offiziellen Berufsabschluss, der wiederum die Basis für den weiteren Werdegang schafft. In beiden Fällen geht es somit darum, einen neuen Beruf von der Pike auf zu erlernen. Die Inhalte stimmen daher überein, sofern es um ein und denselben Beruf geht. Auch die Abschlussprüfung ist identisch: Umschüler und Auszubildende legen dieselbe Prüfung vor der zuständigen Kammer ab und erhalten denselben anerkannten Abschluss.
Obwohl sowohl Umschulungen als auch Ausbildungen zum Berufsabschluss fĂĽhren, handelt es sich um zwei sehr unterschiedliche Dinge.
Das zeigt sich schon daran, dass Ausbildungen für junge Erwachsene nach der Schule gedacht sind, während Umschulungen auf Erwachsene mit Berufserfahrung zugeschnitten sind. Im Falle einer Umschulung ist somit der Berufswechsel das Ziel, während es bei einer Ausbildung um den beruflichen Einstieg geht.
Die Unterschiede zwischen Ausbildung und Umschulung
Der wichtigste Unterschied liegt in der Zielgruppe und im Lebensabschnitt. Eine Ausbildung bereitet junge Menschen ohne vorherige Berufserfahrung auf ihren ersten Beruf vor und dauert je nach Beruf zwei bis dreieinhalb Jahre. Eine Umschulung dagegen baut auf bereits vorhandener Berufs- und Lebenserfahrung auf und ist deshalb häufig auf zwei Jahre verkürzt, oft auf zwei Drittel der regulären Ausbildungszeit.
Auch die Finanzierung unterscheidet sich deutlich. Auszubildende schließen einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb und erhalten eine monatliche Ausbildungsvergütung. Bei einer Umschulung gibt es diese Vergütung in der Regel nicht. Stattdessen kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Kosten übernehmen und den Lebensunterhalt über das Arbeitslosengeld absichern, wenn die Voraussetzungen für eine Förderung erfüllt sind. Mehr zur Finanzierung und den nötigen Nachweisen bietet der Bereich Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Diese Formen der beruflichen Qualifizierung gibt es
Umschulungen und Ausbildungen dienen stets der beruflichen Qualifizierung und sorgen gewissermaĂźen fĂĽr eine Basis in dem betreffenden Beruf.
Wenn es um Maßnahmen zur beruflichen Qualifizierung geht, gibt es aber noch deutlich mehr Optionen. Nachfolgend gibt es daher eine Übersicht über gängige Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung:
- duale Berufsausbildung
- schulische Berufsausbildung
- betriebliche Umschulung
- auĂźerbetriebliche Umschulung
- Seminar
- Fortbildung
Checkliste fĂĽr den Beratungstermin beim Arbeitsamt
Unabhängig davon, ob es um eine Ausbildung oder Umschulung geht, sollte die Berufswahl nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wenn es darum geht, die Weichen für die berufliche Zukunft zu stellen, sollte man sorgsam recherchieren. Zudem bietet es sich an, sich vom Arbeitsamt auf diesem Gebiet beraten zu lassen. Daher sollte man einen Beratungstermin vereinbaren.
Damit dieser zu der gewĂĽnschten Erkenntnis fĂĽhrt, bedarf es der richtigen Herangehensweise. Die folgende Checkliste zeigt, welche Dinge man am besten mitbringen sollte:
- Zeugnisse
- aktueller Lebenslauf
- aktuelles Bewerbungsanschreiben
Tipps fĂĽr alle, die einen neuen Beruf erlernen
Wer sich als junger Mensch oder auch Erwachsener darauf einlässt, einen neuen Beruf zu lernen, setzt auf die Perspektiven, die sich aus der Qualifikation ergeben.
Das Ganze kann ein groĂźes Abenteuer sein, geht aber auch mit Herausforderungen einher. Aus diesem Grund kann es sich lohnen, die folgenden Tipps zu beherzigen:
- Nehmen Sie die Ausbildungsinhalte von Anfang an ernst!
- Lernen Sie kontinuierlich und stellen Sie gegebenenfalls Fragen!
- Bilden Sie Lerngruppen!
- Ăśberfordern Sie sich nicht selbst und lassen Sie sich Zeit zum Lernen!
- Befassen Sie sich frĂĽhzeitig mit den PrĂĽfungsanforderungen und konzentrieren Sie sich auf die relevanten Inhalte!
Finanzierung im Vergleich: VergĂĽtung oder Bildungsgutschein
Ein zentraler Punkt bei der Entscheidung zwischen Ausbildung und Umschulung ist die Frage, wovon man während der Qualifizierung lebt. Beide Wege sind hier grundverschieden aufgebaut.
Bei einer dualen Ausbildung zahlt der Ausbildungsbetrieb eine tariflich oder gesetzlich geregelte Ausbildungsvergütung, die mit jedem Lehrjahr steigt. Wer eine schulische Ausbildung absolviert und ohne Vergütung dasteht, kann unter Umständen Berufsausbildungsbeihilfe oder BAföG beantragen. Der finanzielle Rahmen ist also überschaubar, aber planbar.
Bei einer geförderten Umschulung ĂĽbernimmt in vielen Fällen die Agentur fĂĽr Arbeit oder das Jobcenter die Lehrgangs- und PrĂĽfungskosten ĂĽber einen Bildungsgutschein. Voraussetzung ist, dass die Umschulung arbeitsmarktlich sinnvoll ist und der Bildungsträger sowie die MaĂźnahme nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sind. Passende Angebote lassen sich ĂĽber KURSNET der Bundesagentur fĂĽr Arbeit finden. Der Lebensunterhalt wird während einer geförderten Umschulung häufig ĂĽber das Arbeitslosengeld abgesichert. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht allerdings nicht – ĂĽber die Bewilligung entscheidet die Agentur fĂĽr Arbeit im Einzelfall.
So treffen Sie die richtige Entscheidung
Ob Ausbildung oder Umschulung besser passt, hängt vor allem von der eigenen Ausgangslage ab. Wer die Schule gerade abgeschlossen hat und noch keinen Berufsabschluss besitzt, für den ist die klassische Ausbildung in aller Regel der richtige Weg. Sie ist auf Berufseinsteiger zugeschnitten und legt das Fundament für das gesamte Berufsleben.
Wer dagegen bereits einen Beruf erlernt hat, aus gesundheitlichen GrĂĽnden nicht mehr im alten Job arbeiten kann oder sich beruflich neu orientieren möchte, ist mit einer Umschulung meist besser beraten. Sie ist kĂĽrzer, berĂĽcksichtigt vorhandene Erfahrung und lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen ĂĽber die Agentur fĂĽr Arbeit fördern. Auch das Alter spielt eine Rolle bei der Planung – Orientierung bieten die Ratgeber zur Umschulung mit 30 und zur Umschulung mit 60. In Zweifelsfällen lohnt sich ein Beratungstermin bei der Berufsberatung oder der Arbeitsvermittlung, um die persönliche Situation, mögliche Förderungen und den Arbeitsmarkt gemeinsam durchzugehen.
Dauer und Ablauf im direkten Vergleich
Wie lange die Qualifizierung dauert, ist für die Planung des Alltags und der Finanzen entscheidend. Eine duale Ausbildung erstreckt sich je nach Beruf über zwei bis dreieinhalb Jahre und wechselt zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule. Der Berufsschulunterricht findet an festen Tagen oder in Blöcken statt, während der Rest der Woche im Betrieb verbracht wird.
Eine Umschulung ist häufig kürzer. Weil die Teilnehmenden bereits Berufs- und Lebenserfahrung mitbringen, wird die reguläre Ausbildungszeit oft auf zwei Drittel verkürzt, sodass viele Umschulungen rund zwei Jahre dauern. Eine betriebliche Umschulung läuft ähnlich wie eine duale Ausbildung im Unternehmen ab, während eine außerbetriebliche Umschulung überwiegend bei einem Bildungsträger stattfindet und Praktika oder Praxisphasen in Betrieben ergänzt. In beiden Fällen steht am Ende die Abschlussprüfung vor der Kammer.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Sowohl Ausbildung als auch Umschulung eröffnen den Zugang zu einem anerkannten Beruf und damit zu einem stabileren Platz am Arbeitsmarkt. Für die Berufswahl lohnt es sich, gefragte Branchen im Blick zu behalten. In Bereichen wie Pflege und Gesundheit, Handwerk, Logistik sowie in kaufmännischen und IT-nahen Berufen ist der Bedarf an qualifizierten Fachkräften vielerorts hoch.
Wer eine Umschulung anstrebt, sollte gemeinsam mit der Arbeitsvermittlung prüfen, welche Berufe regional nachgefragt werden, denn die Förderung ist an eine realistische Vermittlungschance geknüpft. Auch bei der Ausbildung ist es sinnvoll, die Aussichten des Zielberufs einzuschätzen, statt sich allein am Interesse zu orientieren. Eine gute Kombination aus persönlicher Neigung und Arbeitsmarktbedarf erhöht die Chance auf eine dauerhafte Beschäftigung nach dem Abschluss.
