Hauptschulabschluss nachholen

Erwachsene sitzen gemeinsam im Kursraum und lernen für den Hauptschulabschluss
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Wer keinen Schulabschluss vorweisen kann, hat auf dem Arbeitsmarkt häufig schlechte Karten und schämt sich möglicherweise dafür. Dann ist es ratsam, aktiv zu werden und den zweiten Bildungsweg zu nutzen, denn es besteht die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen. So erlangt man einen ersten Schulabschluss und kann sich darauf aufbauend weiterentwickeln.

Diejenigen, die den Hauptschulabschluss nachholen, profitieren nicht nur von dem formalen Abschluss, sondern erleben auch eine Steigerung des Selbstwertgefühls. Das vermittelte Wissen erweitert zudem ihren Horizont. Dass viele Punkte dafür sprechen, den Hauptschulabschluss nachzumachen, steht somit außer Frage. Interessierte sollten sich aber vorab informieren und erfahren im Folgenden viel Wissenswertes zu Wegen, Dauer, Kosten und Förderung durch das Arbeitsamt.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Der Hauptschulabschluss ist der erste allgemeinbildende Schulabschluss und lässt sich auf dem zweiten Bildungsweg an Volkshochschule, Abendschule, Kolleg, Berufsschule oder per Fernkurs nachholen.
  • Je nach Bundesland heißt er auch Berufsreife oder Berufsbildungsreife (Erster allgemeinbildender Schulabschluss, ESA); zusätzlich gibt es den qualifizierenden Hauptschulabschluss (Quali).
  • Die Vorbereitung dauert meist ein bis zwei Jahre; am Ende steht eine Nichtschüler- beziehungsweise Externenprüfung.
  • Staatliche Einrichtungen sind in der Regel kostenlos, private Anbieter verlangen Lehrgangsgebühren von einigen hundert bis mehreren tausend Euro.
  • Das Arbeitsamt kann das Nachholen über einen Bildungsgutschein fördern; für unter 25-Jährige besteht ein Rechtsanspruch auf Förderung nach § 81a SGB III.

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Inhaltsverzeichnis

Was der Hauptschulabschluss ist und wie er in den Ländern heißt

Der Hauptschulabschluss ist der erste allgemeinbildende Schulabschluss im deutschen Bildungssystem. Er wird üblicherweise nach der neunten Klasse erworben und öffnet den Weg in viele Ausbildungsberufe. Weil Bildung in Deutschland Ländersache ist, trägt der Abschluss je nach Bundesland unterschiedliche Namen: In vielen Ländern spricht man vom Hauptschulabschluss, in anderen von der Berufsreife oder der Berufsbildungsreife. Bundesweit hat sich zudem der Begriff Erster allgemeinbildender Schulabschluss (ESA) etabliert. Gemeint ist stets derselbe Abschluss.

Für den Arbeitsmarkt ist er von großer Bedeutung. Ohne Schulabschluss bleiben viele Ausbildungsplätze verschlossen, und die Chance auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sinkt deutlich. Wer den Hauptschulabschluss nachträglich erwirbt, verbessert deshalb nicht nur seine formale Qualifikation, sondern auch seine langfristigen beruflichen Perspektiven. Auf diesem Abschluss aufbauend lässt sich später der Realschulabschluss nachholen und über weitere Schritte sogar das Abitur nachmachen.

Fünf Tipps für den Weg zum Hauptschulabschluss

Menschen, die den Hauptschulabschluss nachholen möchten, weil sie bislang über keinen Schulabschluss verfügen, sind oftmals sehr verunsichert und wissen gar nicht, wie sie das Ganze angehen sollen. Grundsätzlich muss jeder Mensch seinen eigenen Weg finden, aber dennoch gibt es die folgenden fünf Tipps, die auf dem Weg zum Hauptschulabschluss sehr hilfreich sein können.

Diese Wege führen zum nachträglichen Hauptschulabschluss

Wenn es um den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses beziehungsweise der Berufsreife oder Berufsbildungsreife geht, stellen sich Interessierte immer wieder die Frage, wo dies möglich ist. Dazu sollten sie wissen, dass der zweite Bildungsweg aus mehreren Einrichtungen besteht, die sich in Lerntempo, Zeitmodell und Kosten unterscheiden. Welcher Weg passt, hängt von der Lebenssituation ab: Wer berufstätig ist, wählt oft die Abendschule oder einen Fernkurs, wer sich voll auf den Abschluss konzentrieren kann, entscheidet sich für einen Tageslehrgang.

Die folgende Übersicht stellt die gängigen Wege einander gegenüber und hilft bei der ersten Orientierung.

WegZeitmodellKostenGeeignet für
VolkshochschuleAbends / Teilzeitgering bis kostenlosBerufstätige, Familien
AbendschuleAbendsmeist kostenlos (staatlich)Berufstätige
Kolleg / TageslehrgangVollzeitkostenlos bis moderatVollzeit-Lernende
Fernschule / OnlineFrei einteilbarmehrere hundert bis tausend EuroSelbstständige Lerner
SelbststudiumVöllig freinur Lernmittel + PrüfungsgebührDiszipliniert, günstig

Über die konkreten Angebote in Ihrer Nähe informiert Sie die zuständige Volkshochschule, das Schulamt oder die Berufsberatung des Arbeitsamtes.

So lange dauert das Nachholen des Hauptschulabschlusses

Die Dauer des Nachholens auf dem zweiten Bildungsweg kann je nach Lehrgangsform und Lebenssituation stark variieren. Grundsätzlich sollte man sich ausreichend Zeit nehmen und ein bis zwei Jahre einkalkulieren. In Vollzeit-Lehrgängen lässt sich der Abschluss oft in etwa einem Jahr erreichen, während Abend- oder Teilzeitmodelle neben dem Beruf entsprechend länger dauern.

Werbeversprechen, den Hauptschulabschluss in drei oder sechs Monaten nachzuholen, sollten Sie kritisch prüfen. Ein solches Tempo ist nur bei sehr guten Vorkenntnissen und intensiver Vollzeitvorbereitung realistisch. Für die meisten Menschen ist es sinnvoller, sich mehr Zeit zu geben, um den Stoff wirklich zu verstehen und die Prüfung sicher zu bestehen. Entscheidend ist nicht die kürzeste Dauer, sondern ein Lerntempo, das zu Ihrem Alltag passt.

Diese Kosten kommen auf Sie zu

An staatlichen Einrichtungen des zweiten Bildungsweges wird üblicherweise kein Schulgeld erhoben, weshalb diese kostenfrei besucht werden können. Bei privaten Anbietern und Fernschulen können dahingegen Lehrgangsgebühren fällig werden. Zusätzlich sind Lernmittel erforderlich, während außerdem für den laufenden Lebensunterhalt gesorgt sein muss. So ergeben sich zum Teil Summen von einigen hundert bis mehreren tausend Euro.

Wer den Hauptschulabschluss kostenlos nachholen möchte, findet die günstigsten Wege an Volkshochschulen und staatlichen Abendschulen. Kommen dennoch Gebühren auf Sie zu, muss das Vorhaben nicht an den Kosten scheitern: Über einen Bildungsgutschein des Arbeitsamtes lassen sich Lehrgangs- und Prüfungskosten häufig vollständig übernehmen. Auch das Bürgergeld, das seit dem 1. Juli 2026 offiziell Grundsicherungsgeld heißt, sichert währenddessen den Lebensunterhalt. Wichtig ist, die Förderung vor Beginn des Lehrgangs zu klären.

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Der qualifizierende Hauptschulabschluss geht einen Schritt weiter

Neben dem einfachen Hauptschulabschluss gibt es in mehreren Bundesländern den qualifizierenden Hauptschulabschluss, oft kurz Quali oder qualifizierter Hauptschulabschluss genannt. Er verlangt eine zusätzliche, anspruchsvollere Prüfung und bescheinigt bessere Leistungen. Für viele Ausbildungsbetriebe ist er ein deutliches Plus und verbessert die Bewerbungschancen spürbar.

Wer sich zutraut, etwas mehr zu leisten, sollte prüfen, ob der gewählte Lehrgang die Vorbereitung auf den Quali einschließt. Der Mehraufwand lohnt sich, weil der qualifizierende Abschluss auch den Übergang zu weiterführenden Schularten und zum Nachholen höherer Schulabschlüsse erleichtert.

Per Fernstudium zum Hauptschulabschluss

Menschen ohne Schulabschluss können diesen auf unterschiedliche Art und Weise nachmachen. Vor allem das Fernstudium ist hier hervorzuheben, denn es weiß in Sachen Flexibilität zu überzeugen. Die Teilnehmenden müssen zu keinen Präsenzen erscheinen und lernen von zuhause aus. Heutzutage kommen sie dabei vielfach in den Genuss des E-Learnings und sind somit keineswegs vollends auf sich allein gestellt.

Wer einen Fernkurs zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss absolviert, benötigt angesichts der umfassenden Freiheiten viel Selbstdisziplin und Eigenmotivation. Außerdem müssen die Lernenden wissen, dass sie schlussendlich eine Nichtschülerprüfung an einer staatlichen Schule ablegen müssen. Der Fernkurs bereitet auf diese Prüfung vor, ersetzt sie aber nicht. Seriöse Anbieter bieten dafür Probeprüfungen und persönliche Betreuung durch Fernlehrer an.

Autodidaktisch über die Externenprüfung

Wer mit den Freiheiten eines Fernstudiums zurechtkommt und sich noch mehr Flexibilität wünscht, kann sich auch an einer autodidaktischen Herangehensweise versuchen. Im sogenannten Selbststudium ist man vollkommen auf sich allein gestellt, spart sich aber auch die Ausgaben für einen Lehrgang und ist zudem nur sich selbst verpflichtet.

Selbstlerner/innen sollten sich mit den aktuellen Prüfungsanforderungen befassen und gezielt auf die Externenprüfung hin arbeiten. Als Nichtschüler/innen können sie dann an der Externen- beziehungsweise Nichtschülerprüfung teilnehmen und so in Eigenregie den Hauptschulabschluss nachholen. Die genauen Prüfungstermine, Fächer und Anmeldefristen legt das jeweilige Bundesland fest; Auskunft erteilt die zuständige Schulbehörde.


So fördert das Arbeitsamt das Nachmachen des Hauptschulabschlusses

Förderung durch das Arbeitsamt

Die Unabhängigkeit eines Selbststudiums ist zwar teilweise verlockend, wird aber längst nicht jedem Lerntyp gerecht. Die Teilnahme an einem Lehrgang, beispielsweise an der Abendschule oder an einem Kolleg, erscheint daher für viele als bessere Wahl.

Da damit auch Kosten verbunden sind, kann es sich lohnen, beim Arbeitsamt vorstellig zu werden. Dieses kann einen Bildungsgutschein ausstellen und dadurch die Übernahme der Lehrgangs- und Prüfungskosten zusichern. Rechtsgrundlage ist die Förderung der Berufsausbildung nach dem SGB III. Besonders wichtig: Junge Menschen unter 25 Jahren haben nach § 81a SGB III einen Rechtsanspruch darauf, dass das Nachholen des Hauptschulabschlusses gefördert wird, wenn dies für die Eingliederung in Ausbildung oder Arbeit erforderlich ist.


Die richtige Vorbereitung auf die Beratung beim Arbeitsamt

Wenn es darum geht, den Hauptschulabschluss nachzumachen, ist für viele Interessierte die Unterstützung des Arbeitsamtes unverzichtbar. Finanziell und organisatorisch brauchen sie dabei Hilfe und wenden sich daher vertrauensvoll an ihre Sachbearbeiterin beziehungsweise ihren Sachbearbeiter. Die folgende Checkliste soll als Leitfaden für die richtige Vorbereitung dienen, schließlich geht es im Beratungsgespräch nicht zuletzt um Überzeugungskraft:

Nach dem Hauptschulabschluss lohnt es sich, gleich die nächsten Schritte mitzudenken. Das Arbeitsamt unterstützt auch bei einer anschließenden Umschulung oder Weiterbildung, sodass aus dem ersten Abschluss ein tragfähiger Karriereweg wird.

Achtung! Tipp aus der Redaktion

Wer den Hauptschulabschluss nachholen möchte und fest entschlossen ist, die eigene Bildung nachhaltig zu verbessern, sollte vorab einen gewissen Rechercheaufwand betreiben, um die richtigen Weichen zu stellen. Zudem lohnt es sich, das Arbeitsamt als wichtigen Partner zu erkennen und mit ins Boot zu holen.

Nutzen Sie die Unterstützungsangebote des Arbeitsamtes! Die Sachbearbeiter/innen wissen um die Bedeutung eines Schulabschlusses und können beim nachträglichen Erwerb behilflich sein. Menschen bis 25 Jahre haben sogar einen Rechtsanspruch auf eine Förderung des Hauptschulabschlusses auf dem zweiten Bildungsweg. Zudem können Lernende auf die Beratungskompetenz des Arbeitsamtes vertrauen und erhalten hier viel Unterstützung.

Häufige Fragen zum Hauptschulabschluss nachholen

Wo kann man den Hauptschulabschluss nachholen?
Den Hauptschulabschluss holt man auf dem zweiten Bildungsweg nach: an der Volkshochschule, an einer Abendschule, an einem Kolleg, an Berufsfachschulen oder per Fernkurs. Auch ein reines Selbststudium mit anschließender Externenprüfung ist möglich. Welcher Weg passt, hängt von Zeit, Budget und Lerntyp ab.

Kann man den Hauptschulabschluss kostenlos nachholen?
Ja. An staatlichen Volkshochschulen und Abendschulen fällt in der Regel kein Schulgeld an, sodass der Hauptschulabschluss dort kostenlos nachgeholt werden kann. Bei privaten Anbietern helfen ein Bildungsgutschein des Arbeitsamtes oder andere Förderungen, die Kosten zu übernehmen.

Wie lange dauert es, den Hauptschulabschluss nachzuholen?
In der Regel sollte man ein bis zwei Jahre einplanen. Vollzeit-Lehrgänge ermöglichen den Abschluss oft in rund einem Jahr, Abend- und Teilzeitmodelle dauern länger. Angebote, die drei Monate versprechen, sind nur bei sehr guten Vorkenntnissen und intensiver Vorbereitung realistisch.

Wie kann ich den Hauptschulabschluss online nachholen?
Über Fernschulen und Online-Kurse bereitet man sich flexibel von zuhause auf die Prüfung vor, meist mit E-Learning und Betreuung durch Fernlehrer. Die eigentliche Prüfung wird als Nichtschülerprüfung an einer staatlichen Schule abgelegt. Online-Kurse verlangen Selbstdisziplin, bieten aber maximale zeitliche Freiheit.

Können auch Erwachsene den Hauptschulabschluss nachholen?
Ja, der zweite Bildungsweg steht Erwachsenen jeden Alters offen. Voraussetzung ist lediglich, dass die Vollzeitschulpflicht erfüllt ist. Viele Angebote an Volkshochschulen und Abendschulen richten sich gezielt an Erwachsene und lassen sich gut mit Beruf oder Familie vereinbaren.

Was kostet es, den Hauptschulabschluss nachzuholen?
Staatliche Einrichtungen sind meist kostenlos. Private Fernschulen und Bildungsträger verlangen Lehrgangsgebühren von mehreren hundert bis einigen tausend Euro. Hinzu kommen Lernmittel und der Lebensunterhalt. Ein Bildungsgutschein des Arbeitsamtes kann diese Kosten ganz oder teilweise übernehmen.

Fördert das Arbeitsamt das Nachholen des Hauptschulabschlusses?
Ja. Das Arbeitsamt kann über einen Bildungsgutschein die Lehrgangs- und Prüfungskosten übernehmen. Für junge Menschen unter 25 Jahren besteht nach § 81a SGB III sogar ein Rechtsanspruch auf Förderung, wenn der Abschluss für die berufliche Eingliederung erforderlich ist. Die Förderung sollte vor Lehrgangsbeginn geklärt werden.

Was ist der qualifizierende Hauptschulabschluss?
Der qualifizierende Hauptschulabschluss (Quali) ist eine anspruchsvollere Variante mit zusätzlicher Prüfung und besseren Noten. Er verbessert die Ausbildungschancen und erleichtert den Übergang zu weiterführenden Schulen. Nicht jedes Bundesland bietet ihn unter diesem Namen an, das Prinzip ist aber verbreitet.