Cyber Security Umschulung: Wege, Kosten, Förderung

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Ein eigenständiger Ausbildungsberuf „Cyber Security" existiert nicht - der Einstieg führt entweder über eine vollständige IT-Ausbildung/Umschulung (etwa Fachinformatiker) oder über Zertifikatskurse für bereits vorhandene IT-Kenntnisse.
- Für Quereinsteiger ohne IT-Vorkenntnisse ist die Umschulung zum Fachinformatiker oder IT-Sicherheitstechniker der tragfähigere Weg, nicht ein isolierter Zertifikatskurs.
- Zertifikate wie CompTIA Security+, eine ISO-27001-Grundlagenschulung oder der BSI-IT-Grundschutz-Praktiker bauen auf vorhandenem IT-Wissen auf und ersetzen keine Berufsausbildung.
- Eine Umschulung lässt sich über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern, Beschäftigte können Weiterbildung über das Qualifizierungschancengesetz (§ 82 SGB III) bezuschussen lassen.
- Laut Entgeltatlas verdienen Fachinformatiker/innen Systemintegration im Median rund 5.189 Euro brutto im Monat; IT-Sicherheitskompetenz bleibt gefragt.
Cyber Security Umschulung und Weiterbildung Cyber Security sind keine geschützten Begriffe für einen einzelnen Berufsabschluss, sondern ein Themenfeld mit mehreren Zugangswegen: von der vollständigen Berufsausbildung über spezialisierte IT-Weiterbildungen bis zu einzelnen Zertifikatskursen. Welcher Weg für Sie passt, hängt vor allem davon ab, ob Sie bereits eine IT-Grundausbildung mitbringen oder komplett neu einsteigen.
Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Berufsbilder in der IT-Sicherheit ein, vergleicht realistische Einstiegswege für Quereinsteiger, erklärt Voraussetzungen, Dauer und Kosten der gängigen Zertifikate und zeigt, wie Sie eine Umschulung oder Weiterbildung über die Agentur für Arbeit fördern lassen - als Arbeitsuchende wie als Beschäftigte. Grundlage sind die Berufsbeschreibungen der Bundesagentur für Arbeit, die §§ 81 und 82 SGB III sowie Angaben der Zertifizierungsanbieter und des BSI, Stand Oktober 2026.
Was Cyber Security Umschulung und Weiterbildung bedeuten
Wenn Menschen nach „Cyber Security Umschulung" suchen, meinen sie meist nicht einen einzigen Ausbildungsberuf, sondern den beruflichen Einstieg in ein Querschnittsthema: den Schutz von IT-Systemen, Netzwerken und Daten vor Angriffen, Ausfällen und Missbrauch. Dieses Themenfeld taucht in mehreren offiziellen Berufsbezeichnungen auf - etwa als Zusatzqualifikation innerhalb der Fachinformatiker-Ausbildung, als eigene Weiterbildung „Berufsspezialist/in - Informationssicherheit" oder als Spezialisierung „IT-Sicherheitstechniker/in". Wer sich orientieren will, sollte deshalb zuerst klären: Bringe ich schon eine IT-Ausbildung oder vergleichbare Berufserfahrung mit, oder steige ich komplett neu ein?
Für echte Neueinsteiger ohne IT-Hintergrund ist eine vollständige IT-Umschulung in aller Regel der tragfähigere Weg als ein isolierter Zertifikatskurs, weil IT-Sicherheit auf grundlegendem Systemverständnis - Netzwerke, Betriebssysteme, Programmierung - aufbaut. Zertifikatskurse entfalten ihren Wert vor allem dann, wenn diese Grundlagen schon vorhanden sind.
Berufsbilder in der IT-Sicherheit im Überblick
Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Berufsbilder und Weiterbildungen laut BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit ein:
| Berufsbild | Einordnung | Typische Aufgaben |
|---|---|---|
| Fachinformatiker/in Systemintegration | 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf, auch als Umschulung möglich | IT-Systeme planen, einrichten, administrieren und absichern |
| IT-Sicherheitstechniker/in | Weiterbildung, meist auf einer IT-Ausbildung aufbauend | Sicherheitskonzepte für Netzwerke und Systeme umsetzen und überwachen |
| Berufsspezialist/in - Informationssicherheit (IHK) | IHK-Weiterbildung, 8 bis 12 Monate berufsbegleitend | Sicherheitskonzepte entwickeln, Bedrohungen und Schwachstellen analysieren |
| Cyber-Security-Consultant | Spezialisierte Tätigkeit, meist mit IT-Studium oder langjähriger Praxis | Schwachstellenanalysen, Penetrationstests, Sicherheitsberatung für Unternehmen |
Alle vier Berufsbilder haben gemeinsam, dass sie auf einem soliden IT-Grundverständnis aufbauen. Unterschiede liegen vor allem im Spezialisierungsgrad und darin, ob ein formaler Berufsabschluss oder eine Weiterbildungsprüfung im Vordergrund steht.
Vollständige Umschulung zum Fachinformatiker als Einstieg
Für Quereinsteiger ohne einschlägige Vorbildung ist die Umschulung zum Fachinformatiker/zur Fachinformatikerin, meist mit dem Schwerpunkt Systemintegration, der gängigste Zugang zur IT-Sicherheit. Die reguläre Ausbildung dauert drei Jahre, als geförderte Umschulung über die Agentur für Arbeit lässt sie sich je nach Vorerfahrung und Bildungsträger auf etwa zwei Jahre verkürzen. Inhaltlich vermittelt sie Netzwerktechnik, Serveradministration, Betriebssysteme und grundlegende IT-Sicherheitskonzepte - eine Basis, auf der sich später gezielt in Richtung Sicherheit spezialisieren lässt, etwa über die Weiterbildung Fachinformatiker für Systemintegration oder die Spezialisierung zum IT-Sicherheitstechniker.
Dieser Weg eignet sich besonders für Menschen, die beruflich neu orientieren möchten und noch keine IT-Vorerfahrung haben. Er dauert länger als ein einzelner Zertifikatskurs, führt aber zu einem anerkannten Berufsabschluss und damit zu einer deutlich breiteren Basis für den weiteren Werdegang in der IT-Sicherheit.
Zertifikatskurse als Ergänzung für IT-Fachkräfte
Wer bereits eine IT-Ausbildung oder vergleichbare Berufserfahrung mitbringt, kann sich gezielter über einzelne Zertifikatskurse in Richtung Sicherheit weiterentwickeln. Verbreitete, anbieterneutrale Zertifikate sind:
- CompTIA Security+: eine herstellerneutrale, international anerkannte Einstiegszertifizierung in IT-Sicherheit. Formale Zulassungsvoraussetzungen gibt es nicht, der Anbieter empfiehlt aber rund zwei Jahre IT-Berufserfahrung mit Sicherheitsbezug. Die Prüfung dauert 90 Minuten, das Zertifikat ist drei Jahre gültig und muss danach erneuert werden.
- ISO-27001-Grundlagenschulungen (Foundation): vermitteln die Grundlagen des internationalen Standards für Informationssicherheits-Managementsysteme. Sie richten sich an IT- und Sicherheitsverantwortliche, die Sicherheitsprozesse in Organisationen mitgestalten wollen, und sind ein häufiger erster Schritt vor weiterführenden Auditoren- oder Implementierungs-Schulungen.
- BSI-IT-Grundschutz-Praktiker: ein Zertifikatslehrgang mit Bezug zum IT-Grundschutz-Standard des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Formale Teilnahmevoraussetzungen bestehen meist nicht, empfohlen werden Grundkenntnisse in IT und Informationssicherheit; die Prüfung umfasst üblicherweise 50 Multiple-Choice-Fragen in 60 Minuten, bestanden ist sie ab mehr als 60 Prozent richtiger Antworten.
Diese Kurse ersetzen keine Berufsausbildung, sondern bauen auf vorhandenem IT-Wissen auf. Sie eignen sich gut, um sich innerhalb weniger Wochen oder Monate gezielt in Richtung Sicherheit zu profilieren - etwa vor einem internen Stellenwechsel oder als Ergänzung zu einer laufenden IT-Tätigkeit. Für einen kompletten Neueinstieg ohne IT-Vorkenntnisse sind sie dagegen selten ausreichend.
Voraussetzungen und Dauer im Vergleich
| Weg | Voraussetzungen | Dauer |
|---|---|---|
| Umschulung Fachinformatiker/in | keine IT-Vorkenntnisse zwingend nötig, oft aber technisches Interesse und gute Mathematik-/Englischkenntnisse gewünscht | ca. 2 Jahre (verkürzte Umschulung) bis 3 Jahre (reguläre Ausbildung) |
| Berufsspezialist/in Informationssicherheit (IHK) | abgeschlossene IT-Ausbildung, alternativ andere Ausbildung plus einschlägige Berufserfahrung oder mehrjährige Praxis ohne Abschluss | ca. 8 bis 12 Monate berufsbegleitend |
| CompTIA Security+ | keine formale Pflichtvoraussetzung, empfohlen: ca. 2 Jahre IT-Praxis | Vorbereitungskurs wenige Wochen, Prüfung 90 Minuten |
| BSI-IT-Grundschutz-Praktiker | meist keine formale Pflichtvoraussetzung, empfohlen: IT-Grundkenntnisse | Kurs wenige Tage, Prüfung 60 Minuten |
Förderung über Bildungsgutschein, AZAV und KURSNET
Arbeitsuchende und von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte können eine Umschulung oder Weiterbildung über die Agentur für Arbeit fördern lassen. Rechtliche Grundlage ist § 81 SGB III: Gefördert wird, wenn die Maßnahme notwendig ist, um eine Arbeitslosigkeit zu beenden oder zu vermeiden, eine vorherige Beratung durch die Agentur für Arbeit stattgefunden hat und sowohl Maßnahme als auch Bildungsträger nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen sind. Die Zusage erhalten Sie als Bildungsgutschein, der zeitlich, regional und auf ein bestimmtes Bildungsziel begrenzt sein kann. Passende Angebote - von der Fachinformatiker-Umschulung bis zu einzelnen IT-Sicherheitszertifikaten - lassen sich gezielt über KURSNET, die Weiterbildungsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit, filtern. Mehr zum Ablauf erklärt der Ratgeber zur Umschulung mit Bildungsgutschein.
Beziehen Sie Grundsicherungsgeld, gilt seit dem 1. Januar 2025: Auch dann bewilligt ausschließlich die Agentur für Arbeit die Förderung der beruflichen Weiterbildung (§ 66a SGB II). Das Jobcenter bleibt Ansprechpartner für Beratung, Vermittlung und die Auszahlung des Grundsicherungsgelds, stellt aber selbst keinen Bildungsgutschein mehr aus.
Qualifizierungschancengesetz für Beschäftigte
Wer bereits in einem Arbeitsverhältnis steht und sich neben dem Job in Richtung IT-Sicherheit weiterbilden möchte, kann die Förderung der beruflichen Weiterbildung Beschäftigter nach § 82 SGB III nutzen - umgangssprachlich oft als Qualifizierungschancengesetz bezeichnet. Gefördert werden Weiterbildungen, die über eine kurzfristige, rein arbeitsplatzbezogene Anpassungsfortbildung hinausgehen, mehr als 120 Stunden umfassen und bei einem zugelassenen Träger stattfinden. Der abgeschlossene Berufsabschluss muss in der Regel mindestens zwei Jahre zurückliegen, und in den vorangegangenen zwei Jahren darf keine vergleichbare Förderung stattgefunden haben.
| Betriebsgröße | Übernahme der Lehrgangskosten | Zuschuss zum Arbeitsentgelt während der Weiterbildung |
|---|---|---|
| Unter 50 Beschäftigte | Arbeitgeber muss sich nicht beteiligen | bis zu 75 Prozent |
| 50 bis 499 Beschäftigte | Arbeitgeber trägt 50 Prozent der Lehrgangskosten | bis zu 50 Prozent |
| Ab 500 Beschäftigte | Arbeitgeber trägt 75 Prozent der Lehrgangskosten | bis zu 25 Prozent |
Für Beschäftigte über 45 Jahren oder mit Schwerbehinderung soll in Betrieben mit weniger als 500 Beschäftigten keine Arbeitgeberbeteiligung an den Lehrgangskosten verlangt werden. Gibt es einen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung zur Weiterbildungsförderung, sinkt der Arbeitgeberanteil an den Lehrgangskosten um 5 Prozentpunkte, und der Zuschuss zum Arbeitsentgelt kann um 5 Prozentpunkte steigen (§ 82 Abs. 4 SGB III). Den Antrag stellt in der Regel der Arbeitgeber gemeinsam mit der beschäftigten Person bei der zuständigen Agentur für Arbeit, am besten vor Beginn der Maßnahme.
Gehalt in der IT-Sicherheit
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für Fachinformatiker/innen Systemintegration ein Medianentgelt von rund 5.189 Euro brutto im Monat aus, mit einer Spanne von etwa 4.101 Euro (unteres Quartil) bis 6.741 Euro (oberes Quartil) und deutlichen Unterschieden zwischen Bundesländern und Städten - in Frankfurt am Main und München liegen die Werte am oberen Ende. Für spezialisierte, noch junge Weiterbildungen wie die Berufsspezialistin oder den Berufsspezialisten für Informationssicherheit weist der Entgeltatlas bislang keine eigene, gesicherte Zahl aus; als grobe Orientierung dient das Gehaltsniveau vergleichbarer IT-Fachkräfte mit Sicherheitsschwerpunkt, das in der Praxis häufig über dem allgemeinen Fachinformatiker-Median liegt. Wie immer gilt: Die tatsächliche Höhe hängt stark von Branche, Unternehmensgröße, Region und individueller Erfahrung ab.
Arbeitsmarkt für IT-Sicherheitsfachkräfte
IT-Fachkräfte sind in Deutschland weiterhin gefragt, auch wenn sich die Lage am IT-Arbeitsmarkt nach Angaben des Branchenverbands Bitkom gegenüber den Rekordjahren entspannt hat. IT-Sicherheit macht nur einen Teil der offenen IT-Stellen aus, gilt aber als stabiler und eher wachsender Bereich: Gesetzliche Vorgaben zur Informationssicherheit und die steigende Zahl von Cyberangriffen zwingen Unternehmen und Verwaltungen, Sicherheitskompetenz aufzubauen. Wie die Lage in Ihrer Region aussieht, zeigt eine Suche in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit.
Für Quereinsteiger bedeutet das: Der direkte Berufseinstieg als reine IT-Sicherheitsfachkraft ohne jede IT-Vorerfahrung ist selten, wohl aber der Weg über eine grundständige IT-Ausbildung mit anschließender Spezialisierung. Wer sich zusätzlich über die Weiterbildungsprämie informiert, kann bei einer abschlussbezogenen Umschulung finanziell von einem erfolgreichen Abschluss profitieren. Einen breiteren Überblick über IT-Weiterbildungen bietet außerdem der Ratgeber Weiterbildung IT.
Häufige Fragen zur Cyber Security Umschulung
Quellen: § 81 und § 82 SGB III, § 66a SGB II (gesetze-im-internet.de); BERUFENET und Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit (arbeitsagentur.de); Angaben des BSI und der CompTIA-Zertifizierungsstelle; Stand Oktober 2026. arbeitsamt.info ist ein unabhängiges Portal und kein amtliches Angebot.