Fachhochschulreife nachholen

Viele Menschen entwickeln im Laufe der Zeit den Wunsch, die Fachhochschulreife nachzuholen. Zu Schulzeiten haben sie vielleicht keinen Gedanken an das Fachabitur verschwendet, doch nun erleben sie die zunehmende Akademisierung und erkennen den hohen Wert einer guten Bildung. Teilweise ergibt sich ein regelrechter Leidensdruck, weil Betroffene bedauern, die Fachhochschulreife nicht bereits zu ihrer regulären Schulzeit erworben zu haben.
Die Fachhochschulreife kann ein wichtiger Meilenstein für den persönlichen Lebensweg sein, weshalb es sich lohnt, diese bei Bedarf nachzuholen. Sie öffnet die Tür zu einem Studium an jeder Fachhochschule beziehungsweise Hochschule für angewandte Wissenschaften und verbessert die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt spürbar. Wer sich für den zweiten Bildungsweg interessiert, sollte eine umfassende Recherche nicht scheuen und im Folgenden nachlesen, welche Wege es gibt, was der Abschluss aus zwei Teilen bedeutet und wie sich das Vorhaben finanzieren lässt.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Die Fachhochschulreife berechtigt zum Studium an jeder Fachhochschule und ist über den zweiten Bildungsweg auch als Erwachsener nachholbar.
- Wege sind unter anderem Fachoberschule, Berufsoberschule, Abendschule, Kolleg, Fernschule und die Nichtschülerprüfung (Externenprüfung).
- Der Abschluss besteht aus einem schulischen und einem berufsbezogenen (praktischen) Teil - erst beide zusammen ergeben die volle Fachhochschulreife.
- Je nach Vorbildung, Lehrgangsform und Lernpensum dauert das Nachholen zwischen ein und drei Jahren.
- Förderung ist möglich: Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit, Aufstiegs-BAföG, Schüler-BAföG sowie ergänzend Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) zum Lebensunterhalt.
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Inhaltsverzeichnis
- Fünf Tipps machen das Nachholen der Fachhochschulreife leichter
- Diese Wege führen zur Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg
- Die volle Fachhochschulreife besteht aus zwei Teilen
- Fachhochschulreife und fachgebundene Hochschulreife sind nicht dasselbe
- Das Nachholen des Fachabiturs dauert je nach Weg ein bis drei Jahre
- Das Fernstudium verbindet den Abschluss mit Beruf und Familie
- In Eigenregie gelingt der Abschluss über die Externenprüfung
- Das Arbeitsamt unterstützt das Nachholen mit mehreren Förderwegen
- Eine gute Vorbereitung überzeugt beim Beratungstermin
- Häufige Fragen zum Nachholen der Fachhochschulreife
Fünf Tipps machen das Nachholen der Fachhochschulreife leichter
Die Fachhochschulreife nachzuholen, ist dank des zweiten Bildungsweges möglich. Dieser ist auf Erwachsene zugeschnitten, die einen Schulabschluss nachholen wollen. Interessierte sollten das Ganze allerdings nicht unterschätzen und bedenken, dass es eine große Herausforderung ist, die Fachhochschulreife nachträglich zu erwerben. Einerseits weist der zweite Bildungsweg einige Besonderheiten auf, andererseits befinden sich Betroffene in einer vollkommen anderen Lebenssituation als zu Schulzeiten. Zusätzlich darf der Anspruch der Lerninhalte nicht verkannt werden.
Wer sich dieser Herausforderung stellt, kann ein paar Tipps gut gebrauchen. Nachfolgend finden sich fünf Ratschläge rund um dieses Unterfangen.
- Hinterfragen Sie die Notwendigkeit der Fachhochschulreife.
Zunächst sollte man prüfen, ob man die Fachhochschulreife tatsächlich braucht. Oftmals ist auch ein Studium ohne Abitur über die berufliche Qualifikation möglich, weshalb man sich den Umweg vielleicht sparen kann. - Machen Sie die Fachhochschulreife nebenbei nach.
Es existieren Lehrgänge in Vollzeit und Teilzeit. Besonders empfehlenswert sind häufig die Teilzeitangebote, denn die Lernenden können so parallel berufstätig bleiben und wertvolle praktische Erfahrungen sammeln, während sie einen höheren Abschluss anstreben. - Beachten Sie den Aufbau der Fachhochschulreife.
Wer die Fachhochschulreife nachmachen will, sollte wissen, dass sich diese aus einem schulischen und einem praktischen Teil zusammensetzt. Viele Angebote des zweiten Bildungswegs konzentrieren sich auf den schulischen Teil, weshalb die Teilnehmenden die praktische Komponente selbst organisieren müssen. - Kümmern Sie sich um die Finanzierung.
Wer die Fachhochschulreife in Teilzeit nachmacht und parallel weiterarbeitet, muss sich über den laufenden Lebensunterhalt keine Sorgen machen. Im Falle eines Vollzeit-Lehrgangs oder hoher Gebühren bei privaten Anbietern muss die Finanzierung dagegen vorab stehen. - Lassen Sie sich beim Arbeitsamt beraten.
Das Arbeitsamt widmet sich nicht nur der Arbeitsvermittlung, sondern bietet auch Beratung in Sachen Bildung und Weiterbildung durch das Arbeitsamt. Insbesondere wenn es um eine mögliche Förderung geht, ist ein Beratungstermin ratsam.
Diese Wege führen zur Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg
Die Frage, wo man die Fachhochschulreife nachholen kann, kommt immer wieder auf. Interessierte sollten wissen, dass ihnen der zweite Bildungsweg eine gewisse Auswahl gibt. Es obliegt ihnen, zu entscheiden, wo sie am besten aufgehoben sind. Grundsätzlich stehen diese Optionen zur Verfügung:
- Fachoberschule (FOS): klassischer Weg zur Fachhochschulreife, häufig mit fachpraktischem Anteil im ersten Jahr.
- Berufsoberschule (BOS): für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung, führt je nach Land zur Fachhochschulreife oder weiter zur Hochschulreife.
- Abendschule / Abendgymnasium: Unterricht am Abend, ideal neben dem Beruf.
- Kolleg: Vollzeit-Angebot des zweiten Bildungswegs für Erwachsene.
- Fernschule: ortsunabhängige Vorbereitung, meist mit anschließender Externenprüfung.
- Nichtschülerprüfung (Externenprüfung): Prüfung ohne Schulbesuch, geeignet für Selbstlernende.
Welcher Weg passt, hängt von der Lebenssituation ab: Wer voll berufstätig ist, fährt mit Abendschule oder Fernschule oft besser, während ein Kolleg für Menschen ohne parallele Berufstätigkeit die zügigere Variante sein kann. Verwandte Abschlüsse lassen sich auf ähnlichen Wegen erreichen, etwa wenn Sie zunächst den Realschulabschluss nachholen oder direkt das Abitur nachholen möchten.
Die volle Fachhochschulreife besteht aus zwei Teilen
Ein Punkt sorgt beim Nachholen immer wieder für Missverständnisse: Die volle Fachhochschulreife setzt sich aus zwei getrennten Teilen zusammen. Erst wenn beide vorliegen, ist der Abschluss vollständig und berechtigt zum Studium an einer Fachhochschule.
Wer bereits eine Umschulung über das Arbeitsamt oder eine reguläre Berufsausbildung abgeschlossen hat, bringt den praktischen Teil häufig schon mit. In diesem Fall genügt es, den schulischen Teil über den zweiten Bildungsweg zu ergänzen. Wer nur den schulischen Teil vorweisen kann, besitzt zunächst die sogenannte schulische Fachhochschulreife und muss den Praxisanteil noch nachholen.
Fachhochschulreife und fachgebundene Hochschulreife sind nicht dasselbe
Zwischen der Fachhochschulreife und der fachgebundenen Hochschulreife besteht eine gewisse Verwechslungsgefahr, denn beide Abschlüsse werden umgangssprachlich als Fachabitur bezeichnet.
Man sollte allerdings wissen, dass es sich um zwei eigenständige Abschlüsse handelt. Die Fachhochschulreife befähigt zu einem beliebigen Studium an einer Fachhochschule. Im Gegensatz dazu ist die Studienberechtigung der fachgebundenen Hochschulreife inhaltlich auf bestimmte Fachrichtungen begrenzt, dafür aber nicht nur auf Fachhochschulen beschränkt. Sie erlaubt in ihren zugelassenen Fächern auch ein Studium an einer Universität. Wer möglichst flexibel bleiben möchte, sollte deshalb prüfen, ob sich gleich das allgemeine Abitur lohnt, das ohne fachliche Einschränkung zu jedem Studiengang berechtigt.
Das Nachholen des Fachabiturs dauert je nach Weg ein bis drei Jahre
Interessierte an der Fachhochschulreife beziehungsweise dem Fachabitur wollen schnellstmöglich den Abschluss in der Tasche haben, um darauf aufbauen zu können. Die Dauer lässt sich aber nicht pauschal beziffern.
Grundsätzlich bewegt sich die Dauer je nach Vorbildung, Lehrgangsform und Lernpensum zwischen einem und drei Jahren. In Vollzeit an einer Fachoberschule oder einem Kolleg geht es zügiger, während Abend- und Fernschulen wegen der geringeren Wochenstundenzahl mehr Zeit beanspruchen. Etwas Geduld braucht man somit, wenn man die Fachhochschulreife nachmachen möchte - dafür lässt sich der Weg gut in den Alltag einpassen.
Das Fernstudium verbindet den Abschluss mit Beruf und Familie
Die Fachhochschulreife per Fernstudium nachzumachen, ist eine gute Option für alle, die das Ganze berufsbegleitend oder neben familiären Verpflichtungen angehen möchten. Wer sich durch nichts und niemanden aufhalten lassen will und große Hoffnung in den nachträglichen Erwerb der Fachhochschulreife setzt, kann an der einen oder anderen Fernschule fündig werden. Einen Überblick über diese Lernform bietet unser Ratgeber zum Fernstudium.
Die Fernschule nimmt allerdings nicht die eigentliche Abschlussprüfung ab, sondern bietet lediglich die Vorbereitung auf die Externenprüfung per Fernkurs an. Die Prüfung selbst legen die Teilnehmenden dann an einer staatlichen Schule oder beim zuständigen Schulamt ab. Die umfassenden Freiheiten sprechen eindeutig für diese Variante und sorgen dafür, dass Beruf und Schulabschluss Hand in Hand gehen können.
In Eigenregie gelingt der Abschluss über die Externenprüfung
Einen offiziellen Schulabschluss in Eigenregie nachzumachen, klingt zunächst unrealistisch. Interessierte mit autodidaktischer Veranlagung dürfen hier allerdings nicht die Externenprüfung vergessen. Diese kann nicht nur nach einem Fernstudium zum Fachabitur absolviert werden, sondern auch nach einem intensiven Selbststudium.
Prüflinge müssen angeben, dass sie sich in ausreichendem Maße vorbereitet haben. Das Wie ist für die Zulassung zur Prüfung irrelevant. Entscheidend sind die formalen Voraussetzungen, die das jeweilige Bundesland vorgibt, etwa ein Mindestalter und der Nachweis, dass die Prüfung nicht bereits an einer Schule absolviert wurde.
Wer sich auf eigene Faust auf die Nichtschülerprüfung vorbereitet, sollte auf praktische Bezüge zur parallelen Berufstätigkeit achten. Außerdem sollten sich Interessierte ausführlich mit dem Lernstoff befassen und die notwendige Literatur besorgen.
Danach geht es ans Lernen, das einige Monate bis Jahre in Anspruch nehmen kann und mit der Zeit zur Routine werden sollte. Zudem schadet es nicht, zeitweise Nachhilfe zu nehmen oder mit Gleichgesinnten eine (virtuelle) Lerngruppe zu bilden. Der Weg verlangt viel Selbstdisziplin, ist dafür aber die günstigste Variante.
Das Arbeitsamt unterstützt das Nachholen mit mehreren Förderwegen
Im Falle eines Selbststudiums spielen finanzielle Aspekte kaum eine Rolle, denn das Ganze verursacht nur minimale Kosten. Einrichtungen des zweiten Bildungswegs erheben dagegen teils hohe Gebühren und verhindern durch ihre Kurszeiten mitunter die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit. Einerseits entstehen somit hohe Kosten, während andererseits Einkommen fehlt. Dass dies zu einer angespannten Finanzlage führt, liegt auf der Hand.
Das Arbeitsamt kann hier mit der passenden Förderung weiterhelfen. Welche Möglichkeit greift, hängt von der Lebenssituation ab. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Wege:
Ein Beratungsgespräch klärt den passenden Förderweg
Es besteht die Chance auf einen Bildungsgutschein und je nach Situation auf ergänzende Hilfen zum Lebensunterhalt. Seit dem 1. Juli 2026 heißt das frühere Bürgergeld offiziell Grundsicherungsgeld; für Alleinstehende liegt der Regelsatz weiterhin bei 563 Euro im Monat. Wer nebenbei arbeitet, sollte die aktuelle Minijob-Grenze von 603 Euro pro Monat im Blick behalten. Im persönlichen Beratungsgespräch können weitere Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten zur Sprache kommen - die genaue Kombination hängt immer vom Einzelfall ab.
Eine gute Vorbereitung überzeugt beim Beratungstermin
All diejenigen, die die Fachhochschulreife nachholen möchten und auf die Unterstützung des Arbeitsamtes hoffen, sollten sich gut auf den Termin vorbereiten. Dieser dient zwar auch der Beratung, aber wer seine Hausaufgaben gemacht hat und Bescheid weiß, kann schlüssig argumentieren und die zuständige Person überzeugen.
Die folgende Checkliste zeigt die richtige Herangehensweise an die Beratung beim Arbeitsamt:
- eigenes Potenzial analysieren
- Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt überblicken
- Anbieter der Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg recherchieren
- berufliches Potenzial der Fachhochschulreife ausarbeiten
- konkrete Karrierepläne fassen
- relevante Unterlagen zusammenstellen
- Beratungstermin bei der zuständigen Stelle vereinbaren
Es ist eine weitreichende Entscheidung, einen Lehrgang zum Nachholen des Fachabiturs zu belegen. Daraus ergeben sich viele Chancen, aber es handelt sich zugleich um eine nicht zu verachtende Herausforderung. Interessierte sollten daher nichts überstürzen.
Nehmen Sie direkt das Abitur in Angriff. In vielen Fällen ist es eine Überlegung wert, die Fachhochschulreife gewissermaßen zu überspringen und direkt das Abitur nachzumachen. So lohnt sich der Aufwand besonders, denn die allgemeine Hochschulreife kommt ohne Einschränkungen daher und ist als höchster Schulabschluss besonders angesehen.