Umschulung Notarfachangestellter - Quereinstieg über das Arbeitsamt
Eine Umschulung zum oder zur Notarfachangestellten dauert in der Regel rund zwei Jahre und führt Berufswechsler/innen als außerbetrieblicher Lehrgang zum anerkannten Kammerabschluss. Sie richtet sich an Menschen ohne juristische Vorbildung, die im Notariat rechtliche und organisatorische Aufgaben übernehmen möchten. Über das Arbeitsamt lässt sich die Maßnahme mit einem Bildungsgutschein finanzieren, sofern die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Die Umschulung zum/zur Notarfachangestellten dauert meist etwa zwei Jahre und schließt mit einer Prüfung vor der zuständigen Notarkammer beziehungsweise dem Oberlandesgericht ab.
- Eine bestimmte Vorbildung ist nicht vorgeschrieben; wichtig sind Sorgfalt, Verschwiegenheit und ein sicheres Sprachgefühl.
- Das Bruttojahresgehalt liegt je nach Region und Erfahrung meist zwischen rund 24.000 und 36.000 Euro.
- Bei Förderfähigkeit übernimmt die Agentur für Arbeit die Lehrgangskosten über einen Bildungsgutschein.
- Der Beruf ist eng verwandt mit der/dem Rechtsanwaltsfachangestellten und bietet Aufstiegswege bis zur/zum Notarfachwirt/in.

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Inhaltsverzeichnis
- Berufsbild und Verdienstmöglichkeiten
- Per Umschulung Notarfachangestellte/r werden
- Alternativen zur Umschulung
- Weiterbildung und Aufstieg
- Der Berufsalltag im Notariat
- Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
- So läuft die Abschlussprüfung ab
- Wer für den Beruf geeignet ist
- Förderung über das Arbeitsamt
- Häufige Fragen zur Umschulung
Berufsbild Notarfachangestellte/r und Verdienstmöglichkeiten
Als Notarfachangestellte/r ist man typischerweise in einem Notariat oder in einer Anwaltskanzlei mit angeschlossenem Notariat tätig. Dort unterstützt man den Notar oder die Notarin bei rechtlichen Dienstleistungen, etwa bei Grundstückskaufverträgen, Erbregelungen, Testamenten, Vollmachten oder Gesellschaftsgründungen. Zu den Aufgaben gehört das Entwerfen und Ausfertigen von Urkunden, die Terminvorbereitung mit den Beteiligten sowie die Abwicklung nach der Beurkundung, zum Beispiel Meldungen an das Grundbuchamt oder das Handelsregister.
Weiterhin obliegt Notarfachangestellten die Organisation des Notariats. Sie führen den Schriftverkehr, verwalten Akten und Fristen, erstellen Kostenrechnungen nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz und betreuen die Mandantschaft am Telefon und am Empfang. Kaufmännische und organisatorische Tätigkeiten prägen somit den Arbeitsalltag genauso wie die rechtliche Sacharbeit.
Die Verdienstmöglichkeiten sind ein wichtiges Thema für alle, die sich für das Berufsbild interessieren. Im Einzelfall kann das Einkommen je nach Bundesland, Größe des Notariats und Berufserfahrung stark schwanken, weshalb pauschale Angaben mit Vorsicht zu genießen sind. Zur groben Orientierung lässt sich ein durchschnittliches Bruttojahresgehalt von rund 24.000 bis 36.000 Euro nennen. Mit einschlägiger Berufserfahrung und Zusatzqualifikation sind auch höhere Bezüge möglich.
Per Umschulung Notarfachangestellte/r werden
In der Regel erlangt man den Abschluss als Notarfachangestellte/r über eine dreijährige duale Berufsausbildung. Speziell für Berufswechsler/innen gibt es aber auch die Möglichkeit einer Umschulung. Diese kommt typischerweise als außerbetrieblicher Lehrgang daher und führt Erwachsene aus anderen Berufssparten zum offiziellen Abschluss.
Inhaltlich gibt es keine gravierenden Unterschiede zur regulären Ausbildung, sodass sich die zentralen Themen der Qualifizierung folgendermaßen zusammenfassen lassen:
- Rechtspflege und Rechtsdienstleistungen
- Notariatsdienste und Beurkundungsverfahren
- Grundbuch-, Handels- und Vereinsregisterrecht
- Kostenrecht und Rechnungswesen
- Betriebswirtschaftslehre
- Büroorganisation und Fristenwesen
- Kommunikation und Korrespondenz
- fachbezogene IT und Notariatssoftware
Voraussetzungen, Dauer und Kosten der Umschulung
Im Gegensatz zur klassischen Ausbildung kommt die Umschulung nicht in dualer Form, sondern zumeist als außerbetrieblicher Lehrgang daher. Dadurch ergeben sich einige organisatorische Unterschiede, weshalb sich angehende Umschüler/innen intensiv mit den Rahmenbedingungen der Maßnahme befassen sollten. Nachfolgend gibt es zur groben Orientierung eine Übersicht über die wesentlichen Eckpunkte.
- Voraussetzung: keine juristische Vorbildung nötig; Sorgfalt, Verschwiegenheit und sicheres Deutsch sind wichtig
- Dauer: in der Regel rund zwei Jahre
- Abschluss: Prüfung vor der Notarkammer beziehungsweise dem Oberlandesgericht des jeweiligen Bundeslandes
- Kosten: variabel; bei Förderfähigkeit über den Bildungsgutschein des Arbeitsamtes abgedeckt
Wer die Umschulung über die Agentur für Arbeit finanzieren möchte, wendet sich am besten frühzeitig an die zuständige Vermittlungsfachkraft. Bei einem bewilligten Bildungsgutschein lässt sich anschließend über geförderte Weiterbildung über das Arbeitsamt ein passender, AZAV-zugelassener Anbieter über KURSNET der Bundesagentur für Arbeit auswählen.
Alternativen zur Umschulung zum Notarfachangestellten
Interessierte sollten zunächst offen für mögliche Alternativen sein, denn im rechtlichen und kaufmännischen Umfeld gibt es mehrere verwandte Berufe mit ähnlichem Profil. Als vergleichbare Umschulungen sind unter anderem zu nennen:
- Rechtsanwaltsfachangestellte/r
- Justizfachangestellte/r
- Steuerfachangestellte/r
- Verwaltungsfachangestellte/r
- Kaufmann/-frau für Büromanagement
- Patentanwaltsfachangestellte/r
Eine Übersicht weiterer Berufe findet sich im Ratgeber zur Umschulung über das Arbeitsamt, in dem auch Ablauf und Finanzierung ausführlich erklärt werden.
Weiterbildungsmöglichkeiten für Notarfachangestellte
Wer sich für die Qualifizierung zum/zur Notarfachangestellten entschieden hat, sollte zu gegebener Zeit das lebenslange Lernen im Blick behalten. Im Rahmen passender Seminare kann man sein Wissen auffrischen, ausbauen oder spezialisieren:
- Kostenrecht und Kostenberechnung
- Grundbuch- und Registerverfahren
- Erb- und Gesellschaftsrecht in der Praxis
- Büroorganisation und Fristenmanagement
- Kommunikation und Korrespondenz
Zudem kommt eine Fortbildung in Betracht, die auf der Qualifikation aufbaut und sich als Karrierebaustein eignet. Hier sind vor allem die folgenden Abschlüsse zu nennen:
- Notarfachwirt/in
- Rechtsfachwirt/in
- Fachwirt/in - Büro- und Projektorganisation
- Betriebswirt/in - Recht
Der Berufsalltag im Notariat
Der Arbeitstag im Notariat verläuft ruhiger und strukturierter, als es das Umfeld vermuten lässt. Ein großer Teil der Zeit entfällt auf die Vorbereitung von Urkunden: Notarfachangestellte nehmen die Angaben der Beteiligten auf, prüfen Unterlagen wie Grundbuchauszüge oder Handelsregisterauszüge und erstellen daraus einen Entwurf, den der Notar oder die Notarin anschließend prüft und mit den Parteien bespricht.
Am Beurkundungstag empfangen Notarfachangestellte die Beteiligten, halten die vollständigen Unterlagen bereit und protokollieren gegebenenfalls Vollzüge. Nach der Beurkundung folgt die Abwicklung: Anträge an das Grundbuchamt, Meldungen an das Handelsregister, Einholung von Genehmigungen und die Erstellung der Kostenrechnung. Präzision und Diskretion sind dabei durchgehend gefragt, weil Notarfachangestellte mit sensiblen persönlichen und wirtschaftlichen Daten arbeiten und der beruflichen Verschwiegenheit unterliegen.
Der Umgang mit Menschen in wichtigen Lebenssituationen - Hauskauf, Firmengründung, Nachlassregelung - macht einen besonderen Teil des Berufs aus. Wer freundlich auftritt, gut zuhört und komplizierte Abläufe verständlich erklärt, ist in diesem Beruf gut aufgehoben.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Notarfachangestellte werden bundesweit gesucht, denn viele Notariate finden nur schwer qualifizierten Nachwuchs. Die Nachfrage ist über Jahre stabil, weil notarielle Beurkundungen bei Immobilien, Erbschaften und Unternehmensgründungen gesetzlich vorgeschrieben sind und daher unabhängig von Konjunkturschwankungen anfallen.
Für Umschüler/innen bedeutet das solide Einstiegschancen, gerade in Regionen mit vielen Notariaten. Wer den Kammerabschluss vorweisen kann, findet in der Regel zügig eine Anstellung, häufig auch in einer kombinierten Anwalts- und Notariatskanzlei. Offene Stellen lassen sich über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sowie über die örtlichen Notarkammern recherchieren.
Da der Beruf eng mit dem der/des Rechtsanwaltsfachangestellten verwandt ist, eröffnen sich zusätzliche Möglichkeiten in Kanzleien, die beide Bereiche abdecken. Wer sich fortbildet oder ein einschlägiges Studium ergänzt, verbessert die Aussichten auf verantwortungsvollere Positionen und eine bessere Vergütung.
So läuft die Abschlussprüfung ab
Die Umschulung endet mit einer Prüfung vor der zuständigen Stelle des jeweiligen Bundeslandes; das ist je nach Region die Notarkammer oder das Oberlandesgericht. Die Prüfung gliedert sich in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil und orientiert sich am Ausbildungsrahmenplan des anerkannten Ausbildungsberufs.
Im schriftlichen Teil werden typischerweise Aufgaben aus dem Notariats- und Verfahrensrecht, dem Kostenrecht sowie aus Wirtschafts- und Sozialkunde gestellt. Geprüft wird unter anderem, ob Prüflinge Urkundenentwürfe erstellen, Kosten korrekt berechnen und Register- sowie Grundbuchvorgänge sicher bearbeiten können. Der mündliche Teil vertieft praxisnahe Fälle und prüft das fachliche Verständnis im Gespräch.
Eine gute Vorbereitung gelingt über die Lehrgangsunterlagen des Bildungsträgers, Übungsklausuren früherer Prüfungen und den Austausch mit erfahrenen Fachkräften. Bei bestandener Prüfung erhält man einen anerkannten Berufsabschluss, der bundesweit gilt.
Wer für den Beruf geeignet ist
Die Umschulung zum/zur Notarfachangestellten passt besonders zu Menschen, die gern strukturiert und gewissenhaft arbeiten. Weil im Notariat schon kleine Fehler in einer Urkunde erhebliche Folgen haben können, zählen Genauigkeit und ein prüfender Blick zu den wichtigsten Eigenschaften. Wer bereits in einem kaufmännischen oder verwaltenden Beruf tätig war, bringt oft gute Grundlagen mit, etwa Erfahrung mit Schriftverkehr, Aktenführung und Terminorganisation.
Ebenso wichtig ist ein sicheres Sprachgefühl. Notarielle Texte sind formal und präzise formuliert, weshalb ein gutes Verständnis der deutschen Sprache und Freude am genauen Arbeiten mit Texten hilfreich sind. Da Notarfachangestellte regelmäßig Kontakt zur Mandantschaft haben, kommen ein freundliches Auftreten und ein sicherer Umgang mit Menschen hinzu. Wer zusätzlich Interesse an rechtlichen Zusammenhängen mitbringt, findet in diesem Beruf ein abwechslungsreiches und dauerhaft gefragtes Tätigkeitsfeld.
Ein Quereinstieg gelingt erfahrungsgemäß gut aus verwandten Bereichen wie dem Sekretariat, der öffentlichen Verwaltung oder aus einer Anwaltskanzlei. Auch Berufsrückkehrer/innen nach einer Familienphase nutzen die Umschulung häufig, um wieder in einen stabilen Bürojob einzusteigen.
Förderung über das Arbeitsamt im Überblick
Wer arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann die Umschulung unter bestimmten Voraussetzungen über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter finanzieren lassen. Zentrales Instrument ist der Bildungsgutschein: Er deckt die Lehrgangskosten ab und kann auch Fahrt- und Betreuungskosten umfassen. Voraussetzung ist, dass die Maßnahme die Eingliederung in den Arbeitsmarkt verbessert und der Bildungsträger nach der AZAV zugelassen ist.
Der Weg dorthin beginnt mit einem Beratungsgespräch. Dabei prüft die Vermittlungsfachkraft die persönliche Situation und die Arbeitsmarktchancen des Zielberufs. Fällt die Entscheidung positiv aus, wird der Bildungsgutschein ausgestellt, mit dem sich Interessierte anschließend einen passenden Anbieter suchen. Eine gute Anlaufstelle für die Suche ist KURSNET, die Datenbank der Bundesagentur für Arbeit für berufliche Aus- und Weiterbildung.
Neben dem Bildungsgutschein gibt es weitere Unterstützungsformen. Während der Umschulung kann unter bestimmten Voraussetzungen Arbeitslosengeld weiterbezogen werden, sodass der Lebensunterhalt gesichert bleibt. Für Empfänger/innen von Grundsicherungsgeld (Bürgergeld) läuft die Förderung in der Regel über das Jobcenter. Da sich die Regelungen und Fördervoraussetzungen im Detail unterscheiden, empfiehlt es sich, alle offenen Fragen frühzeitig im Beratungsgespräch zu klären und die nötigen Unterlagen vollständig vorzubereiten. So lässt sich der Start in die Umschulung ohne finanzielle Unsicherheit planen.
Häufige Fragen zur Umschulung als Notarfachangestellte/r
Wie lange dauert die Umschulung zum Notarfachangestellten?
Welche Voraussetzungen muss ich für die Umschulung erfüllen?
Zahlt das Arbeitsamt die Umschulung zum Notarfachangestellten?
Was verdient man als Notarfachangestellte/r?
Welche Aufgaben hat eine Notarfachangestellte im Alltag?
Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nach der Umschulung?
Die zunehmende Akademisierung macht auch vor den Notariaten nicht Halt. Notare und Notarinnen verfügen über eine fundierte akademische Ausbildung auf dem Gebiet der Rechtswissenschaften. Notarfachangestellte absolvieren dahingegen eine duale Ausbildung oder eine Umschulung. Dennoch lohnt es sich, das Potenzial einer akademischen Bildung nicht zu verkennen.
Bauen Sie Ihre Kompetenz als Notarfachangestellte/r durch ein Studium aus
Ambitionierte Notarfachangestellte können ihren beruflichen Aufstieg fördern, indem sie sich regelmäßig weiterbilden und dabei auch an ein einschlägiges Studium denken. Rechtswissenschaft oder Wirtschaftsrecht sind hier zu nennen. Über ein Fernstudium oder ein anderes Teilzeitstudium lässt sich berufsbegleitend studieren, sodass sich Theorie und Praxis gut miteinander vereinbaren lassen.