Sanktionen & Leistungsminderung beim Grundsicherungsgeld

Person liest nachdenklich einen amtlichen Brief am Küchentisch

Wer Grundsicherungsgeld bezieht - die Leistung der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II, früher als Bürgergeld und davor als Hartz IV bekannt -, geht damit auch Mitwirkungspflichten ein. Werden diese Pflichten ohne wichtigen Grund verletzt, kann das Jobcenter die Leistung kürzen. Solche Kürzungen heißen Leistungsminderung oder umgangssprachlich Sanktion. Dieser Ratgeber erklärt sachlich, welche Pflichten gemeint sind, wie hoch eine Minderung ausfallen kann und wie Sie sich dagegen wehren.

Inhaltsverzeichnis

Mitwirkungspflichten im Überblick

Das Grundsicherungsgeld ist an Mitwirkung geknüpft. Von Ihnen wird erwartet, dass Sie aktiv an der Eingliederung in Arbeit mitwirken, Termine beim Jobcenter wahrnehmen und die Vereinbarungen einhalten, die Sie mit Ihrer Ansprechperson treffen. Dazu gehört, eine zumutbare Arbeit oder eine zumutbare Maßnahme aufzunehmen und nicht ohne wichtigen Grund abzubrechen. Auch die in der Eingliederungsvereinbarung festgehaltenen Schritte, etwa Bewerbungsbemühungen, zählen zu diesen Pflichten. Der rechtliche Rahmen dafür steht in den Paragrafen 31 und 32 des SGB II. Grundgedanke ist, dass die Leistung Ihren Lebensunterhalt sichert, Sie im Gegenzug aber an der Rückkehr in Arbeit mitwirken. Erfüllen Sie diese Erwartungen, drohen keine Kürzungen.

Was ist eine Pflichtverletzung?

Eine Pflichtverletzung liegt vor, wenn Sie eine dieser Pflichten ohne wichtigen Grund nicht erfüllen. Typische Beispiele sind die Ablehnung oder der Abbruch einer zumutbaren Arbeit, die Ablehnung oder der Abbruch einer zumutbaren Maßnahme sowie die Nichteinhaltung dessen, was in der Eingliederungsvereinbarung verabredet wurde. Wichtig ist der Zusatz "ohne wichtigen Grund": Können Sie nachvollziehbar erklären, warum Ihnen etwas nicht möglich war, ist das keine Pflichtverletzung. Das Jobcenter muss Sie außerdem vorher über die möglichen Folgen belehrt haben. Von der Pflichtverletzung zu unterscheiden ist das Meldeversäumnis, also der verpasste Termin - dafür gelten eigene, mildere Regeln, die weiter unten beschrieben sind.

Stufen und Höhe der Leistungsminderung

Bei einer Pflichtverletzung kürzt das Jobcenter den Regelbedarf gestuft. Die Minderung steigt in der Größenordnung von 10 über 20 bis 30 Prozent, wenn sich Pflichtverletzungen wiederholen. Die folgende Übersicht zeigt die typische Staffelung. Die konkreten Prozentsätze und die genaue Dauer im Einzelfall stehen in Ihrem Bescheid und lassen sich beim Jobcenter erfragen.

AnlassMinderung des Regelbedarfs (Größenordnung)
Erste Pflichtverletzungrund 10 %
Wiederholte Pflichtverletzungrund 20 %
Weitere Pflichtverletzungrund 30 %
Meldeversäumnis (verpasster Termin)rund 10 % (gesondert)

Die Minderung betrifft den Regelbedarf und ist zeitlich befristet. Maßgeblich ist immer der Bescheid in Ihrem konkreten Fall. Weitere Grundlagen finden Sie auf unseren Seiten zur Grundsicherung und zum Arbeitslosengeld 2.

Meldeversäumnis: verpasster Termin

Ein Meldeversäumnis liegt vor, wenn Sie einen Termin beim Jobcenter oder eine ärztliche oder psychologische Untersuchung ohne wichtigen Grund nicht wahrnehmen. Dafür gilt eine gesonderte, vergleichsweise geringe Minderung in der Größenordnung von rund 10 Prozent des Regelbedarfs. Der Unterschied zur Pflichtverletzung ist wichtig: Ein verpasster Termin wird milder behandelt als die Verweigerung einer zumutbaren Arbeit. Können Sie einen Termin nicht wahrnehmen, melden Sie sich möglichst vorher beim Jobcenter und holen den Termin nach. Ein nachgewiesener Grund, etwa eine Erkrankung, kann das Versäumnis entschuldigen.

Was nicht gemindert wird

Eine Leistungsminderung betrifft in der Regel den Regelbedarf, nicht jedoch die Kosten für Unterkunft und Heizung. Diese werden bei einer Sanktion üblicherweise nicht gekürzt, damit die Wohnung gesichert bleibt. Auch der Krankenversicherungsschutz bleibt bestehen. Wenn eine Kürzung Sie in eine besondere Härte bringt, sollten Sie das Jobcenter darauf ansprechen und Nachweise vorlegen. Was in Ihrem Fall gilt, entnehmen Sie dem Bescheid; im Zweifel fragen Sie direkt bei Ihrem Jobcenter nach.

Was die Reform 2026 geändert hat

Zum 1. Juli 2026 wurde die frühere Bezeichnung Bürgergeld durch den Begriff Grundsicherungsgeld abgelöst. Mit der Reform wurden die Sanktionen verschärft. Härtere Folgen gelten vor allem dann, wenn eine zumutbare Arbeit verweigert wird. Der Grundgedanke der gestuften Minderung bleibt bestehen, die Konsequenzen bei Verweigerung fallen jedoch spürbarer aus. Weil sich Regelungen ändern können, sollten Sie die für Ihren Fall aktuell geltenden Prozentsätze und Fristen immer anhand Ihres Bescheids und beim Jobcenter prüfen, statt sich auf allgemeine Angaben zu verlassen.

Widerspruch und wichtiger Grund

Halten Sie einen Bescheid über eine Leistungsminderung für falsch, können Sie Widerspruch einlegen. Die Frist beträgt in der Regel einen Monat ab Zugang des Bescheids. Der Widerspruch sollte schriftlich erfolgen und begründet sein. Zentral ist häufig der wichtige Grund: Konnten Sie eine Pflicht aus nachvollziehbaren Gründen nicht erfüllen - etwa wegen Krankheit, Betreuung von Angehörigen oder weil eine Arbeit tatsächlich nicht zumutbar war -, sollten Sie dies darlegen und belegen. Prüfen Sie außerdem, ob das Jobcenter Sie zuvor korrekt über die Folgen belehrt hat. Mehr zu verwandten Fällen lesen Sie auf unserer Seite zur Sperrzeit.

Wie Sie eine Sanktion vermeiden

Am einfachsten vermeiden Sie eine Leistungsminderung, indem Sie zuverlässig mitwirken. Nehmen Sie Termine wahr oder sagen Sie rechtzeitig ab, wenn ein Termin nicht möglich ist. Halten Sie die Absprachen aus der Eingliederungsvereinbarung ein und dokumentieren Sie Ihre Bewerbungsbemühungen. Reagieren Sie zeitnah auf Schreiben des Jobcenters und suchen Sie das Gespräch, wenn Sie eine Anforderung für nicht zumutbar halten, statt sie einfach zu ignorieren. Bewahren Sie Nachweise auf, etwa Krankmeldungen oder Absagen, damit Sie einen wichtigen Grund belegen können. Grundlagen zum Leistungssystem finden Sie auch unter Hartz IV und Arbeitslosengeld.

Häufige Fragen zu Sanktionen

Kann mir das gesamte Grundsicherungsgeld gestrichen werden?
Eine Leistungsminderung betrifft gestuft den Regelbedarf, in der Größenordnung von 10, 20 oder 30 Prozent. Die Kosten für Unterkunft und Heizung werden in der Regel nicht gekürzt. Die für Ihren Fall geltenden Werte stehen im Bescheid.
Was passiert, wenn ich einen Termin verpasse?
Ein Meldeversäumnis ohne wichtigen Grund führt zu einer gesonderten Minderung in der Größenordnung von rund 10 Prozent des Regelbedarfs. Melden Sie sich möglichst vorab beim Jobcenter und holen Sie den Termin nach.
Werden Miete und Heizkosten auch gekürzt?
In der Regel nicht. Die Leistungsminderung betrifft den Regelbedarf; die Kosten für Unterkunft und Heizung bleiben üblicherweise unberührt, damit die Wohnung gesichert ist.
Kann ich gegen eine Sanktion vorgehen?
Ja. Gegen den Bescheid können Sie in der Regel innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. Begründen Sie ihn und legen Sie Nachweise für einen wichtigen Grund vor.
Was gilt als wichtiger Grund?
Ein wichtiger Grund ist ein nachvollziehbarer Umstand, der Ihnen die Erfüllung der Pflicht unmöglich oder unzumutbar gemacht hat, etwa Krankheit oder die Betreuung Angehöriger. Er sollte belegbar sein.
Hat sich 2026 etwas geändert?
Ja. Seit dem 1. Juli 2026 heißt die Leistung Grundsicherungsgeld statt Bürgergeld. Die Sanktionen wurden verschärft, besonders bei der Verweigerung zumutbarer Arbeit. Aktuelle Details prüfen Sie im Bescheid und beim Jobcenter.

Quellen: Sozialgesetzbuch II (SGB II); Bundesagentur für Arbeit; Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Stand 2026. arbeitsamt.info ist ein unabhängiges Portal und kein amtliches Angebot.