Umschulung Pferdewirt - Quereinstieg ĂĽber das Arbeitsamt
Das Wichtigste in KĂĽrze
- Die Umschulung zum Pferdewirt bzw. zur Pferdewirtin dauert in der Regel zwei Jahre und führt zu einem anerkannten Berufsabschluss vor der zuständigen Landwirtschaftskammer.
- Der anerkannte Ausbildungsberuf gliedert sich seit der Neuordnung von 2011 in fĂĽnf Fachrichtungen: Pferdehaltung und Service, Pferdezucht, Klassische Reitausbildung, Pferderennen und Spezialreitweisen.
- Eine besondere schulische Vorbildung ist nicht vorgeschrieben; entscheidend sind Pferdeerfahrung, körperliche Belastbarkeit und die persönliche Eignung.
- Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter kann die Umschulung über einen Bildungsgutschein fördern, wenn sie beruflich notwendig ist und der Anbieter AZAV-zugelassen ist.
- Das Einstiegsgehalt liegt meist zwischen rund 18.000 und 30.000 Euro brutto im Jahr; mit dem Pferdewirtschaftsmeister steigen Verantwortung und Verdienst.
Die Umschulung zum Pferdewirt bzw. zur Pferdewirtin ermöglicht Berufswechslern den Quereinstieg in einen anerkannten Beruf rund ums Pferd. Innerhalb von etwa zwei Jahren erwerben Sie einen vollwertigen Berufsabschluss und können anschließend in Gestüten, Reitställen, Pferdepensionen oder Pferdekliniken arbeiten. Insbesondere Menschen, die ihre Liebe zu Pferden bereits früh entdeckt, aus verschiedenen Gründen aber einen anderen Beruf erlernt haben, verwirklichen so doch noch ihren Berufswunsch.
Wenn der ursprünglich erlernte Beruf keine Perspektiven mehr bietet, kann ein Neustart sinnvoll sein. Bevor Sie sich festlegen, sollten Sie eine Beratung bei der Agentur für Arbeit in Anspruch nehmen und sich umfassend über Fachrichtungen, Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten informieren.
Das Berufsbild Pferdewirt/in im Ăśberblick
Eine naive Herangehensweise an den Beruf des Pferdewirts fĂĽhrt leicht zu ErnĂĽchterung. Damit es dazu nicht kommt, lohnt sich eine realistische Auseinandersetzung mit dem Berufsbild. Pferdewirte und Pferdewirtinnen kommen ĂĽberall dort zum Einsatz, wo Pferde gehalten, ausgebildet oder gezĂĽchtet werden.
Beschäftigung finden Sie vor allem in den folgenden Bereichen:
- GestĂĽte
- Reiterhöfe und Reitschulen
- Pferdepensionen
- Pferdezuchtbetriebe
- Reitvereine
- Pferdekliniken
Je nach Einsatzbereich und Fachrichtung reichen die typischen Aufgaben von der Grundversorgung und Grundausbildung der Pferde über die Zucht bis hin zur Reitausbildung von Pferd und Reiter. Die Verdienstmöglichkeiten sollten Sie realistisch einschätzen, auch wenn viele den Beruf als Berufung empfinden. In der Regel bewegt sich das Bruttojahresgehalt zwischen rund 18.000 und 30.000 Euro; mit Meisterabschluss und Leitungsverantwortung ist mehr möglich.
Die Umschulung über das Arbeitsamt eröffnet Berufswechslern den Zugang zu diesem Beruf, ohne dass eine klassische Erstausbildung noch einmal komplett durchlaufen werden muss.
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Der Weg zur Umschulung zum Pferdewirt
Wer Pferdewirt/in werden möchte, absolviert klassisch die dreijährige duale Berufsausbildung. Für Berufswechsler kommt dieser Weg häufig nicht infrage, weil eine reguläre Ausbildung ihrer Lebenssituation nicht gerecht wird. Eine Umschulung ist dann die passende Lösung, denn sie ist als Zweitausbildung für Menschen mit bereits abgeschlossener Berufsausbildung oder mehrjähriger Berufserfahrung gedacht.
Als betriebliche Umschulung oder als außerbetrieblicher Lehrgang führt sie zum selben anerkannten Berufsabschluss wie die reguläre Ausbildung. Bereits während der Qualifizierung legen sich angehende Pferdewirte auf eine Fachrichtung fest.
Seit der Neuordnung des Ausbildungsberufs im Jahr 2011 stehen fĂĽnf Fachrichtungen zur Auswahl:
- Pferdehaltung und Service
- Pferdezucht
- Klassische Reitausbildung
- Pferderennen
- Spezialreitweisen
Voraussetzungen, Dauer und Kosten der Pferdewirt-Umschulung
Neben den Fachrichtungen und beruflichen Perspektiven sollten Sie sich mit den Rahmenbedingungen der MaĂźnahme befassen. Im Einzelfall gibt es Unterschiede, doch die wichtigsten Eckdaten lassen sich so zusammenfassen:
- Voraussetzung: keine bestimmte schulische Vorbildung vorgeschrieben, aber Pferdeerfahrung und körperliche Eignung sinnvoll
- Dauer: in der Regel zwei Jahre (verkĂĽrzte Zweitausbildung)
- Kosten: je nach Anbieter unterschiedlich, aber grundsätzlich förderfähig
Wer sich breiter über geförderte Qualifizierungen informieren möchte, findet in unserem Ratgeber zur Weiterbildung über das Arbeitsamt weitere Grundlagen zu Bildungsgutschein und Antragstellung.
Persönliche Eignung für den Pferdeberuf
An strengen formalen Voraussetzungen scheitert der Zugang zur Pferdewirt-Umschulung in der Regel nicht. Wer mit dem Berufswechsel liebäugelt, sollte allerdings die persönliche Eignung ehrlich prüfen. Diese lässt sich kaum erlernen und sollte daher gegeben sein. Vor allem kommt es auf die folgenden Punkte an:
- ausgeprägte Pferdeliebe und Tierverständnis
- Geduld im Umgang mit Tieren
- Einfühlungsvermögen
- körperliche Fitness und Belastbarkeit
- Anpassungsfähigkeit
- Einsatzbereitschaft, auch am Wochenende
- Sorgfalt und Zuverlässigkeit
- Organisationsgeschick
- Verantwortungsbewusstsein
- Kommunikationsstärke im Umgang mit Kunden
Alternativen zur Umschulung zum Pferdewirt
Wenn eine Pferdewirt-Umschulung im Raum steht, ist die Begeisterung oft groĂź. Treffen Sie dennoch keine vorschnelle Entscheidung, sondern prĂĽfen Sie auch verwandte Berufe im Rahmen der zweiten Berufswahl. Je nach Interessenschwerpunkt kommen unter anderem folgende Umschulungen infrage:
- Umschulung zum Tierpfleger
- Umschulung zum Tierheilpraktiker
- Umschulung zum Landwirt
- Umschulung zum Forstwirt
Der Berufsalltag als Pferdewirt/in
Der Arbeitstag im Pferdeberuf beginnt früh und richtet sich nach den Bedürfnissen der Tiere. Zu den täglichen Aufgaben gehören das Füttern und Tränken, das Ausmisten der Boxen, das Putzen und Pflegen der Pferde sowie die Kontrolle des Gesundheitszustands. Je nach Fachrichtung kommen Bewegung und Training, das Longieren, das Zureiten junger Pferde oder die Betreuung von Zuchtstuten und Fohlen hinzu.
Ein großer Teil der Arbeit findet im Freien und bei jedem Wetter statt. Körperliche Belastbarkeit ist deshalb ebenso wichtig wie ein ruhiger, sicherer Umgang mit den Tieren. In Betrieben mit Kundenkontakt beraten Pferdewirte außerdem Einsteller und Reitschüler, koordinieren Termine und achten auf die Sicherheit im Stall und auf dem Reitplatz. Wer in einer Pferdeklinik arbeitet, unterstützt zusätzlich bei der Versorgung kranker oder verletzter Pferde und assistiert dem tierärztlichen Personal.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Pferdewirte werden dort gebraucht, wo Pferde gehalten werden – und das ist in Deutschland flächendeckend der Fall. Der Pferdesport und die Freizeitreiterei sorgen fĂĽr eine stabile Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften. Besonders qualifizierte Kräfte in der klassischen Reitausbildung, in der Zucht und im Rennsport sind gefragt, weil hier fundiertes Fachwissen und praktische Erfahrung zusammenkommen mĂĽssen.
Der Verdienst hängt stark von Fachrichtung, Region, Betriebsgröße und Verantwortung ab. Einsteiger bewegen sich häufig im unteren Bereich der genannten Spanne, während erfahrene Fachkräfte und Betriebsleiter deutlich mehr verdienen. Wer den Abschluss als Pferdewirtschaftsmeister/in ergänzt, kann Leitungsaufgaben übernehmen, selbst ausbilden oder einen eigenen Betrieb führen. Passende Stellenangebote lassen sich über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sowie über Fachportale des Reit- und Pferdesports finden.
So läuft die Abschlussprüfung ab
Die Umschulung endet mit einer Abschlussprüfung vor der zuständigen Stelle, in der Regel der Landwirtschaftskammer. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Im schriftlichen Teil werden Kenntnisse zu Haltung, Fütterung, Gesundheit, Zucht und den wirtschaftlichen sowie rechtlichen Grundlagen abgefragt.
Im praktischen Teil weisen die Prüflinge ihre Fertigkeiten in der jeweiligen Fachrichtung nach, etwa im Umgang mit dem Pferd, in der Bewegungsarbeit, im Reiten oder in der Versorgung. Wer besteht, erhält den anerkannten Abschluss als Pferdewirt bzw. Pferdewirtin. Dieser bundesweit gültige Berufsabschluss ist die Grundlage für spätere Fortbildungen und den beruflichen Aufstieg.
Zur Vorbereitung gehört neben dem theoretischen Unterricht vor allem die praktische Arbeit im Betrieb. Umschüler sammeln dort über Monate Erfahrung im täglichen Umgang mit den Tieren und lernen die Abläufe eines Pferdebetriebs von Grund auf kennen. Wer die Prüfung nicht auf Anhieb besteht, kann sie nach den Vorgaben der zuständigen Stelle wiederholen. Es empfiehlt sich, frühzeitig Kontakt zur Landwirtschaftskammer aufzunehmen, um die genauen Anforderungen und Prüfungstermine der jeweiligen Fachrichtung zu klären.
Fachrichtungen im Detail
Die fünf Fachrichtungen unterscheiden sich deutlich in Aufgaben und Anforderungen. Ein Blick auf die Schwerpunkte hilft bei der Entscheidung, welche Richtung zu den eigenen Stärken passt.
- Pferdehaltung und Service: FĂĽtterung, Pflege, Stallmanagement und Betreuung der Einsteller in Pensions- und Reitbetrieben.
- Pferdezucht: Auswahl der Zuchttiere, Betreuung von Stuten und Fohlen, Aufzucht und Kenntnisse der Vererbungslehre.
- Klassische Reitausbildung: Ausbildung von Pferd und Reiter, Bewegungsarbeit und die Grundlagen der Reitlehre.
- Pferderennen: Training und Vorbereitung von Renn- und Trabrennpferden sowie die Arbeit auf der Rennbahn.
- Spezialreitweisen: etwa Westernreiten oder Gangpferdereiten mit eigenen Techniken und AusrĂĽstungen.
Da nicht jeder Betrieb alle Fachrichtungen ausbildet, lohnt sich die frühzeitige Suche nach einem passenden Umschulungsbetrieb in erreichbarer Nähe. Die gewählte Fachrichtung prägt später auch die beruflichen Einsatzmöglichkeiten und den Kundenkreis.
Förderung der Umschulung über das Arbeitsamt
Ob die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter eine Pferdewirt-Umschulung fördert, entscheidet sich im Beratungsgespräch. Voraussetzung ist, dass die Umschulung beruflich notwendig ist, etwa weil im bisherigen Beruf keine Beschäftigung mehr möglich ist oder gesundheitliche Gründe einen Wechsel erfordern. Ist die Förderung dem Grunde nach möglich, stellt der Vermittler einen Bildungsgutschein aus.
Mit dem Bildungsgutschein wählen Sie einen AZAV-zugelassenen Anbieter, den Sie unter anderem über KURSNET der Bundesagentur für Arbeit finden. Übernommen werden können die Lehrgangskosten sowie unter Umständen Fahrt- und Kinderbetreuungskosten; der Lebensunterhalt kann während der Maßnahme abgesichert werden. Einen Rechtsanspruch auf einen Bildungsgutschein gibt es nicht, weshalb das persönliche Beratungsgespräch der wichtigste erste Schritt ist.
Die Pferdewirt-Umschulung ist häufig die Basis für den Start in einen erfüllenden Pferdeberuf. Pferdeliebhaber/innen sichern sich so neue berufliche Perspektiven und arbeiten täglich mit Tieren.
Zugunsten der eigenen Karriere sollten Pferdewirte ihre Laufbahn weiterentwickeln und dazu unter anderem den folgenden Tipp aus unserer Redaktion beherzigen.
Nutzen Sie die Weiterbildungsmöglichkeiten für Pferdewirte
Als Pferdewirt/in sammeln Sie zusätzliche Karrierebausteine, indem Sie sich weiterbilden. Neben Seminaren rund ums Pferd kommen Fortbildungen mit anerkanntem Abschluss infrage:
- Pferdewirtschaftsmeister/in
- Betriebswirt/in – Agrarbetrieb
- Techniker/in – Agrartechnik
- Fachagrarwirt/in – Besamungswesen
In Zeiten zunehmender Akademisierung ist auch ein Studium eine Option. Für Pferdewirte bieten sich Disziplinen wie Pferdewissenschaft, Pferdewirtschaft oder Agrarwissenschaft an. Zum Teil ist ein berufsbegleitendes Studium als Fernstudium oder anderweitiges Teilzeitstudium möglich.






