Ist eine Umschulung ohne Ausbildung möglich?

Eine Umschulung ohne Ausbildung wirkt zunächst paradox, denn kennzeichnend für eine Umschulung ist schließlich, dass sie als Zweitausbildung daherkommt. Es geht also darum, dass Menschen, die bereits einen Beruf erlernt haben und darin tätig waren, einen neuen Beruf erlernen und so einen beruflichen Neustart hinlegen.

Wenn kein erster Berufsabschluss vorhanden ist, kann also streng genommen nicht von einer Umschulung im eigentlichen Sinne die Rede sein. Nichtsdestotrotz kommt immer wieder die Frage auf, ob eine Umschulung ohne Ausbildung möglich ist.

Wer hat Interesse an einer Umschulung ohne Ausbildung?

Dass sich Umschulungsmaßnahmen vornehmlich an Menschen richten, die bereits einen Berufsabschluss in der Tasche haben, ist allgemein bekannt. Die meisten Umschüler/innen können somit auf eine Ausbildung zurückblicken, obgleich diese fachfremd ist und vielleicht nichts mit dem Umschulungsberuf zu tun hat.

Es kommt aber dennoch immer wieder vor, dass Menschen ohne Berufsabschluss Interesse an einer Umschulung haben. Dabei handelt es sich beispielsweise um Frauen, die jung Mutter geworden sind und somit keine Gelegenheit hatten, nach der Schule einen Beruf zu erlernen.

Aber auch Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Berufsausbildung machen konnten oder in jungen Jahren nicht die erforderliche Motivation aufgebracht haben, wollen den Berufsabschluss später nachholen. Nicht selten haben junge Erwachsene genug vom ewigen Lernen und steigen als ungelernte Kräfte ins Berufsleben ein, um erst einmal Geld zu verdienen.

In anderen Fällen verlief die Ausbildungssuche nicht wie erhofft, so dass die Jahre vergehen, ohne dass man einen Beruf erlernt hat. In all diesen Fällen erscheint eine Umschulung ohne Ausbildung als ideale Lösung.

Welche Alternativen gibt es zu einer Umschulung ohne Ausbildung?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass seitens des Arbeitsamtes eine Umschulung ohne vorherige Erstausbildung genehmigt wird, aber dennoch ist dies nicht die Regel. Folglich wird der erste Antrag häufig abgelehnt.

In einem solchen Fall sollte man ernsthaft darĂĽber nachdenken, ob es nicht vielleicht auch Alternativen gibt und vielleicht einen Beratungstermin vereinbaren. Wer keine abgeschlossene Erstausbildung vorweisen kann, erfĂĽllt eigentlich nicht die grundlegende Voraussetzung fĂĽr eine Umschulung und sollte somit andere Optionen im Hinterkopf haben.

Nachfolgend finden sich ein paar Beispiele:

  • Schulische Ausbildung
  • Betriebliche Ausbildung
  • Förderprogramme fĂĽr Spätstarter/innen ins Berufsleben

Mitunter kann man auch später noch eine klassische Berufsausbildung in Angriff nehmen und sollte in Erfahrung bringen, ob etwaige Altersgrenzen bestehen. Ist dies nicht der Fall, kann man eine schulische oder duale Ausbildung einfach etwas später beginnen. Ansonsten gibt es vielerorts auch spezielle Förderprogramme für Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung.

Im Rahmen spezieller Maßnahmen können Spätstarter/innen so doch noch einen vielversprechenden Karrierestart hinlegen. Es muss also längst nicht immer eine Umschulung sein, wobei diese durchaus auch ohne Ausbildung ausnahmsweise genehmigt werden kann.

Umschulung nach einer abgebrochenen Ausbildung

Eine abgeschlossene Ausbildung in einem Beruf, in dem man nicht mehr arbeiten kann, sind die ĂĽblichen Voraussetzungen, die UmschĂĽler/innen erfĂĽllen. Es geht allerdings auch anders. Dies zeigt sich unter anderem anhand dessen, dass nach einer abgebrochenen Ausbildung recht gute Chancen auf eine Umschulung bestehen.

Das Arbeitsamt hat ein großes Interesse daran, dass Arbeitssuchende über eine berufliche Qualifikation verfügen, die ihnen einen Zugang zur Arbeitswelt ermöglicht. Wer einen nachvollziehbaren Grund für den Abbruch der Erstausbildung nennen kann, hat gute Chancen auf eine Bewilligung einer geförderten Zweitausbildung in Form einer Umschulung.

Warum setzt eine Umschulung ĂĽblicherweise eine Ausbildung voraus?

Dass sich Umschulungsmaßnahmen in erster Linie an Menschen richten, die bereits einen anderen Beruf erlernt haben und eine gewisse Berufspraxis vorweisen können, ist in den Augen vieler Interessierter unverständlich. Im Rahmen der Umschulung lernt man einen neuen Beruf von der Pike auf und muss keinerlei Vorkenntnisse mitbringen.

Das Konzept der Umschulung definiert diese allerdings als Zweitausbildung und setzt eine gewisse Reife voraus. Eine abgeschlossene Berufsausbildung gilt hier als Nachweis. Um mithilfe einer Umschulung einen Berufswechsel zu vollziehen, muss man logischerweise einen ersten Beruf haben.

Wie sieht es mit einer Umschulung ohne Schulabschluss aus?

In Anbetracht der Tatsache, dass eine Umschulung ohne Ausbildung schwierig werden kann, erscheint eine entsprechende Maßnahme ohne Schulabschluss vollkommen unrealistisch. Umso überraschender ist es, dass Umschulungen nicht zwingend einen Schulabschluss voraussetzen. Gering Qualifizierte werden oftmals in besonderem Maße gefördert und können mittels Umschulung eine offiziell anerkannte Qualifikation erlangen.

Ansonsten ist es auch eine Überlegung wert, zunächst mit der Unterstützung des Arbeitsamtes den Hauptschulabschluss als ersten Schulabschluss nachzumachen.

Achtung! Tipp aus der Redaktion

Eine Umschulung ohne Ausbildung erweist sich immer wieder als heikles Thema. Viele Menschen haben zu gegebener Zeit die Chance verpasst, eine Berufsausbildung zu absolvieren und möchten dies später nachholen.

Obwohl eine klassische Berufsausbildung vornehmlich fĂĽr junge Erwachsene unmittelbar nach dem Schulabschluss gedacht ist, ist eine Umschulung ohne vorherige Ausbildung nur schwer zu realisieren. Interessierte befinden sich daher in einer ZwickmĂĽhle und sollten sich den folgenden Tipp aus unserer Redaktion zu Herzen nehmen.

Beachten Sie die Besonderheiten einer Umschulung ohne Ausbildung!

Im Falle einer Umschulung ohne Erstausbildung in einem anderen Beruf gelten einige Besonderheiten. Eine Beratung beim Jobcenter beziehungsweise bei der Agentur für Arbeit kann hier sehr aufschlussreich sein und offenbaren, ob gegebenenfalls ein Förderbedarf nach § 81 SGB III besteht.

Wer bislang als ungelernte Kraft tätig war und dieser Tätigkeit nicht mehr nachgehen kann, ist hinsichtlich einer Umschulungsförderung folglich nicht chancenlos.