Umschulung wegen Krankheit – Was sollte man beachten?

Eine bestehende oder drohende Arbeitslosigkeit ist häufig der Grund für eine berufliche Umorientierung mithilfe einer Umschulung. Eine Umschulung wegen Krankheit kommt allerdings auch immer wieder vor, denn gesundheitliche Probleme können durchaus dazu führen, dass man dem bisherigen Job nicht mehr nachgehen kann.

Menschen mit Handicap haben in ihrem erlernten Beruf vielleicht keine Perspektiven mehr, können aber durchaus noch am Arbeitsleben teilhaben. Wichtig ist, dass sie sich für einen Umschulungsberuf entscheiden, dessen Anforderungen und Belastungen sie gerecht werden können. Eine genaue Rücksichtnahme auf die eigene Leistungsfähigkeit ist somit das A und O.

Wann ist eine Umschulung wegen Krankheit sinnvoll?

Es stellt sich natürlich immer wieder die Frage, wann eine Umschulung wegen Krankheit gerechtfertigt ist. Falls die Einschränkungen nicht von Dauer sind, ist eine Rückkehr in den alten Beruf keineswegs ausgeschlossen und eine Umschulung daher nicht erforderlich.

In anderen Fällen ist es fraglich, ob eine Umschulung dafür sorgen kann, dass man wieder eine Tätigkeit aufnehmen kann. Die gesundheitlichen Probleme sind mitunter so gravierend, dass man von einer Erwerbsunfähigkeit ausgehen muss. Eine Umschulung ist dann nicht zielführend und mehr oder weniger unsinnig.

Eine Umschulung wegen Krankheit kommt folglich immer dann infrage, wenn dauerhafte Handicaps bestehen, die einer Erwerbstätigkeit aber grundsätzlich nicht im Weg stehen. Aufgrund der Erkrankung ist lediglich ein Umdenken erforderlich, da der bisherige Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

Wo kann man eine Umschulung wegen Krankheit beantragen?

Wenn es um eine Umschulung wegen Krankheit geht, wird das Arbeitsamt eine Zuständigkeit verneinen und Interessierte wegschicken. Beim Jobcenter beziehungsweise bei der Agentur für Arbeit sind eher Menschen richtig, die wegen einer anhaltenden oder bestehenden Arbeitslosigkeit umsatteln möchten.

Eine Umschulung wegen Krankheit ist dahingegen eher als Maßnahme zur beruflichen Eingliederung zu sehen und fällt dementsprechend in den Zuständigkeitsbereich der Rentenversicherung. Wer eine Umschulung aus gesundheitlichen Gründen anstrebt, muss folglich beim Rentenversicherungsträger vorstellig werden und dort einen entsprechenden Antrag stellen.

Gibt es eine Umschulung vom Arbeitsamt nach einem Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall ist eine ernste Angelegenheit und verursacht nicht nur im Akutfall immense Schmerzen, sondern kann auch langfristig mit gesundheitlichen Einschränkungen einhergehen. Wer einen Bandscheibenvorfall erlitten hat, muss mitunter feststellen, dass ein Berufswechsel angezeigt ist.

Die meisten Betroffenen wenden sich dann an das Arbeitsamt und bemĂĽhen sich dort um eine Umschulung. Dort sind sie allerdings an der falschen Adresse, denn sind gesundheitliche Probleme der ausschlaggebende Grund fĂĽr einen Umschulungswunsch, handelt es sich dabei eher um eine berufliche Rehabilitation.

Diese fällt wiederum in den Tätigkeitsbereich der Rentenversicherung, die folglich als Kostenträger entsprechender Umschulungen zuständig ist.

UnterstĂĽtzt das Arbeitsamt eine sogenannte Reha-Umschulung?

Die berufliche Rehabilitation ist grundsätzlich durchaus ein Thema, mit dem sich das Arbeitsamt befasst. Die Förderung von Umschulungen erfolgt hier aber nur wegen einer bestehenden oder drohenden Arbeitslosigkeit.

Bestehen gesundheitliche Einschränkungen, ist die Umschulungsförderung eher eine Angelegenheit der Rentenversicherung.

Alternativen zu einer Umschulung wegen Krankheit

Eine Umschulung wegen Krankheit erscheint auf den ersten Blick unausweichlich, wenn gesundheitliche Gründe eine weitere Ausübung des bisherigen Berufs unmöglich machen. Betroffene sind dadurch allerdings nicht automatisch erwerbsunfähig, sondern müssen oftmals nur etwas umdenken. Mithilfe einer Umschulungsmaßnahme können sie einen neuen Beruf erlernen, der sich besser mit ihren Beeinträchtigungen vereinbaren lässt.

Viele Betroffene sehen sich dazu gezwungen, ihren bisherigen Beruf aufzugeben. Das muss aber nicht sein, denn es gibt Alternativen. Diese sehen folgendermaĂźen aus:

  • Reha
    In vielen Fällen stimmt die Rentenversicherung nicht sofort einer Umschulung zu, sondern befürwortet zunächst eine Reha-Maßnahme. Im Rahmen der Rehabilitation sollen die Teilnehmenden wieder fit gemacht werden für den beruflichen Alltag.
  • Nachteilsausgleich
    Selbst bei schwerwiegenden Erkrankungen, die beispielsweise eine Schwerbehinderung zur Folge haben, muss man nicht zwingend den alten Job an den Nagel hängen. Betroffene können mitunter einen Anspruch auf Nachteilsausgleich geltend machen und ihre Tätigkeit an die neue gesundheitliche Situation anpassen.

Auf den ersten Blick erscheint eine Umschulung im Krankheitsfall unausweichlich, sofern man nicht von einer Erwerbsminderungsrente beziehungsweise von der Grundsicherung leben möchte. Die genannten Optionen zeigen allerdings auf, dass es Alternativen gibt.

Der richtige Ansprechpartner fĂĽr eine Umschulung wegen Krankheit

Menschen, die mit gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen haben und daher ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können, müssen nicht zwangsläufig Frührentner/innen werden und dauerhaft von einer kleinen Erwerbsminderungsrente leben. Auch nach einem Unfall oder einer Krankheit kann eine Erwerbstätigkeit möglich sein. Menschen mit Handicap können ihren Beitrag leisten und wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen, sofern sie ihre Handicaps realistisch einschätzen und die richtigen Weichen stellen.

Ein Unfall oder eine schwerwiegende Erkrankung ist ein einschneidendes Erlebnis und sorgt nicht selten für dauerhafte körperliche Einschränkungen. Eine berufliche Rehabilitation erfordert daher vielfach einen Berufswechsel, so dass es einer Umschulung bedarf. Wer die Notwendigkeit eines solchen Neuanfangs einsieht und die Situation annimmt, kann die Basis für einen erfolgreichen Berufswechsel schaffen und das Beste aus seiner Situation machen.

Wenn es um eine Umschulung geht, ist das Arbeitsamt typischerweise die erste Anlaufstelle. Angehende Berufswechsler/innen vereinbaren zunächst einen Beratungstermin und legen ihre Situation dar. Die gesundheitlichen Probleme, die zu dem Umschulungswunsch geführt haben, werden dabei intensiv besprochen.

Im Gespräch mit dem Sachbearbeiter des Arbeitsamtes kristallisiert sich dann möglicherweise heraus, dass das Umschulungsvorhaben eine Angelegenheit der Rentenversicherung ist. Ratsuchende werden somit an die Rentenversicherung verwiesen und können über diese eine berufliche Rehabilitation in Form einer Umschulung absolvieren.

Im Allgemeinen wird angenommen, dass eine Umschulung wegen Krankheit stets in den Zuständigkeitsbereich der Deutschen Rentenversicherung fällt. Grundsätzlich ist diese auch zuständig, aber es gibt gewisse Ausnahmen. Angehende Umschüler/innen, die nicht wenigstens 15 Jahre Rentenversicherungsbeiträge gezahlt haben, fallen bei der Rentenversicherung aus dem Raster und erhalten dort keine Umschulung. Wer in diese Kategorie fällt, muss daher auf das Arbeitsamt hoffen.

Achtung! Tipp der Redaktion

Eine schwerwiegende Erkrankung, die mit bleibenden Einschränkungen einhergeht, kann eine große Belastung sein. Insbesondere dann, wenn man seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann, erweist sich das Schicksal als sehr belastend. Eine Umschulung wegen Krankheit kann zwar nichts an der gesundheitlichen Situation ändern, aber neue berufliche Perspektiven bieten. Wer diese Chance nutzen möchte, sollte den folgenden Tipp aus unserer Redaktion beherzigen.

Befassen Sie sich mit den Anforderungen offener Stellen!

Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen setzen große Hoffnungen in eine Umschulung wegen Krankheit und bemühen sich daher sehr darum, eine entsprechende Förderzusage zu erhalten. Gleichzeitig dürfen sie die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht außer Acht lassen. Die Umschulung ist kein reiner Selbstzweck, sondern soll die beruflichen Chancen erheblich steigern. Schlussendlich geht es somit darum, trotz physischer und/oder psychischer Einschränkungen die Beschäftigungsfähigkeit wiederherzustellen.

Angehende UmschĂĽler/innen sollten vorab sicherstellen, dass sie den damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen gewachsen sind. Es geht nicht nur darum, sich fĂĽr einen Berufswechsel zu qualifizieren, sondern diesen auch erfolgreich zu vollziehen. Aus diesem Grund ist es ratsam, bereits im Vorfeld offene Stellen zu suchen und die Ausschreibungen nach den Anforderungen zu durchsuchen.