Umschulung Industrieelektriker/in - Quereinstieg ĂĽber das Arbeitsamt
Die Umschulung zum Industrieelektriker beziehungsweise zur Industrieelektrikerin dauert in der Regel zwei Jahre, führt zu einem anerkannten Berufsabschluss und lässt sich bei Arbeitslosigkeit über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern. Wer im alten Job keine Perspektive mehr sieht, findet in diesem noch recht jungen Elektroberuf einen soliden Einstieg in die Industrie.
Der Beruf ist seit 2009 als eigenständiger Ausbildungsberuf anerkannt und gliedert sich in die beiden Fachrichtungen Betriebstechnik sowie Geräte und Systeme. Ein Quereinstieg ist ohne einschlägige Vorkenntnisse möglich. Vor der Anmeldung lohnt sich ein Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit, um die Fördermöglichkeiten und den passenden Bildungsträger zu klären.
Das Wichtigste in KĂĽrze
- Die Umschulung zum/zur Industrieelektriker/in dauert bei einer VollzeitmaĂźnahme meist rund zwei Jahre und endet mit der PrĂĽfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK).
- Es gibt zwei Fachrichtungen: Betriebstechnik sowie Geräte und Systeme – beide sind seit 2009 anerkannte Ausbildungsberufe.
- Vorkenntnisse sind keine Pflicht; wichtig sind technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und Zuverlässigkeit.
- Bei Arbeitslosigkeit oder drohender Arbeitslosigkeit kann die Agentur fĂĽr Arbeit die Kosten per Bildungsgutschein ĂĽbernehmen und den Lebensunterhalt sichern.
- Industrieelektriker/innen arbeiten in Metall-, Elektro- und Automobilindustrie, im Anlagenbau und in der Energieversorgung; der Verdienst liegt meist zwischen rund 2.400 und 3.400 Euro brutto im Monat.
Berufsbild Industrieelektriker/in – Berufsaussichten und Verdienstmöglichkeiten
Unabhängig davon, ob es um eine duale Berufsausbildung oder eine Umschulungsmaßnahme geht, sollten diejenigen, die den Beruf des Industrieelektrikers ergreifen möchten, das Berufsbild kennen. So sollten sie wissen, dass die beiden Fachrichtungen Betriebstechnik sowie Geräte und Systeme zur Auswahl stehen.
Die Kernkompetenz eines Industrieelektrikers besteht jedoch stets in der Bearbeitung, Verbindung und Montage mechanischer Komponenten und elektrischer Betriebsmittel. Die Installation technischer Systeme und Anlagen kann zudem ebenso wie die Inbetriebnahme elektrischer Geräte und Systeme zu ihren Aufgaben gehören.
Dass Industrieelektriker/innen im industriellen Umfeld tätig sind und sich dort um die Elektrik kümmern, liegt mehr oder weniger auf der Hand. Konkret führt die Qualifikation zu Beschäftigungsmöglichkeiten in den folgenden Bereichen:
- Metallindustrie
- Anlagenbau
- Elektroindustrie
- Energieversorgung
- Automobilindustrie
Die Verdienstmöglichkeiten sind fĂĽr angehende Industrieelektriker/innen ebenfalls von groĂźem Interesse. Grundsätzlich können diese trotz aller Schwankungen von einem durchschnittlichen Gehalt zwischen rund 20.000 Euro und 40.000 Euro brutto im Jahr ausgehen – das entspricht monatlich etwa 2.400 bis 3.400 Euro brutto, je nach Region, Branche und Tarifbindung. In tarifgebundenen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie fällt die VergĂĽtung häufig höher aus.
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Ablauf und Inhalte der Umschulung zum/zur Industrieelektriker/in
Wer im Rahmen einer Zweitausbildung Industrieelektriker/in werden möchte, muss eine berufsbegleitende Ausbildung absolvieren oder sich dementsprechend umschulen lassen. Letzteres lässt sich durch eine außerbetriebliche oder betriebliche Umschulungsmaßnahme bewerkstelligen. Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten sind die variierenden Abläufe nicht verwunderlich.
Die Inhalte einen aber alle Qualifizierungen, schlieĂźlich geht es stets um den offiziellen Abschluss als Industrieelektriker/in. Daher setzen die MaĂźnahmen stets auf die folgenden Inhalte:
- Mathematik
- Chemie
- Physik
- Informatik
- Elektrik
- Mechanik
- Werkstoffkunde
- Mechatronik
- Messtechnik
- Steuertechnik
- Antriebstechnik
Passende Maßnahmen finden Interessierte über AZAV-zugelassene Anbieter im Portal KURSNET der Bundesagentur für Arbeit. Wer den Beruf breiter denken möchte, findet in unserer Übersicht zur Umschulung über das Arbeitsamt weitere Berufe und die grundsätzlichen Abläufe.
Voraussetzungen, Dauer und Kosten
Vor der Teilnahme an der Industrieelektriker-Umschulung sollten sich Interessierte mit den Bedingungen der Qualifizierung befassen. Nur anhand der Eckdaten können sie sich einen umfassenden Eindruck verschaffen. Wer wissen will, worauf er sich einlässt, findet nachfolgend eine kurze Übersicht.
- Voraussetzungen: keine Vorkenntnisse erforderlich
- Dauer: in der Regel zwei Jahre
- Kosten: mehrere Tausend Euro
Die Kosten müssen Umschülerinnen und Umschüler in aller Regel nicht selbst tragen. Wird die Maßnahme über einen Bildungsgutschein gefördert, übernimmt die Agentur für Arbeit die Lehrgangsgebühren sowie Fahrt- und Prüfungskosten vollständig.
Bei Fragen oder Unsicherheiten hinsichtlich der Umschulung zum Industrieelektriker tun Interessierte gut daran, sich an einen AZAV-zugelassenen Bildungsträger zu wenden.
Dort erhalten sie alle relevanten Informationen aus erster Hand und können oftmals kostenloses Informationsmaterial unverbindlich anfordern. Zudem sollten angehende Industrieelektriker/innen bei der Agentur für Arbeit vorstellig werden. Dort werden sie eingehend beraten und können sich über Fördermöglichkeiten informieren.
Es besteht zwar kein Rechtsanspruch auf eine Förderung durch das Arbeitsamt, aber die Chancen auf eine Zusage stehen bei einem zukunftssicheren Elektroberuf nicht schlecht. Fördert die Agentur für Arbeit die Umschulung, stellt sie einen Bildungsgutschein aus und sichert während der Maßnahme den Lebensunterhalt. Weitere geförderte Angebote finden sich in unserer Übersicht zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Alternativen zur Umschulung zum Industrieelektriker
Die Industrieelektriker-Umschulung ist in keiner Weise alternativlos. Interessierte können einerseits zwischen den Fachrichtungen Betriebstechnik sowie Geräte und Systeme wählen. Darüber hinaus können sie auch einen anderen Weg einschlagen und sich beispielsweise in einem der folgenden Berufe umschulen lassen:
- Elektroniker/in fĂĽr Betriebstechnik
- Maschinen- und AnlagenfĂĽhrer/in
- Elektroanlagenmonteur/in
- Elektroniker/in für Gebäude- und Infrastruktursysteme
- Elektroniker/in für Gebäudesystemintegration
- Elektroniker/in fĂĽr Maschinen und Antriebstechnik
- Elektroniker/in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik
- Elektroniker/in fĂĽr Automatisierungstechnik
- Elektroniker/in der Fachrichtung Automatisierungs- und Systemtechnik
- Mechatroniker/in
Konkrete Umschulungen zu verwandten Berufen stellen wir jeweils eigenständig vor – etwa die Umschulung zum Elektroniker, zum Mechatroniker, zum IT-Systemelektroniker oder zum Industriemechaniker. So lässt sich der Beruf finden, der am besten zu den eigenen Stärken passt.
Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für Industrieelektriker/innen
Berufswechsler/innen, die sich trotz aller Alternativen fĂĽr die Umschulung zum/zur Industrieelektriker/in entschieden haben, sind gut fĂĽr den beruflichen Alltag gerĂĽstet.
Am lebenslangen Lernen kommen sie aber dennoch nicht vorbei. Daher sollten sie sich weiterbilden und beispielsweise Seminare zu den folgenden Themen besuchen:
- Automatisierungstechnik
- Informationstechnik
- Kommunikationstechnik
- Wartung und Instandhaltung
- Qualitätsprüfung
Darüber hinaus können Industrieelektriker/innen im Rahmen einer Fortbildung eine der folgenden höheren Qualifikationen erlangen:
- Techniker/in – Elektrotechnik
- Industriemeister/in – Elektrotechnik
- GeprĂĽfte/r Prozessmanager/in Elektrotechnik
Häufig dient der Abschluss als Industrieelektriker/in zudem als Sprungbrett: Mit etwas Berufserfahrung lässt sich die Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik verkürzt fortsetzen, da sich die ersten Ausbildungsinhalte überschneiden.
Zu guter Letzt darf auch die zunehmende Akademisierung nicht unerwähnt bleiben. Industrieelektriker/innen sollten über ein Fernstudium oder anderes berufsbegleitendes Studium nachdenken. Interessante Studiengänge sind unter anderem Wirtschaftsingenieurwesen, Elektrotechnik und Mechatronik.
Der Berufsalltag als Industrieelektriker/in
Der Arbeitstag von Industrieelektrikerinnen und Industrieelektrikern spielt sich überwiegend in Werkhallen, an Produktionsanlagen und in Schaltschränken ab. Sie verlegen Leitungen, montieren Baugruppen, verdrahten Steuerungen und schließen elektrische Betriebsmittel an. Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, elektrische Anlagen zu prüfen, in Betrieb zu nehmen und bei Störungen die Ursache einzugrenzen.
In der Fachrichtung Betriebstechnik liegt der Schwerpunkt auf der Installation und Instandhaltung von Maschinen und Produktionsanlagen. Die Fachrichtung Geräte und Systeme dreht sich stärker um die Fertigung, Montage und Prüfung einzelner Geräte und Komponenten. In beiden Fällen gehören das Lesen von Schalt- und Stromlaufplänen sowie das Messen elektrischer Größen zum täglichen Handwerk.
Sicherheit steht dabei an erster Stelle: Wer mit Strom arbeitet, muss die einschlägigen Vorschriften kennen und einhalten, Anlagen fachgerecht freischalten und Schutzmaßnahmen dokumentieren. Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein und ein ruhiges Vorgehen sind daher wichtige Eigenschaften. Häufig arbeiten Industrieelektriker/innen im Team mit anderen Elektro- und Metallberufen zusammen, teils auch im Schichtbetrieb.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt fĂĽr Industrieelektriker/innen
Elektrofachkräfte werden in der deutschen Industrie durchgehend gesucht. Die Metall- und Elektroindustrie, der Anlagen- und Maschinenbau sowie die Energiewirtschaft melden seit Jahren einen spürbaren Fachkräftebedarf. Themen wie Automatisierung, Elektromobilität und der Ausbau erneuerbarer Energien sorgen dafür, dass elektrotechnisches Wissen weiter an Bedeutung gewinnt.
Für Umschülerinnen und Umschüler bedeutet das gute Chancen auf eine Übernahme oder einen schnellen Wiedereinstieg nach der Maßnahme. Wer bereit ist, sich weiterzubilden oder in eine Fachrichtung mit hoher Nachfrage zu spezialisieren, verbessert seine Position zusätzlich. Regionale Unterschiede gibt es dennoch: In Ballungsräumen mit starker Industrie ist die Nachfrage in der Regel höher als in strukturschwächeren Gegenden.
Wer sich vorab über die Marktlage informieren möchte, sollte einen Blick in aktuelle Stellenangebote werfen und die dort genannten Anforderungen mit den eigenen Interessen abgleichen. Das hilft auch dabei, die passende Fachrichtung zu wählen.
Ein weiterer Vorteil des Berufs: Die erworbenen Grundlagen lassen sich in vielen Branchen einsetzen. Wer heute in der Automobilindustrie startet, kann später ebenso in der Energieversorgung, im Anlagenbau oder in der Gebäudetechnik Fuß fassen. Diese Übertragbarkeit macht Industrieelektriker/innen auf dem Arbeitsmarkt flexibel und erhöht die Sicherheit, auch bei einem Branchenwechsel eine passende Stelle zu finden.
So läuft die Abschlussprüfung ab
Die Umschulung endet mit einer Abschlussprüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK). Sie besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil und orientiert sich an der jeweiligen Ausbildungsordnung für die Fachrichtung Betriebstechnik beziehungsweise Geräte und Systeme.
Im schriftlichen Teil werden Fachkenntnisse aus den Bereichen Elektrotechnik, Messtechnik, Steuerungstechnik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde abgefragt. Der praktische Teil verlangt die Bearbeitung einer betrieblichen Aufgabe: Prüflinge bauen zum Beispiel eine Steuerung auf, verdrahten eine Baugruppe, nehmen sie in Betrieb und prüfen ihre Funktion. Häufig kommt ein Fachgespräch hinzu, in dem die Vorgehensweise erläutert wird.
Wer die Prüfung besteht, erhält einen anerkannten IHK-Abschluss, der auf dem gesamten Arbeitsmarkt gilt. Bildungsträger bereiten gezielt auf beide Prüfungsteile vor und bieten Übungsaufgaben sowie Probeprüfungen an, damit der Abschluss gelingt.
Häufige Fragen zur Umschulung zum/zur Industrieelektriker/in
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Die Industrieelektriker-Umschulung weckt bei vielen Menschen großes Interesse, wirft allerdings auch Fragen auf. AZAV-zugelassene Bildungsträger sind dann lohnende Anlaufstellen. Zudem bietet sich ein Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit an.
Um zu erfahren, welche Perspektiven Industrieelektriker/innen konkret haben, sollte man sich mit den Anforderungen der Unternehmen befassen. Aktuelle Stellenangebote erweisen sich in diesem Zusammenhang als sehr aufschlussreich und geben Auskunft über die Anforderungen und typischen Tätigkeiten.






