Umschulung Notfallsanitäter - Quereinstieg über das Arbeitsamt

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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert regulär drei Jahre und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab; sie ist die höchste nicht-ärztliche Qualifikation im Rettungsdienst.
  • Ein klassischer Quereinstieg ist begrenzt: Wer bereits als Rettungsassistent gearbeitet hat, kann über eine verkürzte Ausbildung mit Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter aufsteigen.
  • An staatlichen Berufsfachschulen ist die Ausbildung meist kostenfrei und vergütet; private Lehrgänge können mehrere Tausend Euro kosten.
  • Das Bruttojahresgehalt liegt je nach Tarif, Träger und Erfahrung etwa zwischen 24.000 und 42.000 Euro.
  • Die Bundesagentur für Arbeit berät zu Fördermöglichkeiten; eine reine schulische Umschulung wird nur eingeschränkt über den Bildungsgutschein gefördert.
3 JahreDauerVollzeit / je nach Lehrgang
24.000-42.000 €Verdienstbrutto/Jahr
Staatlich anerkanntAbschlussAnerkannte Qualifikation
BAB & FörderungFörderungBerufsausbildungsbeihilfe der Agentur

Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter werden bundesweit dringend gesucht und übernehmen als höchste nicht-ärztliche Qualifikation im Rettungsdienst die medizinische Erstversorgung von Menschen in Notlagen. Eine berufliche Neuorientierung in diese Richtung ist möglich, folgt aber festen gesetzlichen Regeln: Der Weg führt über eine dreijährige, staatlich geregelte Ausbildung oder - für frühere Rettungsassistenten - über eine verkürzte Qualifizierung mit Ergänzungsprüfung. Dieser Ratgeber erklärt Berufsbild, Voraussetzungen, Ablauf, Verdienst und die Fördermöglichkeiten über das Arbeitsamt.

Beruf und Berufung treffen hier vielfach aufeinander. Eine Beratung bei der Agentur für Arbeit kann weitere Informationen bereithalten, wobei eine eigenständige Recherche wichtig bleibt. Wer den Beruf anstrebt, sollte vorab wissen, worauf er sich einlässt.

Notfallsanitäter versorgt einen Patienten im Rettungswagen während eines Einsatzes

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Inhaltsverzeichnis

Berufsbild Notfallsanitäter - Karrierechancen und Verdienst

Als Notfallsanitäter/in hat man wesentlichen Anteil an der medizinischen Erstversorgung von Patientinnen und Patienten, die einer Akut- oder Notfallversorgung bedürfen. Sie führen eigenverantwortlich medizinische Maßnahmen durch, bis der Notarzt eintrifft, und assistieren dem Notarzt im weiteren Verlauf.

Dabei geht es um die erste Versorgung, die Stabilisierung und die Sicherstellung der Transportfähigkeit. Auch während des Transports obliegt Notfallsanitätern die medizinische Überwachung. Sie dokumentieren Einsatzberichte und Notfallprotokolle präzise, damit die weitere Behandlung in der Klinik lückenlos anschließen kann.

Notfallsanitäter/innen sind unverzichtbar, wenn es um die Erstversorgung von Menschen in Notlagen geht. Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben sich vor allem in den folgenden Bereichen:

Wer sich für den Beruf des Notfallsanitäters entscheidet, sieht dies vielfach als Berufung. Dennoch spielt der Verdienst eine Rolle. Das Bruttojahresgehalt lässt sich je nach Tarif, Träger, Bundesland und Berufserfahrung auf etwa 24.000 bis 42.000 Euro beziffern. In öffentlichen Rettungsdiensten erfolgt die Bezahlung häufig nach Tarif (etwa TVöD), hinzu kommen Zuschläge für Schicht-, Nacht- und Wochenenddienste.

Der Weg zum Notfallsanitäter über eine Umschulung

Interessierte sollten wissen, dass der Notfallsanitäter die höchste, nicht-ärztliche Qualifikation im Rettungsdienst ist. Der Gesundheitsfachberuf wird im Rahmen einer dreijährigen Ausbildung nach dem Notfallsanitätergesetz erlernt. Ein Quereinstieg ohne einschlägige Vorerfahrung bedeutet daher in der Regel, die vollständige dreijährige Ausbildung zu durchlaufen.

Einen echten Umschulungsweg im engeren Sinne gibt es vor allem für frühere Rettungsassistenten: Sie können je nach vorheriger Berufserfahrung über eine verkürzte Ausbildung und eine staatliche Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter aufsteigen. Für Berufswechsler ohne diese Vorbildung ist der Weg meist die reguläre schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule.

Die Ausbildung verbindet theoretischen Unterricht an der Schule mit praktischen Einsätzen an einer Lehrrettungswache und in der Klinik. Abschließend findet eine staatliche Prüfung statt, die sich vor allem auf die folgenden Inhalte stützt:

Praktische Phasen sorgen bereits während der Ausbildung für erste Erfahrungen im Rettungsdienst. Wer sich breiter über Fördermöglichkeiten und weitere Berufswege informieren möchte, findet in unserer Übersicht zur Umschulung über das Arbeitsamt weiterführende Hinweise.

Voraussetzungen, Dauer und Kosten

Wer die Ausbildung zum Notfallsanitäter aufnehmen möchte, sollte mindestens über einen mittleren Schulabschluss verfügen. Alternativ ist der Zugang über den Hauptschulabschluss in Kombination mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung möglich. Verlangt werden zudem gesundheitliche Eignung, körperliche und psychische Belastbarkeit sowie ein einwandfreies Führungszeugnis.

An einer staatlichen Berufsfachschule dauert die Ausbildung drei Jahre. Da es sich um eine reguläre Ausbildung handelt, ist sie in der Regel kostenfrei und wird vergütet. Private Anbieter halten teilweise flexiblere Lehrgänge bereit, für die Gebühren von mehreren Tausend Euro anfallen können. Vor einer Anmeldung lohnt der Vergleich AZAV-zugelassener Anbieter über KURSNET der Bundesagentur für Arbeit.

Förderung durch das Arbeitsamt

Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt berufliche Neuorientierung sowohl beratend als auch finanziell. Für eine geförderte Weiterbildung wird häufig ein Bildungsgutschein ausgestellt, mit dem eine bei einem AZAV-zugelassenen Anbieter absolvierte Maßnahme finanziert wird.

Beim Notfallsanitäter ist zu beachten, dass die klassische dreijährige schulische Ausbildung nicht ohne Weiteres über den Bildungsgutschein gefördert wird, da sie einer regulären Ausbildung entspricht. Realistisch förderfähig sind eher verkürzte Qualifizierungen für frühere Rettungsassistenten sowie vorbereitende Bausteine. Ob und in welchem Umfang eine Förderung möglich ist, klärt ein persönliches Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit. Ergänzend lohnt ein Blick auf das Angebot zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.

Weiterbildung und Aufstiegschancen

Der Abschluss als Notfallsanitäter/in sorgt für gute Perspektiven. Das lebenslange Lernen bleibt dennoch wichtig, schon weil regelmäßige Fortbildungspflichten zum Erhalt der Einsatzfähigkeit gehören.

Zur Auffrischung und Vertiefung bieten sich Seminare zu folgenden Themen an:

Wer weiter aufsteigen möchte, kann seine Karriere mit einer der folgenden Fortbildungen fördern:

Zudem ist ein Studium eine Überlegung wert, um der zunehmenden Akademisierung gerecht zu werden. Berufsbegleitend bieten sich dabei unter anderem folgende Disziplinen an:

Alternativen zum Beruf Notfallsanitäter

Wenn eine Neuorientierung ansteht, tun Interessierte gut daran, sich nicht zu schnell festzulegen, sondern vorab ein genaues Bild zu machen und an mögliche Alternativen zu denken. Die folgenden Berufe weisen einige Parallelen auf, haben aber ein eigenes Berufsbild:

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Der Berufsalltag im Rettungsdienst

Der Arbeitstag folgt dem Schichtdienst und ist von Unvorhersehbarkeit geprägt. Zwischen den Einsätzen prüfen Notfallsanitäter das Fahrzeug, kontrollieren Medikamente und medizinische Geräte und stellen die Einsatzbereitschaft sicher. Geht ein Notruf ein, zählt jede Minute: Vom Ausrücken bis zum Eintreffen am Einsatzort bleiben oft nur wenige Minuten.

Vor Ort verschaffen sich Notfallsanitäter zunächst einen Überblick, sichern die Einsatzstelle und beginnen mit der Erstversorgung. Sie messen Vitalwerte, leiten bei Bedarf lebensrettende Maßnahmen ein und entscheiden, ob und wann ein Notarzt nachalarmiert werden muss. Der Beruf verlangt schnelle, überlegte Entscheidungen unter Druck und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein.

Neben der medizinischen Arbeit spielt der Umgang mit Menschen eine zentrale Rolle. Patienten und Angehörige stehen häufig unter Schock; ruhiges, empathisches Auftreten gehört daher genauso zum Handwerk wie das medizinische Wissen. Belastende Einsätze machen zudem eine gute psychische Widerstandsfähigkeit erforderlich.

So läuft die staatliche Abschlussprüfung ab

Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Prüfung, die aus drei Teilen besteht: einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil. Der schriftliche Teil umfasst mehrere Aufsichtsarbeiten zu den medizinischen und rechtlichen Grundlagen des Berufs.

Im mündlichen Teil weisen die Prüflinge nach, dass sie medizinische Zusammenhänge erklären und Einsatzsituationen fachlich einordnen können. Der praktische Teil ist der anspruchsvollste Abschnitt: An realistisch gestellten Fallbeispielen zeigen die Prüflinge, dass sie Notfallpatienten strukturiert versorgen, Maßnahmen priorisieren und im Team arbeiten können.

Erst nach dem Bestehen aller drei Prüfungsteile wird die Berufsbezeichnung Notfallsanitäter/in verliehen. Wer als früherer Rettungsassistent über die verkürzte Ausbildung kommt, legt statt der vollständigen Prüfung eine staatliche Ergänzungsprüfung ab, deren Umfang sich nach der bisherigen Berufserfahrung richtet.

Rettungssanitäter, Rettungsassistent und Notfallsanitäter im Vergleich

Die drei Berufsbezeichnungen werden im Alltag oft verwechselt, unterscheiden sich aber deutlich in Ausbildungsdauer und Kompetenzen. Der Rettungssanitäter durchläuft eine vergleichsweise kurze Qualifizierung von rund 520 Stunden und arbeitet vor allem im Krankentransport und als Teil der Rettungswagen-Besatzung.

Der Rettungsassistent war bis 2014 die höchste Qualifikation im Rettungsdienst; der Beruf wird nicht mehr neu ausgebildet, weil ihn das Notfallsanitätergesetz abgelöst hat. Wer noch als Rettungsassistent ausgebildet ist, kann über die verkürzte Ausbildung zum Notfallsanitäter aufsteigen. Der Notfallsanitäter selbst darf im Rahmen definierter Vorgaben eigenständig bestimmte heilkundliche Maßnahmen durchführen, die dem Rettungssanitäter nicht erlaubt sind. Diese erweiterte Kompetenz ist der wesentliche Grund für die dreijährige Ausbildungsdauer.

Berufsaussichten und Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt für Notfallsanitäter ist stabil und von anhaltender Nachfrage geprägt. Der demografische Wandel, die steigende Zahl an Einsätzen und der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen sorgen dafür, dass ausgebildete Kräfte gute Chancen auf eine unbefristete Anstellung haben. Träger sind unter anderem die großen Hilfsorganisationen, kommunale Rettungsdienste, Feuerwehren und private Anbieter.

Wer flexibel beim Arbeitsort ist, findet in der Regel schnell eine Stelle. Auch ein Wechsel zwischen Regionen und Trägern ist gut möglich, da die Qualifikation bundesweit anerkannt ist. Langfristig eröffnen Fortbildungen zum Praxisanleiter, zur organisatorischen Leitung oder ein einschlägiges Studium zusätzliche Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten.

Häufige Fragen zur Umschulung Notfallsanitäter

Kann man eine Umschulung zum Notfallsanitäter machen?
Einen klassischen Quereinstieg gibt es nur eingeschränkt. Wer bereits als Rettungsassistent gearbeitet hat, kann über eine verkürzte Ausbildung mit staatlicher Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter aufsteigen. Ohne einschlägige Vorbildung führt der Weg über die reguläre dreijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule, die auch Berufswechslern offensteht.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Notfallsanitäter?
Die reguläre Ausbildung dauert drei Jahre und verbindet schulischen Unterricht mit praktischen Einsätzen an einer Lehrrettungswache und in der Klinik. Für frühere Rettungsassistenten verkürzt sich der Weg je nach bisheriger Berufserfahrung deutlich, oft auf wenige Monate zusätzlicher Qualifizierung bis zur Ergänzungsprüfung.
Welche Voraussetzungen brauche ich?
Erforderlich sind in der Regel ein mittlerer Schulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung, gesundheitliche Eignung, körperliche und psychische Belastbarkeit sowie ein einwandfreies Führungszeugnis. Gute Deutschkenntnisse und Teamfähigkeit sind ebenfalls wichtig. Vorerfahrung im Rettungsdienst ist von Vorteil, aber keine zwingende Bedingung.
Was verdient ein Notfallsanitäter?
Das Bruttojahresgehalt liegt je nach Tarif, Träger, Bundesland und Erfahrung etwa zwischen 24.000 und 42.000 Euro. In öffentlichen Rettungsdiensten wird häufig nach Tarif bezahlt. Zuschläge für Schicht-, Nacht- und Wochenenddienste erhöhen das tatsächliche Einkommen spürbar, sodass erfahrene Kräfte am oberen Ende der Spanne liegen können.
Zahlt das Arbeitsamt die Ausbildung zum Notfallsanitäter?
Die klassische dreijährige schulische Ausbildung wird nur eingeschränkt über den Bildungsgutschein gefördert, da sie einer regulären Ausbildung entspricht. Förderfähig sind eher verkürzte Qualifizierungen für frühere Rettungsassistenten und vorbereitende Bausteine. Ob eine Förderung möglich ist, klärt ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Wie läuft die Abschlussprüfung ab?
Die staatliche Prüfung besteht aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil. Der praktische Teil ist der anspruchsvollste: An realistischen Fallbeispielen versorgen die Prüflinge Notfallpatienten strukturiert im Team. Erst nach Bestehen aller drei Teile wird die Berufsbezeichnung Notfallsanitäter/in verliehen.
Achtung! Tipp aus der Redaktion

Die Ausbildung zum/zur Notfallsanitäter/in übt auf viele Menschen einen großen Reiz aus. Einerseits widmen sie sich der medizinischen Versorgung, andererseits arbeiten sie eigenverantwortlich und stehen Menschen in Notfällen bei.

Bevor man sich für diesen Schritt entscheidet, sollte man sich bei der Agentur für Arbeit beraten lassen. Zudem sollte der folgende Tipp aus unserer Redaktion beherzigt werden.

Hinterfragen Sie Ihre persönliche Eignung als Notfallsanitäter/in!

Die fachlichen Kenntnisse erlangen Notfallsanitäter/innen während der Qualifizierung. Die persönliche Eignung lässt sich dagegen nicht erlernen.

Daher sollte man diese selbstkritisch hinterfragen und dabei vor allem auf die folgenden Kriterien achten:

  • medizinisches Interesse
  • Eigenverantwortlichkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Einsatzbereitschaft
  • schnelle Reaktionsfähigkeit
  • Organisationsgeschick
  • Belastbarkeit