Umschulung zur Tagesmutter - Quereinstieg über das Arbeitsamt
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Kein Ausbildungsberuf: statt einer klassischen Umschulung absolviert man eine Qualifizierung zur Kindertagespflegeperson.
- Umfang: je nach Träger und Bundesland rund 160 bis 300 Unterrichtseinheiten nach dem Qualifizierungshandbuch (QHB), in Voll- oder Teilzeit.
- Voraussetzung: die Pflegeerlaubnis nach § 43 SGB VIII vom Jugendamt (Führungszeugnis, gesundheitliche Eignung, Erste-Hilfe-Kurs, geeignete Räume).
- Kosten: je nach Anbieter im drei- bis vierstelligen Bereich - oft ganz oder teilweise vom Jugendamt oder Arbeitsamt übernommen.
- Betreuung: bis zu fünf gleichzeitig anwesende Kinder; Tagespflegepersonen arbeiten meist selbstständig.
Junge Eltern wissen aus eigener Erfahrung, dass es sehr schwierig sein kann, die Kinderbetreuung zu organisieren. Grundsätzlich besteht zwar in vielen Fällen ein gesetzlicher Anspruch auf einen Betreuungsplatz, aber in der Praxis stehen häufig nicht genug Kita-Plätze zur Verfügung. Tagesmütter und Tagesväter schließen dann die Lücke. All diejenigen, die ohnehin nach neuen beruflichen Perspektiven suchen, sollten vielleicht darüber nachdenken, selbst eine Umschulung zur Tagesmutter zu absolvieren.
Wer sich zur Tagespflegeperson umschulen lässt, kann sich einerseits neue berufliche Perspektiven sichern und andererseits anderen Eltern helfen, einen Betreuungsplatz für den Nachwuchs zu finden. Es ergibt sich folglich eine klassische Win-Win-Situation. Wer weitere Informationen sucht, kann hier viel Wissenswertes erfahren und sich zudem beim Arbeitsamt sowie beim Jugendamt beraten lassen.

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Inhaltsverzeichnis
- Berufsbild und Verdienstmöglichkeiten
- Die Umschulung zur Tagesmutter
- Für wen sich die Tätigkeit eignet
- Weiterbildungsmöglichkeiten
- Alternativen zur Umschulung
- Besonderheiten der Kindertagespflege
- Berufsbegleitende Ausbildung zum Erzieher
- Verdienst und Berufsalltag
- Anbieter der Qualifizierung
- Häufige Fragen
Tagesmutter/-vater - Berufsbild, Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten
Tagesmütter und Tagesväter sind diejenigen, die die Kindertagespflege in Deutschland stemmen. Dabei handelt es sich um eine wichtige Säule der Kinderbetreuung, denn die Kindergärten können den enormen Bedarf an Betreuungsplätzen oftmals nicht abdecken oder werden den speziellen Bedürfnissen der Familien nicht gerecht.
Hier kommen Tagespflegepersonen ins Spiel, die nur wenige Kinder betreuen. Die Betreuung findet dabei in der Wohnung der Tagesmutter oder im Haushalt der Familie statt. Darüber hinaus können Tagesmütter und Tagesväter auch sogenannte Großtagespflegen bilden und dort gemeinsam mehrere Kinder betreuen.
Im Gegensatz zur Kita können Tagesmütter und Tagesväter einen familiären Rahmen bieten. Ihre Tätigkeit besteht in der Betreuung jedes einzelnen Kindes. Dabei sind Tagespflegepersonen typischerweise selbständig tätig. Nur in Ausnahmefällen ergeben sich Zusammenschlüsse zu Großtagespflegestellen, wobei die einzelnen Tagesmütter dennoch selbständig bleiben.
Dieser Umstand macht es außerordentlich schwer, allgemeine Angaben zu den Verdienstmöglichkeiten zu machen. Hier kommt es auf zahlreiche Faktoren an, weshalb es einer weitergehenden Recherche bedarf.
Die Umschulung zur Tagesmutter
Wer einerseits gerne mit Kindern arbeiten möchte, aber keine Ausbildung als Erzieher/in oder anderweitige pädagogische Fachkraft vorweisen kann, sollte darüber nachdenken, Tagesmutter zu werden.
Der Quereinstieg lässt sich relativ leicht bewerkstelligen, denn da es keine geregelte Ausbildung gibt, muss auch keine Umschulungsmaßnahme absolviert werden. Stattdessen nehmen angehende Tagespflegepersonen an Kursen teil, die ihnen das notwendige Wissen sowie die Anerkennung beim Jugendamt bescheren.
Angehende Tagespflegepersonen müssen aber ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen und ihre gesundheitliche Eignung nachweisen. Zudem müssen sie einen angemessenen Versicherungsschutz, geeignete Räumlichkeiten und einen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen.
Die Dauer der Qualifizierung zur Tagesmutter ist überschaubar und umfasst je nach Träger und Bundesland rund 160 bis 300 Unterrichtseinheiten nach dem bundesweiten Qualifizierungshandbuch (QHB). Kürzere Basisqualifizierungen lassen sich in wenigen Wochen absolvieren, weshalb es mit dem beruflichen Neustart in der Kindertagespflege schnell gehen kann.
Je nach Lehrgangsanbieter können allerdings Kosten im drei- bis vierstelligen Bereich anfallen. Mitunter werden die Gebühren aber ganz oder teilweise vom Jugendamt übernommen, wodurch der finanzielle Druck nicht allzu hoch ausfällt.
Für wen sich die Tätigkeit als Tagesmutter eignet
Besondere Zugangsvoraussetzungen für die Qualifizierung als Tagesmutter existieren zwar nicht, aber trotzdem ist diese Tätigkeit nicht für jedermann geeignet.
Aus diesem Grund sollten Interessierte ihre persönliche Eignung anhand der folgenden Kriterien selbstkritisch hinterfragen:
- Geduld
- Freude im Umgang mit Kindern
- Konsequenz
- Toleranz
- Offenheit
- Verantwortungsbewusstsein
- Zuverlässigkeit
- pädagogisches Interesse
Weiterbildungsmöglichkeiten für Tagespflegepersonen
Die Pflegeerlaubnis des Jugendamtes wird nach der Qualifizierung als Tagesmutter erteilt. Allerdings geschieht dies nur befristet, weshalb in zeitlichen Abständen Verlängerungen erforderlich sind.
Diese setzen regelmäßige Weiterbildungen voraus, so dass Tagespflegepersonen das lebenslange Lernen leben sollten. Seminare und Kurse stehen hier über verschiedene Anbieter zur Verfügung.
Zudem kann es auch eine Überlegung wert sein, eine berufsbegleitende Ausbildung zum/zur Erzieher/in zu absolvieren oder ein berufsbegleitendes Studium in Sachen Pädagogik oder Bildung in Angriff zu nehmen. An Weiterbildungsmöglichkeiten mangelt es im Bereich der Kindertagespflege folglich in keiner Weise.
Alternativen zur Umschulung zur Tagesmutter
Menschen, die einerseits Gefallen an der Tätigkeit als Tagesmutter finden, andererseits aber auf einen anerkannten Abschluss setzen, sollten die folgenden Umschulungsalternativen kennen und in Betracht ziehen:
- Sozialassistent/in
- Sozialpädagogische/r Assistent/in
- Kinderpfleger/in
- Erzieher/in
Die Besonderheiten der Kindertagespflege
Außenstehenden sind die Unterschiede zwischen einer Kindertagespflege und Kindertageseinrichtung oftmals nicht klar. Dementsprechend besteht hier ein gewisser Informationsbedarf. Wissenswert ist, dass Kindertageseinrichtungen typischerweise aus einigen Gruppen bestehen.
Pädagogische Fachkräfte betreuen hier teilweise über 100 Kinder. Im Gegensatz dazu obliegt die Kindertagespflege Tagesmüttern und Tagesvätern, die eine Qualifizierung absolviert haben und höchstens fünf gleichzeitig anwesende Kinder betreuen dürfen.
Die berufsbegleitende Ausbildung zum/zur Erzieher/in für Tagespflegepersonen
Wer einen Kurs zur Tagesmutter oder eine andere Qualifizierung abgeschlossen hat, bringt die notwendige Qualifikation für die Kindertagespflege mit. Diejenigen, die langfristig eine Karriere als pädagogische Fachkräfte anstreben und beispielsweise auch im Kindergarten arbeiten möchten, sollten eine berufsbegleitende Ausbildung zum/zur Erzieher/in aufnehmen.
An entsprechenden Fachschulen kann man eine Teilzeitausbildung machen oder sich dem PiA-Modell widmen.
Verdienst und Berufsalltag in der Kindertagespflege
Tagespflegepersonen sind überwiegend selbstständig tätig. Ihr Einkommen setzt sich in der Regel aus der laufenden Geldleistung des Jugendamts zusammen, die pro betreutem Kind und Betreuungsstunde gezahlt wird und je nach Kommune unterschiedlich hoch ausfällt. Als grobe Orientierung liegt diese Geldleistung vielerorts bei rund fünf bis sieben Euro je Kind und Stunde, wobei einzelne Kommunen deutlich darüber oder darunter liegen können. Hinzu kommen Sachkostenpauschalen; im Gegenzug tragen Tagespflegepersonen ihre Ausgaben für Räume, Verpflegung und Versicherungen selbst und müssen Einkommensteuer sowie Beiträge zur Sozialversicherung berücksichtigen.
Der Berufsalltag ist geprägt von der Betreuung, Förderung und Verpflegung der Kinder, von Spiel- und Lernangeboten sowie vom regelmäßigen Austausch mit den Eltern. Dazu kommen organisatorische Aufgaben wie Dokumentation, Abrechnung mit dem Jugendamt und die Gestaltung der Räume. Wer selbstständig arbeitet, gestaltet Betreuungszeiten und Konzept in gewissem Rahmen selbst, trägt aber auch die unternehmerische Verantwortung für Auslastung, Vertretung und Abrechnung. Ein Teil der Beiträge zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung wird für Tagespflegepersonen auf Antrag anteilig erstattet.
Vereinzelt finden sie vielleicht Stellenangebote von Großtagespflegestellen, ansonsten ist das Angebot an klassischen Anstellungen gering.
Das liegt aber nicht an mangelnden Perspektiven in der Kinderbetreuung, sondern daran, dass Tagespflegepersonen mehrheitlich selbständig tätig sind. Interessierte sollten sich folglich fragen, ob sie zu einer Existenzgründung bereit sind.
Zumindest wenn das Jugendamt die Kosten der Kinderbetreuung übernehmen soll, ist eine anerkannte Tagesmutter unerlässlich. Wer sich beruflich verändern und den Quereinstieg in die Kinderbetreuung schaffen möchte, stellt sich somit die Frage, wie man eine solche Anerkennung erreicht.
Diese ist an die Pflegeerlaubnis nach § 43 SGB VIII gekoppelt. Auf der Suche nach einem passenden Qualifizierungsangebot muss man folglich unbedingt darauf achten.
Anbieter der Qualifizierung zur Tagespflegeperson
Die Qualifizierung zum/zur Tagesmutter kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Vollzeitlehrgänge, Teilzeitkurse und Online-Lehrgänge stehen gleichermaßen zur Auswahl.
Dafür sorgen unterschiedlichste Anbieter. Die Erwachsenenbildungsstätten der Kirchen, Wohlfahrtsverbände, Fernschulen und auch die Jugendämter selbst sind hier zu nennen.
Zugleich sollten sie aber auch an die Möglichkeiten der Kindertagespflege denken. Kürzere Qualifikationen und gute Berufsaussichten sprechen für einen solchen Quereinstieg in die Kinderbetreuung.
Wenn es um weitere Informationen oder eine Finanzierung geht, ist eine Beratung beim Arbeitsamt dringend anzuraten. Die Agentur für Arbeit informiert über die Tagesmutter-Qualifizierung und zeigt gegebenenfalls Alternativen auf.
Die entscheidenden Kriterien lassen sich in der Regel folgendermaßen zusammenfassen:
- Lehrgangsform
- Dauer
- Standort
- Qualifikation des Lehrpersonals
- Intensität der Betreuung
- Voraussetzungen
- Kosten
- Finanzierungsmöglichkeiten
- Abschluss
Daher gibt es im Folgenden fünf Tipps für den erfolgreichen Neustart in der Kindertagespflege:
- Sammeln Sie vorab erste Erfahrungen in der Kinderbetreuung!
- Fassen Sie eine berufliche Selbständigkeit ins Auge!
- Schließen Sie sich mit anderen Tagesmüttern zu einer Großtagespflege zusammen!
- Erkundigen Sie sich bei den Behörden nach Fördermöglichkeiten für Ihren Neustart als Tagesmutter!
- Vernetzen Sie sich vor Ort und nutzen Sie dazu auch die Online-Medien!
Häufige Fragen zur Umschulung zur Tagesmutter
Was kostet die Qualifizierung zur Tagesmutter?
Wie lange dauert die Umschulung bzw. Qualifizierung zur Tagesmutter?
Welche Voraussetzungen brauche ich als Tagesmutter?
Wie viele Kinder darf eine Tagesmutter betreuen?
Fördert das Arbeitsamt die Umschulung zur Tagesmutter?
Was verdient eine Tagesmutter?
Achtung! Tipp aus der Redaktion
Der Wunsch nach einem beruflichen Neustart als Tagesmutter erfordert keine umfassende Umschulung, sondern lediglich eine entsprechende Qualifizierung. Interessierte haben dabei viele Fragen und wünschen sich die richtige Anlaufstelle.
Der folgende Tipp aus unserer Redaktion kann ihnen helfen, diese zu finden.
Lassen Sie sich vom Jugendamt beraten!
Wenn es um einen Berufswechsel geht, ist man grundsätzlich beim Arbeitsamt an der richtigen Adresse.
Dort gibt es ausführliche Beratungen und auch die eine oder andere Förderung. Speziell in Sachen Quereinstieg als Tagesmutter ist zudem ein Beratungstermin beim Jugendamt dringend anzuraten. Dort erhält man alle relevanten Informationen.