Umschulung Hörgeräteakustiker - Quereinstieg über das Arbeitsamt
Eine Umschulung zum Hörgeräteakustiker führt über eine verkürzte Nachqualifizierung zum anerkannten Abschluss Hörakustiker/in – die offizielle Berufsbezeichnung, die den älteren Begriff Hörgeräteakustiker abgelöst hat. Berufswechsler durchlaufen dabei die Inhalte der dualen Ausbildung in meist zwei Jahren und können über das Arbeitsamt einen Bildungsgutschein zur Kostenübernahme sowie Leistungen zum Lebensunterhalt erhalten. Wer den Wechsel plant, sollte früh einen Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit vereinbaren und die persönliche Eignung ehrlich prüfen.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Die offizielle Berufsbezeichnung lautet seit 2016 Hörakustiker/in; Hörgeräteakustiker ist der frühere Name für denselben Beruf.
- Die Umschulung dauert in der Regel zwei Jahre und schließt mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer ab.
- Formale Zugangsvoraussetzungen gibt es nicht; entscheidend sind technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen.
- Bei einem anerkannten Bildungsziel übernimmt die Agentur für Arbeit die Lehrgangskosten per Bildungsgutschein und sichert den Lebensunterhalt.
- Das Bruttojahresgehalt liegt üblicherweise zwischen rund 28.000 und 42.000 Euro; Hörakustiker gelten als gefragte Fachkräfte.
Berufsbild Hörakustiker: Aufgaben, Aussichten und Gehalt
Als Hörakustiker/in – früher Hörgeräteakustiker/in – ist man ein wichtiger Ansprechpartner für Menschen mit Hörproblemen. Während die medizinische Diagnose und Behandlung in der HNO-Praxis erfolgt, widmen sich Hörakustiker/innen der Durchführung von Hörtests, der Beratung sowie der Auswahl, Anpassung und Feinjustierung von Hörsystemen. Auch die Herstellung von Otoplastiken – den individuell gefertigten Ohrpassstücken – gehört häufig zu den Aufgaben.
Beschäftigung finden Hörakustiker/innen vor allem in diesen Bereichen:
- Fachgeschäfte des Hörakustiker-Handwerks und Filialketten
- Hersteller von Hörsystemen und Zubehör
- audiologische Abteilungen und Reha-Einrichtungen
Die Verdienstmöglichkeiten sind für viele ein wichtiger Aspekt. Im Einzelfall kann es Unterschiede beim Gehalt geben, doch im Allgemeinen verdienen ausgebildete Hörgeräteakustiker/innen zwischen 28.000 Euro und 42.000 Euro brutto im Jahr. Mit Berufserfahrung, Weiterbildung zum Hörakustikmeister oder eigener Filialleitung sind höhere Einkommen erreichbar. Wer sich für verwandte Gesundheitsberufe interessiert, findet auch in der Umschulung zur Medizinischen Fachangestellten eine mögliche Perspektive.
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So läuft die Umschulung zum Hörakustiker ab
Üblicherweise absolvieren Hörakustiker/innen eine dreijährige duale Berufsausbildung, die mit der Gesellenprüfung endet. Berufswechsler/innen können stattdessen auf eine Hörakustiker-Umschulung ausweichen. Dabei ist zwischen betrieblichen und außerbetrieblichen Umschulungen zu unterscheiden: Bei der betrieblichen Variante lernt man überwiegend im Betrieb, bei der außerbetrieblichen bei einem Bildungsträger mit begleitenden Praxisphasen.
Unabhängig von der Form zielt die Maßnahme auf den anerkannten Abschluss als Hörakustiker/in ab. Dementsprechend werden die folgenden Inhalte behandelt:
- medizinisches Grundwissen und Anatomie des Ohrs
- Audiologie und Audiometrie
- Otoskopie und Ohrabformung
- Hörsysteme und Hörassistenzsysteme
- Herstellung und Anpassung von Otoplastiken
- Instandhaltung und Feinanpassung von Hörsystemen
- Kundenberatung und Kommunikation
- kaufmännisches und wirtschaftliches Grundwissen
Passende Maßnahmen lassen sich über KURSNET, die Weiterbildungsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit, gezielt nach Ort und Bildungsziel finden. Achten Sie darauf, dass der Anbieter AZAV-zugelassen ist, damit eine Förderung über den Bildungsgutschein möglich ist. Einen breiteren Überblick über geförderte Qualifizierungen bietet die Seite zur Weiterbildung über das Arbeitsamt.
Voraussetzungen, Dauer und Kosten im Überblick
Interessierte an einer Umschulung zum/zur Hörgeräteakustiker/in sollten wissen, welche Rahmenbedingungen gelten. Die folgende Übersicht zeigt die typischen Eckdaten, wobei es im Einzelfall Abweichungen geben kann:
- Voraussetzungen: keine einschlägige Vorbildung erforderlich; gutes Farb- und Hörvermögen von Vorteil
- Dauer: in der Regel zwei Jahre in Vollzeit
- Abschluss: Gesellenbrief nach bestandener Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer
- Kosten: häufig mehrere Tausend Euro, bei Förderung über den Bildungsgutschein abgedeckt
So lässt sich die Hörakustiker-Umschulung finanzieren
Wer einen Berufswechsel vollziehen will und Interesse an der Hörakustik hat, muss zunächst die Qualifizierung meistern. Neben den anspruchsvollen Inhalten können vor allem die Kosten hinderlich sein: Einerseits fallen Lehrgangsgebühren an, andererseits muss der laufende Lebensunterhalt während der zwei Jahre gesichert sein.
Das Arbeitsamt kann Umschüler finanziell unterstützen, indem es Leistungen zum Lebensunterhalt gewährt und einen Bildungsgutschein zur Übernahme der Lehrgangs- und Prüfungskosten ausstellt. Voraussetzung ist, dass die Umschulung arbeitsmarktpolitisch sinnvoll ist und bei einem zugelassenen Träger stattfindet. Es lohnt sich daher, den Umschulungswunsch frühzeitig mit der zuständigen Beraterin oder dem Berater zu besprechen. Einen Überblick über weitere Umschulungsberufe und das Förderverfahren gibt der Ratgeber zur Umschulung über das Arbeitsamt.
Der Berufsalltag als Hörakustiker
Der Arbeitsalltag im Hörakustiker-Handwerk verbindet Technik, Handwerk und persönliche Beratung. Ein typischer Tag beginnt oft mit Terminen zur Hörmessung: Über eine Audiometrie wird ermittelt, welche Frequenzen ein Kunde noch gut und welche er schlecht wahrnimmt. Auf dieser Grundlage empfiehlt der Hörakustiker geeignete Hörsysteme und passt sie individuell an.
Ein großer Teil der Arbeit findet direkt am Menschen statt. Viele Kundinnen und Kunden sind älter oder verunsichert, weil sie sich mit ihrem Hörverlust erst arrangieren müssen. Geduld, Zuwendung und verständliche Erklärungen sind daher genauso wichtig wie technisches Wissen. Im Werkstattbereich werden Otoplastiken hergestellt, Geräte gereinigt, repariert und feinjustiert. Auch dokumentarische und kaufmännische Aufgaben – von der Abrechnung mit Krankenkassen bis zur Terminplanung – gehören dazu.
Wer gern mit Menschen arbeitet, feinmotorisch geschickt ist und Freude an moderner Messtechnik hat, findet in diesem Beruf eine abwechslungsreiche Tätigkeit. Ähnlich technisch-beratend ist der Alltag im Beruf des Augenoptikers, der sich statt dem Hören dem Sehen widmet.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Die Berufsaussichten für Hörakustiker/innen gelten als stabil und günstig. Der Bedarf wächst vor allem aus zwei Gründen: Zum einen nimmt der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung zu, und Hörverlust betrifft mit steigendem Alter immer mehr Personen. Zum anderen werden Hörsysteme technisch immer leistungsfähiger und diskreter, sodass die Bereitschaft steigt, sich fachlich beraten und versorgen zu lassen.
Hörakustiker zählen in vielen Regionen zu den gesuchten Fachkräften, und viele Betriebe klagen über offene Stellen. Für Umschüler bedeutet das gute Chancen auf eine Übernahme nach der Prüfung. Wer sich weiterentwickeln möchte, kann die Meisterprüfung ablegen, einen eigenen Betrieb führen, in die Ausbildung neuer Fachkräfte gehen oder sich auf pädakustische Versorgung von Kindern spezialisieren. Offene Stellen und Ausbildungsbetriebe lassen sich über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit recherchieren.
So läuft die Abschlussprüfung ab
Die Umschulung endet mit der Gesellenprüfung vor der zuständigen Handwerkskammer. Sie ist in einen theoretischen und einen praktischen Teil gegliedert. Im theoretischen Teil werden schriftlich Kenntnisse aus Audiologie, Hörsystemtechnik, medizinischem Grundwissen sowie Wirtschafts- und Sozialkunde abgefragt.
Im praktischen Teil weisen die Prüflinge nach, dass sie eine Hörmessung durchführen, ein Hörsystem auswählen und anpassen sowie eine Otoplastik anfertigen können. Auch ein Beratungsgespräch mit einem simulierten Kunden kann Bestandteil sein. Wer beide Teile besteht, erhält den Gesellenbrief und darf die geschützte Berufsbezeichnung Hörakustiker/in führen. Bei einer geförderten Umschulung übernimmt die Agentur für Arbeit in der Regel auch die Prüfungsgebühren. Eine sorgfältige Vorbereitung über die gesamte Umschulungszeit hinweg ist der beste Weg zu einem sicheren Abschluss.
Quereinstieg und Umschulung mit Vorerfahrung
Viele Interessierte kommen aus ganz anderen Berufen zur Hörakustik. Das ist kein Nachteil, im Gegenteil: Wer bereits Erfahrung im Verkauf, in der Pflege, im Handwerk oder in einem technischen Beruf gesammelt hat, bringt oft genau die Mischung aus Kundenkontakt und praktischem Geschick mit, die im Alltag gefragt ist. Vorkenntnisse aus einem medizinischen oder feinmechanischen Umfeld erleichtern den Einstieg zusätzlich, sind aber keine Bedingung.
Bei der Frage, ob eine betriebliche oder außerbetriebliche Umschulung sinnvoller ist, spielt die persönliche Situation die Hauptrolle. Wer möglichst schnell ein Einkommen braucht, profitiert häufig von einer betrieblichen Umschulung mit Vergütung durch den Betrieb. Wer strukturierten Unterricht bevorzugt, ist bei einem Bildungsträger gut aufgehoben. In beiden Fällen sollte man vor dem Start klären, wie die Praxisphasen organisiert sind und ob ein Ausbildungsbetrieb als Partner zur Verfügung steht. Die Beratung der Agentur für Arbeit hilft, den passenden Weg zu finden und die Förderung darauf abzustimmen.
Weiterbildung und Aufstieg nach der Umschulung
Mit dem Gesellenbrief ist die berufliche Entwicklung nicht abgeschlossen. Wer sich weiterqualifizieren möchte, kann die Meisterprüfung im Hörakustiker-Handwerk ablegen. Der Meistertitel eröffnet die Möglichkeit, einen eigenen Betrieb zu führen, eine Filiale zu leiten und selbst auszubilden. Für die Vorbereitung auf die Meisterprüfung gibt es mit dem Aufstiegs-BAföG eine eigene Förderung, die unabhängig vom Bildungsgutschein für die Umschulung ist.
Daneben gibt es fachliche Spezialisierungen, etwa die pädakustische Versorgung von Kindern, die Anpassung von Cochlea-Implantat-Zubehör oder Tinnitus-Beratung. Auch Positionen im Außendienst oder in der Anwendungstechnik bei Herstellern von Hörsystemen stehen erfahrenen Fachkräften offen. Wer sich breiter über geförderte Aufstiegswege informieren möchte, findet auf der Seite zur Weiterbildung über das Arbeitsamt weitere Hinweise.
Alternativen zur Hörakustiker-Umschulung
Im Rahmen der Entscheidungsfindung sollten Interessierte an einer Hörakustiker-Umschulung auch offen für mögliche Alternativen sein. Wer handwerkliches Geschick mit medizinischem Interesse verbinden möchte, findet in verwandten Gesundheits- und Technikberufen ebenfalls passende Wege. Einen Blick wert sind zum Beispiel:
- Medizinische/r Fachangestellte/r
- Augenoptiker/in
- Zahntechniker/in
- Orthopädietechnik-Mechaniker/in
- Chirurgiemechaniker/in
Häufige Fragen zur Umschulung Hörgeräteakustiker
Die Herstellung und Anpassung medizinischer Hilfsmittel rund um das Hören ist der Kern des Berufs Hörakustiker. Wer ernsthaftes Interesse hat und fest entschlossen ist, einen entsprechenden Berufswechsel zu vollziehen, sollte den folgenden Tipp aus unserer Redaktion beherzigen.
Hinterfragen Sie Ihre persönliche Eignung als Hörakustiker/in!
Dass es keine formalen Voraussetzungen gibt, erleichtert zunächst den Zugang zur Hörakustiker-Umschulung. Für eine erfolgreiche Berufslaufbahn ist aber die persönliche Eignung entscheidend. Dabei kommt es vor allem auf die folgenden Dinge an:
- Offenheit im Umgang mit Menschen
- medizinisches Interesse
- handwerkliches Geschick
- technisches Verständnis
- Kommunikationsstärke
- Einfühlungsvermögen
- Einsatzbereitschaft
Wer sich dessen bewusst ist und genau abwägt, trifft am Ende eine gut begründete Entscheidung und kann erfolgreich den Beruf wechseln.






