Zweitausbildung
Wer nach der Berufsausbildung feststellt, dass der Beruf doch nicht zu einem passt, muss nicht verzagen, sondern kann eine Zweitausbildung ins Auge fassen. Eine solche zweite Ausbildung bietet die Gelegenheit, einen weiteren Beruf von Grund auf zu erlernen. Absolventinnen und Absolventen einer Zweitausbildung sind damit keineswegs gescheitert, sondern können anschließend mit einer Doppelqualifikation aufwarten. Diese kann ein echter Pluspunkt im Lebenslauf sein und zu vielversprechenden Berufsaussichten führen.
Dass eine Zweitausbildung einen gewissen Reiz hat, steht außer Frage. Interessierte sollten sich vorab gut informieren, um sicherzustellen, dass sie die richtige Entscheidung treffen. Dabei sollten sie auch die Besonderheiten einer zweiten Ausbildung berücksichtigen, etwa bei Finanzierung und Förderung. Nachfolgend erhalten Sie umfassende Informationen und können sich einen fundierten ersten Eindruck verschaffen.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Eine Zweitausbildung ist eine vollwertige zweite Berufsausbildung nach einem bereits abgeschlossenen ersten Berufsabschluss – mit regulärer Abschlussprüfung.
- Sie unterscheidet sich von der Umschulung: Umschulungen sind meist kürzer und werden vom Arbeitsamt gefördert, die Zweitausbildung durchläuft man in der Regel wie eine ganz normale Lehre.
- Wer Vorkenntnisse mitbringt, kann die Zweitausbildung nach § 8 BBiG oft verkürzen – teils auf zwei statt drei Jahre.
- Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) gibt es meist nur für die erste Ausbildung. Für die Zweitausbildung kommen eher Wohngeld, Grundsicherungsgeld oder ein Bildungsgutschein in Betracht.
- Steuerlicher Vorteil: Kosten einer Zweitausbildung sind in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar, anders als bei der Erstausbildung.
Gründe für eine Zweitausbildung
Zunächst stellt sich die Frage, warum man eine Zweitausbildung machen sollte – schließlich hat man bereits einen Beruf erlernt. Eine pauschale Empfehlung für eine zweite Ausbildung kann es nicht geben. Im Einzelfall ist es allerdings durchaus sinnvoll, einen anderen Beruf von Grund auf zu erlernen.
Die typischen Gründe lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
- Unzufriedenheit im erlernten Beruf
- gesundheitliche Probleme, die den ersten Beruf unmöglich machen
- schlechte Aussichten auf dem Arbeitsmarkt im erlernten Beruf
- der Wunsch nach einer höheren Qualifikation oder Doppelqualifikation
Wenn unmittelbar nach dem Abschluss der Erstausbildung feststeht, dass ein Berufswechsel folgen soll, sollte man keine Zeit verlieren und nicht lange mit sich hadern. Man ist noch jung und kann den Neuanfang wagen, indem man sich einfach einen neuen Ausbildungsplatz sucht. Der Berufswechsel lässt sich dann noch vergleichsweise unkompliziert realisieren. Aber auch später im Berufsleben bleibt der Weg offen, denn feste Altersgrenzen für eine Ausbildung gibt es nicht.
Zweitausbildung und Umschulung unterscheiden sich klar
Die Begriffe Zweitausbildung und Umschulung werden häufig als Synonyme gebraucht, obwohl sie es streng genommen gar nicht sind. Aus diesem Grund bedarf es einer genauen Abgrenzung, um Klarheit darüber zu erlangen, welchen Weg man einschlagen möchte.
Von einer Zweitausbildung ist immer dann die Rede, wenn man nach einer abgeschlossenen Erstausbildung noch einen weiteren Beruf erlernt. Das trifft zwar auch auf eine Umschulung zu, doch dabei handelt es sich üblicherweise um eine vom Arbeitsamt geförderte Maßnahme. Zudem kommen Umschulungen vielfach als außerbetriebliche oder verkürzte Lehrgänge daher, während die Zweitausbildung meist wie eine ganz reguläre Ausbildung durchlaufen wird. Wer sich für den geförderten Weg interessiert, findet in unserem Ratgeber zur Umschulung über das Arbeitsamt die wichtigsten Details.
Die folgende Übersicht stellt die zentralen Unterschiede gegenüber:
Der Ablauf einer Zweitausbildung folgt der regulären Lehre
Die Finanzierung stützt sich auf Vergütung und ergänzende Hilfen
Fördermöglichkeiten sind bei der Zweitausbildung begrenzt
Wer über eine Zweitausbildung nachdenkt, hat bereits einen ersten Berufsabschluss in der Tasche und steht oft mitten im Leben. Die geringe Ausbildungsvergütung reicht in der Regel nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Aus diesem Grund stellt sich die Frage nach Fördermöglichkeiten.
Klassische Förderleistungen sind hier allerdings die Ausnahme. Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) gibt es grundsätzlich nur für die erste Berufsausbildung. Auch das Schüler-BAföG greift bei einer Zweitausbildung in der Regel nicht. Daraus resultiert ein nicht zu unterschätzender finanzieller Druck.
Teilnehmende an einer zweiten Berufsausbildung können aber häufig Wohngeld beantragen. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann außerdem ergänzende Leistungen aus der Grundsicherung (dem früheren Bürgergeld, seit dem 1. Juli 2026 als Grundsicherungsgeld bezeichnet) prüfen. Ansonsten sollten Interessierte Kontakt mit dem Arbeitsamt aufnehmen: In begründeten Fällen sind Hilfen zum Lebensunterhalt und die Übernahme von Kosten möglich, etwa wenn die Zweitausbildung der einzige Weg zur dauerhaften Eingliederung in den Arbeitsmarkt ist. In solchen Konstellationen kann auch ein Bildungsgutschein oder eine geförderte Weiterbildung über das Arbeitsamt die passendere Lösung sein.
Die Kosten sind steuerlich als Werbungskosten absetzbar
Ein oft übersehener Vorteil der Zweitausbildung liegt im Steuerrecht. Anders als die Erstausbildung, deren Kosten nur bis zu 6.000 Euro im Jahr als Sonderausgaben geltend gemacht werden können, zählt eine Zweitausbildung steuerlich als weitere Ausbildung. Damit sind die Aufwendungen in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar.
Zu diesen Kosten gehören unter anderem Fahrtkosten, Lernmittel, Prüfungsgebühren und gegebenenfalls Aufwendungen für eine zweite Unterkunft. Wer in der Ausbildungszeit wenig oder kein steuerpflichtiges Einkommen hat, kann die Werbungskosten als Verlust vortragen und in späteren, einkommensstärkeren Jahren mit dem zu versteuernden Einkommen verrechnen. Es lohnt sich daher, von Beginn an alle Belege sorgfältig zu sammeln und eine Steuererklärung abzugeben.
Eine Zweitausbildung ist in vielen Lebenslagen sinnvoll
Alternativen zur zweiten Ausbildung lohnen den Vergleich
Für Menschen, die sich beruflich verändern wollen, erscheint eine Zweitausbildung vielversprechend. Sie sollten sich aber nicht zu schnell festlegen und stattdessen auch an mögliche Alternativen denken.
Hier gibt es unter anderem die folgenden Optionen:
- berufsbegleitende Ausbildung in Teilzeit
- Umschulung über das Arbeitsamt
- Weiterbildung und Aufstiegsfortbildung
- Studium neben dem Beruf
Dass eine Umschulung eine Möglichkeit ist, steht außer Frage. Zudem kann es sinnvoll sein, Seminare und Fortbildungen zu besuchen. So eignet man sich weiteres Wissen an und baut zugleich auf der vorhandenen Erstausbildung auf. Daraus können sich spannende Perspektiven entwickeln. Ansonsten kann man parallel zum Job eine Teilzeitausbildung oder ein Studium absolvieren und so die Basis für berufliche Veränderungen schaffen.
Berufsbegleitend lässt sich die Zweitausbildung familiengerecht gestalten
Eine zweite Ausbildung kann die Weichen für einen beruflichen Neustart stellen. Interessierte sollten nicht nur an klassische Ausbildungen in Vollzeit denken, sondern auch eine berufsbegleitende Ausbildung in Teilzeit in Betracht ziehen. Seit der Reform des Berufsbildungsgesetzes steht die Teilzeitausbildung ausdrücklich allen offen, nicht mehr nur bestimmten Personengruppen.
So kann man familiengerecht einen neuen Beruf von der Pike auf erlernen und sich neue Tätigkeitsfelder erschließen, ohne die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen vernachlässigen zu müssen. Die Ausbildungsdauer verlängert sich dadurch zwar, dafür bleibt der Alltag besser vereinbar.
Die Dauer richtet sich nach Beruf und möglicher Verkürzung
Die Dauer der Zweitausbildung kann variieren. In erster Linie kommt es darauf an, welcher Beruf erlernt werden soll und welche Ausbildungsdauer regulär vorgesehen ist. Die meisten dualen Ausbildungen dauern zwischen zwei und dreieinhalb Jahren.
Menschen mit abgeschlossener Erstausbildung können die Zweitausbildung häufig verkürzen. Nach § 8 des Berufsbildungsgesetzes lässt sich die Ausbildungszeit auf gemeinsamen Antrag verkürzen, wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der kürzeren Zeit erreicht wird. Vorkenntnisse, einschlägige Berufserfahrung oder ein höherer Schulabschluss werden dabei berücksichtigt. Mitunter nimmt die zweite Ausbildung dann nur zwei Jahre in Anspruch.
Eine Zweitausbildung steht grundsätzlich allen offen
Es gibt keine bestimmte Zielgruppe für Zweitausbildungen. Sie stehen allen Interessierten offen, sofern sich diese erfolgreich um den betreffenden Ausbildungsplatz bewerben. Offizielle Altersgrenzen existieren nicht, auch mit 30, 40 oder 50 Jahren ist der Einstieg möglich.
Schlussendlich obliegt die Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber natürlich dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb. Viele Betriebe schätzen gerade die Reife, Zuverlässigkeit und Berufserfahrung älterer Auszubildender. Wer einen zweiten Beruf erlernen möchte, kann es somit durchaus auf einen Versuch ankommen lassen.
Die Herausforderungen liegen vor allem im Finanziellen
Eine große Herausforderung im Rahmen einer zweiten Berufsausbildung besteht in der angespannten finanziellen Situation, die währenddessen besteht. Darüber hinaus muss man sich auf das Lernen einlassen und akzeptieren, dass man noch einmal von vorne anfängt – oft gemeinsam mit deutlich jüngeren Mitauszubildenden.
So muss man sich in gewissen Punkten grundlegend umstellen und für den Berufswechsel öffnen. Diejenigen, die dies schaffen und die Finanzierung im Vorfeld solide planen, können den neuen Abschluss sicher erreichen und ihre beruflichen Perspektiven nachhaltig verbessern.
5 Tipps für eine erfolgreiche Zweitausbildung
Dass eine zweite Berufsausbildung sehr herausfordernd sein kann, steht außer Frage. Interessierte können allerdings enorm profitieren und sich spannende Perspektiven verschaffen. Wer dies im Sinn hat, sollte die folgenden Tipps beherzigen:
- Befassen Sie sich gründlich mit den Perspektiven des neuen Berufs!
- Entscheiden Sie sich möglichst für eine verwandte Zweitausbildung, damit Sie von Ihren Vorkenntnissen profitieren und ggf. verkürzen können!
- Lassen Sie sich vom Arbeitsamt beraten und klären Sie mögliche Förderungen frühzeitig!
- Ziehen Sie eine Teilzeitausbildung in Betracht, wenn Familie oder Job es erfordern!
- Stellen Sie vorab die Finanzierung der Zweitausbildung sicher und sammeln Sie alle Belege für die Steuer!
Checkliste: Darauf kommt es bei einer Zweitausbildung an
All diejenigen, die ernsthaft über eine Zweitausbildung nachdenken, sollten nichts überstürzen. Eine Beratung beim Arbeitsamt kann sehr aufschlussreich sein. Zudem sollten Interessierte Eigeninitiative zeigen und auf eigene Faust recherchieren. Die folgende Checkliste fasst zusammen, worauf es bei einer Zweitausbildung ankommt:
- Anerkennung des angestrebten Abschlusses
- Abschluss und Berufsbezeichnung
- Ausbildungsform (dual, schulisch, Teilzeit)
- Dauer und Möglichkeit der Verkürzung
- Finanzierung und laufende Kosten
- Förderung und ergänzende Hilfen
- Anbieter und Ausbildungsbetriebe
- Voraussetzungen und Bewerbungschancen
- Standort und Erreichbarkeit
- Betreuung und Ansprechpartner
Anhand dieser Eckdaten findet man die richtige Zweitausbildung und kann so die Weichen für den weiteren beruflichen Werdegang stellen.
