Abitur nachholen

Junge Frau lernt am Schreibtisch in einem hellen Abendkursraum für das Abitur, mit Büchern, Taschenrechner und Laptop
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Das Abitur ist der höchste Schulabschluss, den man in Deutschland erreichen kann. Allein diese Tatsache sorgt dafür, dass die allgemeine Hochschulreife vielen Menschen überaus erstrebenswert erscheint. Zusätzlich zeichnet sich seit Jahren eine zunehmende Akademisierung ab, wodurch insbesondere Führungskräfte immer häufiger einen Hochschulabschluss brauchen. Es liegt daher für Menschen mit ambitionierten Karriereplänen nahe, zunächst das Abitur nachzuholen, um anschließend beispielsweise ein berufsbegleitendes Studium aufzunehmen.

Wer zu Schulzeiten kein Interesse am Abitur hatte oder nicht die Chance dazu bekam, bedauert dies häufig und weiß den zweiten Bildungsweg sehr zu schätzen. Dieser eröffnet Erwachsenen die Möglichkeit, nachträglich das Abitur nachzumachen. Interessierte dürfen trotz aller Begeisterung nicht vergessen, dass es sich dabei um ein herausforderndes Unterfangen handelt. Es ist daher wichtig, sich vorab eingehend zu informieren und ein genaues Bild vom Abitur auf dem zweiten Bildungsweg zu machen. Dieser Ratgeber ordnet die Wege, Voraussetzungen, Kosten und Fördermöglichkeiten für Sie ein.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Das Abitur nachholen können Sie über Abendgymnasium, Kolleg, Fernschule oder als Nichtschülerabitur per Externenprüfung - der zweite Bildungsweg ist gut ausgebaut.
  • Voraussetzung ist meist ein Mindestalter (Abendgymnasium/Kolleg ab 18-19), eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufstätigkeit sowie die erfüllte Vollzeitschulpflicht.
  • Der Besuch staatlicher Einrichtungen ist schulgeldfrei; private Fernschulen kosten je nach Dauer meist 3.000 bis 6.000 Euro plus Prüfungsgebühren.
  • Wichtigste Förderung ist das elternunabhängige Schüler-BAföG für Abendgymnasium und Kolleg; das Aufstiegsstipendium richtet sich an beruflich Qualifizierte.
  • Die Agentur für Arbeit fördert das Abitur nur selten direkt - im Vordergrund stehen Haupt- und Realschulabschluss sowie berufliche Weiterbildung.

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Inhaltsverzeichnis

So holen Sie das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach

Das Nachholen des Abiturs scheitert nicht an fehlenden Möglichkeiten, denn es gibt eine ganze Reihe an Anbietern. Der Zugang zu einem Abiturlehrgang ist in der Regel kein Problem, da der zweite Bildungsweg hierzulande gut ausgebaut ist. Die Schwierigkeit besteht vielmehr darin, den Lernalltag zu organisieren und passende Rahmenbedingungen zu schaffen. Wer sich der Herausforderung stellen möchte, sollte die folgenden Bildungseinrichtungen kennen:

Neben diesen Lehrgängen steht das Nichtschülerabitur als völlig eigenständiger Weg offen, bei dem Sie sich im Selbststudium auf die Prüfung vorbereiten. Wer erst einen mittleren Abschluss braucht, findet die Grundlagen in unserem Ratgeber zum Schulabschluss nachholen.

WegLernformTypische DauerKosten
AbendgymnasiumAbendunterricht, berufsbegleitendca. 3 bis 3,5 Jahrestaatlich schulgeldfrei
KollegVollzeit-Tagesunterrichtca. 3 Jahrestaatlich schulgeldfrei
FernschuleSelbstlernen mit Online-Betreuungca. 3 Jahre (flexibel)ca. 3.000 bis 6.000 Euro
Nichtschülerabiturreines Selbststudiumindividuellnur Prüfungs-/Materialkosten

Fünf Tipps machen das Nachholen des Abiturs leichter

Der Weg zum Abitur ist planbar, wenn Sie ihn früh strukturieren. Die folgenden fünf Tipps liefern wichtige Denkanstöße für die Organisation von Finanzierung, Lernalltag und Unterstützung.

Diese Voraussetzungen müssen Sie für den Abiturlehrgang erfüllen

Wer das Abitur nachholen möchte, muss einige Zugangsvoraussetzungen erfüllen. Diese unterscheiden sich je nach Bundesland und Einrichtung, folgen aber einem gemeinsamen Muster. In der Regel gelten für Abendgymnasium und Kolleg diese Anforderungen:

Wer noch keinen mittleren Abschluss besitzt, kann diesen zunächst separat nachholen. Hilfreich sind dafür unsere Ratgeber zum Realschulabschluss nachholen und zum Hauptschulabschluss nachholen. Für das Nichtschülerabitur gelten dagegen abweichende Regeln, die das jeweilige Schulamt oder Ministerium festlegt.

Das Nichtschülerabitur beruht auf einem Selbststudium

Im Zusammenhang mit dem nachträglichen Erwerb des Abiturs ist mitunter vom Nichtschülerabitur die Rede. Dabei handelt es sich um eine besondere Variante, die auf einem Selbststudium basiert. Die Abiturienten gehen autodidaktisch vor und bereiten sich als Nichtschüler auf die Externenprüfung vor. Diese wird offiziell anerkannt und auch als Nichtschülerabitur bezeichnet.

Die Externenprüfung erfordert einerseits eine intensive Vorbereitung, setzt aber andererseits keine zwingende Teilnahme an einem vorbereitenden Abiturlehrgang voraus. Dementsprechend ist das Selbststudium eine interessante Option, die Autodidaktinnen und Autodidakten entgegenkommt. Diese sind beim Lernen vollkommen frei und weder zeitlich noch örtlich gebunden. Im Gegenzug verzichten sie auf jegliche Betreuung und müssen sich gegebenenfalls auf eigene Faust Unterstützung in Form von Nachhilfe oder Lerngruppen suchen. Die bestandene Externenprüfung führt trotz aller Unterschiede zum voll anerkannten Abitur.

Wichtig zu wissen: Die Externenprüfung ist inhaltlich anspruchsvoll und wird oft unterschätzt. Viele Nichtschülerinnen und Nichtschüler bereiten sich deshalb mit einem Fernlehrgang gezielt vor, statt vollständig ohne Anleitung zu lernen.


Die Kosten hängen stark vom gewählten Bildungsweg ab

Was kostet das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg?
Der Besuch einer staatlichen Einrichtung des zweiten Bildungswegs - also eines öffentlichen Abendgymnasiums oder Kollegs - ist schulgeldfrei und somit keine Frage des Geldes. Im Gegensatz dazu erheben private Fernschulen Lehrgangsgebühren, die sich je nach Dauer meist auf 3.000 bis 6.000 Euro belaufen, oft in monatlichen Raten. Hinzu kommen Lernmittel sowie die Gebühren für die Externenprüfung. Wer sich in Vollzeit dem Abitur widmet, muss außerdem die Finanzierung des Lebensunterhalts bedenken. So können sich erhebliche Kosten ergeben, die aber durch Förderungen und Finanzierungen gestemmt werden können. Ein früher Kostenvergleich zwischen staatlichem und privatem Angebot lohnt sich in jedem Fall.

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BAföG und Stipendien sind die wichtigsten Fördermöglichkeiten

Die gute Nachricht: Niemand muss den Weg zum Abitur allein finanzieren. Für den zweiten Bildungsweg gibt es mehrere Fördertöpfe, die sich teils kombinieren lassen. Welche davon für Sie infrage kommen, hängt vor allem von der gewählten Schulform und Ihrer Lebenssituation ab.

Wer parallel eine berufliche Qualifizierung plant, findet weitere Hinweise in unseren Ratgebern zur Weiterbildung über das Arbeitsamt und zur Umschulung über das Arbeitsamt.


Das Arbeitsamt fördert das Abitur nur in Ausnahmefällen

Unterstützung vom Arbeitsamt für Abi-Nachholende
Grundsätzlich unterstützt das Arbeitsamt Maßnahmen, die der Bildung dienen und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Im Bereich der Schulabschlüsse geht es dabei aber vor allem um den Hauptschulabschluss und den Realschulabschluss, deren Nachholen im Rahmen einer geförderten Maßnahme möglich ist. Wer sein Abi nachmachen möchte, kann gegebenenfalls dennoch Unterstützung erfahren. Das Spektrum reicht von der ausführlichen Beratung über die Vermittlung an Anbieter des zweiten Bildungswegs bis hin zur Kostenübernahme per Bildungsgutschein. Entscheidend ist, dass die Agentur für Arbeit die Maßnahme als notwendig für Ihre berufliche Eingliederung einstuft. Rechnen Sie damit, dass Sie Ihr Anliegen gut begründen müssen.

Für Leistungsbeziehende ist zudem der finanzielle Rahmen wichtig. Wer Bürgergeld bezieht - das System der Grundsicherung für Arbeitsuchende wurde 2026 in "Grundsicherungsgeld" umbenannt, der Regelsatz für Alleinstehende liegt weiterhin bei 563 Euro -, sollte Fördermöglichkeiten und Mitwirkungspflichten frühzeitig mit dem Jobcenter klären. Ein Minijob zum Aufbessern ist bis zur Verdienstgrenze von 603 Euro monatlich (Stand 2026) möglich, sollte aber ebenfalls abgestimmt werden.


Das Fernabitur bereitet zugleich auf ein Fernstudium vor

So manches berufsbegleitende Studium kommt als Fernstudium daher und punktet mit maximaler Flexibilität. Das Abitur im Zuge eines Fernlehrgangs nachzumachen, kann somit als ideale Vorbereitung auf ein solches Studium neben dem Beruf erscheinen. Einerseits erlangt man die allgemeine Hochschulreife und andererseits macht man sich bereits mit dem Fernlernen vertraut.

Aber auch unabhängig von einem etwaigen Fernstudium im Anschluss weiß das moderne Fernabitur zu überzeugen. Im Rahmen des E-Learnings profitieren die Teilnehmenden von Sitzungen im virtuellen Klassenzimmer, Online-Übungen, digitalen Skripten, Lernvideos und einem regen Austausch via E-Mail, Forum und Chat.

Das Selbstlernen darf allerdings nicht zu kurz kommen. Nach dieser intensiven Lernzeit kann man dann das Nichtschülerabitur in Angriff nehmen und so per Externenprüfung das Abitur nachholen. Wer im Anschluss weiterlernen möchte, findet einen Überblick über Studienformen in unserem Ratgeber zum Fernstudium. Die Externenprüfung erfordert eine intensive Vorbereitung, setzt aber keine zwingende Teilnahme an einem Abiturlehrgang voraus, was Autodidaktinnen und Autodidakten entgegenkommt.


Mit dieser Checkliste gehen Sie gut vorbereitet zum Termin

Das Abitur genießt als höchster Schulabschluss Deutschlands hohes Ansehen, ist aus Sicht des Arbeitsamtes aber möglicherweise gar nicht erforderlich. Vertritt die Sachbearbeiterin oder der Sachbearbeiter diese Meinung, stehen die Chancen auf eine Förderung schlecht. Die Situation ist aber nicht aussichtslos. Indem Sie sich solide vorbereiten und sich an der folgenden Checkliste orientieren, können Sie das Ruder noch herumreißen und sich die Unterstützung des Amtes auf dem Weg zum Abitur sichern:

Tipp aus der Redaktion

Das Abitur nachzumachen, erweist sich immer wieder als forderndes Unterfangen. Angesichts der daraus resultierenden Perspektiven und aufgrund des hohen Ansehens fassen dennoch viele Menschen den Entschluss, es mit dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg zu versuchen. Vorab sollten Interessierte aber auch den folgenden Gedanken beherzigen: Hinterfragen Sie die Notwendigkeit des Abiturs. Es ist ohne Frage schön, über die allgemeine Hochschulreife zu verfügen, aber längst kein Muss. Vor allem diejenigen, die den zweiten Bildungsweg wählen, um danach zu studieren, können sich diesen Umweg oftmals sparen. Beruflich Qualifizierte und Absolventen einer Aufstiegsfortbildung können auch ohne Abitur studieren. Das sollte zumindest eine Überlegung wert sein.

Häufige Fragen zum Abitur nachholen

Kann man das Abitur auch mit über 30 oder 40 nachholen?
Ja. Der zweite Bildungsweg kennt nach oben keine Altersgrenze. Abendgymnasium, Kolleg und Fernschulen richten sich ausdrücklich an Erwachsene, und viele Teilnehmende sind über 30 oder 40 Jahre alt. Gefordert wird meist nur ein Mindestalter sowie Berufserfahrung, nicht ein Höchstalter.
Wie lange dauert es, das Abitur nachzuholen?
In der Regel dauert das Nachholen des Abiturs rund drei Jahre. Am Abendgymnasium sind es meist drei bis dreieinhalb Jahre berufsbegleitend, am Kolleg etwa drei Jahre in Vollzeit. Bei Fernschule und Nichtschülerabitur bestimmen Vorbildung und Lerntempo die Dauer, sodass sie individuell abweichen kann.
Was kostet es, das Abitur nachzuholen?
Der Besuch eines staatlichen Abendgymnasiums oder Kollegs ist schulgeldfrei. Private Fernschulen verlangen je nach Dauer meist zwischen 3.000 und 6.000 Euro, oft in Monatsraten. Hinzu kommen Lernmittel und die Gebühren für die Externenprüfung. Fördermittel wie Schüler-BAföG können die Kosten deutlich senken.
Fördert die Agentur für Arbeit das Abitur?
Nur in Ausnahmefällen. Die Agentur für Arbeit fördert im Bereich Schulabschlüsse vor allem Haupt- und Realschulabschluss. Ein Abitur wird selten direkt bezuschusst, ein Bildungsgutschein ist aber möglich, wenn die Maßnahme als notwendig für die berufliche Eingliederung anerkannt wird. Eine gute Begründung ist entscheidend.
Was ist der Unterschied zwischen Nichtschülerabitur und Abendgymnasium?
Das Abendgymnasium ist eine Schule mit geregeltem Abendunterricht und Betreuung. Das Nichtschülerabitur dagegen beruht auf reinem Selbststudium: Sie bereiten sich eigenständig oder mit einem Fernlehrgang vor und legen die Externenprüfung ab. Beide Wege führen zum voll anerkannten Abitur, unterscheiden sich aber stark in Struktur und Betreuung.
Bekomme ich BAföG, wenn ich das Abitur nachhole?
Für Abendgymnasium und Kolleg ist Schüler-BAföG möglich, das für diese Schulformen in der Regel elternunabhängig gewährt wird und nicht zurückgezahlt werden muss. Bei reinen Fernlehrgängen ist ein BAföG-Anspruch dagegen meist nicht gegeben. Ergänzend kommen Aufstiegsstipendium oder Bildungskredit infrage.
Kann ich das Abitur berufsbegleitend nachholen?
Ja. Abendgymnasium und Fernschule sind gezielt auf Berufstätige zugeschnitten. Am Abendgymnasium findet der Unterricht abends statt, bei der Fernschule lernen Sie zeitlich flexibel von zu Hause. So lässt sich das Abitur parallel zum Job nachholen, verlangt aber Disziplin und ein gutes Zeitmanagement.
Welche Voraussetzungen brauche ich, um das Abitur nachzuholen?
Gefordert sind meist ein Mindestalter (oft ab 18 oder 19 Jahren), eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufstätigkeit sowie die erfüllte Vollzeitschulpflicht. Häufig ist zusätzlich mindestens der Hauptschulabschluss nötig. Die genauen Regeln legen die Bundesländer fest und unterscheiden sich je nach Schulform.