Umschulung Innenarchitekt - Quereinstieg über das Arbeitsamt
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Innenarchitekt/in ist kein anerkannter Ausbildungsberuf, sondern eine geschützte Berufsbezeichnung nach einem abgeschlossenen Studium der Innenarchitektur - eine klassische Umschulung über das Arbeitsamt ist deshalb nicht möglich.
- Wer sich wirklich Innenarchitekt/in nennen und in die Architektenkammer eintragen lassen will, muss Innenarchitektur an einer Hochschule studieren (Bachelor, meist 6-8 Semester) und Berufspraxis nachweisen.
- Als Einstieg über das Arbeitsamt eignen sich verwandte Ausbildungsberufe wie Raumausstatter/in oder Gestalter-Fachrichtungen, die per Umschulung erlernbar sind.
- Ein berufsbegleitendes Fern- oder Abendstudium ermöglicht den akademischen Weg neben dem Job - Bildungsgutschein und Aufstiegs-BAföG kommen je nach Situation infrage.
- Das Bruttojahresgehalt liegt je nach Erfahrung und Region meist zwischen rund 35.000 und 50.000 Euro.
Wer sich per Umschulung zum Innenarchitekten oder zur Innenarchitektin umorientieren möchte, stößt schnell auf eine wichtige Besonderheit: Eine Umschulung im klassischen Sinne gibt es für diesen Beruf nicht. Innenarchitekt/in ist kein anerkannter Ausbildungsberuf, sondern eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung, die ein abgeschlossenes Studium der Innenarchitektur voraussetzt. Ein beruflicher Neustart im Umfeld der Innenraumgestaltung ist trotzdem möglich - über verwandte Ausbildungsberufe oder ein berufsbegleitendes Studium.
Angehende Berufswechsler/innen sollten sich frühzeitig bei der Agentur für Arbeit beraten lassen und zusätzlich eigenständig recherchieren. So kennen sie die tatsächlichen Bedingungen und stellen die richtigen Weichen für ihre berufliche Zukunft. Dieser Ratgeber erklärt, welche Wege realistisch sind, welche Fördermöglichkeiten bestehen und wie der Berufsalltag aussieht.
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Inhaltsverzeichnis
- Berufsbild Innenarchitekt/in - Aufgaben und Verdienst
- Warum es keine klassische Umschulung gibt
- Persönliche Eignung für den Beruf
- Umschulungs-Alternativen mit Bezug zur Innenarchitektur
- Der akademische Weg über ein berufsbegleitendes Studium
- Förderung über das Arbeitsamt
- Der Berufsalltag als Innenarchitekt/in
- Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
- Innenarchitekt, Raumausstatter und Innenausstatter im Vergleich
- So gelingt der Einstieg für Quereinsteiger
- Häufige Fragen zur Umschulung Innenarchitekt/in

Berufsbild Innenarchitekt/in - Aufgaben und Verdienst
Als Innenarchitekt/in widmet man sich der Innenraumgestaltung und arbeitet stets im Kundenauftrag. Einerseits soll die Raumgestaltung stilvoll und ansprechend wirken, andererseits geht es immer auch um die Funktionalität der betreffenden Räume. Künstlerische, gestalterische, soziale, wirtschaftliche, kulturelle und technische Aspekte finden in der Innenarchitektur gleichermaßen Beachtung.
Innenarchitekten planen und entwerfen die Inneneinrichtung, erstellen Raumkonzepte, Materialplanungen und detaillierte Baupläne. Die handwerkliche Umsetzung obliegt dann meist Raumausstattern, Tischlern und weiteren Handwerkern. Innenarchitekten koordinieren als planende Instanz die Gewerke, überwachen Termine und Kosten und betreuen ihre Kunden über den gesamten Projektverlauf.
Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben sich vor allem in den folgenden Bereichen:
- Architektur- und Innenarchitekturbüros
- Einrichtungshäuser und Möbelhersteller
- Messebau und Ladenbau
- Raumausstattungsbetriebe
Die Verdienstmöglichkeiten lassen sich nur schwer verallgemeinern. Je nach Erfahrung, Qualifikation, Region und Einsatzbereich gibt es teils deutliche Unterschiede beim Einkommen. Angestellte Innenarchitekten verdienen im Durchschnitt rund 35.000 bis 50.000 Euro brutto im Jahr. Selbstständige mit eigenem Büro können je nach Auftragslage darüber liegen, tragen aber auch das unternehmerische Risiko.
Warum es keine klassische Umschulung gibt
Menschen, die ihren Berufswechsel nutzen möchten, um in die Innenarchitektur einzusteigen, sollten wissen: Es gibt keine anerkannte Umschulung zum Innenarchitekten. Innenarchitekt/in ist kein Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz, sondern eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung, die den Abschluss eines Studiums der Innenarchitektur voraussetzt.
Wer die Berufsbezeichnung offiziell führen und in die Architektenkammer des jeweiligen Bundeslandes eingetragen werden möchte, muss ein Hochschulstudium der Innenarchitektur absolvieren und je nach Kammer eine anschließende Berufspraxis nachweisen. Auf anderen Wegen ist die geschützte Qualifikation als Innenarchitekt/in nicht zu erreichen. Für den Quereinstieg bleiben deshalb zwei realistische Routen: verwandte Ausbildungsberufe per Umschulung oder ein berufsbegleitendes Studium.
Persönliche Eignung für den Beruf
Alle, die ihre berufliche Zukunft in der Innenarchitektur sehen, sollten die formalen Voraussetzungen kennen. Der Zugang zum Studium erfordert in der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung, an Fachhochschulen genügt häufig die Fachhochschulreife. Oft werden zusätzlich ein Vorpraktikum und eine Mappe mit gestalterischen Arbeiten verlangt.
Davon abgesehen sollten angehende Innenarchitektinnen und Innenarchitekten an ihre persönliche Eignung für diese anspruchsvolle Tätigkeit denken. Es kommt vor allem auf die folgenden Punkte an:
- Kreativität und gestalterisches Talent
- künstlerische Begabung und ästhetisches Empfinden
- technisches Verständnis und handwerkliches Geschick
- Gespür für Formen, Farben und Materialien
- Organisationstalent und Einsatzbereitschaft
- Kommunikationsstärke und Offenheit im Kundenkontakt
Umschulungs-Alternativen mit Bezug zur Innenarchitektur
Dass es keine Umschulung zum Innenarchitekten im eigentlichen Sinne gibt, müssen Berufswechsler/innen berücksichtigen. Zugleich gibt es durchaus mehrere Umschulungsmöglichkeiten mit engem Bezug zur Innenarchitektur, die als anerkannte Ausbildungsberufe per Umschulung erlernbar sind.
Folgende Qualifizierungen kommen als Umschulungs-Alternativen infrage:
- Raumausstatter/in - Umsetzung von Raumkonzepten, Polster-, Dekorations- und Bodenarbeiten
- Gestalter/in - Fachrichtung Farbtechnik und Raumgestaltung
- Gestalter/in - Fachrichtung Holz, Möbel und Raumgestaltung
- Tischler/in beziehungsweise Schreiner/in mit Schwerpunkt Innenausbau
Wer gestalterisch-visuell arbeiten möchte, findet auch als Mediengestalter/in oder Grafikdesigner/in verwandte Tätigkeitsfelder. Passende Umschulungen lassen sich über KURSNET der Bundesagentur für Arbeit und über AZAV-zugelassene Anbieter finden. Einen breiten Überblick über die Möglichkeiten bietet unser Ratgeber zur Umschulung über das Arbeitsamt.
Der akademische Weg über ein berufsbegleitendes Studium
Assistenten im Bereich Innenarchitektur, Gestalter/innen und Raumausstatter/innen mit beruflichen Ambitionen sollten die zunehmende Akademisierung der Branche ernst nehmen. Ein berufsbegleitendes Studium kann parallel zum Job einen Hochschulabschluss bescheren und den Weg zur geschützten Berufsbezeichnung ebnen.
Möglich wird dies durch flexible Studienformen für Berufstätige. Per Fernstudium oder Abendstudium lässt sich eines der folgenden Fächer berufsbegleitend studieren:
- Architektur
- Innenarchitektur
- Bühnenbild und Szenografie
- Produkt- und Industriedesign
Ein Bachelorstudium der Innenarchitektur dauert in Vollzeit meist sechs bis acht Semester, berufsbegleitend entsprechend länger. Wer weitere Qualifizierungswege sucht, findet in unserem Ratgeber zur Weiterbildung über das Arbeitsamt zusätzliche Anhaltspunkte zu geförderten Lehrgängen und Aufstiegsfortbildungen.
Förderung über das Arbeitsamt
Weil Innenarchitekt/in kein Ausbildungsberuf ist, greift der Bildungsgutschein hier nicht direkt für ein Hochschulstudium. Für die verwandten Umschulungsberufe wie Raumausstatter/in kann die Agentur für Arbeit dagegen einen Bildungsgutschein ausstellen, wenn die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind und die Umschulung die Eingliederung in den Arbeitsmarkt fördert. Der Gutschein deckt in der Regel die Lehrgangskosten sowie Fahrt- und Betreuungskosten.
Für aufstiegsorientierte Weiterbildungen im gestalterischen Handwerk, etwa zum Gestalter, kommt zusätzlich das Aufstiegs-BAföG in Betracht. Ein berufsbegleitendes oder Vollzeitstudium kann über BAföG, Studienkredite oder Stipendien mitfinanziert werden. Da die Förderlandschaft von der individuellen Situation abhängt, ist ein Beratungstermin bei der zuständigen Agentur für Arbeit der wichtigste erste Schritt.
Der Berufsalltag als Innenarchitekt/in
Der Arbeitsalltag von Innenarchitekten ist abwechslungsreich und pendelt zwischen Schreibtisch, Baustelle und Kundenterminen. Ein großer Teil der Zeit entfällt auf die Entwurfsarbeit am Rechner: Mit CAD-Programmen und 3D-Visualisierungssoftware entstehen Raumkonzepte, Grundrisse und realistische Ansichten, die den Kunden die spätere Wirkung zeigen.
Hinzu kommen Aufmaße vor Ort, die Auswahl von Materialien, Oberflächen und Leuchten sowie die Abstimmung mit Handwerksbetrieben und Lieferanten. Während der Umsetzungsphase koordinieren Innenarchitekten die beteiligten Gewerke, prüfen die Bauqualität und behalten Termine und Budget im Blick. Kommunikationsstärke ist dabei ebenso gefragt wie gestalterisches Können, denn viele Kundenwünsche müssen in tragfähige Konzepte übersetzt werden. In festen Anstellungen sind geregelte Arbeitszeiten üblich, bei projektbezogenen Abgabeterminen kann die Belastung zeitweise steigen.
Berufsaussichten und Arbeitsmarkt
Die Nachfrage nach durchdachter Innenraumgestaltung bleibt stabil. Themen wie energieeffiziente Sanierung, altersgerechtes Wohnen, Homeoffice-taugliche Grundrisse und nachhaltige Materialien schaffen laufend neue Aufgaben. Innenarchitekten arbeiten sowohl im privaten Wohnbereich als auch im gewerblichen Umfeld, etwa bei der Gestaltung von Büros, Praxen, Hotels, Läden und Gastronomie.
Der Einstieg gelingt häufig über ein Anstellungsverhältnis in einem Architektur- oder Innenarchitekturbüro. Mit wachsender Erfahrung und einem eigenen Portfolio ist die Selbstständigkeit mit einem eigenen Büro ein verbreiteter Karriereweg. Für Quereinsteiger, die zunächst über einen verwandten Handwerksberuf einsteigen, eröffnet die Kombination aus praktischer Erfahrung und späterem Studium solide Perspektiven. Wichtig bleibt: Ohne einschlägigen Studienabschluss darf die geschützte Bezeichnung Innenarchitekt/in nicht geführt werden - die Tätigkeit in der Raumgestaltung ist davon aber unbenommen.
Innenarchitekt, Raumausstatter und Innenausstatter im Vergleich
Im Alltag werden die Begriffe rund um die Raumgestaltung oft verwechselt, obwohl sie unterschiedliche Qualifikationen und Aufgaben bezeichnen. Die Abgrenzung ist wichtig, um den passenden Weg über das Arbeitsamt zu wählen.
Der oder die Innenarchitekt/in ist die planende und entwerfende Instanz mit Hochschulabschluss und geschützter Berufsbezeichnung. Der oder die Raumausstatter/in setzt Gestaltungskonzepte handwerklich um, etwa mit Polster-, Boden-, Dekorations- und Sonnenschutzarbeiten, und lernt diesen anerkannten Ausbildungsberuf in dreieinhalb Jahren. Als Gestalter/in in der Fachrichtung Raumgestaltung kombiniert man handwerkliches Können mit gestalterischer Planung auf mittlerer Ebene. Wer über das Arbeitsamt einsteigen will, findet mit dem Raumausstatterberuf oder einer Gestalter-Fachrichtung die realistischste per Umschulung erreichbare Qualifikation. Der Schritt zum Innenarchitekten bleibt an das Studium gebunden, lässt sich aber später berufsbegleitend anschließen.
So gelingt der Einstieg für Quereinsteiger
Für einen Berufswechsel in die Raumgestaltung empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen. Der erste Schritt ist immer ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit, in dem die persönliche Ausgangslage, bestehende Qualifikationen und Fördermöglichkeiten geklärt werden. Bringen Sie dazu Zeugnisse und Nachweise über bisherige Tätigkeiten mit.
Anschließend lohnt sich eine ehrliche Selbsteinschätzung: Reizt Sie eher die praktisch-handwerkliche Umsetzung oder die gestalterisch-planerische Arbeit am Konzept? Danach richtet sich die Wahl zwischen einer Umschulung zum Raumausstatter, einer Gestalter-Fortbildung oder dem längerfristigen Ziel eines Studiums. Wer bereits eine gestalterische oder handwerkliche Vorbildung mitbringt, kann diese oft anrechnen lassen und verkürzt so den Weg. Ein aussagekräftiges Portfolio mit eigenen Entwürfen oder umgesetzten Projekten hilft in jedem Fall - sowohl bei Bewerbungen als auch bei einer späteren Studienbewerbung.
Häufige Fragen zur Umschulung Innenarchitekt/in
Kann man eine Umschulung zum Innenarchitekten über das Arbeitsamt machen?
Welche Voraussetzungen brauche ich für ein Studium der Innenarchitektur?
Welche Alternativen gibt es zur Innenarchitekt-Umschulung?
Was verdient man als Innenarchitekt/in?
Kann ich Innenarchitektur berufsbegleitend studieren?
Wird ein Studium der Innenarchitektur vom Arbeitsamt gefördert?
Kann ich ein Innenarchitektur-Fernstudium bei einer Fernschule kostenlos testen?
Gibt es ein duales Studium der Innenarchitektur?
Wie lange dauert der Weg zum Innenarchitekten und welche Inhalte erwarten mich?
Wenn es um Umschulungen im Bereich Innenarchitektur geht, herrscht oft große Unsicherheit. Das liegt vor allem daran, dass Innenarchitekt/in kein Ausbildungsberuf ist und somit nicht per Umschulung erlernt werden kann.
Die möglichen Alternativen zeigen aber, was trotzdem machbar ist. Zusätzlich sollten Interessierte den folgenden Tipp aus unserer Redaktion beachten, um ihre Karriere gezielt voranzubringen.
Ziehen Sie ein einschlägiges Studium neben dem Beruf in Betracht
Assistenten im Bereich Innenarchitektur, Gestalter/innen und auch Raumausstatter/innen mit beruflichen Ambitionen sollten die zunehmende Akademisierung der Branche ernst nehmen. Ein berufsbegleitendes Studium kann parallel zum Job einen Hochschulabschluss bescheren.
Möglich wird dies durch flexible Studienformen für Berufstätige. Beispielsweise per Fernstudium oder Abendstudium lässt sich eines der folgenden Fächer berufsbegleitend studieren:
- Architektur
- Innenarchitektur
- Bühnenbild
- Szenografie
- Produktdesign
- Industriedesign