Vermittlungsvorschlag - Aktive Arbeitsvermittlung des Arbeitsamtes

Wer sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos meldet, erhält früher oder später einen Vermittlungsvorschlag - kurz VV. Dahinter steht ein konkretes Stellenangebot, das die Arbeitsagentur aus Ihrem Profil und den gemeldeten offenen Stellen zusammengeführt hat. Für viele Bezieherinnen und Bezieher von Arbeitslosengeld I ist der VV mit Unsicherheit verbunden: Muss ich mich wirklich bewerben? Darf ich einen unpassenden Vorschlag ablehnen? Und drohen bei einer Ablehnung tatsächlich eine Sperrzeit und der Verlust von Leistungen?
Gleichzeitig sind Leistungsempfänger dazu verpflichtet, eigene Bemühungen anzustellen und alle Möglichkeiten, die der beruflichen Eingliederung dienen, auszuschöpfen. Eigeninitiative ist die Basis dafür, dass man der Arbeitslosigkeit entfliehen und wieder auf eigenen Füßen stehen kann. Dieser Ratgeber erklärt sachlich und mit Bezug auf die aktuelle Rechtslage nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III, Stand 2026), was ein Vermittlungsvorschlag ist, welche Pflichten daraus folgen, wann eine Sperrzeit droht und wie Sie auf einen Vorschlag reagieren, der so gar nicht zu Ihnen passt.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Ein Vermittlungsvorschlag ist ein verbindliches Stellenangebot der Agentur für Arbeit - auf einen VV wird eine Bewerbung erwartet, oft binnen weniger Tage.
- Wer ein zumutbares Angebot mit Rechtsfolgenbelehrung ohne wichtigen Grund ablehnt, riskiert eine Sperrzeit von 3 Wochen (§ 159 SGB III); beim zweiten Mal 6, danach 12 Wochen.
- Ohne beigefügte Rechtsfolgenbelehrung kann eine Arbeitsablehnung keine Sperrzeit auslösen.
- Zumutbar ist grundsätzlich jede Arbeit, zu der Sie fähig sind - § 140 SGB III staffelt aber Entgelt und Pendelzeit nach der Dauer der Arbeitslosigkeit.
- Gegen einen Sperrzeitbescheid können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen; die Beweislast für einen wichtigen Grund liegt bei Ihnen.
Bewerbungspflicht und Nachweispflicht bei Arbeitslosengeld I
Zumutbare Beschäftigung nach § 140 SGB III
Ablehnung des Vermittlungsvorschlags und die Sperrzeit nach § 159 SGB III
Übersicht: Sperrzeit-Dauer nach Anlass
Wichtiger Grund, Anhörung und Widerspruch
Wie Sie auf einen unpassenden Vermittlungsvorschlag richtig reagieren
Als Empfänger von Arbeitslosengeld I die Bewerbungspflicht umgehen?
Zwei Tipps aus der Redaktion
Häufige Fragen zum Vermittlungsvorschlag
So kommt ein Vermittlungsvorschlag zustande
Arbeitssuchende sollten die Vermittlungsvorschläge des Jobcenters beziehungsweise der Agentur für Arbeit nicht als Schikane betrachten. Es geht vielmehr darum, in einer schwierigen Situation die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Zwar sichert das Arbeitslosengeld den Lebensunterhalt, eine dauerhafte Perspektive bietet der Leistungsbezug jedoch nicht. Weil die Geldleistung nur einen Teil der Aufgaben ausmacht und sich die Arbeitsagentur in besonderem Maße der Arbeitsvermittlung widmet, sind Vermittlungsvorschläge folgerichtig.
Wer sich arbeitslos meldet, führt zunächst ein ausführliches Gespräch mit einer Vermittlerin oder einem Vermittler. Bei dieser Gelegenheit lassen sich bisherige Erfahrungen und Bemühungen darlegen. Im sogenannten Profiling werden Qualifikationen, Berufserfahrung, gesundheitliche Leistungsfähigkeit und mögliche Vermittlungshemmnisse systematisch erfasst und in einem Profil hinterlegt. Dieses Profil wird fortlaufend mit eingehenden Stellenangeboten abgeglichen.
Passen Profil und Stelle zusammen, ergibt sich daraus ein konkreter Vermittlungsvorschlag. Ein Teil entsteht automatisiert über einen Datenabgleich, ein Teil wird von der Vermittlungsfachkraft persönlich ausgewählt. Übermittelt wird der VV meist elektronisch über Ihr Kundenprofil im Online-Portal, teilweise auch per Post. Wichtig ist die Unterscheidung, die die Bundesagentur selbst trifft: Ein Vermittlungsvorschlag ist ein verbindliches Stellenangebot, für das eine Bewerbung vorausgesetzt wird, während eine automatische Stellenempfehlung freiwillig ist. So werden Arbeitssuchende auch auf offene Posten aufmerksam, von denen sie ansonsten keine Kenntnis erlangt hätten.
Rechtlich ist der VV die praktische Form des im Gesetz genannten Arbeitsangebots nach § 159 SGB III. Seine Bedeutung für eine mögliche Sperrzeit entfaltet er allerdings nur, wenn ihm eine Rechtsfolgenbelehrung beigefügt ist - ein Hinweis, der erklärt, welche Konsequenzen drohen, wenn Sie sich ohne wichtigen Grund nicht bewerben oder die Arbeit nicht antreten. Ein Vorschlag ohne diese Belehrung kann keine Sperrzeit wegen Arbeitsablehnung auslösen.

Vermittlungsvorschlag - Bewerbungspflicht oder nicht?
Kundinnen und Kunden der Agentur für Arbeit sind sich häufig unsicher, ob eine echte Bewerbungspflicht besteht. Formal kann niemand mit körperlichem Zwang zu einer Bewerbung gedrängt werden. Faktisch besteht die Pflicht aber sehr wohl: Wer Arbeitslosengeld I bezieht, muss sich nach § 138 SGB III eigenständig um Arbeit bemühen (Eigenbemühungen) und den Vermittlungsbemühungen der Agentur zur Verfügung stehen. Auf einen verbindlichen Vermittlungsvorschlag mit Rechtsfolgenbelehrung wird deshalb eine Bewerbung erwartet - und die Nichtbewerbung kann als Arbeitsablehnung gewertet werden.
Zu den Eigenbemühungen zählen die selbstständige Stellensuche, das Erstellen und Versenden von Bewerbungen, die Nutzung von Stellenbörsen sowie Initiativbewerbungen. Die Agentur kann konkret festlegen, wie viele Bewerbungen pro Monat erwartet werden. Wer diese Vorgaben ohne wichtigen Grund nicht erfüllt oder nicht nachweist, riskiert eine Sperrzeit wegen unzureichender Eigenbemühungen. Passende Qualifizierungswege wie eine Weiterbildung über das Arbeitsamt oder eine Umschulung können Ihre Vermittlungschancen zusätzlich verbessern.
Die Nachweispflicht: dokumentieren Sie jede Bewerbung
Neben der Bewerbung selbst besteht eine Nachweispflicht. Es reicht nicht aus, sich beworben zu haben - Sie müssen es gegenüber der Agentur belegen können, etwa durch eine Bewerbungsübersicht, Kopien der Anschreiben, Screenshots von Online-Bewerbungen oder Eingangsbestätigungen der Arbeitgeber. Kann eine geforderte Bewerbung nicht nachgewiesen werden, darf die Agentur unter den Voraussetzungen des § 159 Abs. 5 SGB III eine Sperrzeit verhängen - selbst wenn Sie glaubhaft versichern, sich beworben zu haben. Sichern Sie deshalb jeden Bewerbungsvorgang sorgfältig und datiert.
Zumutbare Beschäftigung nach § 140 SGB III im Detail
Ob Sie einen Vermittlungsvorschlag ablehnen dürfen, hängt entscheidend davon ab, ob die angebotene Beschäftigung zumutbar ist. Der Maßstab dafür steht in § 140 SGB III (frühere Fassung: § 121 SGB III). Grundsatz: Zumutbar ist jede Ihrer Arbeitsfähigkeit entsprechende Beschäftigung, soweit nicht allgemeine oder persönliche Gründe entgegenstehen.
Aus allgemeinen Gründen unzumutbar ist eine Arbeit, die gegen Gesetze, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder den Arbeitsschutz verstößt. Ein Entgelt gilt als sittenwidrig und damit unzumutbar, wenn es 30 Prozent oder mehr unter dem tariflichen oder ortsüblichen Lohn liegt. Aus persönlichen Gründen kann eine Beschäftigung unzumutbar sein, wenn das Entgelt erheblich unter dem bisherigen liegt, die Pendelzeiten unverhältnismäßig lang sind oder familiäre Bindungen entgegenstehen.
Wichtig und oft missverstanden: Eine Stelle ist nicht schon deshalb unzumutbar, weil sie befristet ist, vorübergehend eine getrennte Haushaltsführung erfordert oder nicht Ihrem erlernten Beruf entspricht (§ 140 Abs. 5 SGB III). Auch branchenfremde oder befristete Vermittlungsvorschläge müssen Sie daher grundsätzlich annehmen.
Zumutbare Entgeltminderung: gestaffelt nach Dauer der Arbeitslosigkeit
Wie viel weniger Sie im Vergleich zum früheren Verdienst hinnehmen müssen, richtet sich nach der Dauer Ihrer Arbeitslosigkeit:
- Monate 1 bis 3: Eine Minderung um mehr als 20 Prozent des der Bemessung zugrunde liegenden Arbeitsentgelts ist nicht zumutbar.
- Monate 4 bis 6: Eine Minderung um mehr als 30 Prozent ist nicht zumutbar.
- Ab dem 7. Monat: Zumutbar ist jede Beschäftigung, deren Nettoeinkommen (abzüglich der beruflichen Aufwendungen) nicht niedriger als das Arbeitslosengeld ist.
Vereinfacht heißt das: In den ersten drei Monaten sind rund 80 Prozent des bisherigen Entgelts die Grenze, danach etwa 70 Prozent, und ab dem siebten Monat ist eine Arbeit bereits zumutbar, wenn sie unterm Strich mehr einbringt als das Arbeitslosengeld.
Pendelzeiten und Umzug
Auch der Arbeitsweg hat Grenzen. Als unverhältnismäßig lang gelten in der Regel tägliche Pendelzeiten von insgesamt mehr als 2,5 Stunden bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden und von mehr als 2 Stunden bei einer Arbeitszeit von bis zu 6 Stunden. In Regionen mit üblicherweise längeren Pendelzeiten kann sich diese Grenze nach oben verschieben. Ein Umzug zur Aufnahme einer Beschäftigung außerhalb des zumutbaren Pendelbereichs ist ab dem 4. Monat der Arbeitslosigkeit grundsätzlich zumutbar - es sei denn, ein wichtiger Grund wie die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen steht entgegen.
Ablehnung des Vermittlungsvorschlags und die Sperrzeit nach § 159 SGB III
Wer einen zumutbaren Vermittlungsvorschlag mit Rechtsfolgenbelehrung ohne wichtigen Grund ablehnt, muss mit einer Sperrzeit rechnen. Während der Sperrzeit ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld - Sie erhalten in dieser Zeit keine Leistung, müssen Ihre laufenden Kosten aber weiter tragen.
Die Sperrzeit ist das zentrale Sanktionsinstrument des SGB III bei versicherungswidrigem Verhalten. Bei einer Arbeitsablehnung - also wenn Sie ein zumutbares Angebot nicht annehmen, nicht antreten oder die Einstellung verhindern - beträgt die Sperrzeit:
- 3 Wochen beim erstmaligen versicherungswidrigen Verhalten dieser Art,
- 6 Wochen beim zweiten Mal,
- 12 Wochen in allen weiteren Fällen.
Eine Arbeitsablehnung kann auch dann vorliegen, wenn Sie sich formal bewerben, aber ein Vorstellungsgespräch nicht wahrnehmen oder die Einstellung durch Ihr Verhalten verhindern. Wichtig: Voraussetzung für jede Sanktion ist, dass der Vermittlungsvorschlag eine Rechtsfolgenbelehrung enthielt. Fehlte sie, darf keine Sperrzeit wegen Arbeitsablehnung verhängt werden.
Zu unterscheiden sind die einzelnen Sperrzeittatbestände: Werden lediglich Eigenbemühungen unzureichend nachgewiesen, beträgt die Sperrzeit nach § 159 Abs. 5 SGB III zwei Wochen. Ein Meldeversäumnis - etwa ein verpasster Termin - führt zu einer Woche. Deutlich schwerer wiegt die eigene Kündigung ohne wichtigen Grund (Arbeitsaufgabe): Hier sind grundsätzlich zwölf Wochen vorgesehen.
Sperrzeit kürzt auch die Anspruchsdauer
Die Folgen einer Sperrzeit gehen über das reine Ruhen hinaus. Eine zwölfwöchige Sperrzeit kürzt zusätzlich die gesamte Anspruchsdauer auf Arbeitslosengeld um mindestens ein Viertel (§ 148 SGB III). Aus einem ursprünglichen Anspruch von zwölf Monaten werden so nur noch neun Monate. Bei kürzeren Sperrzeiten reduziert sich die Anspruchsdauer immerhin um die Sperrzeit selbst. Wiederholtes Fehlverhalten kann somit einen erheblichen Teil des erworbenen Versicherungsanspruchs kosten - ein starkes Argument, Vermittlungsvorschläge ernst zu nehmen.
Übersicht: Sperrzeit-Dauer nach Anlass
Die folgende Tabelle fasst die gesetzlich vorgesehenen Sperrzeiten zusammen. Sie ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall, gibt aber eine schnelle Orientierung:
Wichtiger Grund, Anhörung und Widerspruch gegen den Sperrzeitbescheid
Eine Sperrzeit tritt nur ein, wenn Sie keinen wichtigen Grund für Ihr Verhalten hatten. Als wichtiger Grund können etwa nachgewiesene gesundheitliche Beeinträchtigungen, eine objektiv unzumutbare Beschäftigung oder gravierende familiäre Verpflichtungen gelten. Bloße Unzufriedenheit oder subjektives Nichtgefallen reichen dagegen nicht aus. Die Beweislast liegt bei Ihnen: Umstände aus Ihrer eigenen Sphäre - etwa Krankheit oder Betreuungspflichten - müssen Sie darlegen und belegen (§ 159 SGB III).
Bevor die Agentur eine Sperrzeit verhängt, muss sie Sie anhören (§ 24 SGB X). In diesem Anhörungsverfahren erhalten Sie Gelegenheit, wichtige Gründe zu schildern, Missverständnisse aufzuklären und Belege wie ärztliche Atteste oder Schriftverkehr mit Arbeitgebern vorzulegen. Nutzen Sie diese Chance und antworten Sie vollständig und sachlich - ein leer zurückgesandter Anhörungsbogen erschwert Ihre Position erheblich.
Gegen einen Sperrzeitbescheid können Sie innerhalb eines Monats ab Zustellung Widerspruch einlegen. Diese Frist ist eine gesetzliche Ausschlussfrist und kann nicht verlängert werden. Wurde der Bescheid etwa am 15. eines Monats zugestellt, läuft die Frist bis zum 15. des Folgemonats. Legen Sie im Widerspruch Ihre Gründe strukturiert dar und nehmen Sie auf § 140 (Zumutbarkeit) und § 159 SGB III (wichtiger Grund) Bezug.
Viele Sperrzeitentscheidungen beruhen auf unvollständig gewürdigten Sachverhalten und lassen sich im Widerspruchsverfahren korrigieren. Unterstützung durch Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Sozialverbände oder Verbraucherberatungen kann die Erfolgsaussichten erhöhen.
So reagieren Sie auf einen unpassenden Vermittlungsvorschlag richtig
Es kommt vor, dass ein Vermittlungsvorschlag in keiner Weise zu den eigenen Vorstellungen passt. Möglicherweise fehlen die geforderten Kompetenzen, die Entfernung erscheint zu weit oder der Verdienst zu niedrig. Der weitaus einfachere und sicherere Weg ist in den meisten Fällen: Bewerben Sie sich trotzdem - sachlich und ernsthaft. Passt Ihr Profil objektiv nicht zur Stelle, wird es ohnehin nicht zu einer Zusage kommen. Mit einer korrekten Bewerbung stellen Sie zugleich Ihre Kooperationsbereitschaft unter Beweis und vermeiden jedes Sperrzeitrisiko.
Eine seriöse Bewerbung sollte formal korrekt sein - in Sprache, Aufbau und Höflichkeit - und auf die Anforderungen der Stelle eingehen. Sie dürfen dabei durchaus sachlich darauf hinweisen, dass Ihre Qualifikation nur teilweise passt oder dass bestimmte Rahmenbedingungen wie Pendelzeit oder Schichtdienst problematisch sind, sofern das objektiv zutrifft. Solange Sie deutlich machen, dass Sie grundsätzlich arbeitsbereit sind, gilt das nicht als Arbeitsablehnung.
Eine bewusst mangelhafte oder provozierende Bewerbung, die nur eine Absage erzwingen soll, ist rechtlich riskant. Die Agentur kann ein solches Verhalten als Verhinderung der Einstellung und damit als Arbeitsablehnung werten - mit denselben Sperrzeitfolgen, die Sie eigentlich umgehen wollten. Wer den Vermittlungsvorschlag für unzumutbar hält, sollte das lieber offen und begründet mit der Vermittlungsfachkraft klären.
Halten Sie einen Vorschlag für objektiv unzumutbar, argumentieren Sie das gegenüber Ihrer Vermittlungsfachkraft mit den Kriterien des § 140 SGB III - etwa zu großer Entgeltminderung, zu langer Pendelzeit oder familiären Bindungen. Suchen Sie das Gespräch, bevor Sie eine Frist verstreichen lassen.
Als Empfänger von Arbeitslosengeld I die Bewerbungspflicht umgehen?
Als Empfänger von Arbeitslosengeld I erhalten Sie eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung. Sie ist zeitlich begrenzt und als Überbrückung bis zum beruflichen Wiedereinstieg gedacht. Wer nach Wegen sucht, die Bewerbungspflicht zu umgehen, sucht in die falsche Richtung: Eine legale Umgehung gibt es nicht - Eigenbemühungen und die Bewerbung auf zumutbare Vermittlungsvorschläge sind Anspruchsvoraussetzung.
Genau genommen gibt es keine formell so bezeichnete Bewerbungspflicht, wohl aber Mitwirkungs- und Nachweispflichten, die praktisch auf dasselbe hinauslaufen. Wer keinerlei Eigenbemühungen unternimmt, erfüllt schon den Begriff der Arbeitslosigkeit nach § 138 SGB III nicht mehr und kann den Leistungsanspruch verlieren. Versuche, die Pflicht durch bewusst schwache Bewerbungen oder Nichtreaktion zu unterlaufen, führen regelmäßig zu Sperrzeiten - das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war.
Was legal und sinnvoll ist: Ihre Eigenbemühungen so zu gestalten, dass sie Ihren beruflichen Zielen dienen. Halten Sie aktuelle Stellenanzeigen im Blick, bewerben Sie sich gezielt in Ihrem Wunschbereich und dokumentieren Sie alles sauber. Nutzen Sie Förderinstrumente wie Weiterbildungen oder eine Umschulung, um Ihr Profil zu schärfen. Und sprechen Sie realistische Zielberufe mit Ihrer Vermittlungsfachkraft ab, damit die Vorschläge von vornherein besser passen. Wer aktiv und nachweisbar mitwirkt, gerät gar nicht erst in die Lage, unpassende Vorschläge abwehren zu müssen. Wie sich der Leistungsbezug im Detail berechnet, lesen Sie im Ratgeber zum Arbeitslosengeld 1.
Achtung! Zwei Tipps aus der Redaktion
Wer Arbeitslosengeld bezieht, sollte das Arbeitsamt nicht nur als Geldquelle, sondern vor allem als Vermittlungspartner begreifen. In den regelmäßigen Terminen lässt sich die eigene Lage ergründen - und man erhält den einen oder anderen Vermittlungsvorschlag. Damit diese den größtmöglichen Effekt erzielen, folgen zwei Tipps aus der Redaktion.
Sehen Sie Vermittlungsvorschläge als Chancen
Dass man immer wieder zur Bewerbung angehalten wird und Vermittlungsvorschläge erhält, empfinden viele zunächst als belastend. Doch jeder VV ist auch eine Chance auf den erfolgreichen Wiedereinstieg. Es lohnt sich, die Vorschläge offen aufzunehmen. Nicht selten zeigt sich im Bewerbungsprozess, dass der eigene Pessimismus unangebracht war und sich aus einem ungewollten Vorschlag eine spannende Perspektive ergibt.
Sprechen Sie mit Ihrer Vermittlungsfachkraft über Ihre Wünsche
Passen Vermittlungsvorschläge nicht zu den eigenen Berufsplänen, sollten Sie das Gespräch mit Ihrer Vermittlungsfachkraft suchen und genau erläutern, was Sie sich vorstellen. Unter Berücksichtigung Ihrer Qualifikationen und der Arbeitsmarktlage lässt sich das Profil so schärfen, dass passendere Vorschläge entstehen. So kommen Sie gar nicht erst in die Verlegenheit, auf unpassende Vorschläge reagieren zu müssen.
Neben Vermittlungsvorschlägen der Agentur für Arbeit kommen Stellenangebote oft auch über Personalberater. Wie Sie mit der Ansprache durch einen Headhunter umgehen, lesen Sie in unserem Ratgeber.