Umschulung Industrieelektriker - Quereinstieg über das Arbeitsamt

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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Dauer: In der Regel 21 bis 24 Monate in Vollzeit, in Teilzeit bis zu 28 Monate.
  • Kosten: Die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren übernimmt bei Förderung vollständig die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter.
  • Förderung: Finanzierung über den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III bei AZAV-zugelassenen Trägern.
  • Voraussetzungen: Mindestens 18 Jahre, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder vergleichbare Qualifikation sowie technisches Verständnis.
  • Verdienst: Einstieg meist zwischen 2.700 und 3.300 Euro brutto im Monat, mit Erfahrung sind rund 3.800 bis 4.200 Euro möglich.
21 bis 24 MonateDauerVollzeit / je nach Lehrgang
2.700-3.300 €Verdienstbrutto/Monat
IHK-AbschlussAbschlussAnerkannte Qualifikation
BildungsgutscheinFörderung§ 81 SGB III, AZAV-Träger

Die Umschulung zum Industrieelektriker beziehungsweise zur Industrieelektrikerin dauert in der Regel 21 bis 24 Monate, endet mit einer anerkannten Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) und lässt sich bei Arbeitslosigkeit oder drohendem Arbeitsplatzverlust über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanzieren. Sie richtet sich an Erwachsene mit abgeschlossener Erstausbildung, die sich beruflich neu orientieren und in der Elektro- und Automatisierungstechnik Fuß fassen möchten.

Dass in der Industrie kaum etwas ohne Elektrik funktioniert, liegt auf der Hand: Von der Fertigungsstraße über die Gebäudetechnik bis zur Energieversorgung sind elektrische Anlagen überall im Einsatz. Wer technisches Interesse mitbringt und in seinem bisherigen Beruf keine Perspektive mehr sieht, findet als Industrieelektriker einen zukunftssicheren Neuanfang. Für Menschen mit Berufserfahrung ist es dafür keineswegs zu spät, und das Arbeitsamt unterstützt einen sinnvollen Berufswechsel häufig ausdrücklich.

Industrieelektriker bei der Umschulung an einer elektrischen Steuerungsanlage

Inhaltsverzeichnis

Berufsbild, Karrierechancen und Verdienst

Bevor man sich zum Industrieelektriker umschulen lässt, lohnt ein genauer Blick auf das Berufsbild. Industrieelektriker arbeiten mit elektrischen Betriebsmitteln und mechanischen Komponenten. Sie montieren, verdrahten und verbinden Bauteile, installieren Steuerungen und prüfen die Funktion elektrischer Anlagen. Auch bei der Qualitätssicherung und der Arbeitssicherheit sind sie gefragt.

Beschäftigung finden Industrieelektriker vor allem in diesen Bereichen:

Das Einkommen hängt stark von Region, Betriebsgröße und Tarifbindung ab. Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt bewegt sich grob zwischen 30.000 und 45.000 Euro. Wer in einem tarifgebundenen Betrieb der Metall- und Elektroindustrie arbeitet, profitiert von planbaren Gehaltssteigerungen und Zuschlägen. Ausführlichere Zahlen finden Sie weiter unten im Abschnitt zum Gehalt.

Der Weg zur Umschulung zum Industrieelektriker

Wer Gefallen am Berufsbild findet und sich beruflich verändern will, sollte die Industrieelektriker-Umschulung ins Auge fassen. Zunächst ist wichtig zu wissen, dass es sich um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf handelt, der üblicherweise in einer zweijährigen dualen Ausbildung erlernt wird. Für Berufswechsler mit vorheriger Ausbildung gibt es speziell zugeschnittene betriebliche und außerbetriebliche Umschulungen.

In der Umschulung erwerben die Teilnehmenden alle Kenntnisse, die für den Beruf und die Abschlussprüfung nötig sind. Zu den zentralen Lerninhalten gehören:

Voraussetzungen, Dauer und Kosten

Je nach Anbieter und Umschulungsform kann es Unterschiede beim Ablauf geben. Die folgenden Eckdaten dienen daher der groben Orientierung:


Für wen sich die Umschulung besonders eignet

Eine bestimmte Vorbildung ist für den Zugang nicht erforderlich. Man sollte lediglich bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben, schließlich geht es um einen Berufswechsel. Wer dieses Kriterium erfüllt, ist damit aber nicht automatisch der ideale Kandidat, denn auch die persönliche Eignung sollte stimmen:


Die zwei Fachrichtungen im Überblick

Die Ausbildung und damit auch die Umschulung zum Industrieelektriker gliedert sich in zwei Fachrichtungen mit gleicher Dauer, aber unterschiedlichen Schwerpunkten. In der Fachrichtung Betriebstechnik installieren Sie elektrische Systeme in Industrieanlagen, montieren und verbinden mechanische Komponenten mit elektrischen Betriebsmitteln und sorgen für die Sicherheit der Anlagen. Diese Fachrichtung bildet den Kernbereich der industriellen Elektrotechnik.

Die Fachrichtung Geräte und Systeme konzentriert sich auf den Bau, die Prüfung und die Wartung elektronischer Geräte und Baugruppen. Hier bearbeiten und montieren Sie Komponenten für Steuerungs- und Automatisierungstechnik. Beide Fachrichtungen vermitteln identische elektrotechnische Grundlagen und unterscheiden sich erst in den Spezialisierungsinhalten der zweiten Ausbildungshälfte.


Förderung über den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III

Die rechtliche Grundlage der Förderung bildet § 81 SGB III (Förderung der beruflichen Weiterbildung). Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter einen Bildungsgutschein beantragen. Damit übernimmt die Behörde die kompletten Lehrgangs- und Prüfungsgebühren sowie in der Regel Fahrt- und gegebenenfalls Kinderbetreuungskosten. Voraussetzung ist, dass der Bildungsträger und die Maßnahme nach der AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung) zugelassen sind.

Ob eine Förderung bewilligt wird, entscheidet die zuständige Vermittlungsfachkraft im Rahmen ihres Ermessens. Wichtig ist deshalb ein vorheriges Beratungsgespräch. Während der Umschulung sichert in vielen Fällen das Arbeitslosengeld den Lebensunterhalt; bei betrieblichen Umschulungen kann zusätzlich eine Vergütung durch den Betrieb hinzukommen. Wer Unterstützung beim Lernen braucht, kann außerdem umschulungsbegleitende Hilfen beantragen. Einen Überblick über weitere Fördermöglichkeiten bietet unsere Seite zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.


Gehalt und Verdienstaussichten nach der Umschulung

Industrieelektriker starten je nach Region, Branche und Betriebsgröße meist mit einem Bruttogehalt zwischen 2.700 und 3.300 Euro pro Monat. In der Elektro- und Automobilindustrie sowie im Anlagenbau fallen die Einstiegsgehälter oft höher aus als in kleineren Handwerksbetrieben. Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie sorgen dabei für planbare und regelmäßige Gehaltssteigerungen.

Mit einigen Jahren Berufserfahrung steigt das Gehalt typischerweise auf 3.500 bis 4.200 Euro brutto monatlich. Besonders gut bezahlt sind Positionen im Energiesektor und bei großen Anlagenbauern. Wer sich weiterqualifiziert, etwa zum Industriemeister der Fachrichtung Elektrotechnik oder zum staatlich geprüften Techniker, kann sein Einkommen deutlich steigern und übernimmt oft Führungsaufgaben. Angaben zum Verdienst sind Richtwerte und können je nach Tarifgebiet abweichen.


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Anbieter und Durchführungsformen

Die Agentur für Arbeit bevorzugt betriebliche Umschulungen, bei denen Sie direkt in einem Unternehmen lernen und arbeiten. Diese Form entspricht einer verkürzten dualen Ausbildung und endet mit der regulären IHK-Prüfung. Große Industriebetriebe aus Elektroindustrie, Automobilbau und Anlagenbau bieten solche Plätze für Umschüler an, gerade in Zeiten von Fachkräftemangel.

Überbetriebliche Umschulungen finden bei spezialisierten Bildungsträgern statt und kombinieren theoretischen Unterricht mit praktischen Übungen in modernen Werkstätten. Vermittelt werden dabei auch moderne Technologien wie SPS-Steuerungen, Automatisierungssoftware und Antriebstechnik. Geeignete, zertifizierte und AZAV-zugelassene Anbieter finden Sie über das Portal KURSNET der Bundesagentur für Arbeit. Einen Überblick über weitere Umschulungsberufe gibt unsere Übersicht der Umschulungen über das Arbeitsamt.


Der Berufsalltag als Industrieelektriker

Im Arbeitsalltag installieren Industrieelektriker elektrische Anlagen und Steuerungen in Produktions- und Fertigungsbetrieben. Sie verlegen Leitungen, montieren Schaltschränke, verdrahten Baugruppen und nehmen Maschinen in Betrieb. Ein großer Teil der Tätigkeit besteht darin, Störungen zu finden und zu beheben, damit die Produktion nicht stillsteht. Dafür arbeiten sie mit Messgeräten, Prüfprotokollen und technischen Zeichnungen.

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Wartung und Instandhaltung. Industrieelektriker prüfen regelmäßig die Funktion und Sicherheit elektrischer Systeme, tauschen Verschleißteile aus und dokumentieren ihre Arbeit. Die Arbeitssicherheit steht dabei stets an erster Stelle, denn der Umgang mit elektrischer Spannung erfordert Sorgfalt und die Einhaltung strenger Schutzvorschriften. Je nach Betrieb kann Schichtarbeit oder Rufbereitschaft dazugehören, etwa wenn Anlagen rund um die Uhr laufen.


Berufsaussichten und Arbeitsmarkt

Die Berufsaussichten für Industrieelektriker sind gut. Elektrofachkräfte werden branchenübergreifend gesucht, und der Fachkräftemangel im Elektrohandwerk und in der Industrie hält an. Treiber sind unter anderem die Energiewende, die zunehmende Automatisierung der Produktion und die Elektromobilität. Wer die Umschulung erfolgreich abschließt, hat daher realistische Chancen auf eine feste Anstellung.

Auch langfristig ist der Beruf zukunftssicher, weil elektrische und elektronische Systeme in fast allen Wirtschaftszweigen unverzichtbar sind. Mit dem anerkannten Abschluss stehen zudem viele Weiterentwicklungswege offen, etwa die Weiterbildung zum Elektroniker, zum Industriemeister oder zum Techniker. Wer flexibel und lernbereit bleibt, kann sich im Laufe der Zeit spezialisieren und in verantwortungsvollere Positionen aufsteigen.


So läuft die Abschlussprüfung ab

Die Umschulung endet mit der Abschlussprüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer. Sie gliedert sich in einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Im schriftlichen Bereich werden Kenntnisse in Bereichen wie Elektrotechnik, Anlagentechnik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde abgefragt. Der praktische Teil besteht aus einer Arbeitsaufgabe, bei der Sie eine typische Tätigkeit des Berufs unter Prüfungsbedingungen ausführen und dokumentieren.

Wer die Prüfung besteht, erhält den bundesweit anerkannten Abschluss als Industrieelektriker beziehungsweise Industrieelektrikerin in der gewählten Fachrichtung. Dieser Abschluss ist demjenigen aus der klassischen dualen Ausbildung gleichgestellt. Sollte ein Prüfungsteil nicht bestanden werden, besteht die Möglichkeit der Wiederholung, sodass ein einzelner Rückschlag den Berufseinstieg nicht dauerhaft verhindert.


Alternativen zur Industrieelektriker-Umschulung

Die Umschulung zum Industrieelektriker ist nicht alternativlos. Wer andere Schwerpunkte setzen möchte, sollte verwandte technische Umschulungsberufe prüfen und so den beruflichen Weg gezielt in die passende Richtung lenken. Besonders naheliegend sind:


Häufige Fragen zur Umschulung zum Industrieelektriker

Was kostet die Umschulung zum Industrieelektriker?
Für die Teilnehmenden ist die Umschulung bei einer Förderung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter kostenfrei. Über den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III werden die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren vollständig übernommen. Ohne Förderung liegen die Kosten je nach Anbieter und Dauer im mittleren vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Bereich.
Wie lange dauert die Umschulung zum Industrieelektriker?
In Vollzeit dauert die Umschulung in der Regel 21 bis 24 Monate. In Teilzeit kann sie sich auf bis zu 28 Monate verlängern. Die genaue Dauer hängt vom Bildungsträger, der gewählten Durchführungsform und der Fachrichtung ab. Am Ende steht die Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer.
Welche Voraussetzungen gelten für die Umschulung?
Sie sollten mindestens 18 Jahre alt sein und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine vergleichbare Qualifikation nachweisen können. Eine einschlägige Vorbildung im Elektrobereich ist nicht nötig. Wichtig sind technisches Verständnis, handwerkliches Geschick sowie Zuverlässigkeit. Für die Förderung müssen Sie zudem arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sein.
Übernimmt das Arbeitsamt die Kosten der Umschulung?
Ja. Bei Arbeitslosigkeit oder drohendem Arbeitsplatzverlust kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Umschulung über einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III finanzieren. Voraussetzung ist ein AZAV-zugelassener Träger und ein positives Beratungsgespräch. Die Entscheidung liegt im Ermessen der zuständigen Vermittlungsfachkraft.
Wie viel verdient man als Industrieelektriker?
Das Einstiegsgehalt liegt meist zwischen 2.700 und 3.300 Euro brutto im Monat. Mit einigen Jahren Berufserfahrung sind rund 3.800 bis 4.200 Euro erreichbar, in tarifgebundenen Betrieben der Elektroindustrie teils mehr. Weiterbildungen zum Industriemeister oder Techniker steigern das Gehalt zusätzlich. Die konkreten Werte hängen von Region, Branche und Tarifbindung ab.
Welche Fachrichtungen gibt es bei der Umschulung?
Es gibt zwei Fachrichtungen: Betriebstechnik und Geräte und Systeme. Die Betriebstechnik dreht sich um Installation, Prüfung und Wartung elektrischer Anlagen in Industriebetrieben. Geräte und Systeme konzentriert sich auf den Bau und die Prüfung elektronischer Geräte und Baugruppen. Die elektrotechnischen Grundlagen sind bei beiden gleich, die Spezialisierung erfolgt in der zweiten Hälfte.
Welche Aufgaben übernimmt ein Industrieelektriker im Arbeitsalltag?
Industrieelektriker arbeiten überwiegend an elektrischen Anlagen in der Produktion, der Gebäudetechnik und der Energieversorgung. Zu den zentralen Tätigkeiten gehört es, Komponenten zu installieren und zu konfigurieren, elektrische Grössen zu messen und zu analysieren sowie Anlagen und Systeme instand zu halten. Bei Störungen grenzen sie den Fehler ein und setzen die Betriebstechnik wieder in Gang, sodass Fertigungsprozesse zuverlässig weiterlaufen.
In welchen Branchen und Betrieben finden Industrieelektriker Beschäftigung?
Nachgefragt werden Industrieelektriker überall dort, wo mit Anlagen und Systemen unter Strom gearbeitet wird, etwa in der industriellen Fertigung, im Maschinen- und Anlagenbau oder bei Energieversorgungsunternehmen. Wer in der Fachrichtung Betriebstechnik arbeitet, ist häufig für das Montieren, Verdrahten und Warten grösserer Produktionsanlagen zuständig. Auch Betriebe, die Steuerungen und angebundene IT-Systeme betreuen, gehören zu den möglichen Arbeitgebern.
Wie läuft die IHK-Abschlussprüfung zum Industrieelektriker ab?
Die Umschulung endet mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer, die aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil besteht. Im praktischen Teil weisen Sie nach, dass Sie die erlernten Fertigkeiten beherrschen, also beispielsweise eine Baugruppe installieren und konfigurieren oder Anlagen und Systeme instand setzen können. Je nach gewählter Fachrichtung Betriebstechnik oder Geräte und Systeme liegt der Schwerpunkt anders, das Ergebnis ist in beiden Fällen ein anerkannter Berufsabschluss.
Achtung! Tipp aus der Redaktion

Mit der Umschulung zum Industrieelektriker oder zur Industrieelektrikerin schaffen Sie eine solide Basis für einen beruflichen Neustart. Zugleich sollten Sie sich des lebenslangen Lernens bewusst sein und den folgenden Tipp aus unserer Redaktion beherzigen. Dazu wird auch das Arbeitsamt raten, das um die Bedeutung beruflicher Qualifizierung weiß.

Bilden Sie sich nach der Industrieelektriker-Umschulung weiter

Nach dem erfolgreichen Abschluss können Sie im Beruf Fuß fassen und wertvolle Praxiserfahrung sammeln. Gleichzeitig lohnt es sich, am Ball zu bleiben. Seminare, Lehrgänge und berufsbegleitende Weiterbildungen lassen sich oft gut mit dem Beruf vereinbaren. So sammeln Sie zusätzliche Qualifikationen und steigen nachhaltig auf der Karriereleiter auf. Dann zahlt sich die Umschulung besonders aus.