Umschulung Polizist - Quereinstieg ĂĽber das Arbeitsamt
Das Wichtigste in KĂĽrze
- Eine klassische Umschulung zum Polizisten oder zur Polizistin gibt es nicht. Der Zugang läuft immer über den Vorbereitungsdienst der Polizei, also die reguläre Polizeiausbildung oder das Studium.
- Ein Quereinstieg ist als Zweitausbildung möglich: Wer bereits eine Erstausbildung hat und innerhalb der Altersgrenze liegt, kann sich neu bewerben und Polizist werden.
- Die Altersgrenzen unterscheiden sich stark je Bundesland – von 30 Jahren in Bayern bis 47,5 Jahren in Schleswig-Holstein. FĂĽr Bewerber mit Berufserfahrung gelten oft höhere Grenzen.
- Menschen mit gefragten Vorberufen (etwa Juristen, IT-Fachkräfte oder Ingenieure) haben mitunter die Chance auf einen Direkteinstieg in den gehobenen oder höheren Dienst.
- Als anerkannte Ausbildungsberufe mit Umschulungsoption kommen verwandte Sicherheitsberufe wie die Fachkraft fĂĽr Schutz und Sicherheit in Betracht.
Sie möchten als Quereinsteiger zur Polizei? Eine Umschulung zum Polizisten im klassischen Sinne existiert nicht – der einzige Weg in den Polizeivollzugsdienst fĂĽhrt ĂĽber den Vorbereitungsdienst, also die Polizeiausbildung im mittleren Dienst oder das duale Studium im gehobenen Dienst. Ein Quereinstieg ist dennoch möglich: als spätere Zweitausbildung nach einem ersten Beruf oder, bei passender Vorqualifikation, ĂĽber einen Direkteinstieg. Dieser Ratgeber erklärt die Wege, Voraussetzungen und Alternativen.
Berufsbild Polizist: Aufgaben und Einsatzbereiche
Wenn es um staatliche Ordnung sowie um Recht und Sicherheit geht, ist die Polizei das zentrale Organ der Exekutive. Das Aufgabenspektrum reicht vom StraĂźenverkehr bis hin zur Strafverfolgung. Auch die Gefahrenabwehr ist wesentlicher Bestandteil der Polizeiarbeit.
Als Polizistin oder Polizist sorgt man vor allem für die innere Sicherheit. Wer darin seine Berufung sieht, sollte den Polizeiberuf ernsthaft in Betracht ziehen. Die Tätigkeit verteilt sich auf mehrere Behörden und Ebenen, sodass ein Beschäftigungsverhältnis unter anderem bei den folgenden Stellen möglich ist:
- Landespolizei der 16 Bundesländer (Schutz- und Kriminalpolizei)
- Bundespolizei (Grenz-, Bahn- und Luftsicherheit)
- Bundeskriminalamt und Landeskriminalämter
- Wasserschutzpolizei und Autobahnpolizei
- Bereitschaftspolizei
- Polizei beim Deutschen Bundestag
Der Polizeidienst gliedert sich in Laufbahngruppen: den mittleren Dienst (Ausbildung), den gehobenen Dienst (Studium) und den höheren Dienst (Führungsebene). Je nach Laufbahn, Erfahrung, Dienstgrad und Einsatzbereich fällt die Besoldung unterschiedlich aus. Die Bezahlung richtet sich nach den Besoldungstabellen der Länder beziehungsweise des Bundes, sodass sich eine pauschale Gehaltsangabe nicht seriös treffen lässt.
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Der Weg zur Polizei als Berufswechsler
Interessierte an einem beruflichen Neustart bei der Polizei müssen zuerst bedenken, dass es hier keine Umschulung im eigentlichen Sinne gibt. Wer Polizist werden möchte, muss den Vorbereitungsdienst absolvieren - je nach angestrebter Laufbahn eine Ausbildung oder ein duales Studium bei der Polizei.
Dabei muss es sich nicht zwingend um die Erstausbildung handeln. Solange man sich innerhalb der jeweiligen Altersgrenzen bewegt, kann man auch nach einer ersten Ausbildung umsatteln und in den Polizeidienst wechseln. Genau das ist der klassische Quereinstieg: eine Zweitausbildung, in die man mit Lebens- und Berufserfahrung startet.
Zuweilen ist auch ein Direkteinstieg möglich, bei dem eine vorhandene Qualifikation angerechnet wird. Diese Option besteht in der Regel für Menschen, die einen bei der Polizei gefragten Erstberuf vorweisen können. Wer etwa ein juristisches Studium, eine IT-Qualifikation oder eine technische Ausbildung mitbringt, kann für Spezialbereiche direkt eingestellt werden - allerdings durchläuft auch dieser Personenkreis eine polizeiliche Zusatzausbildung und legt die Laufbahnprüfung ab.
Voraussetzungen und Altersgrenzen im Ăśberblick
Die Einstellungsvoraussetzungen für den Polizeidienst legen die Länder und der Bund jeweils selbst fest, weshalb sie sich im Detail unterscheiden. Einige Grundvoraussetzungen gelten jedoch bundesweit ähnlich:
- deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines EU-Staates (teils weitere Regelungen)
- je nach Laufbahn mindestens ein mittlerer Schulabschluss mit Ausbildung oder die Hochschulreife fĂĽr das Studium
- gesundheitliche und körperliche Eignung, oft mit Schwimmnachweis und Sporttest
- keine Vorstrafen und geordnete wirtschaftliche Verhältnisse
- Führerschein der Klasse B in den meisten Ländern
- charakterliche Eignung und Verfassungstreue
Besonders wichtig für Quereinsteiger sind die Altersgrenzen, die am Tag der Einstellung gelten. Sie variieren stark: In Bayern liegt die Grenze bei rund 30 Jahren, während Schleswig-Holstein Bewerbungen bis 47,5 Jahre zulässt. Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland setzen die Grenze bei 37 Jahren, Berlin hat sie für Teile der Laufbahn auf bis zu 41 Jahre angehoben, und Bremen hat feste Höchstaltersgrenzen zeitweise ausgesetzt.
Für Bewerber mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung gibt es in vielen Ländern Ausnahmen, die das Höchstalter anheben. Auch für frühere Soldaten auf Zeit bestehen Sonderregelungen. Wer als Quereinsteiger einsteigen will, sollte die genauen Bedingungen daher immer bei der Einstellungsberatung der jeweiligen Polizeibehörde erfragen.
Alternativen zur Umschulung zum Polizisten
Da es keine Umschulung zum Polizisten gibt, liegt es nahe, nach Alternativen zu suchen. Der direkteste Weg bleibt der reguläre Vorbereitungsdienst der Polizei. Wer die Altersgrenze bereits überschritten hat oder die körperlichen Anforderungen nicht erfüllt, findet in verwandten Sicherheitsberufen jedoch echte Alternativen.
An erster Stelle steht die Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Da es sich dabei um einen anerkannten Ausbildungsberuf handelt, ist hier eine echte Umschulung möglich - inklusive Förderung durch einen Bildungsgutschein über AZAV-zugelassene Anbieter, die man über KURSNET der Bundesagentur für Arbeit findet. Wer stärker im Verwaltungsbereich der Sicherheitsbehörden arbeiten möchte, kann auch eine Umschulung zur Verwaltungsfachangestellten in Betracht ziehen.
Weitere Berufsfelder mit inhaltlicher Nähe zur Ermittlungs- und Sicherheitsarbeit sind der Beruf des Detektivs sowie Tätigkeiten im Werkschutz, in der Objektbewachung oder im Personenschutz. Einen breiten Überblick über weitere Wechseloptionen bietet unsere Übersicht zur Umschulung über das Arbeitsamt.
Weiterbildung und Aufstieg im Polizeidienst
All diejenigen, die bereits für die Polizei tätig sind, sollten sich regelmäßig weiterbilden. So bleiben sie fachlich auf dem Laufenden, erweitern ihren Horizont und sammeln Qualifikationen für die weitere Karriere. Fortbildungen zu den folgenden Themen sind hier zu nennen:
- Kriminaltechnik und Spurensicherung
- Personen- und Objektschutz
- Cyberkriminalität und digitale Forensik
- Verkehrssicherheit und Unfallaufnahme
- Einsatztaktik und Deeskalation
- Verwaltung und Recht
Darüber hinaus können Polizistinnen und Polizisten ihre Laufbahn fortsetzen, um beispielsweise vom mittleren in den gehobenen Dienst aufzusteigen. Dieser Aufstieg ist über ein Studium an einer Hochschule der Polizei möglich. Für den höheren Dienst und Führungspositionen sind weiterführende akademische Qualifikationen relevant, unter anderem in diesen Disziplinen:
- Verwaltungswissenschaft
- Rechtswissenschaft
- Sicherheitsmanagement
- Kriminologie
Wer sich unabhängig von der Polizei weiterqualifizieren möchte, findet in unserer Übersicht zur Weiterbildung über das Arbeitsamt passende Fördermöglichkeiten und Wege.
Der Berufsalltag als Polizist
Der Alltag im Polizeidienst ist selten planbar und hängt stark vom Einsatzbereich ab. Im Streifendienst der Schutzpolizei prägen wechselnde Schichten den Tag: Streifenfahrten, Verkehrskontrollen, die Aufnahme von Unfällen und Anzeigen sowie Einsätze bei Ruhestörungen, häuslicher Gewalt oder Notrufen gehören zum Kern der Arbeit. Kein Dienst gleicht dem anderen, und die Bereitschaft zu Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten ist Voraussetzung.
In der Kriminalpolizei verschiebt sich der Schwerpunkt hin zu Ermittlungsarbeit: Vernehmungen, Spurenauswertung, Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und die Aufklärung von Straftaten bestimmen den Tag. Wer im Bereich Cyberkriminalität arbeitet, verbringt viel Zeit mit digitaler Beweissicherung. Gemeinsam ist allen Bereichen ein hoher Anteil an Dokumentation, denn jeder Vorgang muss rechtssicher festgehalten werden.
Der Beruf bringt Verantwortung und mitunter belastende Situationen mit sich. Deeskalation, Teamarbeit und ein kühler Kopf in Stresslagen sind daher ebenso wichtig wie rechtliches Wissen. Wer sich für einen Quereinstieg interessiert, sollte diesen Alltag realistisch einschätzen - Berufserfahrung aus dem ersten Beruf hilft oft, souverän mit Bürgern und schwierigen Lagen umzugehen.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Die Berufsaussichten im Polizeidienst sind stabil und gut. Bund und Länder haben ihre Einstellungszahlen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, um altersbedingte Abgänge auszugleichen und den gestiegenen Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. Für qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber besteht daher eine solide Nachfrage.
Ein wesentlicher Vorteil ist die Sicherheit des Beamtenverhältnisses. Nach der Ausbildung erfolgt in der Regel die Verbeamtung auf Probe und später auf Lebenszeit, verbunden mit einem festen Einkommen, Beihilfe im Krankheitsfall und einer Pension. Gerade für Berufswechsler, die aus unsicheren Branchen kommen, ist dies ein starkes Argument.
Die Aufstiegs- und Spezialisierungsmöglichkeiten sind vielfältig: vom Streifendienst über die Kriminalpolizei bis zu Spezialeinheiten, Wasserschutz-, Autobahn- oder Bereitschaftspolizei. Auch der Wechsel zwischen Landes- und Bundespolizei oder zum Bundeskriminalamt ist grundsätzlich denkbar. Quereinsteiger mit gefragten Vorqualifikationen - etwa in IT, Technik oder Recht - haben hier oft besonders gute Karten.
So läuft das Auswahlverfahren ab
Das Auswahlverfahren ist für Quereinsteiger und klassische Bewerber identisch und beginnt mit der Online-Bewerbung bei der jeweiligen Polizeibehörde. Da die Vorlaufzeiten mehrere Monate betragen können, lohnt sich eine frühzeitige Bewerbung - bei der Bundespolizei etwa muss sie mehrere Monate vor dem Einstellungstermin eingegangen sein.
Nach der formalen PrĂĽfung folgt in der Regel ein mehrstufiges Auswahlverfahren. Typische Bestandteile sind:
- ein schriftlicher Test zu Allgemeinwissen, Sprache, Logik und Konzentration
- ein Sporttest mit Ausdauer- und KraftĂĽbungen
- eine polizeiärztliche Untersuchung zur gesundheitlichen Eignung
- ein Assessment-Center oder strukturiertes Interview mit Gruppenaufgaben
- eine ĂśberprĂĽfung der charakterlichen Eignung und Verfassungstreue
Wer alle Stufen besteht, erhält eine Einstellungszusage und beginnt den Vorbereitungsdienst. Für den erfolgreichen Einstieg ist eine gezielte Vorbereitung auf Sport- und Einstellungstest empfehlenswert. Die Einstellungsberatung der Polizei informiert über Ablauf und Anforderungen und ist die verlässlichste Quelle für aktuelle Bedingungen im jeweiligen Bundesland.
Häufige Fragen zum Quereinstieg bei der Polizei
Ein Quereinstieg als Polizist weckt bei vielen Menschen groĂźes Interesse. Da es keine klassische Umschulung gibt, muss man andere Wege zur Polizei finden – und diese sorgfältig recherchieren. Häufig konzentrieren sich Interessierte auf die harten Fakten wie Alter und Abschluss. Diese sind wichtig, aber nicht alles.
Hinterfragen Sie Ihre Eignung als Polizist!
Indem man die formalen Kriterien erfüllt, kann man theoretisch Polizist werden. Praktisch muss man aber auch für die anspruchsvolle und fordernde Polizeiarbeit geeignet sein. Die folgenden Aspekte sind maßgebend für die persönliche Eignung:
- Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein
- mentale Stärke und Stressresistenz
- körperliche Fitness
- gutes Beobachtungsvermögen und Aufmerksamkeit
- Reaktionsgeschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit
- Organisationsgeschick und Kommunikationsstärke
- Identifikation mit den demokratischen Werten und dem deutschen Rechtsstaat






