Betriebliche Umschulung

Eine betriebliche Umschulung ist eine anerkannte Zweitausbildung, die überwiegend im Betrieb stattfindet und zu einem regulären Berufsabschluss vor der zuständigen Kammer (IHK oder Handwerkskammer) führt. Sie folgt dem dualen Prinzip, dauert meist zwei Jahre und wird häufig durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter über einen Bildungsgutschein gefördert. Anders als die außerbetriebliche Variante verbringt man den Grossteil der Zeit direkt im Unternehmen und erhält in der Regel eine Umschulungsvergütung.

Das Wichtigste in KĂĽrze

  • Die betriebliche Umschulung findet nach dem dualen Prinzip statt: Praxis im Betrieb plus optionaler Berufsschulunterricht.
  • Sie fĂĽhrt zu einem vollwertigen, bundesweit anerkannten Berufsabschluss vor IHK oder Handwerkskammer.
  • Die Regeldauer beträgt zwei Jahre und ist damit gegenĂĽber einer dreijährigen Erstausbildung verkĂĽrzt.
  • Teilnehmende erhalten meist eine UmschulungsvergĂĽtung; LehrgangsgebĂĽhren fallen in der Regel nicht an.
  • Eine Förderung ĂĽber Bildungsgutschein, Umschulungskosten und Lebensunterhalt durch die Agentur fĂĽr Arbeit oder das Jobcenter ist möglich.

Betriebliche Umschulung: praktische Ausbildung im Betrieb mit begleitendem Berufsschulunterricht

So funktioniert eine betriebliche Umschulung

Betriebliche Umschulungen kommen klassischen Berufsausbildungen sehr nahe, weil sie ebenfalls im Betrieb stattfinden. Dem Berufsbildungsgesetz nach folgen auch entsprechende Umschulungen dem dualen Konzept. UmschĂĽler/innen werden dabei ebenso wie Auszubildende im Betrieb ausgebildet. Parallel dazu findet Unterricht an der Berufsschule als zweite Komponente statt. Als UmschĂĽler/in unterliegt man allerdings nicht der Berufsschulpflicht und kann die Berufsschule optional besuchen.

Es ist demnach kein Muss, noch einmal die Schulbank zu drücken. In Anbetracht der Tatsache, dass es eine grosse Herausforderung ist, einen neuen Beruf von der Pike auf zu erlernen, ist es allerdings ratsam, den Berufsschulunterricht im Rahmen der betrieblichen Umschulung zu nutzen. Grundlage ist ein Umschulungsvertrag mit dem Betrieb, der bei der zuständigen Kammer eingetragen wird. Gegenüber einer regulären Erstausbildung ist die Umschulung meist auf zwei Jahre verkürzt, weil bereits vorhandene Berufs- und Lebenserfahrung angerechnet wird. Wer eine betriebliche Umschulung über das Arbeitsamt anstrebt, findet weitere Grundlagen im Ratgeber Umschulung über das Arbeitsamt.

Die Vorteile einer betrieblichen Umschulung

Da die gängigen Umschulungsangebote überwiegend außerbetrieblicher Natur sind, stellen sich Interessierte teilweise die Frage, warum es betriebliche Umschulungen gibt und aus welchem Grund sie sich für diese Variante entscheiden sollten. Grundsätzlich handelt es sich um eine individuelle Entscheidung, die davon abhängt, ob eine betriebliche Umschulung in das eigene Leben passt.

Die Daseinsberechtigung betrieblicher Umschulungen ist auf jeden Fall gegeben, weshalb diese Variante eine Ăśberlegung wert sein sollte. Insbesondere die folgenden Vorteile sind hier zu nennen:

  • ähnelt stark der klassischen Berufsausbildung
  • verbindet Theorie und Praxis
  • umfassende Vorbereitung auf den Berufsabschluss
  • hoher Praxisbezug
  • gute Ăśbernahmemöglichkeit im ausbildenden Betrieb
  • bundesweit anerkannter Kammerabschluss
  • UmschulungsvergĂĽtung während der MaĂźnahme

Ein wesentlicher Pluspunkt ist die direkte Nähe zum Arbeitsmarkt: Wer sich im Betrieb bewährt, hat gute Chancen auf eine anschließende Festanstellung. Zudem lernt man den Berufsalltag von Anfang an unter realen Bedingungen kennen und knüpft frühzeitig Kontakte in der Branche.

Die besonderen Herausforderungen betrieblicher Umschulungen

Dass betriebliche Umschulungsmaßnahmen punkten können, steht außer Frage. Menschen, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen und daher eine Zweitausbildung in Angriff nehmen möchten, dürfen allerdings auch nicht außer Acht lassen, dass eine Umschulung im Betrieb mit besonderen Herausforderungen einhergeht. Hier sind insbesondere die folgenden Hürden zu nennen:

  • vergleichsweise wenige Angebote
  • mitunter schwierige Vereinbarkeit mit der Familie
  • zusätzliche Doppelbelastung durch Betrieb und Berufsschule
  • Vergleich mit deutlich jĂĽngeren Auszubildenden
  • zunächst geringes Einkommen

Die größte praktische Hürde ist häufig, überhaupt einen Betrieb zu finden, der bereit ist, eine Umschulung anzubieten. Wer diese Punkte im Vorfeld realistisch einschätzt und die Finanzierung frühzeitig klärt, kann die betriebliche Umschulung jedoch gut meistern.

FĂĽr wen eine betriebliche Umschulung sinnvoll ist

Eine betriebliche Umschulung ist vor allem für Menschen sinnvoll, die nicht lange die Schulbank drücken möchten und großen Wert auf Praxisbezüge legen. Grundsätzlich ist eine Umschulung immer dann anzuraten, wenn der Arbeitsmarkt oder gesundheitliche Einschränkungen für Perspektivlosigkeit im bisher ausgeübten Beruf sorgen.

In solchen Fällen ist eine Umorientierung zugunsten eines Berufswechsels angezeigt. Unter diesen Voraussetzungen macht eine betriebliche Umschulung Sinn und kann sich als TĂĽröffner erweisen. Insbesondere der Umstand, dass UmschĂĽler/innen so erste Kontakte knĂĽpfen und wichtige Erfahrungen sammeln, sorgt dafĂĽr, dass es sich um einen vielversprechenden Karrierebaustein handeln kann. Auch fĂĽr ältere UmschĂĽler/innen kann die betriebliche Variante attraktiv sein – hilfreiche Hinweise dazu bieten die Ratgeber zur Umschulung mit 40 und zur Umschulung mit 50.

Alternativen zur betrieblichen Umschulung

Obwohl viele Aspekte für eine Umschulung auf betrieblicher Ebene sprechen, ist diese keineswegs alternativlos. Zunächst muss es nicht zwingend eine Umschulungsmaßnahme sein, denn eine berufliche Qualifizierung lässt sich ebenfalls mithilfe der einen oder anderen Weiterbildung über das Arbeitsamt erreichen. Wenn es aber um den Erwerb des grundlegenden Berufsabschlusses geht, kommen Umschulungen ins Spiel. Als Alternative zur betrieblichen Variante bieten sich auch die folgenden Optionen an:

  • AuĂźerbetriebliche Umschulung
    Außerbetriebliche Umschulungen kommen ebenfalls als Zweitausbildungen daher und führen Umschüler/innen zum offiziellen Berufsabschluss. Dabei handelt es sich allerdings um Lehrgänge, die stark an die Schule erinnern und lediglich einzelne Praxisphasen in Form von Praktika vorsehen.
  • Duale Berufsausbildung
    Da die betriebliche Umschulung ohnehin weitestgehend der klassischen Ausbildung entspricht, liegt es nahe, eine duale Berufsausbildung ins Auge zu fassen. Viele Ausbildungsbetriebe suchen händeringend nach Auszubildenden und geben keine Altersgrenzen vor, so dass nicht nur Schulabgänger/innen reelle Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben.
  • Teilzeit-Umschulung
    Wer Beruf, Familie oder Pflege mit der Qualifizierung vereinbaren muss, kann eine Umschulung in Teilzeit in Betracht ziehen, die zeitlich gestreckt abläuft.

So findet man eine betriebliche Umschulung

All diejenigen, die sich betrieblich umschulen lassen möchten, müssen sich auf die Suche nach entsprechenden Angeboten begeben. Dies ist gar nicht so leicht und oftmals sehr ermüdend. Es lohnt sich, bei der örtlichen Agentur für Arbeit vorstellig zu werden und Betriebe aus der Umgebung direkt zu kontaktieren. Die Bundesagentur für Arbeit bietet mit KURSNET eine Datenbank, in der sich AZAV-zugelassene Maßnahmen und Anbieter recherchieren lassen.

Ein bewährter Weg ist die Initiativbewerbung: Wer einen Betrieb von sich überzeugt, kann eine betriebliche Umschulung häufig individuell vereinbaren. Der Betrieb schließt dann einen Umschulungsvertrag ab, der bei der zuständigen Kammer eingetragen wird. Parallel sollte man das Gespräch mit der Beratungsfachkraft im Arbeitsamt suchen, um die Förderung über einen Bildungsgutschein zu klären.

Die Finanzierung einer betrieblichen Umschulung

Teilnehmende an einer betrieblichen Umschulung müssen in der Regel mit keinen Lehrgangsgebühren rechnen und erhalten stattdessen eine Umschulungsvergütung. Diese fällt allerdings vergleichsweise gering aus und reicht häufig nicht für den gesamten Lebensunterhalt aus. Aus diesem Grund sollten sich auch Umschüler/innen im Betrieb frühzeitig um eine solide Finanzierung der Qualifizierungsphase kümmern.

Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter helfen hier weiter. Über einen Bildungsgutschein können die Kosten einer AZAV-zugelassenen Maßnahme übernommen werden. Für den Lebensunterhalt kommen je nach Situation Arbeitslosengeld, das Bürgergeld (früher Hartz IV) oder ergänzende Leistungen in Betracht. Wichtig ist, die Förderung vor Beginn der Umschulung zu beantragen. Details zur Förderfähigkeit erläutert der Ratgeber zur Umschulung mit Bildungsgutschein.

Kurz erklärt: betriebliche und außerbetriebliche Umschulung
Bei der betrieblichen Umschulung lernt man ĂĽberwiegend im Unternehmen und erhält eine UmschulungsvergĂĽtung. Bei der auĂźerbetrieblichen Umschulung steht der Unterricht bei einem Bildungsträger im Vordergrund, ergänzt um Praktika. Beide Wege fĂĽhren zum selben anerkannten Kammerabschluss – entscheidend ist, welche Lernform besser zur eigenen Lebenssituation passt.

So läuft eine betriebliche Umschulung ab

Am Anfang steht die Beratung bei der Agentur fĂĽr Arbeit oder beim Jobcenter, in der die persönliche Eignung und der Förderanspruch geklärt werden. Ist ein passender Betrieb gefunden, wird ein Umschulungsvertrag geschlossen und bei der zuständigen Kammer eingetragen. Damit sind die Rahmenbedingungen – Dauer, VergĂĽtung und Ausbildungsinhalte – verbindlich festgelegt.

Im Verlauf der zweijährigen Maßnahme wechseln sich Praxisphasen im Betrieb und begleitender Berufsschulunterricht ab. Die betrieblichen Ausbilder/innen vermitteln die praktischen Fertigkeiten, während in der Berufsschule das theoretische Fundament gelegt wird. Zur Mitte der Umschulung findet in vielen Berufen eine Zwischenprüfung statt, die den Leistungsstand dokumentiert und auf die Abschlussprüfung vorbereitet. Umschüler/innen sollten von Beginn an einen Lernplan verfolgen, weil die Stofffülle in der verkürzten Zeit hoch ist.

So läuft die Abschlussprüfung ab

Die betriebliche Umschulung endet mit der Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer, also der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder der Handwerkskammer. Die Prüfung entspricht inhaltlich der regulären Gesellen- oder Abschlussprüfung des jeweiligen Ausbildungsberufs. Sie setzt sich meist aus einem schriftlichen Teil und einer praktischen Prüfung zusammen; in einigen Berufen kommt ein mündliches Fachgespräch hinzu.

Zur Prüfung anmelden kann man sich über den Betrieb beziehungsweise die Kammer. Wer besteht, erhält ein bundesweit anerkanntes Prüfungszeugnis, das dem Abschluss einer klassischen Berufsausbildung gleichgestellt ist. Fällt man durch, ist eine Wiederholung der Prüfung möglich. Eine gute Vorbereitung durch den Berufsschulunterricht, Fachliteratur und Übungsaufgaben erhöht die Erfolgsaussichten deutlich.

Häufige Fragen zur betrieblichen Umschulung

Wie lange dauert eine betriebliche Umschulung?
Eine betriebliche Umschulung dauert in der Regel zwei Jahre und ist damit gegenüber der dreijährigen Erstausbildung um etwa ein Drittel verkürzt. Grundlage ist die Anrechnung bereits vorhandener Berufs- und Lebenserfahrung. Die genaue Dauer wird im Umschulungsvertrag festgelegt und richtet sich nach dem jeweiligen Ausbildungsberuf sowie den Vorgaben der zuständigen Kammer.
Was ist der Unterschied zwischen betrieblicher und auĂźerbetrieblicher Umschulung?
Bei der betrieblichen Umschulung findet die Qualifizierung überwiegend im Unternehmen statt, ergänzt um Berufsschulunterricht. Bei der außerbetrieblichen Umschulung steht der Unterricht bei einem Bildungsträger im Vordergrund, ergänzt um Praktika. Beide Varianten führen zum selben anerkannten Kammerabschluss. Der wesentliche Unterschied liegt im Praxisanteil und in der Umschulungsvergütung, die es nur im Betrieb gibt.
Bekommt man während einer betrieblichen Umschulung Geld?
Ja, im Betrieb erhält man in der Regel eine Umschulungsvergütung, die allerdings gering ausfällt. Reicht sie nicht für den Lebensunterhalt, können ergänzende Leistungen der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters beantragt werden, etwa Arbeitslosengeld oder Bürgergeld. Die Kosten der Maßnahme selbst lassen sich über einen Bildungsgutschein fördern, wenn die Umschulung AZAV-zugelassen ist.
Wird eine betriebliche Umschulung vom Arbeitsamt gefördert?
Ja, die Agentur fĂĽr Arbeit oder das Jobcenter kann eine betriebliche Umschulung ĂĽber einen Bildungsgutschein fördern, sofern die MaĂźnahme nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zugelassen ist. Ein Rechtsanspruch besteht nicht – die Förderung liegt im Ermessen der Beratungsfachkraft. Deshalb sollte die Förderung immer vor Beginn der Umschulung im persönlichen Gespräch geklärt werden.
Welchen Abschluss erhält man nach einer betrieblichen Umschulung?
Nach bestandener Abschlussprüfung vor der IHK oder Handwerkskammer erhält man ein bundesweit anerkanntes Prüfungszeugnis. Dieser Abschluss ist dem einer regulären dualen Berufsausbildung gleichgestellt. Damit stehen Umschüler/innen auf dem Arbeitsmarkt dieselben Möglichkeiten offen wie Absolventen einer klassischen Ausbildung im jeweiligen Beruf.
Wie findet man einen Betrieb fĂĽr eine betriebliche Umschulung?
Geeignete Angebote lassen sich über KURSNET der Bundesagentur für Arbeit, die örtliche Agentur für Arbeit und Initiativbewerbungen bei Unternehmen der Region finden. Oft entsteht eine betriebliche Umschulung durch die direkte Ansprache eines Betriebs, der bereit ist, einen Umschulungsvertrag abzuschließen. Die Beratungsfachkraft im Arbeitsamt unterstützt bei der Suche und klärt zugleich die Fördervoraussetzungen.
Achtung! Tipp aus der Redaktion

Wenn es um betriebliche Umschulungen geht, sind viele Interessierte verunsichert und haben viele Fragen. Diese sollten nicht unbeantwortet bleiben und im Zuge der Entscheidungsfindung geklärt werden.

AuĂźerdem ist es wichtig, sich gut vorzubereiten und den Entschluss aus voller Ăśberzeugung zu fassen. Der folgende Tipp aus unserer Redaktion soll dazu beitragen.

Lassen Sie sich beraten

Die Entscheidung für oder auch gegen eine betriebliche Umschulung kann das ganze Leben verändern und ist daher eine persönliche Angelegenheit. Dies bedeutet aber nicht, dass man im Rahmen der Entscheidungsfindung vollkommen auf sich alleingestellt sein muss.

Interessierte sollten vielmehr Beratungen nutzen, um sich mit fachkundigen Ansprechpartnern auszutauschen. Insbesondere die Agentur fĂĽr Arbeit ist hier zu nennen und hilft weiter, wenn es um die eventuelle Aufnahme einer UmschulungsmaĂźnahme geht.

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